Hallo zusammen,
ich habe mich gerade angemeldet und hoffe, dass ihr mir weiterhelfen könnt. Kurz zu mir/meiner Situation: Ich bin 25 Jahre alt und habe im Sommer mein Studium beendet. Eine Woche später habe ich meinen ersten „richtigen“ Job angefangen. Die Abschlussphase des Studiums war sehr stressig und mit sehr viel Druck verbunden. Zudem war ich mir sehr unsicher bezüglich der Wahl meines weiteren beruflichen Weges. Ich habe mich zwar momentan ganz gut eingelebt. Es vergeht aber fast kein Tag, an dem ich nicht an meiner Wahl des Berufes/Studiums zweifle.
Seit letztem Sommer d.h. seit dem Abschluss meines Studiums habe ich Ängste, die ich in der Form vorher noch nicht hatte. Ich habe im Grunde große Angst vor der Endlichkeit des Lebens und der Endgültigkeit des Todes. Das äußert sich darin, dass ich Angst davor habe, nahestehende Personen aus meiner Familie zu verlieren. Vor vier Jahren ist mein Vater sehr plötzlich an Krebs verstorben. Ich hatte vorher schon ein gutes Verhältnis zu meinen Geschwistern und meiner Mutter, aber seit dem Tod meines Vaters ist die Beziehung noch enger geworden. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, irgendwann ohne meine Mutter zu leben und nie mehr mit ihr sprechen zu können. Bei dem Gedanken kriege ich regelrecht Panik.
Ich habe jedoch auch gleichzeitig Angst vor meinem eigenen Tod, bzw. ich finde die Vorstellung furchtbar, einfach nicht mehr da zu sein, bestimmte Personen nicht mehr wiederzusehen und nicht mehr zu erleben, wie es mit der Welt weitergeht. Bei manchen Situationen im Alltag, wie z.B. beim Trinken eines leckeren Kaffees, ein Spaziergang in der Sonne oder einfach beim Lachen mit anderen Personen, denke ich dann sofort: Das alles kann ich irgendwann nicht mehr erleben. Ich setzte mich dann unter Druck und denke, dass ich genau aus dem Grund jeden Tag genießen sollte, aber gleichzeitig finde ich solche Gedanken und Ängste so lähmend, dass mir Zukunftsplanung und die Entwicklung von Zukunftsfreude momentan nicht gelingt. Ich habe Angst davor, älter zu werden, irgendwann einsam zu sein und falsche Lebensentscheidungen zu treffen. Ich kann mir auch überhaupt nicht vorstellen, irgendwann Mitte 40 zu sein bzw. wie mein Leben dann aussieht. Das hängt möglicherweise auch damit zusammen, dass ich sehr wahrscheinlich nie das „klassische“ Familienmodell mit Mann und Kindern leben werde. Ich bin lesbisch, hatte aber noch nie eine ernsthafte Beziehung. Manchmal würde ich am liebsten die Zeit anhalten und für immer 25 bleiben.
Ich weiß, dass solche Ängste im Grunde nicht ungewöhnlich sind, aber momentan nehmen sie mir Lebensfreude und Unbeschwertheit. Sie sind jedoch auch nicht so ausgeprägt, dass ich meinen Alltag nicht mehr bewältigen kann, d.h. ich kriege alltägliche Herausforderungen gut hin. Habt Ihr vielleicht eine Idee, wie man am besten mit solchen Gedanken umgeht? Ich bin mir unsicher, ob ich darauf hoffen sollte, dass du nur eine Phase ist und ich mich ablenken sollte oder ob ich mich mit diesen Ängsten auseinandersetzen sollte (möglicherweise in Form einer Therapie). Ich hoffe sehr, dass Ihr vielleicht ein paar Ideen oder Anregungen habt.
Danke fürs Lesen!
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02.02.2015, 14:01
Angst vor der Endlichkeit des Lebens
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02.02.2015, 14:31
AW: Angst vor der Endlichkeit des Lebens
Hallo Eponine,
ich denke, du wirst einfach "erwachsen". Nach Beendigung des Studiums und Eintritt ins Berufsleben bist du mit Themen konfrontiert, die im Vorfeld einfach noch nicht von Relevanz waren, nun wird alles ernster und es kommen Fragen bezüglich der Zukunft auf, und du hast bereits angedeutet, dir wegen deiner Berufswahl unsicher zu sein.
So selten ist das nicht, für die meisten sind die ersten Jahre mit Unsicherheiten geprägt, an vieles muss man sich auch erstmal gewöhnen - die Studienjahre und Jugend geben einem ja noch eine Art "Kokon".
Ansonsten denke ich, dass dein Lesbischsein sich nicht zwingend mit einem klassischen Familienwunsch widersprechen muss - sofern du ein solches anstrebst.
Gibt es denn auch positive Aspekte, die du in deiner jetzigen Lebensphase erkennst und wahrnehmen kannst? Unabhängigkeit z.B.?
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02.02.2015, 14:36
AW: Angst vor der Endlichkeit des Lebens
hey ;-)
ich kenn solche ängste - als ich sie hatte, hab ich kaum "gelebt",
und je mehr man intensiv erlebt (nicht: lebt, sondern erlebt, fühlt, dabei ist, sich für andere öffnet etc.), desto weniger werden die verlustängste.
denn was zählt, ist nun mal NUR die gegenwart (alles andere ist projektion, auch sorgfältige planung).
die größte angst vor dem verlust der lebenszeit hatte ich also, als ich innerlich so ´ne art mumie war, übrigens ca in deinem alter.
hatte bei mir auch mit dem abschiednehmen der ganzen vorstellungen, wie s zu sein hätte, zu tun (diesen vorstellungen, die man als junger mensch hat und von denen man irgendwann merkt, dass sie überlebt sind).
die bleiben dann wie ne alte haut um einen drum rum hängen in der zeit, wo man spürt:
mein leben ist vielleicht ganz anders.
-naja, und tote häute machen eben manchmal angst.
bei mir war also die angst vor der endlichkeit des lebens eigentlich eine art "angst vor dem ungelebten".
eine eher "leblose" zeit und eine sehr wichtige erfahrung.
(leider blieb ich da viel zu lang drin hängen, denke ich jetzt. eine kleine therapie diesbezüglich wär vielleicht gar nicht so doof gewesen. wusste ich aber damals nicht.)
also in summe eine zeit, die vorüber geht und die auch zu einem reichen leben gehören kann, wenn man sie als eine schwelle, eine etappe ist.
....na, vielleicht kann davon etwas auch anregung für dich sein?
liebe grüße
kaffeewasserDas Leben ist schön.
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02.02.2015, 14:50
AW: Angst vor der Endlichkeit des Lebens
Liebe Eponine,
du bist so alt wie mein Sohn, etwas älter als meine Tochter. Du bist gerade dabei, im Leben anzukommen und zu begreifen, dass es so etwas wie Endlichkeit gibt. Es ist natürlich sehr traurig, dass du deinen Vater so früh in deinem Leben verlieren musstest.
Aber ist es nicht gerade die Endlichkeit, die alles so kostbar macht. Das Leben kann niemals stillstehen, der Fluss muss immer weiter fließen, das ist einfach ein kosmisches Gesetz.
Wenn du stehen bleibst, dich gegen den Strom stellst, wird der Fluss aber trotzdem fließen und die Welt um dich herum wird sich verändern.
Mir hilft immer, mir vorzustellen, dass das Leben niemals endet, es ist vielleicht hier auf der Erde zu Ende, aber nicht im spirituellen Bereich, ich weiß tief in mir drin, dass meine Seele auch nach ihrem Aufenthalt hier in irgendeiner Form weiterleben wird. Darauf bin ich sehr gespannt, genieße aber trotzdem das Leben hier, und glaube mir, mit Mitte 40 werden die Dinge zwar anders sein, aber nicht weniger schön.

Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg (Mahatma Gandhi)
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02.02.2015, 15:06
AW: Angst vor der Endlichkeit des Lebens
Hallo Eponine,
ich habe vor kurzem meinen Papa verloren und jetzt habe ich auch oft Angst das meiner Mama oder mir ( wer kümmert sich dann um meine Mama ) etwas pasiert. Auch in anderen Dingen lähmt es mich ungemein.Der reinste Horror. Ich fühle mich oft überlastet, was vorher selten der Fall war.
Ich habe gelesen, das das ganz "normale" Reaktionen sein können, die sogar Jahre danach auftreten können.
Wenn es nicht zu persönlich ist.. Hast du den Tod deines Vaters bis heute richtig verarbeitet?Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm
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02.02.2015, 21:24
AW: Angst vor der Endlichkeit des Lebens
[QUOTE=Fels;26228328]
Aber ist es nicht gerade die Endlichkeit, die alles so kostbar macht. Das Leben kann niemals stillstehen, der Fluss muss immer weiter fließen, das ist einfach ein kosmisches Gesetz.
Wenn du stehen bleibst, dich gegen den Strom stellst, wird der Fluss aber trotzdem fließen und die Welt um dich herum wird sich verändern.
QUOTE]
Wie wunderbar lebensweise
.
Liebe TE,
mir haben in einer ähnlichen Lebensphase folgende Gedanken geholfen:
1. Wenn es ein Leben nach dem Tod gibt, dann wird mein wunderbarer, leider schon verstorbener Bruder mich "abholen" und ich werde mich freuen wie Bolle, wenn ich ihn endlich wiedersehe. Also kein Grund zur Sorge.
2. Sollte es kein Leben nach dem Tod geben, dann bekomme ich vom eigenen Tod nichts mehr mit, warum dann also Panik davor haben. Die Zeit vor meinem irdischen Leben gab's ja auch, ohne dass ich davon was gemerkt hätte. Also auch kein Grund zur Sorge.
3. Und sollte es sowas wie Wiedergeburt geben, dann drehe ich eben noch eine Runde. Dann hoffentlich etwas klüger als die derzeitige
. Also auch hier kein Grund zur Sorge.
Man wandelt nur das, was man annimmt.
C.G. Jung
Nein ist ein ganzer Satz.
Keine Ahnung von wem
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02.02.2015, 22:02Inaktiver User
AW: Angst vor der Endlichkeit des Lebens
Ich kann mich nur anschliessen, mir ging es eine Zeit lang genauso und manchmal kommen wohl jedem solche Gedanken.
Ich finde, du solltest keine Angst vor dem Tod haben, denn es geht immer weiter und nicht zu wissen, was kommt, ist auch irgendwie befreiend. Niemand will einen geliebten Menschen verlieren, aber so lange die Leute noch bei dir sind, solltest du deine Zeit nicht mit Gedanken daran verschwenden, wie es sein wird, wenn sie weg sind. Dazu hast du immer noch Zeit, wenns irgendwann mal soweit ist. Und du weisst auch nicht, was dich nach dem Tod erwartet ... viell. ein neuer Anfang. Lerne, die Dinge nicht zu zerdenken, sondern zu geniessen. Jeder geht seinen Weg, auch du. Kopf hoch!
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02.02.2015, 23:06Inaktiver User
AW: Angst vor der Endlichkeit des Lebens
für mich liest sich das so, als ob die angst damit zu tun hat, dass du eventuell dein leben nicht lebst zur zeit.
du schreibst ja selbst, du zweifelst an der berufswahl, und du hast die liebe noch nicht erlebt...
ich kenne das jedenfalls von mir so, dass mich die endlichkeit immer dann belastet, wenn ich das gefühl habe, mit einem lauten "aber ich wollte doch noch..."-schrei auf den lippen zu sterben.
wenn ich mich auslebe, geht das gefühl weg.
mein rat ist, über das nachzudenken, was du tun kannst und möchtest, träumen, schauen, suchen...
wenn deine ängste das blockieren, brauchst du vielleicht hilfe?
aber vielleicht kannst du sie auch einfach stehen lassen, ohne groß drüber zu grübeln, und deine energien auf das leben richten?
du schreibst ja, du hast keine phantasie, was du mit ü40 machst... ich kann berichten, dass es für mich sexuell und körperlich die beste zeit ist, und beruflich auch: man kann was, beruflich, intellektuell, menschlich und kann diese fähigkeiten einsetzen... es braucht nicht zwingend kinder, um ein erfülltes leben zu führen. es gibt so viel anderes noch zu tun und so viele andere menschen, für die man da sein kann.
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03.02.2015, 07:24Inaktiver User
AW: Angst vor der Endlichkeit des Lebens
Ich vermute, das der Grund zu Deinen Gedanken und Gefühlen auch sehr stark mit der inneren Überforderung von Studium, Prüfungen und neuem Job zusammen hängt.
Mal unabhängig, dass einem "solche Gedanken" den Tag vermiesen können
- sehe ich sie nur als gute Bühne von einem "Zuviel".
Zur Erklärung:
Man kann durchaus Parallelen zwischen Tod und Studium, Prüfung und erstem Job erkennen.
Und ich spreche hier von einem Ausgeliefertsein, Endgültigkeit, ohne Kontrolle, tiefste Unsicherheit von dem, was vor einem liegt.
Das Studium mit Prüfung war ganz sicher eine große Belastung und Du "musstest" ob Du willst oder nicht........stimmts?
Der neue Job- da muss man nun durch, das macht man so......egal, was nun kommt und wieviel Angst man davor nun hat......stimmts?
Solche Ängste kann man aber nicht haben- wem sollte man sowas auch sagen? Ist ja lächerlich, denn alle gehen diesen Weg.....- und so bahnen sich diese Gefühle eben einen WEg, der "plausibler" ist......und das sind die Ängste um Tod und Vergehen bei den Liebsten.......noch dazu ist evtl der Tod des Vaters nicht gut verarbeitet und das kann nun auch so richtig gut greifen.
Ich würde Dir sagen- schau, dass Du zur Ruhe kommst!
Suche Dir für den nächsten Urlaub ein schönes Ziel und flieg weg!
Erlebe, dass das Leben sehr viel zu bieten hat.......SPÜRE es einfach......mehr braucht es nicht.
Ich hätte gesagt mach um himmels Willen erst einmal Urlaub nach den Prüfungen- komm raus, lass los und hole Luft!
Das ging nicht - ist ok, aber dann suche Dir WEge wie Du nun ganz bewusst spürst, dass Du im Leben selber aktiv sein kannst.
Handlungsfähig bist.
Du bist in der Lage selber aktiv zu sein- selber zu entscheiden- DU bist der Akteur in Deinem Leben
Wenn Du das spürst- dann wird es Dir besser gehen.
Und was Deinen Vater angeht- so würde ich durchaus hinsehen, ob Du Dich überhaupt schon verabschiedet hast......
Kübler-Ross......eventuell helfen Bücher auf diesem WEg.
alles Gute für Dich
kenzia
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03.02.2015, 10:17
AW: Angst vor der Endlichkeit des Lebens
Es ist intressant, der erste Abschnitt stimmt 1:1 mit meinem Leben überein. Ich glaube dieses "Loch" ist völlig natürlich. Ich hatte sehr viele gute Gespräche mit anderen Frauen zwischen 20 und 30, irgendwann kommt diese Phase, auch bei "Mann". Du bist an einem Punkt im Leben, an dem du vielleicht kein höheres Ziel mehr hast, dich fragst was der Sinn des Lebens sein könnte, und du das erste mal selber bestimmen kannst. Du musst das erste mal nicht mehr, du darfst.
Zum Unterschied zu dir, haben mir diese Gedanken, dass das Leben endlich ist, sehr geholfen bewusster zu Leben. Du bist an einem Punkt in deinem Leben, an dem du alles in der Hand hast. Mach nur noch was dir Spass macht! Wohne dort wo du dich wohl fühlst, richte dich ein wies dir gefällt, geniesse dein Umfeld, geh Kaffee trinken, lache mit ihnen, geh raus und tu was dir gut tut. Setze dir ein Ziel das du als nächstes erreichen möchtest, nur für dich. Die Augen geöffnet hat mir ein Freund der an Krebs leidet, er wird in den nächsten Tagen sterben. Man darf keine Angst vor dem Tod haben, du musst dir nur bewusst sein das auch er zum Leben gehört. Alle die von uns gegangen sind, schauen auf uns, freuen sich mit uns und geben uns Stärke wenn wir traurig sind. Ich bin überhaupt nicht gläubig, diese Einstellung bringt mir einfach sehr viel Positives.


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