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Thema: Erinnerungen
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04.04.2015, 12:15Inaktiver User
AW: Erinnerungen
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04.04.2015, 12:21
AW: Erinnerungen
ich habe vor einigen Jahren mal irgendwo gekochte Gerste (Brei, Suppe, keine Ahnung) gerochen und dachte schlagartig an meinen Kindergarten. Ich bin sicher, dass es das da zum Futtern gab. Auch bei bestimmten Fertigfuttergerichten erinnert mich der Geruch an meinen Kindergarten.
Wenn ich in meiner Geburtsecke bin, dann sind es das Licht, Gerüche und die Landschaft, die auf mich wirken. Weniger mit konkreten Bildern sondern mehr mit Emotionen, die nicht mehr in die aktuelle Zeit gehören.
Viele Erinnerungen gehen jedoch zurück auf Fotos, Gegenstände u.ä., an manche Sachen kann ich mich noch gefühlsmäßig erinnern, andere Erinnerungen wären jedoch ohne die Fotos schon längst verschollen, vermutlich die meisten. Genauso geht es mir mit Erlebnissen, die meine Schwestern erzählen. Manches weiss ich selber noch, aber an vieles erinnere ich mich erst durch deren Erinnerungen wieder.
Grundsätzlich bin ich ein Mensch, der vieles "vergisst", das in der Vergangenheit liegt. Das geht mir auch mit späteren Lebensabschnitten so. Wenn ich daran dann wieder erinnert werde, fühlen die sich an, als wären sie Teile eines anderen Lebens, so weit weg ist das alles dann von mir. Aber das ist vielleicht normal, wenn man Wechsel und Brüche im Leben hat, keine Ahnung.
Ich habe mich lange absichtlich nicht mehr zurück an meine Kindheit erinnert, weil es mir zu schmerzhaft war, dieses Dauergefühl von Unsichtbarsein, innerer Einsamkeit und Melancholie. Es muss also nicht gleich immer Missbrauch sein, wenn die Schublade klemmt. Es sind meist wohl eher Dinge, die wir heute als Erwachsene als harmlos ansehen, es aber damals warum auch immer anders erlebt haben.
Irgendwann in den 30ern war ich mal wieder in den Bergen und habe da einen anderen Aspekt meiner Kindheit wieder gefunden, eine Art Vertrautheit zu der Gegend, die mir Trost und Geborgenheit gibt. Das scheint eine sehr unverfälschte Prägung aus meiner Kindheit zu sein, die mir heute sehr hilft, da ich darin einen Anker für mich gefunden habe.
Grundsätzlich bin ich anscheinend eher ein Mensch, der sich diffus und hauptsächlich auf seelisch-emotionaler Ebene erinnert und weniger in konkreten Bildern.Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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04.04.2015, 12:27Inaktiver User
AW: Erinnerungen
Diese spontanen Bilder, die in einem hochkommen, sind meist noch sehr unverfälschte Erinnerungen-jedenfalls war das bei mir immer so.
Man überschreibt ja gerne auch mal sein Gedächtnis-wie war das: Nicht die Erinnerung formt das Gehirn, sondern das Gehirn die Erinnerung
Da gab es auch immer wieder mal Tests dazu-man zeige jemandem ein gefaketes Foto, auf dem man als Kind auf einem Elefanten sitzt. Einen Tag später haben die Hälfte der Personen die Fakten, die ihnen zum Foto erzählt wurden, ausgeschmückt und können sich "erinnern". Dein Gehirn lässt das halt einfach nicht zu, ist ja auch was Schönes-deswegen kannst du dich wahrscheinlich darauf verlassen, dass hochkommende Bilder noch unverfälscht sind (deshalb sind es auch mehr so "Fetzen").
Eine Möglichkeit, etwas in einem zu bewegen: Wenn du ein Foto betrachtest, und von selbst danach ein Gefühl hochkommt, egal was für eins: Einfach nicht nachdenken, weiter entspannen-da könnte dann zB ein Satz hochkommen, der dieses Gefühl ausgelöst hat usw.
Naja, und dann kannst du versuchen, diese Erinnerung zu überprüfen, indem du irgendwo nachfragst.
Kann sein, dass du irgendwas in deiner Jugend und Kindheit furchtbar fandest und deshalb alles viel weiter nach hinten gedrängt hast, als den Rest deines Lebens. Aber das ist Spekulation und wenn du keinerlei Anhaltspunkt für so etwas hast: Nein, dann mach dich damit nicht verrückt
Es gibt da die unterschiedlichsten Ausprägungen: Manche haben ein total umfangreiches Erinnerungsvermögen, wieder andere haben kleine Situationen im Kopf, die dann aber weit vor dem 3. Lebensjahr liegen-vor dieser Zeit haben die Meisten wiederum eher schlechte Karten, viel zu erinnern.
Über die Zeit vor dem Kindergarten habe ich nur so einzelne Bilder im Kopf. Danach kann ich mich immer wieder schwammig an Einschulung etc. erinnern-war aber viel zu verträumt, um da mehr als ein Gefühl wie unter einer Glasglocke zu haben
Am Besten erinnere ich mich an die zig Spielausflüge mit Freunden, weil das so eine generelle Erinnerung ist an Dinge, die sich immer wieder wiederholt haben. Ja, und natürlich, wenn ich mich besonders mies gefühlt habe oder mich jemand "verraten" hat.
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04.04.2015, 12:42Inaktiver User
AW: Erinnerungen
Twix, kannst Du Dich denn an gar nichts mehr erinnern? Zum Beispiel in welcher Ecke bei Euch zu Hause immer der Weihnachtsbaum stand, an Dein schönstes Geschenk? Gab es ein Ritual, das sich immer wiederholte oder war es jedes Jahr anders? Kam Besuch? Oder seid Ihr jemanden besuchen gefahren? Der Geruch in der Schule und in der Turnhalle? Der Geruch von Kreide auf der nassen Tafel? Gar nichts?
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04.04.2015, 13:00Inaktiver User
AW: Erinnerungen
Hallo twix,
das Thema finde ich so interessant, dass ich mich angemeldet habe. Folgendes Buch möchte ich empfehlen:
"Das Buch des Vergessens: Warum Träume so schnell verloren gehen und Erinnerungen sich ständig verändern", der Autor ist Douwe Draaisma (Professor für Psychologiegeschichte an der Universität Groningen. Für seine Leistungen auf dem Gebiet der Gedächtnisforschung erhielt er 1999 den Heymanspreis).
Das Buch ist kein medizinisches Fachbuch im eigentlichen Sinn sondern ist sehr spannend geschrieben und einige Zusammenhänge werden dort gut aufgezeigt.
Das mit den fehlenden Fotos ist natürlich traurig, aber andererseits entsteht durch Fotos oft auch eine Art "falsches Gedächtnis". Wir meinen uns an Ereignisse in der Kindheit zurückzuerinnern und in Wirklichkeit basiert die Erinnerung lediglich auf das Bild und was sich unser Gehirn im Nachhinein dazu zusammengereimt hat.
Ich glaub meine früheste Kindheitserinnerung, ist so mit 4 Jahren.
Wenn Du sonst keine neurologischen Probleme hast, dann kann es möglicherweise einen bestimmten Grund geben, dass Du vieles Deiner Kindheit vergessen hast. Das kann aber bestimmt auch wieder hervorgeholt werden. Zu den Methoden am besten mal Fachleute (Neurologen, Psychologen) befragen.
Alles Gute!
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04.04.2015, 13:34Inaktiver User
AW: Erinnerungen
Dieser Gedanke kam mir auch als ich Dein EP gelesen habe. Oder vielleicht an ein anderes traumatisches Erlebnis.
Erinnerungen werden ja auch dadurch aufrecht erhalten, indem man hin und wieder im Familienkreis über frühere Zeiten spricht... "weißt du noch, damals, als xy in voller Montur in die Jauchekuhle gefallen ist" z.B. Und dann kommt eins zum anderen, und es kommen immer mehr Erinnerungen hoch.
Ich kann mich an vieles aus meiner frühesten Kindheit erinnern.
Dann liessen sich meine Eltern scheiden und meine Mutter hat wieder geheiratet. Das war ein Prozess, der sich natürlich über einen sehr langen Zeitraum hinzog, der für alle Beteiligten nicht sehr schön war.
Trotz Fotos aus der Zeit, habe ich daran keinerlei Erinnerung. Als ich Kind war, wurde über diese Zeit im Familienkreis nie gesprochen. Meine Erinnerungen setzen erst wieder ein als in die Schule kam - wobei die ersten zwei Jahre auch sehr verschwommen sind.
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04.04.2015, 14:29
AW: Erinnerungen
Ich kann mich an einzelne einschneidende Erlebnisse erinnern, z. B als mein Bruder geboren wurde. Meine Oma und ich warteten vorm Haus und meine Mutter kam mit einem Taxi (?), meinen Bruder in einem Kissen (?)im Arm und ich habe mich sehr gefreut.
Eine weitere Erinnerung, eine schöne Überraschung, ist aich als Bild vorhanden. Ich sehe mich im Garten meiner Oma und ich bin so groß wie der Phlox
Sonst an ein paar Erlebnisse im Kindergarten, Einschulung. Von er Schulzeit an an sehr viele Dinge.
Von meiner Mutter werde ich immer gefragt" Du musst dich doch noch daran erinnern...." nein, habe ich vergessen.
Gestern traf ich eine Freundin aus Schulzeiten. Die erzählte mir, wie toll sie es gefunden hatte, dass wir immer unsere Frühstücksbrote getauscht hätten. Ich hätte immer so leckeren Käse auf dem Brot gehabt und auch richtig dick geschnitten und ich hätte mich immer über ihre Wurstbote gefreut. ????? Das ich immer dick Käse auf dem Brot hatte stimmt, auch,dass ich ihn oft nicht mehr sehen konnte,wir saßen an der Quelle
aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich Wurstbrote gegessen habe?
Mein Mann hatte Speck angebraten und sofort kam die Erinnerung an Oma's Küche wieder hoch.
Ebenso bei einer CD, die ich neulich geschenkt bekam: mit den Klängen einer der ersten CDs der Skorpions fühlte ich mich wieder wie 1981
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04.04.2015, 14:48Inaktiver User
AW: Erinnerungen
Au ja, Musik ist auch manchmal ein guter Anknüpfungspunkt. In der 5. Klasse hatten wir einen Klassenlehrer, der mit uns immer "Die güldne Sonne" mit uns gesungen hat, wenn die Sonne schien. Wenn ich nur an das Lied denke, sehe ich noch die Staubpartikelchen in der Luft vor dem Fenster vor mir schweben, die die Sonnenstrahlen reflektierten.
Bei dem Lied "In the year 2525" denk ich immer an eine wilde Karussellfahrt mit meinem Vater
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04.04.2015, 15:14
AW: Erinnerungen
Heute weiß ich manchmal nicht, was "eben" war

Wie gesagt: ab 13 ca weiß ich noch ganz viel oder kann im Gedächnis kramen und auch was zusammenpuzzeln
Noch sehr viel darüber, wer wann mal was gesagt/getan hat - ob es 1 Jahr oder 35 her ist.
Aber unter 12 hatte ich " keinen Tannenbaum, keine Einschulung, Freunde, Essen, Geburtstage......."
Meine Kindheit mag vielleicht nicht geprägt sein von sex.Mißbrauch oder Dauerohrfeigen, aber es war schon nicht leicht, meiner Eltern Kind zu sein
Hmm...ob es daran liegt?Es wird Zeit für eine neue Signatur
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04.04.2015, 17:26Inaktiver User



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