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    Scheitern und/oder erfolgreich sein

    Hallo,

    ich versuche gerade mein "nicht bestanden" meiner Abschlußarbeit irgendwie gefühlsmäßig einzusortieren

    Das Gefühl des Scheiterns/Versagens in diesem Fall lässt andere Dinge die ich ebenfalls nicht erfolgreich auf die Reihe bekommen habe (wie z.B. meine Ehe) wieder hochkommen und die Gedanken kreisen um das Thema - wie "ich bin zu blöd für alles, Scheitern ist eine persönliche Niederlage und haftet wie ein Makel an einem, ich bin eben nur Mittelmaß und nichts besonderes und alle anderen sind alle besser als ich"
    Meine Kindheit/Erziehung ist geprägt durch: nur wer Leistung bringt wird geliebt und wertgeschätzt. Nun bin ich gescheitert und meine Leistung ist als nicht ausreichend bewertet worden ... ergo nehm ich das persönlich und fühle mich dadurch als nichts Wert. (Es ist nicht so das ich jetzt völlig zusammenbreche, aber ich hab doch ein paar Tränchen vergossen und fühle mich mies.)

    Für mich ist erfolgreich sein nicht unbedingt zwangsläufig mit einer gehobenen beruflichen Position verbunden, sondern mit dem Erreichen selbst gesteckter individueller Ziele. Ich bin also nicht erfolgreich in dem ich mein persönliches Ziel - den Abschluß meines Studiums geschafft habe.

    Momentan bin ich ziemlich traurig darüber und kraftlos, da ich das Gefühl habe die letzten Jahre in denen ich mich für das Studium eingesetzt habe sind für die Katz. Da ich aber schon fast 40 bin und Beruf und Familie habe, trifft es mich jetzt nicht so sehr als gescheiterten Lebensentwurf (beruflich gab es eine hausinterne Stelle die für mich vorgesehen war, wie das wird weiss ich nun auch nicht) - sondern mehr nur auf der persönlichen Ebene.

    Ist Scheitern wirklich schlimm oder gehört das dazu? Wie kriegt ihr das für euch hin das es eben nur ein Teil ist der gescheitert ist im Leben und ihr euch nicht als Globalschaden seht? das tue ich nämlich leider grad, ich zweifle grad sehr stark an mir und würde mich am liebsten irgendwo verkriechen :-(

    Wie geht ihr mit eigenem Scheitern um?

    Grüße
    Jasmintee

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    AW: Scheitern und/oder erfolgreich sein

    Liebe jasmintee,

    ich kann dir deine eigentliche Frage nicht beantworten. Bin selbst nicht sehr anspruchsvoll mir selbst gegenüber.

    Aber ich möchte dich mal drücken. Solch ein Abschluss eines langen Lebensabschnittes ist halt schon schöner, wenn er erfolreich war. Ich kann verstehen, dass dich das aus der Bahn wirft.

    Hättest du denn die Möglichkeit, nochmal zu wiederholen. Wobei so eine Abschlußarbeit sich nicht mal eben schreiben lässt. Aber ich finde es toll, dass du das mit Familie gepackt hast, unabhängig vom Ergebnis! Und dass du scheinbar fest im Sattel sitzt und jetzt nicht ein berufliches Loch vor dir hast. Das ist doch was wert!

    Mach dich nicht so abhängig davon, was andere denken und geschafft haben. Die einzige, die für dich zählt, bist alleine du! (Was dieses Thema betrifft)

  3. Inaktiver User

    AW: Scheitern und/oder erfolgreich sein

    Ich finde es wichtig zu schauen: Warum bist du gescheitert? Was kannst du daraus lernen?

    Ich kenne einige Menschen, die lange studiert und dann die Abschlussarbeit erst gar nicht fertig gekriegt haben. Diesen Schritt hast du getan. Woran lag es? Zu schwieriges Thema? Bist du an eine persönliche Grenze gestoßen? Hast du etwas falsch verstanden, nicht genug Fleiß reingesteckt? Hast du dich selbst überschätzt?

    Wenn es dir gelingt, aus dem Scheitern etwas zu lernen, bist du zwar an dieser Prüfung, aber nicht in der persönlichen Entwicklung gescheitert! Außerdem kannst du das Scheitern dann einordnen. Vielleicht bist du faul, oder du kannst dich sprachlich nicht optimal ausdrücken, oder du bist eher der Praktiker als der Theoretiker - aber das ist dann jeweils nur ein Aspekt deiner Persönlichkeit!

  4. Inaktiver User

    AW: Scheitern und/oder erfolgreich sein

    das ist natürlich sehr ärgerlich mit der abschlussarbeit, und ich würde auch schauen, ob sie sich wiederholen lässt.

    zur persönlichen verarbeitung: für mich ist wichtig klarzukriegen, warum ich gescheitert bin, was genau da schief gelaufen ist.
    an deiner stelle würde ich mich jetzt fragen, ob ich wirklich mit der arbeit überfordert war, oder ob ich schlechte rahmenbedingungen hatte, zu wenig zeit, keine betreuung dozentenseitig, unfair gestelltes thema o.ä.

    wenn ich zu dem schluss käme, dass es an mir lag: was genau hat nicht gepasst? kann ich mich schriftlich nicht ausdrücken? war mein zeitmanagement zu schlecht? wie bin ich mit problemen umgegangen, habe ich sie angepackt oder mich weggeduckt? warum habe ich mir nicht frühzeitiger hilfe gesucht?
    oder war ich schlicht und einfach inhaltlich überfordert, habe das thema nicht durchdrungen und nicht in worte fassen können, worum es geht...?

    für mich ist das wichtig, um zu erkennen, ob ich vielleicht etwas versucht habe, was gar nicht zu mir passt. ich habe nach mehrfachem scheitern in hierarchien z.b. mal für mich klargekriegt, dass meine konfliktfähigkeit zu wünschen übrig lässt. daraufhin habe ich aufgehört, mich in solchen strukturen zu versuchen und bin - recht erfolgreich - einen anderen weg gegangen.
    das scheitern konnte ich dann insofern gut verarbeiten, als ich einfach für mich sagen konnte, dass ich auf einem falschen weg war.

    ich glaube nämlich, man muss herausfinden, wo man mit seinen fähigkeiten gut aufgehoben ist.

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    AW: Scheitern und/oder erfolgreich sein

    Zitat Zitat von jasmintee Beitrag anzeigen
    Hallo,

    ich versuche gerade mein "nicht bestanden" meiner Abschlußarbeit irgendwie gefühlsmäßig einzusortieren

    Das Gefühl des Scheiterns/Versagens in diesem Fall lässt andere Dinge die ich ebenfalls nicht erfolgreich auf die Reihe bekommen habe (wie z.B. meine Ehe) wieder hochkommen und die Gedanken kreisen um das Thema - wie "ich bin zu blöd für alles, Scheitern ist eine persönliche Niederlage und haftet wie ein Makel an einem, ich bin eben nur Mittelmaß und nichts besonderes und alle anderen sind alle besser als ich"

    Ist Scheitern wirklich schlimm oder gehört das dazu? Wie kriegt ihr das für euch hin das es eben nur ein Teil ist der gescheitert ist im Leben und ihr euch nicht als Globalschaden seht? das tue ich nämlich leider grad, ich zweifle grad sehr stark an mir und würde mich am liebsten irgendwo verkriechen :-(
    Ich glaube, es ist normal, dass man nach einer Niederlage erst mal unten durch, traurig und vielleicht auch verzweifelt ist. Im Gegenteil, würdest du das einfach so mit einem Schulterzucken abschütteln, dann fände ich das ziemlich eigenartig. Lass dir deine Zeit, das Ganze zu sortieren, leck deine Wunden und du darfst dir auch mal kräftig leid tun.

    Und dann stehst du wieder auf und kannst das Ganze sortieren und dir neue Ziele suchen: hat es einen Einfluss auf deinen Lebensweg, welche Alternativen hast du, kannst du wiederholen, woran lag es. Was hat dir das Studium gebracht, auch wenn du keinen Abschluss hast. Welche neuen Erkenntnisse hast du gewonnen, wie haben die dich beeinflusst. Was kannst du vielleicht mit Hilfe der Dinge, die du im Studium gelernt hast Neues anfangen. Die Tatsache, dass du einen Abschluss nicht geschafft hast, sagt exakt nur das aus, es hat wenig bis keine Aussagekraft darüber, wer du als gesamter Mensch bist.

    Ja, Scheitern ist schlimm - für einen selber, es ist beschissen und es macht definitiv keinen Spaß, aber es gehört blöder Weise auch zum Leben. Kopf hoch, du kriegst das hin.

    Ich hoffe, das klingt nicht zu verschwurbelt.
    Geändert von schlumpsi (24.04.2015 um 10:03 Uhr)

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    AW: Scheitern und/oder erfolgreich sein

    Zitat Zitat von jasmintee Beitrag anzeigen
    Ist Scheitern wirklich schlimm oder gehört das dazu? Wie kriegt ihr das für euch hin das es eben nur ein Teil ist der gescheitert ist im Leben und ihr euch nicht als Globalschaden seht? das tue ich nämlich leider grad, ich zweifle grad sehr stark an mir und würde mich am liebsten irgendwo verkriechen :-(

    Wie geht ihr mit eigenem Scheitern um?
    Wenn man ehrlich ist, scheitert man doch öfter als man Erfolg hat, zumindest wenn man nicht einfach nur in der Ecke sitzt und wartet, dass die Zeit vergeht.
    Du hast etwas sehr Anspruchsvolles angefangen und hast einen - wenn auch leider sehr entscheidenden - Schritt davon nicht geschafft. Jetzt zählt alles was du bis dahin erreicht hast, auch in deiner Persönlichkeitsentwicklung, nichts mehr?
    Das ist eine falsche Herangehensweise, eine typisch deutsche (nur der Abschluss zählt) und typisch deutsch ist wohl auch, sich nach dem Scheitern selbst komplett infrage zu stellen. In Amerika ist Scheitern etwas Normales, darum ist man da wohl etwas risikofreudiger.

    Ich kenne das Scheitern, wie jeder, der überhaupt etwas wagt. Wer nichts wagt, kann auch nicht scheitern, oder scheitert so jemand nicht vielmehr ständig?

    Z.Z. ist es kein aktuelles Thema bei mir, aber ich lese gerade ein Sonderheft des Spiegel dazu, weil ich das Thema immer relevant und interessant finde. Habe das auf die Schnelle nicht gefunden, dafür aber diesen Link http://www.spiegel - de/thema/schoener_scheitern_karrierespiegel/
    (Ich habe ihn "entlinkt", weil es da ja Werbung gibt. Du musst ihn bei spiegel.de reparieren)
    Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)

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    AW: Scheitern und/oder erfolgreich sein

    Es ist aergerlich, eine Abschlussarbeit zu versauen, aber sei s drum, ist schon vielen passiert, mir auch!

    Aergere dich ausgiebig, dann mache einen neuen Versuch.

    Wenn ich jedesmal im Leben aufgebeben haette, wenn was schief oder gar nicht laeuft, dann waer ich noch auf dem Stand von vor 50 Jahren oder meine Kinder wuerden als Erwachsene noch nicht reden koennen oder Windeln tragen.

    Erkundige dich, wie du wiederholen kannst, und dann los!
    Liebe Gruesse aus dem sonnigen Sueden
    Youtas

    Das Schönste an mir bin ich.

  8. Inaktiver User

    AW: Scheitern und/oder erfolgreich sein

    Hallo Jasmintee,

    allem, was meine Vorschreiberinnen gesagt haben, möchte ich mich erst einmal anschließen. Die Abschlussarbeit nach einem mehrjährigen Studium nicht bestanden zu haben, ist wirklich Mist, und wenn möglich solltest du sie wiederholen, wenn es nicht zu aufwendig ist.

    Aber:
    Nach meiner Erfahrung gibt es durchaus positive Aspekte des Scheiterns, nur zeigen diese sich meist mit geraumer Verzögerung. Wie ambiva sagte, können es Hinweise sein, dass etwas nicht gepasst hat, nicht zu dir gepasst hat. Im Nachhinein bin ich z.B. sehr froh darüber, dass ich manche Jobs, die ich unbedingt wollte (von Beziehungen ganz zu schweigen... ), nicht bekommen habe, weil ich inzwischen weiß, dass sie für mich "falsch" gewesen wären. Manchmal strengt man sich nämlich für etwas an, weil es "vernünftig" scheint oder fürs Ego toll wäre oder... oder..., aber wenig mit den eigenen tatsächlichen Bedürfnissen zu tun hat.

    Ich betrachte meine diversen "Scheitereien" der letzten zehn Jahre mittlerweile mit einem amüsierten Lächeln. Amüsiert über mich selbst, wie ich damals zu sein glaubte und was ich zu werden für erstrebenswert hielt. Es hat mich wo ganz anders hin verschlagen als geplant - räumlich, beruflich, beziehungsmäßig, familiär - und ich bin glücklicher und viel näher an mir dran als je zuvor. Ja, ich bin durchaus erfolgreich, nur eben auf ganz anderen Gebieten/Branchen, von denen ich nicht im Traum gedacht hätte, dass ich dort Talente und Fähigkeiten habe.

    Ich verstehe, dass manche Menschen mit meiner Sichtweise nichts anfangen können bzw. sie für fatalistisch halten, aber ich glaube, die Seele hat ihren eigenen Weg und sabotiert erfolgreich, was das Ego einem mit aller Macht aufzwingen will. Mich auch mal vom Leben führen zu lassen statt immer alles selbst bestimmen zu wollen ist für mich ein großer Gewinn an Freiheit und Gelassenheit.

    Und das hätte ich ohne Scheitern nie erfahren.

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    AW: Scheitern und/oder erfolgreich sein

    Zitat Zitat von jasmintee Beitrag anzeigen
    Wie geht ihr mit eigenem Scheitern um?
    Ich mache weiter.

    Wie ist das bei dir? Kannst du die Prüfung wiederholen? Ich nutze immer alle Chancen, lasse nichts verstreichen.

    Ich kenne das aber von Mitschülern meiner Fobi, dass diese nach der ersten oder zweiten Prüfung aufgaben. Das verstehe ich nicht. Ich bestehe auch nicht alles auf Anhieb und bin stolz auf mein Durchhaltevermögen. Im Berufsleben bin ich dadurch auch weniger oberflächlich wie andere, denen alles zufällt. Das ist also sogar eine Stärke, von der Unternehmen profitieren.
    Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft.

  10. User Info Menu

    AW: Scheitern und/oder erfolgreich sein

    @ Wilhelma: Super geschrieben, ich schließe mich vollumfänglich an.

    Ergänzen möchte ich noch: Es ist normal, Jasmintee, dass du dich jetzt gerade schwer getroffen fühlst. Wie auch immer, aber du musst deine weitere Planung neu sortieren. Mir fällt aber außerdem auf, dass du dein Scheitern direkt in den Zusammenhang mit anderen Bereichen gestellt hast, in denen du gescheitert bist. Und du hast anscheinend schon früh anerzogen bekommen, dass du nur giltst, wenn du Leistung bringst. All das würde ich mal hinterfragen. Dieser "Glaubenssatz" lässt einem das Leben nämlich wie eine Abfolge an Prüfungen sehen, so wie du ja auch schreibst "Kein Erfolg in der Ehe gehabt". Ne, das Leben ist kein Leistungskatalog.

    Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass Menschen sich für ihr Scheitern schämen und deswegen kaum darüber sprechen. Das hinterlässt schon mal das Gefühl, dass man der einzige Mensch global ist, der Mist baut. Aber Menschen scheitern. Täglich und in allen Bereichen. Du bist damit nicht allein und es ist kein Hinweis auf Lebensuntauglichkeit, dass du gescheitert bist. Auch wenn es sich jetzt gerade so anfühlt.

    Es gibt diesen schönen Spruch "Aufstehen, Krone richten, weiter gehen". Schau, ob du eine Kurskorrektur (persönlich, beruflich, was auch immer) vornehmen musst. Aber nichts von dem, was geschehen ist, hat etwas mit dir und deinem Wert als Mensch zu tun. Absolut nichts!

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