falls ihr euch über meinen komische Titel wundert, ich war mir selber nicht sicher, wie ich mein Problem am besten formulieren sollte...ich hoffe jedenfalls, dass ich hier im richtigen Unterforum bin, denn irgendwie ist das ganze ziemlich "verzwickt"... dass ich aber um diese Zeit wach herumsitze, zeigt schon, dass mir das ziemlich zu schaffen macht.
Ausgangspunkt ist, dass ich mich mal wieder mit meinem Partner in die Haare gekriegt habe, durch eine beiläufige Bemerkung, nach einem eigentlich sehr netten gemeinsamen Abend. Das blöde ist, dass wir uns deswegen immer wieder in die Haare kriegen: nämlich Kinder und Familie. Das ist ein Thema, bei dem ich wahnsinnig empfindlich bin, ziemlich garstig werde und merke, dass es da eigentlich um etwas anderes geht... mein Problem ist unsere "ungleichgewichtige" Situation, ich habe Kinder, er nicht und der unterschiedliche Stellenwert, den wir insgesamt dem Thema Familie beimessen. Wir sind schon längere Zeit zusammen, haben uns kennengelernt als meine Kinder gerade am Beginn der Teenagerzeit waren. Er ist 5 Jahre jünger und absolut "familienunerfahren" gewesen (ist das Einzelkind von Eltern, die selber Einzelkinder waren), daher war er auch lange Jahre sehr überfordert von der Familiensituation und nicht wirklich sicher, ob er das "packt" (was sich natürlich auch negativ auf unsere Beziehung ausgewirkt hat). Inzwischen hat sich die Familiensituation stark verändert, zwei Kinder sind ausgezogen und das dritte, das bei uns wohnt, ist eigentlich ziemlich pflegeleicht. Mein Partner hat in den Jahren einige Fehler gemacht, die ihm inzwischen leid tun und er versucht inzwischen ganz anders mit den Kindern umzugehen. Oft genug klappt es auch. Aber ich tu mich mit der Situation schwer. Er hat einerseits keine eigenen Kinder mit mir gewollt (weil es ihm zu viel gewesen wäre), hat wegen meinen Kindern sozusagen auf eine eigene Familie verzichtet. Andererseist beklagt er sich manchmal, dass er von uns aus dem "Familienleben" ausgeschlossen wird (meine Kinder sind oft nachmittags zu Besuch, wenn er bei der Arbeit ist, wir denken uns da gar nicht viel dabei, sondern genießen die gemeinsame Zeit). Letzte Woche hat er sich in so einer Situation darüber beschwert und ich habe das Gefühl, dieses blöde Thema kocht wieder in mir hoch und ich weiß nicht, WIE ich es abschließen soll/kann?
Ich habe selber ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Familie gehabt, was in meiner eigenen Ursprungsfamilie begründet ist. Als Teenager wollte ich keine Kinder, aus dem Wunsch heraus, dieses "Elend" möge sich nicht nochmals wiederholen. Als ich dann meinen Ex-Mann traf, dachte ich, wenn jemals ein Kind, dann mit dem! Und dann wurden es innerhalb kürzester Zeit drei. Dieser Mann war ein wunderbarer Vater und in gewisser Hinsicht auch mein "Fels in der Brandung". Ich fand in meiner Familie das, was ich in meiner Kindheit und Jugend verpasst hatte und war fest entschlossen, alles zu tun, damit es meinen Kindern gut geht. Mit diesem Mann an meiner Seite was das auch kein Problem, denn er kümmerte sich sehr viel um die Kinder. Aber je größer die Kinder wurden, desto weniger konnten wir beide miteinander anfangen und so trennten wir uns schließlich. Und seitdem habe ich das Gefühl, dass das Thema "Familie" wie ein Gespenst über mir hängt. Ich habe, aus dem schlechten Gewissen den Kindern gegenüber, mich fast zu einer "Glucke" entwickelt, meine Kinder teilweise überbehütet und trotzdem das Gefühl, ihnen nicht genug "Nestgefühl" geboten zu haben (mit meinem neuen Partner war es ja anders und in mancher Hinsicht schwieriger, als mit ihrem Vater). Dann war da mein neuer Partner, der ja kein Teil dieser Familie war, der zu dem damligen Zeitpunkt gar nicht Familie im Sinn hatte (und sich dann trotzdem um die Kinder mit gekümmert hat und deswegen auf vieles verzichtet hat) und wo ich immer das Gefühl hatte, dazwischen zu stehen. Und nun, da meine Kinder aus dem Haus gehen und ich das Gefühl habe, ich bin einerseits froh, nicht mehr so angebunden zu sein, schmerzt es mich, dass wir kein gemeinsames Kind haben (wieder verbunden mit dem schlechten Gewissen, dass er unsretwegen verzichtet hat, mit der Angst, er könnte es eines Tages bereuen und deswegen gehen und auch mit dem konkreten Gefühl von "Mangel" an etwas Gemeinsamen, dass wir beide gleichermaßen lieben).
Aus diesem Gewirr an Gefühlen kriegen wir uns dann in die Haare, ich habe das Gefühl, er hätte mich nicht genug geliebt, da er kein Kind mit mir wollte (er dagegen hat ja so vieles gerade aus Liebe zu mir getan, aber das kommt in diesen Augenblicken nicht an). Auf jeden Fall fühle ich da so einen tiefen Schmerz, dem ich mich hilflos ausgeliefert fühle. Rational will ich kein weiteres Kind. Ich habe meine Kinder sehr jung bekommen und habe bisher kaum Gelegenheit gehabt, etwas nur für mich zu machen. Mein Partner ist auch nicht der Mensch, dem Kinder sehr wichtig im Leben sind - und ich selber habe ja schon drei.
Ich habe das Gefühl, dass das Thema Kinder und Familie sehr viel mit meiner eigenen Geschichte zu tun haben und ich unbewusst den Wunsch gehegt habe, das "gut" zu machen, was mir selber gefehlt hat. In vielerlei Hinsicht ist es sogar sehr gut geworden (meine Kinder kommen immer noch sehr gerne nach Hause und zwar nicht zum Wäsche wechseln), aber in meinem Gefühl offenbar nicht "gut genug". Aber irgendwann muss doch auch mal genug sein! Irgendwann muss man ein Thema genügend "durchgekaut" haben und es loslassen können (und an meinem kaue ich jetzt schon 40 Jahre...). Aber wie?? Ich erkenne das vom Kopf her schon... und trotzdem gerate ich, gerade in den letzten Monaten, immer wieder in dieses Loch, schlage dann verbal um mich und kann einfach nicht loslassen...
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26.01.2015, 04:59Inaktiver User
Wie mit einem "Lebensthema" abschließen?
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26.01.2015, 05:20
AW: Wie mit einem "Lebensthema" abschließen?
Hallo Daisy,
so ganz verstehe ich nicht, was in dir vorgeht. Ich habe aber den Eindruck, dass es vermutlich an der Zeit ist, sich nun auf dich selbst zu konzentrieren. Wer bist du? Was ist gut für dich? Was willst du aus deinem Leben machen?
Du hast doch offenbar eine positive Situation:
drei gut geratene Kinder
einen Partner an der Seite
relativ jung und fit (?)
Ich verstehe auch nicht so ganz , was jetzt den Schmerz ausmacht. Ist es die gescheiterte Ehe mit dem Kindsvater? Macht es dir Schwierigkeiten, ein Dasein zu führen, ohne die "Kümmerin" zu sein?
Wie alt bist du ? Bist du berufstätig?
Gruß
Capbreton
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26.01.2015, 07:08
AW: Wie mit einem "Lebensthema" abschließen?
So ganz verstehe ich das nicht. Das hört sich sehr zerrissen an. Ich lasse Dir meine beiden spontanen Gedanken da, die nicht unbedingt was mit einander zu tun haben.
Ihr habt einen Kompromiß gemacht. Kannst da nicht mal aufhören, das Thema zu zerfleddern und zu verkauen?
wesen des Kompromisses ist doch, dass der Punkt erledigt und abgearbeitet ist. dein Partner hat große Zugeständnisse gemacht, also nimm das als Geschenk und höre auf es zu hinterfragen.
Oder breitet sich Leere aus, weil das Nest leer wird. Du schreibst, dass nur noch ein Kind im Haushalt ist und sehr unproblematisch ist. die anderen Kinder haben Dich also mehr gefordert. weißt Du vielleicht nicht, womit Du Dein Leben füllen willst?
( Für Deinen Mann und seine Herkunftsfamlie ist "nur" ein Kind wahrscheinlich immer noch viel.)
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26.01.2015, 07:14
AW: Wie mit einem "Lebensthema" abschließen?
Hallo daisymiller,
Dein Gewissenskonflikt basiert, so scheint mir, auf einem Widerspruch, den
Du vielleicht gar nicht als solchen wahrnimmst.
Da Deinem Partner Kinder nicht sehr wichtig sind, ist sein "Verzicht" auf eigene
Kinder eine Entscheidung, die seiner eigenen Lebensvorstellung entspricht. Wenn
er dies nun als Selbstaufopferung darstellt, dann ist das höchst unfair und
scheint nur dem Zweck zu dienen, Dir ein schlechtes Gewissen unterjubeln zu
wollen. Im weitesten Sinn begreife ich das als emotionale Erpressung.
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26.01.2015, 07:19
AW: Wie mit einem "Lebensthema" abschließen?
hallo Daisy,
ich hab auch erstmal eine Verständnisfrage:
Das verstehe ich nicht. Er hat doch nicht wegen DIR auf eine eigene Familie verzichtet, sondern weil IHM das zu viel gewesen wäre. Warum kreidest du dir das an? Das ist doch eine klare Entscheidung, die er für SICH gefällt hat?!Er hat einerseits keine eigenen Kinder mit mir gewollt (weil es ihm zu viel gewesen wäre), hat wegen meinen Kindern sozusagen auf eine eigene Familie verzichtet.
Geht es vielleicht darum, dass dir die Verbundenheit mit deinem Partner nicht so intensiv vorkommt wie mit deinem Ex? Und weil du tiefe Verbundenheit bisher nicht anders erlebt hast als durch die gemeinsame Fürsorge für Kinder und Familie, glaubst du, du könntest diese nur dadurch erlangen?
Man springt aber nie zweimal in den selben Fluss. Es ist nicht gesagt, dass du mit einem gemeinsamen Kind diese Art der Verbundenheit mit deinem heutigen Partner ebenfalls wieder erlangt hättest. Wahrscheinlich eher nicht, weil er ja nicht so ein "Vatertier" zu sein scheint wie dein Ex. Ich selbst glaube sowieso nicht, dass die selbe Verbundenheit mit unterschiedlichen Menschen zu finden ist. Mit jedem Menschen ist es wieder anders, aber es muss deshalb nicht schlechter sein. Es hängt ja auch davon ab, in welcher Lebensphase man ist.
Ihr könnt jetzt eine ganz andere Verbundheit miteinander finden, da ihr wieder alle Zeit und Energie für euch selbst zur Verfügung habt, jetzt wo die Kinder groß sind. Ihr könnt etwas miteinander unternehmen, gemeinsame Interessen pflegen usw. Macht ihr das?
Das leere Nest mag ein schmerzhafter Übergang sein, aber es bedeutet auch neue Freiheit für sich selbst. Ihr habt noch das halbe Leben, das gefüllt werden will. Und da stehen einfach andere Dinge an als Nestpflege. Wenn du da hin schaust, wie gehts dir damit?
kurze Antwort daher zu deinem Threadtitel: man schließt damit ab, indem man den Blick in eine neue Richtung lenkt.
Natürlich nicht nur damit. Aufarbeitung geht dem schon voraus. Und hin und wieder braucht es einen Blick zurück zur Standortbestimmung. Aber ohne den Blick schweifen zu lassen gehs halt auch nicht.
Edit: ups Schafwolle, ich seh grad, zwei Dumme ein Gedanke
Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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26.01.2015, 08:05Inaktiver User
AW: Wie mit einem "Lebensthema" abschließen?
ist das wirklich ein lebensthema?
mir kommt es eher so vor, als ob du der liebe deines partners nicht traust. ein kind würde euch verbinden... dass er keins will, verhindert nicht nur de facto diese bindung, sondern es macht seine liebe noch zweifelhafter.
meiner ansicht nach hast du ein beziehungsproblem.
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26.01.2015, 08:31
AW: Wie mit einem "Lebensthema" abschließen?
Liebe Daisy,
für mich hört sich dass so an:
Habe ich genu dafür getan dass es allen gut geht? War ich doch zu egoistisch?
Aber ich lese auch was schönes, nach vielen Jahren sagt Dein Partner HEY, könnt ihr auch mal kommen wenn ich da bin, ich möchte auch mit Euch zusammen sein, ich vemisse Euch...
Was gestern war war gestern, Dein Partner hat zu Dir gestanden, Du zu ihm, ihm reichten Deine Kinder und es wurden auch seine Kinder im laufe der ZeitDas Leben macht was es will und ich auch!
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26.01.2015, 09:16Inaktiver User
AW: Wie mit einem "Lebensthema" abschließen?
ich glaube, das macht mir selber auch so zu schaffen, weil ich nicht erkennen kann, was das wirkliche Problem ist. Ich spüre nur eine große Zerrissenheit und vor allem einen großen Schmerz. Daher bin ich froh drum, wenn ihr mir helft, meine Gedanken zu zerpflücken und vielleicht auf das zu stoßen, was die Ursache und nicht nur ein Symptom ist - denn, im Grunde glaube ich, wenn mein Partner jetzt daher käme und sagen würde, dass er ein Kind will, wüßte ich nicht, wie ich damit umgehen würde.
Es gelingt mir eben nicht, dieses "Geschenk" anzunehmen. Weil sich mir die "Logik" irgendwo nicht wirklich erschließt... weil ich nicht verstehen kann, wieso man einen "Verzicht" als etwas Positives sehen kann
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26.01.2015, 09:25Inaktiver User
AW: Wie mit einem "Lebensthema" abschließen?
du stellst einige der Fragen, die mir momentan durch den Kopf gehen... ich bin 43, körperlich bin ich glücklicherweise noch topfit, ich bin auch nicht nur auf die Kinder konzentriert gewesen und arbeite auch noch, bin aber auch in dem Job die "Kümmerin" und stelle mir da gerade auch die Sinnfrage... ich habe einerseits das Gefühl, mich genug gekümmert zu haben, meinen Kindern und vielen anderen Jugendlichen zur Seite gestanden zu sein, sie gefördert und gefordert zu haben, sie immer wieder ermutigt zu haben und habe das Gefühl, ich habe genug davon, immer wieder diese Rolle zu wiederholen (ja, ich habe meinen Job auch aus der Motivation heraus gewählt, es "anders" zu machen, nicht wegzuschauen, nicht nur meinen Kram durchzuziehen, sondern ein offenes Ohr zu haben und für andere wirklich da zu sein). Gerade vor diesem Hintergrund habe ich das Gefühl, mein Problem wäre so etwas wie ein "Lebensthema", das ich gerne abschließen möchte, damit ich mich auch mal anderen Dingen widmen kann.
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26.01.2015, 09:26Inaktiver User
AW: Wie mit einem "Lebensthema" abschließen?
du stellst einige der Fragen, die mir momentan durch den Kopf gehen... ich bin 43, körperlich bin ich glücklicherweise noch topfit, ich bin auch nicht nur auf die Kinder konzentriert gewesen und arbeite auch noch, bin aber auch in dem Job die "Kümmerin" und stelle mir da gerade auch die Sinnfrage... ich habe einerseits das Gefühl, mich genug gekümmert zu haben, meinen Kindern und vielen anderen Jugendlichen zur Seite gestanden zu sein, sie gefördert und gefordert zu haben, sie immer wieder ermutigt zu haben und habe das Gefühl, ich habe genug davon, immer wieder diese Rolle zu wiederholen (ja, ich habe meinen Job auch aus der Motivation heraus gewählt, es "anders" zu machen, nicht wegzuschauen, nicht nur meinen Kram durchzuziehen, sondern ein offenes Ohr zu haben und für andere wirklich da zu sein). Gerade vor diesem Hintergrund habe ich das Gefühl, mein Problem wäre so etwas wie ein "Lebensthema", das ich gerne abschließen möchte, damit ich mich auch mal anderen Dingen widmen kann.


), aber in meinem Gefühl offenbar nicht "gut genug". Aber irgendwann muss doch auch mal genug sein! Irgendwann muss man ein Thema genügend "durchgekaut" haben und es loslassen können (und an meinem kaue ich jetzt schon 40 Jahre...). Aber wie?? Ich erkenne das vom Kopf her schon... und trotzdem gerate ich, gerade in den letzten Monaten, immer wieder in dieses Loch, schlage dann verbal um mich und kann einfach nicht loslassen...
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