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27.11.2014, 17:58
AW: Sich selbst eine gute Mutter sein
Geändert von Tumbline (27.11.2014 um 18:11 Uhr) Grund: doppelt, lerne noch
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27.11.2014, 18:08
AW: Sich selbst eine gute Mutter sein
Hallo Halbmondin,
"Ablehnung, Hass und andere schlimme Dinge" – durch meine Mutter habe ich dasselbe erfahren.
Das mit der braven Tochter hatte ich mit meiner Mutter jedoch nicht, eher mit meinem Vater, bei dem ich aufwuchs, nachdem meine Mutter sich recht früh davonmachte.
Heute habe ich mit der Muttersache meinen Frieden gemacht, mit meinem Vater, diesem schrecklichen, gewalttätigen, hasserfüllten Mann bin ich noch nicht so weit.
Der Abschied von meiner Mutter-Sehnsucht und -Suche war ein sehr schmerzlicher Prozess. Der mir gelang mit vielem, was Frau Sonne beschrieben hat, ich hab mal stehengelassen, was mir am meisten geholfen hat:
Um sich selber und die eigene Geschichte weinen
- Oh ja, viele Nächte, viele Jahre lang.
Nach anderen Mutterfiguren im Leben Ausschau halten.
- Auch viele Jahre lang, leider nie erfolgreich. Allenfalls manche große Autorinnen sind mir auf solche Weise eine Art Vorbild geworden.
Sich um etwas/jemand schwächeren kümmern.
- Meine jüngeren Geschwister, für die ich Mutterersatz war. Das hat mich am Leben gehalten. Und meine Liebe zu Tieren, zu denen ich bis heute einen ganz besonderen Draht habe.
sich selbst betüddeln und hofieren, bis der Arzt kommt.
- Oh ja, das auch.
In den Wald stellen und Gott anschreien.
- Ja, habe ich auch.
Mit Wärmflasche unter die Bettdecke kriechen und sich selber schaukeln, bis es nicht mehr weh tut.
- Mache ich heute manchmal noch.
Nach dem Teil in sich suchen, der trotz allem Leben wollte.
- Der war immer ganz ganz stark in mir. Ich kenne das ganz genau, was Silberklar beschreibt.
Als Kind habe ich Unmengen gelesen. Und eine unnormale Fähigkeit zum Träumen entwickelt. Tagträume von Liebe, Wärme, Geborgenheit, die in mir tatsächlich sehr starke Gefühle erzeugt haben. Die Bücher mit ihren Figuren, die das waren, hatten, lebten, was ich mir so sehr wünschte, haben mir tröstliche Welten eröffnet.
Was ich auch habe, ist die Vorstellung, wie ich, die ich heute bin, mich kleines Mädchen aus so einer Misshandlungssituation rette, rausnehme, berge, tröste, wiege, schütze.
Von meinem Vater habe ich mich erst in den letzten Jahren gelöst. Erst in Anbetracht einer schlimmen Diagnose habe ich mir endlich eingestanden, dass der letzte Mensch, den ich in diesem Moment in meiner Nähe haben wollte, der Mann war, der mich jahrelang physisch und psychisch misshandelt hatte. Jahrelang hatte ich den Kontakt 'ertragen', weil ICH IHM nicht WEHTUN wollte, wie krank.
Doch erst dann, als ich endlich, endlich auf mich gucken musste, habe ich es mir erlaubt, diesen Menschen aus meinem Leben rauszuschmeissen.
Tumbline


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