Ich habe in letzter Zeit gleich zwei Stränge gelesen, die meinem Weltbild sehr widersprechen.
Das eine waren die diversen Impfstränge, gibt es ja pro und kontra, es gabe einige die waren sehr pro, andere sehr kontra und ein paar irgendwo dazwischen.
Das zweite war ein weiterer allgemeiner medizinischer Strang, wo die Meinungen über eine bestimmte These - naja auseinandergingen auch, eine kleine Gruppe vertrat eine meiner Ansicht nach sehr extreme These, eine größere hielt dagegen.
Jedenfalls stellte ich bei beiden Strängen fest, dass es wohl durchaus Teile (nicht mal unbedingt so kleine) der Bevölkerung gibt, deren Weltbild sich nicht unbedingt aus den Naturwissenschaften stützt - das soll keine Wertung sein, es ist mir nur aufgefallen.
Andererseits ist mir zumindest hier noch niemand begegnet, der vertreten würde, dass die Erde flach ist (obwohl es auch die wohl in kleiner Zahl gibt).
Was mich daher interessiert:
Wonach entscheidet sich, welche Thesen es ins Allgemeinwissen schaffen (Erde rund)?
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04.04.2015, 14:03
Wie konstruiert sich Wirklichkeit?
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04.04.2015, 14:15Inaktiver User
AW: Wie konstruiert sich Wirklichkeit?
Es gibt auch Menschen, die an die Hohlwelttheorie glauben. Für die ist die Erde nicht rund (jedenfalls nicht so, wie man gemeinhin glaubt).
Für fast jedes Allgemeinwissen gibt es Menschen, die zweifeln oder von was anderem überzeugt sind. Je nach Ansicht sind das einzelne Spinner, geniale Visionäre oder auch die stupide Masse, die jeden Quatsch glaubt.
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04.04.2015, 14:34Inaktiver User
AW: Wie konstruiert sich Wirklichkeit?
Die Wissenschaftsgemeinde hat sich irgendwann einmal darauf geeinigt, dass es überhaupt eine objektive Wirklichkeit gibt. Ansonsten könnte man ja alles, auch das eigene Dasein, nur als subjektives Konstrukt auffassen.
Wenn man jetzt eine Hypothese aufstellt (die Erde ist eine Scheibe), dann geht man hin und testet diese Hypothese, bis sie entweder verifiziert ist (also wahr ist) oder falsifiziert ist (also falsch ist).
Man testet dann solange, bis sich die Wahrheit immer mehr herauskristallisiert. Das nennt man Empirismus.
Subjektive Wahrnehmung hat leider nicht immer was mit objektivem Empirismus zu tun. Und wo viele Menschen aufeinander treffen, gibt es eine große Gemengelage an "Wahrheiten". Es macht daher immer Sinn, sich an die Fakten zu halten.Geändert von Inaktiver User (04.04.2015 um 14:39 Uhr)
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04.04.2015, 14:36
AW: Wie konstruiert sich Wirklichkeit?
Es liegt wohl hauptsächlich am Elternhaus. Wenn die Eltern sehr verbohrt sind (religiös, politisch, medizinisch...) und irgend einen Unsinn glauben und in der Erziehung weitergeben, dann glaubt es das Kind auch. Bleibt ihm ja in den ersten Jahren nichts anderes übrig.
Und wenn es in der Schule auf andere Theorien, z.B. Evolution vs. Artenkonstanz, trifft, dann lernt es die um nicht sitzen zu bleiben. Glaubt aber zumeist trotzdem weiter, dass Gott die Welt in 7 Tagen erschaffen hat und dass schon damals alles genau so war wie heute.
Mein Bio-LK-Lehrer erzählte mal von so einem Fall. Der sei ein 1er-Kandidat in Bio gewesen, auf allen Gebieten, habe ihm aber gesagt, dass er das mit der Evolution für eine Lüge halte, weil schließlich Gott damals in 7 Tagen...Wer Unsinn hören und glauben will, der wird auch Unsinn zu hören bekommen.
Cave: Meine Beiträge könnten Spuren von Ironie enthalten!
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04.04.2015, 14:41
AW: Wie konstruiert sich Wirklichkeit?
Das ist die Frage.
Was macht "Gott hat die Welt in 7 Tagen erschaffen" unsinniger als "Impfen ist ok" oder "Impfen ist nicht ok"?
Selbst bei Sachen, die man empirisch nachprüfen KANN (geht beim Impfen erheblich einfacher als bei der Erschaffung der Welt) machen das bestimmt über 99% der Menschheit nicht in jedem Fall persönlich.
Man liest, was irgendwer anders geprüft hat und glaubt das dann (oder auch nicht), oder man glaubt vielleicht auch, was irgendwer anders behauptet ohne geprüft zu haben oder was zwar geprüft wurde, aber nicht mit wissenschaftlichen Methoden, weil man schon die wissenschaftlichen Methoden nicht glaubt.
Wonach entscheidet sich, was sich durchsetzt?
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04.04.2015, 14:53Inaktiver User
AW: Wie konstruiert sich Wirklichkeit?
Häufig durch Erfahrung und Erkenntnis. Ein Kind wird sich wohl nur selten freiwillig impfen lassen, weil es nicht erfahren hat und nicht erkennen kann, was passieren könnte. Ein Erwachsener kann abschätzen (persönliche Erfahrung, Statistik etc.), welche Risiken entstehen, wenn nicht geimpft wird bzw. welche Risiken durch die Impfung entstehen kann. Das konträre Wissen wird dann verglichen und danach entschieden.
Bei dem 7-Tage-Erschaffungsbeispiel ist es allerdings anders. Da wird die Idee von Wirklichkeit auf alle Erfahrungen und Erkenntnisse draufgesetzt. Erfahrungen und Wahrnehmungen werden nur unter dieser Voraussetzung beurteilt und eingeordnet. Ist im Prinzip eine vereinfachte Wirklichkeit, weil sie sich nicht ändern kann.
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04.04.2015, 14:58
AW: Wie konstruiert sich Wirklichkeit?
Das ist doch beim Impfen und aktuell bei medizinischen Behandlungen auch nicht anders - wer kann das Risiko denn schon wirklich abschätzen?
Die Entscheidung pro/kontra fällt doch oft nicht nach eigenem Wissen sondern nach vorhandenem oder nicht vorhandenem Vertrauen zum Kinderarzt.
Die Frage war auch eher, was setzt sich gesellschaftlich durch, nicht für den einzelnen.
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04.04.2015, 15:07
AW: Wie konstruiert sich Wirklichkeit?
Eine Verifikation gibt es in der Naturwissenschaft nicht, so weit ich das überblicke.
Du kennst nicht alle möglichen Szenarien, Vorkommnisse, jetzt und in der Vergangenheit, im ganzen Universum kennen.
Daher ist hier nur ggf. eine Falsifizierung möglich.
Eine wissenschaftliche These ist eine Beschreibung eines beobachteten Phänomens.
Du kannst z.B. eine Sonnenfinsternis durch eine übergeordnete Macht, Zauber erklären.
Wenn sich nun Erklärungen finden (Mondscheibe bedeckt die Sonnenscheibe, zufällig gleiche scheinbare Größe am Himmel, etc.) die das Phänomen auch z.B. vorhersagbar machen, dann ist diese Erklärung für die meisten Menschen, die, die sich durchsetzt, sie ist plausibler für viele Menschen.
Das dauert, vieles was in früheren wissenschaftlichen Werken State of the art war, ist heute widerlegt und wird teilweise als ausgemachter Blödsinn angesehen.
So wird es auch heutigen wissenschaftlichen Theorien gehen, die Zeit wird zeigen, was sich letztendlich durchsetzt, also besteht.
Du kannst auch einen Schritt weiter gehen: Menschen erklären Phänomene mit Menschengehirnen. Wie würde eine andere Lebensform diese erklären.
Wahrheit ist natürlich auch ein philosophisches Konstrukt. Es gibt keine Instanz, die festlegt, was wahr ist.
Wozu sollte es sonst wissenschaftliche Kongresse geben: hier werden Beobachtungen und dazugehörige Erklärungen zur Diskussion gestellt, da andere Wissenschaftler die gleiche Beobachtung anders erklären.
Saetien, bist Du nicht Naturwissenschaftlerin?
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04.04.2015, 15:15Inaktiver User
AW: Wie konstruiert sich Wirklichkeit?
Wie willst du das denn trennen?
Nehme mal die Idee der Selbstoptimierung. Pionier war in den späten 1920ern ein Deutscher namens Grossmann. An dieser Idee und Weltsicht zeigt sich eigentlich ganz gut, wie aus einem Konstrukt über Jahrzehnte ein gesellschaftliches Phänomen werden kann, das sowohl das Private als auch das Öffebtliche recht gut im Griff hat.
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04.04.2015, 15:35Inaktiver User
AW: Wie konstruiert sich Wirklichkeit?
Naja, man kann in zahllosen Studien nachweisen, dass Horoskope Unsinn sind, und trotzdem gibt es kaum eine Frauenzeitschrift ohne Horoskop. Und gelesen werden die Dinger auch.
Die verbreitete Weltsicht ist eine Mischung aus Empirie, wissenschaftlicher Erkenntnis, Tradiertem und gut verkäuflich Mythologischem, plus jeweils noch einem individuellen Anteil. So würde ich das sehen.


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