Liebe Karla,
vielen Dank auch für deine Antwort!
Eigentlich finde ich es ja gar nicht so schlimm, wenn Pläne mal nicht klappen. So ist das Leben, nicht alles was man sich vornimmt läuft reibungslos. Aber dann eben den Kopf in den Sand zu stecken, nicht selbst aktiv zu werden und sich in die Lethargie flüchten, dass ist das, was ich mir ankreide. Da will ich raus, ich will aktiv werden, aber .... uff .... dazu fehlt die Energie gerade, mich saugt zu viel aus. Denn wie ich schon sagte, wenn ich gerade denke, die Talsohle ist erreicht, ich rappel mich wieder auf, kommt der nächste Tritt in die Kniekehle und ich liege wieder am Boden.
Ich weiß, man soll immer einmal mehr aufstehen als man fällt... Leichter gesagt als getan.
Ich denke ja oft, dass ich zufrieden sein kann, bin dankbar für das was ich habe. Das ist ja auch so eine Sache, die ich - ganz rational - sehen kann. Und dann kommt der Gong und ich möchte schreien "aber trotzdem ist alles sch*** und ungerecht und ich kann nicht mehr".
Hast du denn zufällig Buchtipps für mich? Ich hab ja schon vieles gelesen und mich auch in vielem in der Zeitung "Happinez" wiedergefunden. Aber irgendwie ist es, als würde ich etwas essen, was ich nicht verdaue - ich lese, finde es gut, aber ändern tut es in mir dann doch nix. Ich kann diese positiven Einstellungen nicht verinnerlichen.
Mit der Therapeutin spreche ich schon über aktuelle Anforderungen, aber ich erzähle halt. Sie hinterfragt viel und versucht mich andere Perspektiven einnehmen zu lassen. Eine Hilfestellung wie ich mit Situationen umgehe, bekomme ich nicht.
Es ist meine erste Therapie, es sind meine ersten Stunden gewesen (5 oder 6 bis jetzt), ich weiß nicht, was in einer Therapie der Schlüssel zur Besserung ist.
LG, Yellow
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22.10.2014, 08:20Inaktiver User
AW: Ich suhle mich im Selbstmitleid und hasse mich dafür
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22.10.2014, 08:31Inaktiver User
AW: Ich suhle mich im Selbstmitleid und hasse mich dafür
Liebe Youtas, liebe Capbreton,
chronisch krank bin ich nicht, aber es ist etwas, was länger braucht um zu heilen.
Natürlich bin ich auf der einen Seite gerade froh, dass mein Körper die Schwangerschaft (und damit gesundheitlich schlimmeres) verhindert. Das kann ich - wieder einmal rational - wohl so sehen. Aber emotional finde ich es trotzdem einfach nur sch***, dass es überhaupt so weit kommen musste, dass ich irgendwie in meinem eigenen psychischen und physischen Gefängnis stecke.
Denn mit der Schwangerschaft hat es auch nicht geklappt, als noch alles gut war. Und damit fing es dann so richtig an: ich bin nicht schwanger geworden, aber alle um mich herum, das hat mich runtergezogen. Dann kam die Überforderung im Job, die damit verbundenen gesundheitlichen Probleme, die Kündigung, der Versuch sich zu entspannen, die Probleme meines Mannes, mein gesundheitlicher Crash und nun sitze ich da unten in dem Loch, die Treppe liegt vor mir. Aber die Stufen sind glitschig und so bald ich eine Stufe genommen habe, rutsche ich aus und sitze wieder unten. Weil wieder der nächste Einschlag kam.
Habe heute "Außentermine", daher bin ich still für den Rest des Tages.
Euch allen vielen Dank für die Fragen, die Zeit die Ihr euch für mich nehmt, die Unterstützung!

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22.10.2014, 13:44Inaktiver User
AW: Ich suhle mich im Selbstmitleid und hasse mich dafür
Da liegt der Hund begraben. Und Dein Anspruch an das Leben scheint nicht minder zu sein.
Alles soll so laufen, wie gewohnt, leicht und ohne Misserfolge.
Das Leben (vielleicht auch Deine Eltern?) hat Dich bislang verwöhnt. Du bist einen gewissen Standard gewöhnt und nun sollst Du runterschrauben und bescheiden werden.
Dich nicht mit anderen vergleichen und auf die Vorteile der anderen schielen, sondern bei Dir selbst schauen, wie werde ich mit Misserfolgen fertig.
Das ist ein Lernprozess, der einen ganz schön nach unten ziehen kann. Aber es ist machbar.
Dein Vorteil ist, dass Du Dir darüber im Klaren bist, dass das Dilemma mit Dir selbst zu tun hat. Du hasst Dein Selbstmitleid und das zu Recht.
Du kennst den Weg, aber nun heißt es, ihn zu beschreiten.
Das sind alles Dinge, die Du selbst in der Hand hast. Im alten Job warst Du überfordert, also losgelassen. Den Kinderwunsch hast Du (Dein Partner auch?), also lerne damit umzugehen (verschieben oder auch loslassen), Dein Perfektionismus hat mit Deinem Anspruch zu tun. Auch da heißt es runterfahren, aber gezielt.z.B. vom alten Job, vom Kinderwunsch, von der Vorstellung unbedingt immer funktionieren zu müssen, vom Perfektionismus
Nein, Kraft und Energie resultiert nicht aus Ruhe und Erfolgserlebnissen, sondern umgekehrt. Ruhe und Erfolg ist die Folge von der Kraft, die man aufwendet um dahin zukommen.Aus Ruhe und Erfolgserlebnissen.
Kraft muss man aus sich selbst schöpfen, das hilft alles nichts. Die Kraft wird einem nicht auf dem Silbertablett serviert, das ist eine verwöhnte Einstellung.
Jemand (wer?) schafft Dir Ruhe und Erfolgserlebnisse und daraus schöpfst Du dann Kraft? Nein, so funktioniert das nicht. Die Kraft, die Energie ist der Lebenssaft schlechthin. Ohne die kann man nicht leben, jeder hat sie, man muss es wollen.
Der Wille ist der Motor. Vielleicht wird es klarer, wenn Du sagst "ich will nicht" anstatt "ich kann nicht".
Damit kommst Du aus der Hilflosigkeit heraus und machst aus einer passiven Haltung eine aktive.
Wenn Du nicht willst, dann ist es einfacher für alle (vor allem für Dich) das zu akzeptieren.
Lege eine Kunstpause (eine Phase der Erschöpfung) ein und sage dann "ich will".
Ja, so ist das, wenn man "will", dann schafft man auch noch die nächste Runde. Und das gibt Kraft, nicht nur weil man die Runde geschafft hat, sondern vor allem, weil man sich selbst besiegt hat.Mir sind die Dinge sonst aber viel leichter gefallen. (...)
Es kommt mir vor, als müsste ich angeschlagen eine sportliche Leistung abliefern, wo ich mir sage, komm, zwei Runden laufen schaffst du noch und dann mit zusammengebissenen Zähnen jeden Schritt dirigiere.
Nur weil Dir die Dinge früher leichter gefallen sind, soll es immer so bleiben.
Ich denke, dass vor allem Deine Psyche es verhindert, dass Du ein Kind bekommst. Denn mit einem Kind wird das Leben sehr unperfekt, sehr anstrengend und da musst Du Dich jeden Tag (und vor allem jede Nacht!) erneut bezwingen. Und da gibt es kein "ich kann nicht".
Das ist für viele Menschen so, leider. Diese Interessen werden in der Kindheit und Jugend angelegt. Sie begleiten einen ein Leben lang, füllen einen aus und sind immer Lichtblicke in trüben Zeiten.Darüber habe ich in letzter Zeit auch schon öfters nachgedacht. Ich habe zwar ein paar Dinge, die ich gerne tue, aber nichts was wirklich meine Leidenschaft ist. Wofür ich alles stehen und liegen lassen würde. Keine von den Aktivitäten würde mir total fehlen, wenn ich sie nicht mehr machen könnte.
Weshalb fehlt so vielen Menschen das? Das frage ich mich oft.


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