Ich stimme Francesca zu.
Früher war eine psychische Erkrankung ein Stigma, etwas, was man bloß nicht nach außen kommunizieren durfte. Und oft auch ein Familiengeheimnis, über dass man nur hinter vorgehaltener Hand reden konnte.
Heute hat der Gang zum Therapeuten eine hohe soziale Akzeptanz.
Man sollte schon bedenken, dass man mit einem Therapeuten eine Instanz in das eigene Leben lässt, die dann auch Einfluss hat. Es scheint vielen Menschen offenbar nichts auszumachen, einem Therapeuten diese Position zuzugestehen.
Insofern ist die Hemmschwelle für den eigenen emotionalen Kompetenzerhalt bzw. Verlust heute viel niedriger als früher.
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Thema: Emotionaler Kompetenzverlust
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26.10.2014, 14:23Inaktiver User
AW: Emotionaler Kompetenzverlust
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26.10.2014, 14:29
AW: Emotionaler Kompetenzverlust
Was mich schon immer wieder weitergebracht hat, waren Spiegelungen (also Rückmeldungen, wie ich erlebt werde) und Fragen. Hier rede ich aber vom RL. Ich brauche da einen persönlichen Rahmen dazu.
nagut, solche Sachen sehe ich auch eher als Abgleich, ob man mit "der Masse noch konform geht", also ob man noch in der Norm -also normal - ist. Mit Problemstellungen dieser Art dürften thematisch breit aufgestellte Foren zu 90% gefüllt sein. Und letztlich wird der TE immer das rauslesen, was er sowieso schon in sich trägt bzw wozu er sowieso schon tendiert. Im Grunde sind Ratschläge und Antworten ja auch nichts anderes als eine Reaktion auf diese subjektive Färbung eines Posts. Im Grunde ist das nichts anderes als Tarot zu legen, um es mal ganz einfach zu sagen... sondern "das ist der Typ nicht wert/schieß ihn ab/wo bleibt dein Selbstwertgefühl/du musst dem Vorgesetzten die Kante zeigen, der Nachbarin eben sagen, dass sie aus dem Mund stinkt...."
Aber in diesen Themen gehts doch eher seltener um professionelle Hilfsangebote, oder?Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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26.10.2014, 14:34
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26.10.2014, 14:35
AW: Emotionaler Kompetenzverlust
sehe ich nicht so. Ein Therapeut hat nur den Einfluss, den ich ihm gebe (geben kann oder geben will). Das ist ja gerade der weit verbreitet Irrglaube: der Therapeut würde machen. Nein tut er nicht, er begleitet nur. Der Patient/Klient macht. Und nur dann kann sich was in seinem Leben ändern. Viele haben das noch nicht kapiert und das wird durch die Interessen der Pharma zudem noch erleichtert, indem Pillchen verschrieben werden, ohne deren Potenzial wirklich zu nutzen (z.B. Stabilisierung durch AD, um psychotherapeutisch arbeiten zu können)
Da wird ganz anderen Menschen z.B. Partner, die einem nicht gut tun, viel mehr Raum im eigenen Leben gewährt, obwohl die gerade in ihrer Laienhaftigkeit oft hervorragende Manipulatoren sind.Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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26.10.2014, 14:37
AW: Emotionaler Kompetenzverlust
Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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26.10.2014, 15:03Inaktiver User
AW: Emotionaler Kompetenzverlust
Ja, das sehe ich auch so. Wenn ich überlege, welchen Ballast meine Großeltern und Eltern mit sich herumgetragen haben/noch herumtragen und dass sie diesen natürlich auch ungefiltert an ihre Kinder weitergegeben haben, wünsche ich mir, dass es diese Vielfalt an professionellen Angeboten schon viel früher gegeben hätte.
Wobei ich mittlerweile aufgrund eigener Therapieerfahrungen der klassischen Psychotherapie eher kritisch gegenüberstehe. Aber alleine der Denkansatz, dass nicht alles Leiden stumm ertragen und/oder verdrängt werden muss, sondern dass man mit psychischen Verletzungen auch konstruktiv umgehen kann, ist für mich unschätzbar wichtig.
Ich sehe da einen Unterschied zwischen akuten und systemischen Problemen. Bei akuter Trauer, Liebeskummer, Streit mit dem Chef etc. helfen sicherlich Gespräche mit vertrauten Menschen und sich einfach mal fallen lassen können.
Aber wenn man jemand sicher dauerhaft selbst im Weg steht und aus seinem Leiden keinen Ausweg findet kann jemand mit einem professionellen Ansatz, der von außen auf die Situation guckt, hilfreich sein.
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26.10.2014, 16:34Inaktiver User
AW: Emotionaler Kompetenzverlust
Wow! Schon so viele Antworten!
Mehr noch als im Forum fällt mir im Alltag auf, dass manche Menschen zunächst mal keinen Ansatz finden, sich selbst zu helfen. Und auch nicht die richtige Hilfe suchen. Oft hat man blöde Lebenssituationen, die man nicht ändern kann. Und wo man in der einen oder anderen Form durchmuss. Aber ich habe den Eindruck, dass manche Leute ihre Spielräume einfach nicht sehen.
Mir fällt das jetzt verstärkt auf, wobei ich nicht weiß, ob das nun häufiger vorkommt oder ob es mir früher einfach nicht aufgefallen ist.
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26.10.2014, 17:45
AW: Emotionaler Kompetenzverlust
""Eine psychische oder seelische Störung ist eine krankhafte Beeinträchtigung der Wahrnehmung, des Denkens, Fühlens, Verhaltens bzw. der Erlebnisverarbeitung oder der sozialen Beziehungen. Es gehört zum Wesen dieser Störungen, dass sie der willentlichen Steuerung durch den Patienten nicht mehr oder nur zum Teil zugänglich sind.
Menschliches Erleben umfasst Emotionen (Gefühle) und Kognitionen (Denken, Aufmerksamkeit und Gedächtnis). Psychische Störungen betreffen diese Bereiche, und zwar entweder aufgrund seelischer Prozesse oder auch aufgrund neuropsychiatrischer, systemischer oder hirnorganischer Erkrankungen. Psychische Störungen können entweder den emotionalen oder den kognitiven Aspekt stärker beeinträchtigen oder in beiden Bereichen gleich stark ausgeprägt sein. ""
Psychische Störung
Wie soll der jenige das denn selber in den Griff bekommen?
Behandelst Du dein gebrochenes Bein auch selber?
Ist dir eingendlich klar, das psychische Störungen ein hohes Sterberisiko/ Suizidrisiko haben. Es liegt bei bis zu 15- 20 %, je nach Störung.
In der guten alten Zeit, als noch nicht über psychische Störungen gesprochen werden durfte, lag die Suizidrate übrigens doppelt so hoch wie heute. Damals haben sich über 20 000 Mensche jährlich das Leben genommen. Heute nur noch 10 000, was immer noch zuviel ist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Suizid#Statistik
Was soll denn damals am Umgang mit Psychischen Störungen besser gewesen sein?Geändert von Luftpost (26.10.2014 um 17:51 Uhr)
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26.10.2014, 17:57
AW: Emotionaler Kompetenzverlust
Man sollte immer differenzieren, aus welchen Beweggründen heraus professionelle
Hilfe in Anspruch genommen wird. Für manche mag es Teil eines aufgeschlossenen
Lifestyle-Konzeptes sein, ihre Entscheidungen unter Zuhilfenahme einer neutralen
Person abgesichert zu wissen.
Aber ich denke, hier bei uns dürfte dieses Motiv in den Hintergrund treten.
Es gibt derart vertrackte Lebenssituationen, die sehr oft gerade aus den familiären
Verstrickungen heraus entstehen bzw. schon lange bestanden haben. Gerade der
Familie, die @Seeegras als potentielle Hilfestellung erwähnt hat, fehlt die nötige
emotionale Distanz zu brisanten Themen, weil die Mitglieder selbst involviert sind.
Sie sind "betriebsblind", sozusagen.
Ein Blick auf die Probleme aus der Metaebene kann dagegen durchaus den einen
oder anderen gordischen Knoten lösen.
Dem kann ich nur beipflichten.
Gerade unsere Generation kommt oft ohne professionelle psychologische Hilfe nicht
an die Wurzel ihrer Probleme heran - die nicht selten "nur" auf der Weitergabe von
destruktiven Mustern und Glaubenssätzen basieren.
Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeiten, die uns und unseren Kindern heute zur
Verfügung stehen und deren Inanspruchnahme gottseidank die Betroffenen nicht
länger stigmatisiert.
Nicht alle Menschen verfügen über die entsprechende Resilienz, die es braucht,
mit schwierigen Situationen umzugehen und sie zu bewältigen.
Aber da Du den Alltag ansprichst ... ich denke, das kann auch ganz einfach erklärbare
Gründe haben. Nicht jeder hat ein wirklich gut funktionierendes soziales Netz, ganz
unabhängig von der Anzahl der FB-Freunde ;). Hilflosigkeit entsteht, wenn wir nicht
die Ansprechpartner haben, die wir für ganz bestimmte Problemlösungen bräuchten.
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26.10.2014, 18:13Inaktiver User
AW: Emotionaler Kompetenzverlust
Nein, aber ein verstauchtes schon.
Dass psychische Störungen fachgerecht behandelt werden können, ist ein Segen. Aber ich kenne mittlerweile einige Leute, die durch tragische Umstände (Tod, Scheidung, etc.) einen geliebten Menschen verloren haben. Und schon nach kurzer Zeit fachliche Hilfe gesucht haben. Dass es einem nach so einer Katastrophe lange schlecht geht, ist. m.E. normal und nicht behandlungsbedürftig. Die Leute lassen ihre "verstauchte" Seele fachlich behandeln, obwohl ein wenig Zeit, Ruhe und Zuwendung auch helfen würde.
Irgendwie wird auch eine "verstauchte" Seele gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert und der Betroffene pathologisiert. Ich erlebe das als Einengung der zulässigen Emotionen.


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