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    Leben oder Träumen

    Hallo,

    vielleicht kennt ja jemand mein Thema bzw. fühlt sich angesprochen und hat Lust, sich hier auszutauschen.

    Zu mir: ich bin w, Mitte dreißig und Single. Eine "richtige" Partnerschaft hatte ich nie, wenn man darunter versteht, räumliche Nähe zu teilen (hab immer alleine gewohnt), Zukunftspläne zu schmieden, sprich, alles was eine Beziehung verbindlicher macht. Mein ganzes Leben ist im Grunde gekennzeichnet von Instabilität: zwei Studienabbrüche, häufige Job- und Wohnortwechsel. Ich bin eher eine Einzelkämpferin; bei Freundschaften ist es genauso wie in den anderen Lebensbereichen: eine Zeitlang geht es gut, dann kracht es entweder oder es verläuft sich, langjährige Freunde habe ich keine, was weiter mich nicht so sehr belastet, dass ich die Erfahrung machen durfte, dass immer wieder neue, interessante Menschen in mein Leben treten.

    Im GRunde geht es mir nicht schlecht. Ich sorge für mich, komme klar, werde wohl nie große Sprünge machen, da ich beruflich nicht ehrgeizig bin aber ich mag meinen Job und bin bescheiden, was Materielles angeht.

    Ich hatte früher sehr wenig Selbstbewusstsein, fand mich in vielen Bereichen nicht gut genug, hab auch in Bezug auf Männer viel mit mir spielen lassen, war zu lieb, zu nett aus Angst, die Zuneigung eines Mannes zu verlieren. Was dann passiert, na klar, man erlangt so natürlich keinen Respekt. Man erreicht das Gegenteil von dem was man will. Hab mich vielleicht auch oft "unter Wert" verkauft, aber an die Männer, die ich richtig toll fand, hab ich mich nicht getraut bzw. die haben mich auch gar nicht gesehen.

    Seit einiger Zeit ist das anders, also, es interessieren sich Männer für mich, die ich wirklich attraktiv finde. Und doch weiche ich aus. Ich ziehe mich einfach zurück, melde mich nicht, stelle mich tot, bin total gelähmt. Einerseits will ich ja: endlich ein "richtiges" leben, mal ankommen, oder wenigstens Spannendes erleben, nicht immer so zurückgezogen in meiner Traumwelt. Andererseits will ich eben doch nicht. Habe Angst, bei "näherer" Betrachtung dann doch nicht mehr so attraktiv zu erscheinen. Fühle mich außerdem zur Zeit wohl mit mir, hab gar keine Lust, mich auf Neues einzulassen. Sich Kenenzulernen ist anstrengend. Habe auch Sorge, dass ein neuer Mann dann doch meine eigene, innere heile Welt kaputt macht.

    Andererseits: Wird man so was nichts päter bereuen? Sein Leben nicht wirklich ausgefüllt gelebt zu haben? Aber sind es spätere, gute Erinnerungen, von denen man möglicherweise im Alter zehren kann, wert, im Jetzt etwas zu leben, wozu man sich nur mühsam aufraffen kann? Ich gebe zu, am wohlsten fühle ich mich bei mir daheim mit einem guten Buch oder mit meinen eigenen Gedanken. Aber das ist dch kein Leben für jemanden in meinem Alter...

    Therapie habe ich gemacht, Thema wurde auch angesprochen. Wirklich weitergebracht hat es mich nicht.

    Eure Gedanken interessieren mich...

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    AW: Leben oder Träumen

    Du liest dich, als würdest du dich von deinen Ängsten durchs Leben leiten lassen.

    Das kann nicht gut sein und ist m.E. kein gesundes Verhalten.

    Thema wurde angesprochen, aber nicht so bearbeitet, dass du Schlüsse daraus ziehen konntest und Veränderungen einleiten konntest.

    Dann würde ich sagen - hat das nicht genug gebracht!

    Ich würde Therapie fortsetzen an deiner Stelle. Und parallel ganz viel für mich tun, wodurch ich mein Selbstbewusstsein stärken kann. Und wodurch ich mich selbst finden kann. Lernen, mich im sozialen Gefüge einzubasteln, so dass es mir gut tut.

    Dein Misstrauen in die Welt hat Ursachen. Man kann lernen, ein freieres Leben zu führen und die Ängste abzubauen und das Leben zu geniessen.
    Willst du?

    LG Karla
    The original Karla
    est. 2006


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    AW: Leben oder Träumen

    Zitat Zitat von Karla48 Beitrag anzeigen

    Dein Misstrauen in die Welt hat Ursachen. Man kann lernen, ein freieres Leben zu führen und die Ängste abzubauen und das Leben zu geniessen.
    Willst du?

    LG Karla
    Hallo Karla,

    ja Ängste, irgendwo unter allem sicher. Aber ich fühle mich ja nicht unglücklich. Da ist nur die Sorge, möglicherweise etwas zu verpassen. Also es geht eher darum, in Zukunft vielleicht etwas zu bereuen als im Jetzt etwas wirklich zu vermissen.

    Die Therapie habe ich aus bestimmten Gründen abgebrochen. Ich weiß nicht, ob mir eine zweite bewilligt würde, sehe dazu jetzt aber auch nicht wirklcih eine Notwendigkeit. Für mich hat die Therapie nichts wirklich Erhellendes gebracht. Ich habe da nichts erfahren, was ich nicht selber schon wusste über mich. Dass ich letztlich ohne Ergebnis dort hinausgegangen bin, lag weniger am Therapeuten als an mir, denn Reden allein bringt es nicht, man muss sich - mit therapeutischer Unterstützung - seinen Ängsten im wahren Leben schon selber stellen.

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    AW: Leben oder Träumen

    Du leidest offensichtlich unter Bindungsangst. Woher das kommt weißt nur du. Ehrlich gesagt denke ich, dass man mit Mitte 30 so eingefahren ist, dass eine großartige Änderung da nicht mehr möglich ist.

    Wenn du zufrieden mit deinem Leben bist, lass es so und gut iss. Ob du dann später mit Ü50 bereuen wirst keine Kinder oder nie geheiratet zu haben - kann man heute nicht vorhersehen.
    Gruss
    Meagan

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    AW: Leben oder Träumen

    Zitat Zitat von Jenny2000 Beitrag anzeigen
    HDa ist nur die Sorge, möglicherweise etwas zu verpassen. Also es geht eher darum, in Zukunft vielleicht etwas zu bereuen als im Jetzt etwas wirklich zu vermissen.
    Wenn es dir jetzt als Single gut geht, warum krampfhaft etwas ändern?
    Hätte etwas halbherziges und so lassen sich gute Beziehungen nicht leben.

    Ob du später etwas bereust?
    Wer weiss?
    Andere blicken später vielleicht auf drei gescheiterte Ehen (mit vielen seelischen Verletzungen) zurück und auf zwei Kinder zu denen sie keinen Kontakt mehr haben oder mit denen sie zerstritten sind. Es gibt keine Sicherheiten.
    Am besten man lebt im HEUTE so wie es einem gut tut und richtig erscheint. Etwas zu tun nur weil man es sonst in der Zukunft vielleicht bereut ???

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    AW: Leben oder Träumen

    Es ist aber Sache des Therapeuten, die soweit zu motivieren, dass du dich den Ängsten stellst.
    Meiner hat das geschafft, als es um Panikattacken ging.
    Und ich habe inzwischen in dem Bereich noch mehr dazu gelernt, und rückblickend erkannt, dass mich der eine Therapeut, den ich Jahre hatte, nicht weitergebracht hat. Er hat es nicht geschafft, mich soweit zu stärken, dass die Motivation zu Veränderungen grösser wurde als die Muffe davor.
    Das macht mich rückblickend einigermassen fassungslos.
    Einem Therapie unerfahrenen Menschen kann man viel erzählen.

    Lebe dein Leben , aber bitte bleibe ein soziales Wesen. Ich sehe bei einer früheren Schulfreundin, in was für eine seltsame Schrulle sie sich verwandelt hat. Das macht nicht nur mir keinen Spass mit ihr - sondern an ein männliches Wesen ist da überhaupt nicht zu denken. Jedes kleine bisschen muss so laufen, wie sie es will. Besuchen kann man sie auch nicht, das ist ihr unheimlich, Leute in der Hütte. Unflexibel im Kopf wie nur was, sie hat ja auch keinen, der mal korrigierend eingreift, um sich. Sie hält das alles für normal. Sie sieht gar nicht, dass sie ein Einzelwesen geworden ist. Das ist eine echte Gefahr. Einigermassen zufrieden ist sie, durchaus. Aber "glücklich", fröhlich, humorvoll, gelassen? Fehlanzeige. Menschen kennen zu lernen als anregend erleben? Nö, ist nur Stress. Immer dieselben drei.

    Man kann sich eine Lebensform, die durch Angst entsteht, auch herrlich schönreden.
    Es geht ja auch so, wie es ist. Man muss ja auch eine quietschende Tür nicht ölen. Geht ja auch so. Alles eine Frage des Anspruchs.

    Und zwischen "gelähmt" und "ich habe gerade besseres zu tun" sehe ich einen riesen Unterschied.
    Letzteres ist eine freie Entscheidung.
    Und das wünsche ich jedem Menschen. Sich frei entscheiden zu können, sich nicht von Ängsten steuern zu lassen.

    LG Karla
    The original Karla
    est. 2006


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    AW: Leben oder Träumen

    Danke euch allen für eure Kommentare!

    @Karla: was du schreibst, gibt mir schon zu denken. Es ist eben die Frage, ist es bloß Angst oder ist es nicht doch mein Wunsch zu leben wie ich lebe und sind es vielleicht nur die Vorbilder an Lebensformen, mit denen man aufwächst und die man meint, erfüllen zu müssen.




    Zitat Zitat von Karla48 Beitrag anzeigen
    Es ist aber Sache des Therapeuten, die soweit zu motivieren, dass du dich den Ängsten stellst.
    Meiner hat das geschafft, als es um Panikattacken ging.
    Für mich waren die Therapiesitzungen nette Plauderstündchen. Ich konnte mich aber auch nicht 100% öffnen, um auch die Dnge anzusprechen, die tief unten vergraben liegen, die es zweifelsohne gibt. Vermutlich schlicht aus dem Grund, dass der Leidensdruck nicht groß genug ist. Dann wägt man ab: lebt man so weiter, was ja bisher auch immer ging oder weckt man schlafende Hunde und am Ende steht man allein da ohne Halt. Das kann ja durchaus auch passieren, als Nebenwirkung einer Therapie. Wer kann einem garantieren, dass man geschützt bleibt?



    Zitat Zitat von Karla48 Beitrag anzeigen
    Und zwischen "gelähmt" und "ich habe gerade besseres zu tun" sehe ich einen riesen Unterschied.
    Letzteres ist eine freie Entscheidung.
    Und das wünsche ich jedem Menschen. Sich frei entscheiden zu können, sich nicht von Ängsten steuern zu lassen.
    Das ist es eben. Ja, ich fühle mich gelähmt. Gleichzeitig habe ich aber auch besseres zu tun. Es gibt da einen Mann, der mir auch recht gut gefällt, der Kontakt sucht. Ich weiß selbst nicht, warum ich mich da zurückziehe: bin ich gelähmt, starr vor Angst oder habe ich besseres zu tun? Treffe ich mich nicht mit ihm aus Angst vor neuen Verletzungen oder treffe ich mich mit ihm aus Angst, vielleicht etwas zu verpassen (und wenn es nur eine bereichernde Begegnung ist)? Letztlich ist beides Angstmotiviert.

    Was mir fehlt, ist irgendwie die Lust und Freude an was neuem, am Leben überhaupt. Und aus früheren Beziehungen sind genug Verletzungen übrig geblieben bis heute und das, obwohl ich diese Männer ja noch nicht mal so nah an mich rangelassen habe. Dennoch spiele ich manche Situation immer noch gelegentlich im Kopf durch und ärgere mich, mich überhaupt mit diesem oder jenem eingelassen zu haben bzw. die Sache nicht schon viel früher beendet zu haben. Das kostet unheimlich Energie, abgesehen davon, dass es sinnlos ist, ist aber wie eine Art Zwang. Ich brauche nicht noch so einen Energiesauger.

    Tja, man kann nie wissen, ob die Entscheidungen die man trifft, die richtigen sind. Im Hier und Jetzt zu leben, ist wohl ein guter Plan.

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    AW: Leben oder Träumen

    Jenny, wir ALLE sind schon mal mehr oder weniger verletzt worden. Aber das muss auch irgendwann mal abgehakt werden und man sollte wieder neu beginnen.
    Gruss
    Meagan

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    AW: Leben oder Träumen

    Nun, Angst verkleidet sich sehr gerne in vermeintlich schlüssigen Argumenten.
    "Ich habe besseres zu tun".

    "Mit dem Zug zu fahren ist sowieso sicherer" (bei meinen Panikattacken beim Autofahren, z.B.)

    Wenn man sich nicht öffnet, dann kann der Therapeut nichts machen.
    Warum gingst du denn überhaupt in eine Therapie?
    Der Mann konnte dir deine Angst nicht nehmen. Nichtmal die, sich zu öffnen.

    Aber das ist eigentlich auch egal.
    Wichtig ist das heute.
    Und vielleicht noch das morgen.
    The original Karla
    est. 2006


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    AW: Leben oder Träumen

    Zitat Zitat von Meagan Beitrag anzeigen
    Jenny, wir ALLE sind schon mal mehr oder weniger verletzt worden. Aber das muss auch irgendwann mal abgehakt werden und man sollte wieder neu beginnen.
    Ja schon,Meagan, und es hilft auch, sich das bewusst zu machen. Aber diese Wissen trägt nicht lange. Ich muss auch sagen, dass ich nicht wüsste was wirklich motivierend an einer Paarbeziehung ist. Und ich habe auch eine gewisse Scheu vor Sex- hat mir nie wirklich Spass gemacht, war eher mit Schmerzen im schlimmsten und im besten Fall mit Gleichgültigkeit - blöder Begriff, mir fällt grad nichts besseres ein - verbunden. Selbst mit einem Mann, in den ich wirklich verknallt war, den ich in meiner Phantasie wirklich gewollt habe, war die Realität dann ganz anders. Also, Körper und Seele machen irgendwie dicht.

    Und da stellt sich die Frage, vielleicht ist es für manche Menschen eben besser, alleine zu sein, vielleicht muss man irgendwann anfangen, sich von vorgelebten Rollenbildern zu lösen. Allerdings möchte ich natürlich auch nicht derart anstrengend für meine Mitmenschen werden wie Karlas Schulfreundin... ein bisschen schrullig finde ich hingegen nicht so schlimm ;-)

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