Hallo liebe Mitleser,
angeregt auch durch meinen Strang im Jobforum und allgemein meine persönlichen Baustellen, merke ich, dass ich oft wahrscheinlich (zu) empfindlich bin und ich mir gern ein dickeres Fell zulegen möchte.
Auch habe ich oft Probleme mit meinen Erwartungen an mein Umfeld, Job, etc...
Ich merke selber oft, dass ich mir da im Weg stehe und mir das Leben damit unnötig schwer mache.
Jetzt will ich Euch fragen, wie schaffe ich es a) ein dickeres Fell zu kriegen und b) meine Erwartungen herunterzuschrauben?
Denke oft an den Spruch: Erwarte nichts oder wenig, dann wirst Du nicht enttäuscht. Aber leider funktioniert das bei mir nicht. Auch wenn ich nichts ewarte oder das zumindest versuche, tut es oft weh.
Habt ihr vielleicht Tipps für mich? Oder hat Jemand schon das Gleiche "durchgemacht" und kann berichten wie ich da am besten vorgehe oder ob ich das irgendwie üben kann?
Danke schon mal.
Grüße
Anna
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Ergebnis 1 bis 10 von 54
Thema: Dickeres Fell, Erwartungen
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22.10.2014, 12:57Inaktiver User
Dickeres Fell, Erwartungen
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22.10.2014, 19:32Inaktiver User
AW: Dickeres Fell, Erwartungen
Hallo Anna,
das mit dem Spruch funktioniert nur, wenn man wirklich nichts erwartet und nicht insgeheim doch hofft.
Also wenn man nicht versucht, sich selbst zu überlisten.
Und was tut oft weh?
Wenn Du nicht so viel erwartest und es dann auch nicht passiert?
Wie alt bist Du, wenn ich fragen darf. Wie sieht es mit Deiner Lebenserfahrung aus?
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22.10.2014, 22:14Inaktiver User
AW: Dickeres Fell, Erwartungen
Das Problem scheint zu sein, dass Du eine feste Vorstellung (Erwartung) hast, wie etwas zu sein hat und Dich davon abhängig machst. Versuche doch mal "ergebnisoffen" an die Dinge heranzugehen d.h. mit einer guten Grundstimmung das sich die Dinge zu Deinem Besten fügen. Das wie lass los.
Das dickere Fell bekommst Du wenn Du aufhörst alles zu bewerten und persönlich zu nehmen.
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22.10.2014, 22:44
AW: Dickeres Fell, Erwartungen
Zitat: "Das dickere Fell bekommst Du wenn Du aufhörst alles zu bewerten und persönlich zu nehmen."
Und genau dafür wüsste ich gern, wie das geht... nicht alles persönlich zu nehmen....
Meine Lebenserfahrung sagt dann: haaalt, der meint vielleicht doch Dich? Wie sieht es denn bei Dir aus?? (ich mag dafür Menschen nicht, die Schwächen, Probleme/deren Ursachen usw. grundsätzlich erst mal bei anderen suchen und fange deshalb immer erst mal bei mir an zu wühlen.)
Ich hätte sooo gern ein dickeres Fell! (evtl. doch über Ebay?
)
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22.10.2014, 23:13
AW: Dickeres Fell, Erwartungen
Für den Anfang würde ich dir das Buch "Mit einander reden" von Schulz-von Thun empfehlen.
Es geht um Kommunikation und hat mir vor vielen Jahren die Augen geöffnet.
Lies es und du wirst vermutlich wissen, was ich meine.
Es wird die die Möglichkeit geben zu ahnen, dass die Aussage eines Menschen unterschiedliche Bedeutungen haben kann und oft gar nichts mit dir zu tun hat, sondern ausschließlich mit dem anderen.
Und damit hast du schon die erste Hürde genommen - die Ahnung, dass die Aktion oder Reaktion eines anderen gar nichts mit dir zu tun hat.Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
Profilbild © edwardbgordon
Moderation: "Rund um den Job", "Mietforum" und "Selbstständige, Freiberufler & Co"
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23.10.2014, 00:05
AW: Dickeres Fell, Erwartungen
Ich erinnere mich nicht gut an den anderen Strang, deswegen werf ich mich hier mal ins kalte Wasser. Wenn das alles schon war, ignorier mich...
Ein dickes Fell kriegt man durch emotionale und materielle Unabhängigkeit. Wenn man weiß, man kann seinen Kram, man hat seinen Kram auf der Reihe, und man braucht die Leute nicht, dann wächst der Pelz. Genau so, wie viele Konflikte mit den Eltern nachlassen, wenn man auf eigenen Füßen steht.
Nur ist natürlich weder der Mensch in seiner psychischen Verfassung noch in seinem gesellschaftlichen Umfeld fähig, vollständig autonom zu sein. Es gibt gute Zeiten, wo einen nichts etwas anhaben kann, und schlechte, wo nichts schiefgehen darf. Je mehr Reserven man hat (Geld, Raum, Zeit, Gesundheit, Gefallen gut), und auf je mehr Säulen man sich stützen kann (Fähigkeiten, gute Erinnerungen, Leute, Stärken), desto leichter ist es, sich von Rückschlägen in ein oder zwei Bereichen nicht runterziehen zu lassen.
Aus der Sicherheit -- und mehr noch aus der *Erkenntnis* von Sicherheit -- entsteht auch der Mut, sich mal aus dem Fenster zu lehnen, Leuten und Situationen einen Vorschuß zu geben, ohne den man oft nicht weiterkommt. Wenn man nicht auf Kante näht und sich auch mal leisten kann, was zu verlieren, ist das nicht nur Freiheit: Es ist auch die Vorbedingung, mal was zu gewinnen.
Wenn allerdings das ganze Leben auf Kante genäht ist, dann muß es auch in Ordnung gebracht werden. Dinge zu riskieren, die man sich nicht leisten kann, zu verlieren, ist ein Spiel für die Verrückten und Verzweifelten.
Perspektive und Humor sind auch brauchbar. Beide ermöglichen es einem, in einen mentalen Modus zu gehen, wo man seine eigenen Dramen nicht so wichtig nimmt, wo man sozusagen "über sich hinweg" gucken kann -- das hilft oft zumindest, die Nerven zu behalten und eine Situation nicht zu verschlimmern. Manchmal findet man so auch Wege und Alternativen zu sehen, die man sonst vor sich selber verborgen hätte. Und wenn so eine Alternative sich meldet, kann man sie angucken und sagen, "warum nicht" und damit herumzuspielen: Könnte ich das tun? Wie wäre das? Warum nicht? Es mag hundert gute Gründe geben, warum nicht, aber dann kennt man wenigstens seine Gründe.
Mit dem Erwarten ist das so eine Balance. Wer nichts erwartet, wird träge, wer zu viel erwartet, wird frustriert. Ich navigiere grob nach der Formel, "auf das beste hoffen, das schlimmste erwarten" -- ich suche mir das beste Ergebnis, das mir wahrscheinlich erscheint, und das schlechteste, überlege, wie ich zu dem besten komme, und wie ich mit dem schlechtesten umgehe. Das ist ein dynamischer Prozeß. Das Ergebnisfenster ändert sich ständig. Ich passe die Pläne entsprechend an. Und je mehr Situation ich habe, die Ergebnisse irgendeiner Art bringen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, daß sie alle in die Hose gehen. Ich mag vielleicht nicht die Gehaltserhöhung, und den Urlaub, und das tolle Weihnachtsgeschenk, und den ersten Platz beim Poetry Slam, und das Gesangssolo, und einen Winter ohne Erkältung, und Sonnenschein am Wochenende kriegen -- aber es ist unwahrscheinlich, daß ich *nichts* davon kriege.
Inwiefern ist das deine Lebenserfahrung? Hat sich in deinem Leben wieder und wieder gezeigt, daß du die Ursache oder das Zentrum von allem warst, was um dich herum geschehen ist? Das bedeutet, daß du sehr viel Einfluß auf deine Umgebung nimmst und nehmen kannst! Vielleicht hast du ein außergewöhnliches Charisma oder außerordentliche Fertigkeiten, oder große Klugheit? Füllst du in deinem Umfeld eine Rolle aus, an der niemand vorbeikommt? Du solltest beobachten, welche Eigenschaft an dir es ist, die deine Umgebung so formt, und sie bewußt einsetzen!
Aber: Selbst wenn du diese Wirkung auf deine Umgebung hast, wenn niemand anders kann, als auf dich zu reagieren, dann ist das *immer noch* kein Grund, diese Reaktionen persönlich zu nehmen. Denn die Reaktion der Leute gehört ihnen -- nicht dir. Und jeder spielt in seinem eigenen Film die Hauptrolle.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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23.10.2014, 00:25
AW: Dickeres Fell, Erwartungen
Nein, die Schuld liegt nicht immer und grundsätzlich bei dir. Das ist der erste Punkt.
Zweiter Punkt: Versuche Kritik als Kritik an der Sache oder dem Vorgang anzunehmen, nicht als Kritik an deiner Person. Das funktioniert umso besser, je besser die Chemie stimmt und wenn du das Gefühl hast, dass es um die Sache geht.
Wenn du dich als empfindlich bezeichnest, dann ist da etwas dran.
Reagierst du auf Stimmungen? Kannst du "intuitiv" Sachverhalte erfassen? "Weißt" du bestimmte Dinge, ohne dass dein Gegenüber das ausgesprochen hat?
Erwartungen sind insofern doof, wenn du sie bei anderen voraussetzt. Geschickter ist es, wenn du sagst, wie du etwas haben willst. Dann richten sich die Leute danach - oder auch nicht, aber das ist eine andere Geschichte.
Menschen hören zu und reagieren. Aber sie können nicht in deinen Kopf gucken, was du jetzt gerne von ihnen hättest. Deshalb musst du es ihnen laut und deutlich sagen.
Das erste gehört mir.Ich hätte sooo gern ein dickeres Fell! (evtl. doch über Ebay?
)
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23.10.2014, 07:16Inaktiver User
AW: Dickeres Fell, Erwartungen
Das Buch "miteinander reden" kann auch ich nur wärmstens empfehlen- damit kann man ganz rational und ohne Gefühle sehr gut verstehen, wie Kommunikation abläuft und was alles schief gehen kann......aber auch, wie man was retten kann

Viele Wege führen nach Rom......das ist einer dazu.
Es geht letztlich darum mit ein wenig Abstand jedes Gespräch ansehen zu können- und darin die Vielfältigkeit der Sprach-Deutung zu erkennen.
Also geht es um ABSTAND.........denn wer zu nah dran steht, erkennt nicht alles......hängt aber schlimmstenfalls tief drin
Ebenso kannst Du folgende Übung für Dich machen:
Nehme Dir Karten und notiere Dir Lebenssituationen, die Dir einfallen, zB "das eigene Auto zerkratzt auf dem Parkplatz vorgefunden", " Geld gewonnen", "Vater gestorben", " Streit mit dem Partner", " Chef hat einen blöd angemacht".......usw.....es geht um Lebenssituationen, die uns alle jeden Tag ereilen können und mit denen wir immerzu rumlaufen.
Dann- schreibst Du Zettel mit Verhaltensweisen von Dir......sagen wir 3 STück (zB "ich sage freundlich guten Morgen"." ich muss zum zweiten Mal was fragen", "ich will mir was ausleihen"). Nehme das, was Du tatsächlich als Kontaktaufnahme benutzt.
Leg diese drei ZEttel auf den Boden......verteilt im Raum.
Dann nimmst Du Dir immer wieder einen der vorher geschriebenen Zettel- die Lebenssituationen- und denkst und fühlst Dich dort einmal möglichst tief ein.
Und mit dieser eingefühlten Situation stellst Du Dich dann vor Deine Zettel, die am Boden liegen........und fragst Dich einmal, wie eine Reaktion nun aussieht.
Es geht darum- einmal SELBER zu erspüren, das die Menschen alle ihre eigene Geschichte haben und oft genug soviel mit sich selber zu tun, das sie einfach nicht auf den anderen eingehen können.
Nicht, weil sie nicht wollen- sondern weils so einfach nicht geht......
Das klingt jetzt evtl was Kinkerlitzchen-haft......aber wenn man nur drüber redet- hat es nicht DEN Effekt, den es anders hat.
MACH es......spüre hin.....und ich bin sicher, dass Du ab da nicht mehr alles so persönlich nehmen wirst.
Weil Du verstehst, das der andere gar nicht Dich meinen kaunn........und Du auch diese ungesunde Verschiebung von Focus lassen kannst.
um
Du bist freilich wichtig- aber das sind andere auch.....und jeder hat seinen Grund um ganz bei sich zu sein und nicht beim anderen.
Diese Übung ist übrigens ebenso eine Distanz- Übung......mit Distanz ansehen und erkennen-- hilft sehr im Leben. DIe Erwartungen nämlich auf ein gesunderes Maß herunter zu schrauben
lg kenzia
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27.10.2014, 11:04Inaktiver User
AW: Dickeres Fell, Erwartungen
Hallo Ihr Lieben,
vielen Dank für Eure Antworten.
Und viele Tipps und Ratschläge haben mich zum Nachdenken angeregt. Ein paar Dinge möchte ich aufgreifen.
Jemand schrieb, dass ich versuchen sollte Kritik nicht auf mich als gesamte Person zu beziehen und genau DAS fällt mir verdammt schwer.
Ich denke mir dann, wenn Jemand mich nicht mag, muss ich irgendetwas falsch machen/gemacht haben.
Allerdings ist es für mich auch sehr, sehr mühsam das Ganze. Immer darauf bedacht, nett, höflich, freundlich, hilfsbereit zu sein. Kurz immer gefallen zu wollen und oft nicht das zurück "zu bekommen", was ich, wie sollte es auch ander sein, erwarte...
Meine "logische" Schlussfolgerung daraus: Obwohl ich nett bin etc... mag man mich nicht oder lehnt mich ab.
Das ständige Nachgrübeln wie jetzt das und das gemeint war und ob der oder die mich mag, macht mich ganz kirre... Gerade im Job. Wobei es doch gerade im Job total ausreicht, wenn man ein einigermaßen nett miteinander umgeht usw... Suche ja keine Freundschaften am Arbeitsplatz. Außer es ergibt sich was, ist aber nicht zwingend notwendig.
Aber da einfach lockerer zu werden, das schaffe ich nicht, obwohl ich es mir immer und immer wieder vornehme.
Und ja ich weiß, dass sich nicht alles um mich dreht, was ja auch gut so ist
Wie gesagt theoretisch weiß ich das alles, aber es kommt bei mir nicht an und schlägt bei mir auf die Lebensfreude.
Wie komme ich aus diesem Teufelskreislauf nur raus?
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27.10.2014, 11:24Inaktiver User
AW: Dickeres Fell, Erwartungen
Vielleicht ist das ein anderer Ansatz: Hör auf damit, immer lieb und nett zu sein (sein zu wollen). Denk nicht darüber nach, wie könnten dich andere in dieser Situation haben wollen. Das funkt nicht - du kommst nicht "echt" rüber, die Leute registrieren das unterbewusst und reagieren komisch auf dich. Das spürst du wiederum - da du ja sensibel bist - fühlst dich abgelehnt und nicht wohl.
Stärke dein Selbstbewusstsein.



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