Hallo liebe Community,
ich hab mich jetzt angemeldet, weil ich einfach mal laut nachdenken und am Besten noch Input dazu hätte.
Kurz zu mir: Ich bin 27, schreibe gerade Bachelorarbeit in einem technischen Bereich und bin seit 3 Jahren Single. Ich wohne derzeit noch im Studentenwohnheim. Also stehe ich kurz vor dem Umbruch. Meine Studien- und Ausbildungszeit ist vorbei, ein vollkommen neuer Lebensabschnitt beginnt.
Ich hab jetzt keine Angst, aber ich spüre den Druck, mich langsam mal für einen Lebensweg entscheiden zu müssen. Mir schwirren dazu mehrere Punkte im Kopf herum:
Wohin soll ich denn ziehen? Ich bin auf dem Land aufgewachsen, zum Studium in eine sehr teure Großstadt gezogen. Nach inzwischen fast 8 Jahren merke ich: Ich bin ein Landei. Ich will raus, ich mag Natur mehr als Clubs.
Die Wohnungen sind im S-Bahn-Einzugsgebiet bezahlbarer, dort könnte ich mir durchaus Eigentum leisten. Aber wie ist das? Kann ich als Single alleine auf's Land ziehen? Versauer ich da nicht total? Lern ich da neue Leute kennen?
Da wären wir beim nächsten Punkt: Meine Freunde. Ich liebe diesen Haufen. Aber der vernünftige Teil wird langsam sesshaft, wird eher häuslich. Das ist der Teil, mit dem ich die Hauptzeit verbringe. Im Sommer ist das nicht so wild, da sind wir Freitag, Samstag, Sonntag draußen, trinken unsere Bierchen, quatschen und grillen. Und der andere Teil, naja. Klar kann ich mal einen guten Abend mit ein bisschen Koks und ein paar Joints haben. Ich möchte keine Grundsatzdiskussion über Drogen anstoßen, ich nehme ab und an verschiedene Sachen, ca alle 6-8 Wochen mal Koks, mal MDMA. Ich bin nicht abhängig, ich nehme wenig und wenn ich nicht mit den Leuten unterwegs wäre, würde ich nichts nehmen.
Ich hab ein verklärtes Traumbild von mir: Ich in meiner tollen ETW, mache viel Sport draußen (mache ich ja eh schon), habe einen nicht zu stressigen Job, koche lecker und gesund... Alles gut, perfektes Bilderbuchleben.
Und dann denke ich wehmütig an wilde Partynächte, die ich hier hatte, an viele wunderschöne Abende draußen am Fluß, an denen wir die halbe Nacht gegrillt und gequatscht haben. Es wird einfach nicht mehr das gleiche sein, wenn ich erst 40 Minuten pendeln muss, um zum Stammplatz zu gelangen (hmm, wenn man es so betrachtet, braucht man innerhalb der Stadt manchmal auch nicht weniger).
Also im Endeffekt hab ich einfach nur Angst, alleine total ab vom Schuss zu sein, keinen Partner mehr kennenzulernen und zu versauern. Aber wenn ich hier in der Stadt bleibe, dann würde ich immer unglücklicher werden, weil die Umgebung hier einfach beschränkt ist und ich merke, dass ich immer häufiger rauswill. Aber ein Teil in mir will an dem bequemen, bekannten festhalten. Wochenenden, die nur aus Party, ausschlafen, Party bestanden.
Zu den ganzen Gedankengängen muss ich übrigens auch sagen, dass ich gerade einen kleinen Lagerkoller habe. Ich bin verletzt, eingeschränkt und hab seit einer Woche keinen Sport mehr gemacht. Gerade bei diesem Wetter leide ich da wirklich drunter. Mit der Männerwelt läuft es auch nicht gut, der Richtige, der langsam doch mal kommen könnte, lässt auf sich warten.
Ich glaube, so langsam wird mir die Richtung klar, alleine das Aufschreiben hilft schon, aber trotzdem würde ich mich über den ein oder anderen Gedanken von euch sehr freuen!
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Ergebnis 1 bis 10 von 12
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08.03.2015, 10:40
Wer bin ich, wie viele und wohin will ich
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08.03.2015, 10:57Inaktiver User
AW: Wer bin ich, wie viele und wohin will ich
Hm. Hängt die Frage, wo Du hinziehst, nicht in erster Linie mal vom zukünftigen Arbeitsplatz ab? Über den Grillplatz würde ich mir erst danach Gedanken machen.
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08.03.2015, 12:47Inaktiver User
AW: Wer bin ich, wie viele und wohin will ich
Arcadia, deine Situation wuerde ich im Moment wirklich zuvorderst pragmatisch anschauen und angehen (was sonst nicht so meine Art ist
) und in Schritte skalieren,
erster heisst wahrscheinlich - Job finden
der naechste dann - Wohnort/Wohnart
Nachdem du bisher im Studentenwohnheim gelebt hast, bist du es gewohnt auf eher kleinem Raum zu leben - wie waere es also, zunaechst einmal in eine WG zu ziehen, in der Naehe deiner Arbeitsstelle (Stadt)? Du wuerdest dir damit noch nicht zuviel an Materie an's Bein binden, um flexibel genug zu bleiben. Flexibel dafuer, eventuell z. B noch einmal den Job zu wechseln, deinen Bekanntenkreis neu zu richten, vielleicht einen neuen Partner zu finden und ab und an mal noch 'Party' zu machen.
Umgekehrt kannst du ins' Gruene fahren, wann immer dir der Sinn danach steht.
Du beendest einen Lebensabschnitt. Den der Lernenden. Das ist ein Abschied, der nicht unterschaetzt werden sollte. DAmit einher gehen Unsicherheiten, solch' existenzielle Fragen, wie du sie dir stellst und entsprechend eben auch Aengste.
Wenn du dir dessen bewusst wirst und dir vor allem auch zugestehst, Fehlentscheidungen machen zu duerfen, nicht alles gleich in Beton zu giessen, dann schenkst du dir die Moeglichkeit eines guten und vor allem 'leichten' Uebergangs.
Und gleichzeitig heisst das ja nicht, weiter in dich zu spueren, wie du dein Leben leben willst und danach zu gehen. Bzw. die Dinge kommen ja auch auf dich zu.
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08.03.2015, 14:24
AW: Wer bin ich, wie viele und wohin will ich
Prioriäten. Was muß? (Job). Was ist wichtig (raus aus der Stadt). Was geht gar nicht (Großstadt). Was ist nicht hinreichend unter deiner Kontrolle, um sich einen großen Kopf drum zu machen (Männer).
Dann guckst du nach dem, was muß (Jobangebote) und streichst nur das raus, was gar nicht geht (Jobs mitten in der Großstadt). Unter dem, was du da kriegen kannst, sortierst du nach "richtig gut" (hat das meiste Nette), "geht" (hat ein bißchen was von dem Netten), und "na, wenn's sein muß, ist ja nicht aller Tage Abend" (nichts Nettes).
Und wenn du das so in ein Leben umgesetzt hast und dich darin eingefunden, dann machst du das gleiche wieder (welche Wohnung? welche Freunde? womit verbringst du deine Zeit), bis gerade mal keine großen Entscheidungen anstehen.
Wenn etwas abläuft, von dem du da Gefühl hast, es ist nicht gut, es schränkt dich ein, es hält dich nur die Trägheit und Mangel an Vorstellungskraft davon ab, ist das jetzt die goldene Gelegenheit, all das hinter dir zu lassen. Aber denk daran, du nimmst dich selber mit. Mit etwas aufhören heißt nicht nur, davon wegzugehen, sondern auch, etwas anderes zu tun.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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08.03.2015, 14:25Inaktiver User
AW: Wer bin ich, wie viele und wohin will ich
Das kann ich aus der eigenen Erfahrung heraus nur bestätigen. Trotz der ständigen Unkenrufe über den demographischen Wandel haben die wenigsten Berufseinsteiger die Möglichkeit, zwischen diversen Jobangeboten eines nach dem präferierten Wohnort auszuwählen. Die Frage "Stadt oder Land" stellt sich somit oft erst mit dem ersten Jobwechsel, also wenn man schon ein wenig Berufserfahrung gesammelt hat und gezielter suchen kann. Und bis dahin haben sich die Präferenzen oft schon wieder geändert.
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08.03.2015, 14:53
AW: Wer bin ich, wie viele und wohin will ich
Also ich verstehen die Frage nicht.
Die Frage "Wohin will ich", ist auf Grund des Endes eines Lebensabschnitts verständlich und es wurden hier gute Hinweise gegeben.
Die Fragen:
"Wer bin ich"
u. "Wie viele", dagegen verstehe ich nicht.
Kannst Du diese Fragen umformulieren?
Grüße
Luftpost
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08.03.2015, 16:07
AW: Wer bin ich, wie viele und wohin will ich
Ich habe das " wie viele" als Ausdruck der wahrgenommenen inneren Vielfalt verstanden - also hingezogen zum Landleben/ gesunden Leben aber auch zu sesshaft werdenden Stadtfreunden als auch zu partymachenden Stadtfreunden.
Ich nehme auch an, der erste Job wird den möglichen Rahmen vorgeben, und vielleicht ergibt sich dann nach und nach die Lebensform, die dir entspricht.
Auch wenn du es hier nicht diskutiert haben möchtest: ich wünsche dir, dass du auf Dauer Lebensfreude ohne künstliche Psychostimulanzien erreichst. Wenn es mein Lebensweg wäre, würde ich ihn davon weglenken.
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08.03.2015, 19:49
AW: Wer bin ich, wie viele und wohin will ich
Ich kenne "Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?" als Redewendung, die eine gewisse Unsicherheit mit Selbstbild und Identität (sei es durch Lebensplanung oder durch Kaffeemangel bedingt) ironisch verstärkt ausdrückt.
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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08.03.2015, 20:15
AW: Wer bin ich, wie viele und wohin will ich
Erstmal vielen lieben Dank für all das konstruktive Feedback!
Ich hab das Glück, mir meinen Arbeitsplatz aussuchen zu können.
Danke, dein Post ist wirklich super geschrieben. Beim ersten Mal Lesen hatte ich echt eine kleine Träne in meinem Auge.
Zum Thema Fehlentscheidungen: Ich hab Studium A angefangen, ein Jahr später Studium B, dann Ausbildung (von 3 auf 2 Jahre verkürzt) und dann noch Studium C. Ich hab mich immer selber finanziert, auch wenn meine Eltern das eig nicht wollen. Und deshalb will ich mich nicht mehr fehlentscheiden. hab ich oft genug getan.
Die ersten zwei Schritte kann ich vertauschen. und genau das ist eigentlich mein Knackpunkt. Ich will keine WG mehr. Ich steh grad zwischen dem Landleben (von dem ich nicht weiß, wie es wird) und dem Stadtleben. Die Stadtwohnung würde mich um die 800+ kosten, die Landwohnung 650 (+ Fahrkarte). Die Zeit nehme ich gerne in Kauf, um "draußen" zu sein.
Deinen Post finde ich sehr interessant. Du hast genau den Pragmatismus, den ich auch sehr gerne anwende. In deinem Posting sehe ich sehr gut mich, die meine Situation ohne Vorkenntnisse von außen abarbeitet.
Hab ich jetzt schon mehrfach geschrieben. Ich kann mir das aussuchen. Wenn ich es drauf anlege, schreibe ich morgen eine Bewerbung und arbeite in einer Woche.
Das "Wie viele" war auf die unterschiedliche Abendgestaltungen bezogen. Ich bin manchmal die Partyqueen beim weggehen und dann gibt es Abende, wo ich gar nicht weggehen will und für meine Freunde koche und sie mal dazu überrede in die Berge zu gehen.
Du hast das "wieviele" sehr gut wiedergegeben.
Und bei dem letzten Absatz gehe ich mit dir einher. So etwasnehme ich gerne auf, weiß das auch selber, aber will mich nicht rechtfertigen.
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08.03.2015, 20:51Inaktiver User
AW: Wer bin ich, wie viele und wohin will ich
@Arcadia: in deinem Eingangspost hast du aber nirgendwo geschrieben, dass du quasi morgen einen Job hast, also verzeih meine Unwissenheit
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Im Übrigen: gerade die ersten 1-2 Jahre im Job sind erfahrungsgemäss kein Zuckerschlecken, d.h. du wirst tendenziell wenig Zeit haben, die Landidylle zu geniessen.


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