Antworten
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 12
  1. User Info Menu

    Sich selbst eine gute Mutter sein

    Eine ganz konkrete Frage an alle unter euch, die von ihrer Mutter nicht das bekommen haben, was ein Kind braucht, stattdessen Ablehnung, Haß und andere schlimme Dinge. Und die noch heute brave Töchter sind, die nach deren Aufmerksamkeit und Liebe lechzen: wie macht ihr euren Frieden? Wie bemuttert ihr euch selbst? Wie lebt ihr damit, selbst Mutter zu sein oder zu werden und nicht auf eure Mutter als Vertraute zurückgreifen zu können?
    Ich freue mich auf eure Antworten.

  2. Inaktiver User

    AW: Sich selbst eine gute Mutter sein

    Zitat Zitat von Halbmondin Beitrag anzeigen
    Eine ganz konkrete Frage an alle unter euch, die von ihrer Mutter nicht das bekommen haben, was ein Kind braucht, stattdessen Ablehnung, Haß und andere schlimme Dinge. Und die noch heute brave Töchter sind, die nach deren Aufmerksamkeit und Liebe lechzen: wie macht ihr euren Frieden? Wie bemuttert ihr euch selbst? Wie lebt ihr damit, selbst Mutter zu sein oder zu werden und nicht auf eure Mutter als Vertraute zurückgreifen zu können?
    Ich freue mich auf eure Antworten.

    Liebe Halbmondin,

    da kann ich mitreden
    Mit dem, was ich im Zitat fett gemarkert habe, fing es meiner Erfahrung nach an: Erkennen, dass ich aus einem kindlichen Mangel heraus handelte, und dass keiner mir diesen Mangel füllen kann.
    Ich habe Wut und Trauer durch laufen lassen, Runde um Runde (einen solchen Berg überwindet man nur in Wellen....) und vor allem habe ich meine Mutter innerlich aufgegeben.
    Das ist wirklich sehr schmerzhaft, und es kann gut tun, dabei professionelle Begleitung zu haben.

    Damit einher ging eine riesige Erleichterung. Ich musste sie nicht mehr lieben, oder still halten wenn sie ihr narzisstisch-sadistisches Programm durchzog, ja ich durfte sie sogar einfach meiden und den Kontakt, weil er mir nicht gut tat, einstellen.

    Nach und nach erkannte ich, dass ich selbst schon eine liebevolle Mutter war - für meine eigenen Kinder, für Tiere. Das zu sein, erfordert gar nicht zwingend eigene gute Erfahrungen oder ein Vorbild, das hat ein Mensch nämlich im Herzen, so es nicht verschrumpelt und schwarz ist....

    Ich denke, das Aufgeben ist entscheidend. Und sich zu erlauben, jedes, aber auch wirklich jedes Gefühl zu zu lassen.
    Also meine haben mich da gut durch geführt, auch wenn ich mir natürlich phasenweise selber vorkam als sei ich so gemein, lieblos und verkehrt, wie es die Misshandlungen mir als Kind suggeriert hatten.

    Du hast schon alles in dir. Allein deine Frage zeigt das.

    Go for it.

    Alles Liebe,
    Ika

  3. Inaktiver User

    AW: Sich selbst eine gute Mutter sein

    Ich bin keine brave Tochter gewesen, sondern habe den Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen, nachdem ich selbst Mutter geworden war. Ich konnte meine Mutter nicht in der Nähe meines Kindes ertragen, total bestimmt schon überzogene Schutzreflexe, aber es ging nicht.

    Ich muß nicht nach Aufmerksamkeit und Mutterliebe lechzen, denn ich habe gelernt, ohne auszukommen.

    Ich habe mir vorgenommen, meinen Kindern nie das auch nur im entferntesten anzutun, was meine Mutter mir angetan hat und mittlerweile weiß ich, dass ich das geschafft habe. Meine Söhne sind erwachsen und ihre Aussagen zeigen mir, dass alles gut gelaufen ist.

    Richtigen Frieden gefunden habe ich, als meine Mutter in den 90ern verstorben ist. Ich war kurz vorher bei ihr im Krankenhaus. Ich denke das war wichtig, so konnte ich dieses Kapitel für mich abschließen.

  4. Inaktiver User

    AW: Sich selbst eine gute Mutter sein

    Liebe Halbmondin,

    auch ich kenne dieses Problem nur allzu gut. Also einen Teil dieses Problems, nämlich den von der eigenen Mutter sehr wenig Zuneigung und Liebe erfahren zu haben, stattdessen Ablehnung, Verachtung, Haß etc.

    Allerdings hatte ich mein Leben lang immer wieder sehr schwere Verwerfungen mit ihr, Distanzierungen, Kontaktabbrüche.

    Solange Du, wie Du selbst schreibst, die brave Tochter bleibst und nach Liebe und Aufmerksamkeit lechzst, wird es nicht gehen. Erst wenn Du die traurige Realität akzeptieren kannst, dass deine Mutter Dir das nicht geben konnte und nicht geben kann, was Du gebraucht hättest als Kind, als Jugendliche und was Du auch jetzt als Erwachsene noch vermisst, wirst Du dich lösen und Deine Liebe (hoffentlich) woanders finden können, bzw. Dir selbst ein gute Mutter sein können.

    Es ist sehr hilfreich für diesen schmerzhaften Weg mit viel Trauer, Wut und Enttäuschung professionelle Hilfe zu haben. Aber auf diesem Weg wird Dir sicherlich auch die Liebe zu Dir selbst begegnen - es ist also nicht nur eine düstere und schmerzhaft Angelegenheit.

    Lieben Gruß

    Evelyn

  5. User Info Menu

    AW: Sich selbst eine gute Mutter sein

    Meine Erfahrungen im Lauf vieler vieler Jahre:

    - Um sich selber und die eigene Geschichte weinen
    - Erkennen, dass man sie nicht mehr braucht. Man darf gehen.
    - Nach anderen Mutterfiguren im Leben Ausschau halten.
    - Sich um etwas/jemand schwächeren kümmern.
    - sich selbst betüddeln und hofieren, bis der Arzt kommt.
    - In den Wald stellen und Gott anschreien.
    - In den Wald stellen und Gott fragen, ob er einem trotzdem jederzeit zur Seite steht.
    - Mit Wärmflasche unter die Bettdecke kriechen und sich selber schaukeln, bis es nicht mehr weh tut.
    - Sich schlimme Situationen vorstellen, die gewesen sind. Als heutige Erwachsene ins Zimmer reinplatzen der eigenen Mutter eine Ohrfeige verpassen (oder noch mehr) und sich selbst als Kind an der Hand packen und rausziehen.
    - Die eigene Mutter als Mensch betrachten lernen, der (vermutlich) selbst eine grausige Geschichte erlebt hat. Unabhängig von der Mutterrolle. Einfach nur als Frau, die einiges mitgemacht hat. Die eigene Mutter als Kind sehen, das Opfer wurde.
    - Sich bewusst machen, was man überlebt hat. I survived my Mom! Wie viel Tapferkeit, wie viel Durchhaltevermögen da drin steckt.
    - Nach dem Teil in sich suchen, der trotz allem Leben wollte.

    Ich bin mir selber dankbar, dass ich durchgehalten habe. Ich wollte überleben. Ich wollte Leben

  6. User Info Menu

    AW: Sich selbst eine gute Mutter sein

    Ich habe meine Mutter innerlich gerettet.

    Nach intensiven Nachforschungen über ihre Kindheit habe ich mir mal sehr intensiv vorgestellt, wie ihr mein Großvater gerade weh tut.
    Ich habe gedanklich einen Holzpflock geholt, mich von hinten angeschlichen und den Kerl verprügelt, bis nichts mehr ging. Meine Mama habe ich da raus gezogen.

    Ich bin dem Kind in meiner Mutter gegenüber loyal.
    Der heutigen Erwachsenen Frau, die sie ist, allerdings nicht.

  7. User Info Menu

    AW: Sich selbst eine gute Mutter sein

    Ich bin bis heute keine brave Tochter, so wie sie meine Mutter doch gern hätte und gelegentlich sogar heute noch einfordert. Ich bleibe reserviert.

    Auch lechze ich nicht nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, die erzieherischen drangsalierenden Maßnahmen teilweise mit Arrest und körperlichen Züchtigungen wogen zu schwer.

    Über die Jahre war mein Leben eine Achterbahn, ganze Abschnitte ganz schwer, in Ermangelung einer Vertrauten.

    Sie sagte mir als erwachsener Frau eindringlich, das, was ich so suche, gäbe es nur im Film.

    Eines wollte ich nie: so werden und so sein wie meine Mutter, das war mein Antrieb, täglich.


    Ich fing irgendwann an, ich selbst zu sein, ein Prozeßbeginn in der Mitte des Lebens, als meine Kinder selbstständig wurden.



    Heute ruhe ich in mir, gehe seit Jahren auf größtmöglichen emotionalen Abstand, gestehe mir ein, dass ich keine Zuneigung emfinde.
    Darauf kommt es bei einer missratenen Tochter mehr oder weniger eh nicht mehr an.

    Ich respektiere kühl, dass sie nun mal meine Muttter ist. Pflichtbesuche, sonst nix.

    Es macht mich auch nicht mehr traurig. Ich brauche sie nicht.
    Ich sorge für mich selbst, es geht mir sehr gut damit.

    Ich habe meinen Frieden mit der Situation geschlossen, ich kann sie -meine Mutter- eh nicht ändern.
    Beruhigend ist für mich, zu sehen, dass andere Personen auch Schwierigkeiten mit ihr haben.

    Als Mutter habe ich Liebe und auch dosierte Strenge gegeben. Meine Kinder haben Verstehen gelernt, mich gern und zeigen das.
    Daraus ziehe ich meine Befriedigung/ Bestätigung, es wärmt mich.

    In guten Zeiten tue ich mir Gutes, in weniger guten Zeiten bemuttern meine Kinder mich.
    Ich fühle keine Leere.

    Geändert von Kenga (25.11.2014 um 14:26 Uhr) Grund: Zusatz zum Eingangspost
    Lieber Staub aufwirbeln als Staub ansetzen ...

  8. Inaktiver User

    AW: Sich selbst eine gute Mutter sein

    .

  9. Inaktiver User

    AW: Sich selbst eine gute Mutter sein

    Aufhören, eine gute Tochter sein zu wollen, man wird es nie sein.
    Ebenfalls aufhören, ihre Anerkennung zu bekommen, es wird ohnehin nie der Fall sein, sie macht sich höchstens noch einen Sport draus, einen immer und immer wieder auflaufen zu lassen.

    Akzeptieren, dass es nun mal so ist und sich gleichzeitig von oberflächlich allzu sonnigen Verhältnissen nicht blenden lassen.

    Generell Menschen aus dem Weg gehen, die einen nicht wertschätzen oder nur aufgrund erbrachter Leistung oder zu deren eigenem Nutzen dulden.
    Versuchen, sich auf sich zu besinnen und seinen Weg gehen, dann kommen plötzlich andere dazu.

  10. User Info Menu

    AW: Sich selbst eine gute Mutter sein

    Zitat Zitat von Halbmondin Beitrag anzeigen
    Eine ganz konkrete Frage an alle unter euch, die von ihrer Mutter nicht das bekommen haben, was ein Kind braucht, stattdessen Ablehnung, Haß und andere schlimme Dinge. Und die noch heute brave Töchter sind, die nach deren Aufmerksamkeit und Liebe lechzen.
    Ich bin immer noch eine brave Tochter, will heißen, trete nicht offen in Konflikt mit den Eltern. Lebe aber meine Entscheidungen, weil ich in ihren Augen, egal wobei, nie etwas gut machen werde können. Ich bin nicht mehr um Zuneigung heischend und reduziere Besuche auf eine Frequenz der Höflichkeit.

    Geliebt werden möchte ich, könnte ich´s mir aussuchen, immer noch lieber, als abgelehnt zu werden, zumindest respektiert werden, zumindest fühlen zu können, dass es meine Eltern nicht stört, dass ich lebe - das ist natürlich viel zu viel verlangt. Es muß reichen, dass ich lebe, auch wenn es zwei Menschen auf der Welt gibt, die sich, solange sie leben, damit nie abfinden werden können und denen jeder Blick auf mich zu viel ist.

    Warum dies so ist, dass werden die beiden eines Tages mit in ihre jeweiligen Gräber nehmen, so sie sich dessen jemals bewußt werden konnten. So sie Bewußtsein überhaupt zulassen konnten.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Ich denke, das Aufgeben ist entscheidend. Und sich zu erlauben, jedes, aber auch wirklich jedes Gefühl zu zu lassen.
    Das Aufgeben der Suche nach der Liebe der Mutter ist entscheidend. Aber hart.

    Als 4-jähriges Kind kannst du dieser Welle von Antipathie schlecht entgegentreten und beziehst das dir vorgeworfene Falschsein natürlich ausschließlich auf eigenes Unliebenswertsein. Einem solchen Kind fehlt schlicht und ergreifend die Lebensberechtigung. Sich diese später selbst zu beschaffen ist die Königsklasse an Lebenskompetenz.

    Zitat Zitat von Frau_Sonne Beitrag anzeigen
    - Sich schlimme Situationen vorstellen, die gewesen sind. Als heutige Erwachsene ins Zimmer reinplatzen der eigenen Mutter eine Ohrfeige verpassen (oder noch mehr) und sich selbst als Kind an der Hand packen und rausziehen.

    - Sich bewusst machen, was man überlebt hat. I survived my Mom! Wie viel Tapferkeit, wie viel Durchhaltevermögen da drin steckt.
    Der Tipp mit der - gedanklichen - Ohrfeige und der eigenen Rettung gefällt mir sehr gut!

    Ich bin eine Tochter die ihre Kindheit überlebt hat. Eigenartigerweise war ich im Alter von etwa 6 - 10 Jahren davon überzeugt nicht zu überleben. Dank meiner Phantasie, Traumreisen und Traumersatzfamilien war es mir möglich durch die Zeit zu kommen. Ich kann mich noch sehr bewußt an meine "lebensrettenden" Gedankenausflüge erinnern. Sie verschafften mir Geborgenheit und eine liebende Ersatzfamilie.

    Ich als Mutter kann meiner, jetzt schon erwachsenen, Tochter anders begegnen. Ich wollte sie nicht angepaßt, gehorsam, unsichtbar, klein halten. Mein Kind hat ihre Lebensberechtigung - zum großen Glück von uns allen!
    Durchsage:

    "Achtung, es wurde eine herrenlose Damenhandtasche gefunden ..."

Antworten
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •