Ich vermute, dass die meisten Menschen von Natur aus eher glücklich sind. Ich bin es von Natur aus.
Allerdings trifft es bei mir genau das, was Du, Amelie63, über mir in Deinem Beitrag schreibst.
Bei mir ist es so, dass ich durch meine Lebensverhältnisse (arbeitsmäßig nach Hartz4 in einer zeitbegrenzten harten körperlichen Tätigkeit) eine schwere Glückstrübung habe. Mit 57 ist das keine Kleinigkeit. Ich kann mich jedoch an vielen kleinen Dingen erfreuen. Und bin vom Grunde her hoffnungsvoll.
Eine gute und befriedigende Arbeit - ich bin die meiste Zeit meines Lebens in einem tollen Beruf freiberuflich gewesen - macht doch viel fürs Glückempfinden aus.
Musik, Musik! Einerseits eine Quälerei und andererseits mein großes Glück, das ich auch mit anderen Menschen aktiv teile.
Und meine Kunst!
Ich finde, es ist leichter glücklich zu sein, wenn die Beziehungen zu Verwandten, Freunden, Kollegen ... im Lot sind - weswegen ich darauf achte und das tut uns allen gut.
Meine Kinder haben eher ein Leben in Sorgen mit ihrer Mutter gehabt - wenn ich nochmal auf die Welt komme, werde ich meine Ehe mit einem Kindsvater glücklicher gestalten. Wir waren beide dumm damals.
Heute werde ich jedenfalls glücklich mit zwei Freundinnen (und Chormitsängerinnen) zu Märzenbechern wandern (in meinem frischgeputzten und betanktem Auto - heheh!) und abends gehe ich mit Begleitung in ein Kammermusikkonzert - auf dem einer meiner Untermieter spielt.
Deswegen werde ich heute glücklich sein, gleich, was morgen kommt
Ich habe in meiner Kindheit sehr starke Glückserfahrungen gemacht, mit sehr engagierten und privilegierten (das alles auch selbst mit erarbeitet) Eltern, in einem idyllischen Haus mit Garten und viel Hausmusik. Allerdings auch mit viel Lästerei und Überheblichkeit im Elternhaus, weswegen ich starke Panikanfälle bei Lästerei entwickle. Ich sage immer: "Ein bisschen ist menschlisch, passiert wohl jedem, aber es sollte die Ausnahme bleiben."
@ maryquitecontrary,
ich bin mal neugierig, hat es denn da einen besonderen Anlass gegeben oder kam es so nach und nach?
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22.03.2015, 07:52Inaktiver User
AW: Was ist leichter- glücklich oder unglücklich sein?
Geändert von Inaktiver User (22.03.2015 um 08:23 Uhr)
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22.03.2015, 08:14
AW: Was ist leichter- glücklich oder unglücklich sein?
ich kenne es ähnlich, herbstblatt. Bei mir ist es vorbei mit dem Glück, wenn für mich elementare Grundbedürfnisse erschüttert werden, z.B. das Bedürfnis nach Sicherheit und die Grundbedürfnisse der materiellen Existenz (Dach übern Kopp, Essen). Da hilft auch kein Nachrichten gucken, auch nicht das Wissen, dass es den Leuten in Afrika noch schlechter geht.
Ich weiss nicht, ob es ein Mindestmaß an Wohlstand braucht, um Glück und Grundvertrauen ins Leben empfinden zu können. Wenn, dann ist das vermutlich kulturell gekoppelt, d.h. sind wir auf einem Wohlstandslevel, der uns noch als Teil der Gesellschaft empfinden lässt? Denn wenn das davon losgelöst wäre, dann gäbe es in ärmeren Ländern keine glücklichen Menschen. Die gibts da aber mindestens genauso.
Es gibt aber vermutlich auch ein Elend, unter dessen Grenze die Frage nach Glück keine Rolle mehr spielt. Ein Stück weit halte ich diese Frage schon für eine priviligierte Frage, zu der es einen gewissen Stand einer Gesellschaft braucht. Unter einer gewissen Grenze gehts nämlich schlicht und einfach ums Überleben. Ich glaube nicht, dass sich da die Frage nach Glück stellt. Die hat sich bei mir schon nicht mehr gestellt, als ich meine Existenz und mein Sicherheitsgefühl durch die Behördenwillkür im HartzIV erschüttert wurde. Dadurch hab ich nachhaltig bis heute einen an der Klatsche. Vielleicht bin ich auch zu weichlich, keine Ahnung.Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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22.03.2015, 08:24Inaktiver User
AW: Was ist leichter- glücklich oder unglücklich sein?
Ich gehöre auch zu den Menschen mit der positiven Grundeinstellung. Ich kann gar nicht lange mies drauf sein. Einerseits gehe ich mir selber auf die Nerven, wenn ich schlechte Laune habe, so dass ich es schon aus diesem Grund nicht lange aushalte, andererseits gibt es so viele tolle Sachen, über die ich mich freue und die mich glücklich machen, dass die schönen Sachen - egal, was sonst passiert - wirkliche Schicksalsschläge mal ausgenommen - einfach immer überwiegen.
Außerdem habe ich seit einigen Jahren das Gefühl, angekommen zu sein. Persönlich schon länger und nun auch beruflich. Mit "angekommen sein" meine ich nicht, dass sich nichts mehr verändern kann, sondern, dass ich mit meinen Werten und Bedürfnissen eins bin. Da crasht sich nichts (mehr).
Deshalb meine persönliche Antwort auf diese Frage: Mir fällt es wesentlich leichter, glücklich zu sein. Um unglücklich zu sein, müsste ich mich sehr anstrengen und es würde nicht lange "funktionieren".
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22.03.2015, 08:53Inaktiver User
AW: Was ist leichter- glücklich oder unglücklich sein?
Mir fiel spontan die Antrittsrede von Nelson Mandela 1994 ein.
"Unsere größte Angst ist nicht, unzulänglich zu sein.
Unsere größte Angst ist, grenzenlos mächtig zu sein.
Unser Licht, nicht unsere Dunkelheit ängstigt uns am meisten.
.........
........."
Der gesamte Text lässt sich nachlesen.
Glücklich bin ich nur in wenigen Momenten. Das sind die Highlights im Leben. Zufriedenheit ist nicht so hoch angesetzt, machbarer, leichter zu erreichen, so scheint es mir und daran muss ich für mich persönlich immer wieder arbeiten.
Da Ängste in allen Menschen eine mehr oder minder große Rolle spielen und die Wenigsten mit einem Urvertrauen gesegnet sind, schlagen sich viele Menschen mit Sorgen herum. Die Persönlichkeit, die Prägungen aus der Herkunftsfamilie spielen ebenso eine Rolle, wie die eigene Definition von Glück. In erlernten Mustern, Denk-und Sichweisen zu verharren, Verantwortung abzugeben, ist leichter als neue Wege zu beschreiten die mit Risiken und Ängsten verbunden sind aber die Chance auf "Glück" bieten.Geändert von Inaktiver User (22.03.2015 um 09:45 Uhr) Grund: Korrigiert
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22.03.2015, 09:00Inaktiver User
AW: Was ist leichter- glücklich oder unglücklich sein?
Ja, Nelson Mandela konnte da gut reden ... wie auch immer: Vielleicht hat er es gesagt, um sich in der Dunkelheit Mut zuzusprechen. Das vermute ich jetzt.
Meine größte Angst ist es jedenfalls, unzulänglich zu sein.
Wobei ich zugeben muss, in ganz finsteren Stunden manchmal daran zu denken, dass Nelson Mandela in Einzelhaft 30 Jahre durchgehalten und immer Sport getrieben hat, dabei unbeugsam blieb - und da werde ich wohl noch ein wenig durchhalten

@ Amelie63,
ich hatte das mal von Dir gelesen und deswegen konnte ich mich auch überwinden, meins so unter Deins zu schreiben
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22.03.2015, 09:26Inaktiver User
AW: Was ist leichter- glücklich oder unglücklich sein?
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22.03.2015, 09:34Inaktiver User
AW: Was ist leichter- glücklich oder unglücklich sein?
Ehrlich gesagt, habe ich eigentlich so richtig Angst nur noch vor Hartz4. Und das kenne ich zur Genüge. Das war nicht kontrollierbar - jedenfalls nicht für mich.
Bevor man so etwas Demütigendes in vielen ungeahnten Facetten erlebt hat, kann man es sich nicht vorstellen, dass es so etwas gibt. Fürchte ich. Ich habe es überlebt.
Ja, aber ich will hier nicht den Strang sprengen. Zumal ich von Natur aus eher glücklich bin.
Allen einen glücklichen Sonntag. Ich gehe jetzt wandern ...
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22.03.2015, 09:37
AW: Was ist leichter- glücklich oder unglücklich sein?
Stimmt, Unzulänglichkeit ist den meisten bestens bekannt und vertraut. Zumindest all jenen, die mal eine Schule besuchten und dort gelegentlich mittelmässige bis schlechte Noten abgarnierten. Und dies dann den Eltern zur Unterschrift vorlegen mussten.
die Idee, sehr talentiert zu sein, und dieses Talent auch zu leben, und das womöglich noch öffentlich, so dass alle es sehen können - das kann in der Tat jemanden in Angst und Schrecken versetzen und eine Menge Ressourcen werden gelegentlich eingesetzt, dass das BLOSS NIE geschehen kann. Sehr oft wird dann mit Unzulänglichkeiten argumentiert, à la "ich kann nie ein Buch schreiben, meine Kommasetzung ist eine völlige Katastrophe" (äh ja als ob's darauf ankäme) oder "ich kann nie eine Ausstellung organisiern, meine Werke sind ja noch nicht mal in Öl gemalt" (äh ja als ob's darauf ankäme) und natürlich auch "und wer passt auf die Kinder auf? Ich kann nicht einfach so mal frei nehmen nur für mein Privatvergnügen!" - doch doch, man kann. Es gibt Babysitter.
gruss, barbara
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22.03.2015, 09:41
AW: Was ist leichter- glücklich oder unglücklich sein?
Die wichtigen Dinge sind eigentlich nie kontrollierbar. Jeder kann gesund leben, aber wird vielleicht trotzdem (schwer) krank. Man kann ein Einkommen verlieren, man kann geliebte Menschen verlieren...
mir hilft zum Glück das Bewusstsein, dass das Schöne in meinem Leben nie ein Recht oder Anspruch ist, sondern ein Geschenk. Und dass auch jene Dinge, die während langer Zeit mit mir sind, das nicht notwendigerweise morgen auch noch sind.
Das Überstehen von schwierigen Situationen hat mich auch gelehrt: irgendwie geht's immer. Irgendwie habe ich es immer geschafft, mich aufzurappeln und wieder von vorn anzufangen.
gruss, barbara
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22.03.2015, 09:50
AW: Was ist leichter- glücklich oder unglücklich sein?
So wie es keinen Tag ohne Nacht gibt, gibt es kein Glück ohne Unglück.
Wären wir immer nur glücklich, säßen wir heute noch auf den Bäumen. Es ist das Unglück, das den Menschen antreibt, vorwärtsbringt und zu Veränderungen anspornt.
Es ist das Unglück in meinem Leben, das mich dazu gebracht hat, heute ein glücklicher Mensch zu sein.
Hinfallen, Krone richten, weitergehen. 


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