Moment. Heißt das, Du verstellst Dich? Von Beginn an? Weißt aber, dass der Tag kommen wird, an dem das nicht mehr klappt?
Verstehe ich nicht. Nicht im Zusammenhang mit 'ich möchte so angenommen sein, wie ich bin'. Wann möchtest Du denn beginnen, Du selbst zu sein? Wenn Dir angezeigt wird: Du kannst machen, was Du willst, ich liebe dich trotzdem?
Das Problem ist das: trotzdem.
Du magst Dein 'trotzdem' nicht, Du stellst es selbst haushoch vor Dich?
Hast Du mal erlebt, dass Dich jemand (auf diese Art) testete? Wasn das für ein Gefühl?
Es wird nie genug sein? Sich selber mögen macht stark, soll heißen, sich selber mögen strahlst Du auch aus.
Selbst-bewusst.
Flirten ist ohne Bedingungen, ohne Konsequenzen. Etwas, das gute Laune macht, Freude, Lächeln zaubert, wie Honig so süß.
Mehr nicht. Wer sich Hoffnungen macht, macht sie sich, ist nicht Deine Sache. Jedenfalls nicht beim Flirten.
Lass Dir doch von anderen Deine Leichtigkeit nicht nehmen. Oder nimm sie Dir nicht selbst, indem Du Dir alle möglichen und unmöglichen Gedanken machst.
Es fehlt die Gelassenheit. Oder auch 'ich ziehe mir nicht jeden Schuh an'. Du bist nicht schuld daran, wie jemand anderer denkt oder fühlt. Du gehst ja auch nicht hin und willst unbedingt, dass Deine Sicht übernommen wird.
Enttäuscht werden evtl. die Erwartungen des Anderen. Und dann redet man miteinander. Darüber.
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Thema: Bindungsangst vs. Phantasien
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18.10.2014, 19:21
AW: Bindungsangst vs. Phantasien
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19.10.2014, 11:48Inaktiver User
AW: Bindungsangst vs. Phantasien
JEDER zeigt sich zu Beginn einer Beziehung von seinen besten Seiten, oder?!
Aber abgesehen davon: Ich trage mein Herz insofern natürlich nicht auf der Zunge, als dass ich mich in Bezug auf meine Vergangenheit sehr bedeckt halte. Wenn du das als Verstellen kritisieren magst - ich habe dafür gute Gründe. Aber ich mache mir da auch nichts vor und weiß, dass mit der gegenseitigen Vertrautheit natürlich auch die unschöneren Aspekte zum Vorschein kommen werden.
Siehe mein schon einmal geschildertes Beispiel mit dem Sex einer Missbrauchten. Oder aber auch meine zerrütteten Familienverhältnisse, die zwangsläufig Fragen aufwerfen werden.
Meiner Erfahrung nach hat man alles Mitgefühl der Welt, wenn einem ein Mensch in erster Verliebtheit verbunden ist. Doch diese geht irgendwann vorüber, dann zeigen sich auch weniger attraktive Aspekte, und eines bösen Tages wird dann ein Vorwurf geäußert, ein mieser Vergleich oder ähnliches. Wissen ist eben auch Macht, und Macht wird manchmal missbraucht.
Ich bin doch Ich-Selbst; gerade auch durch eine gewisse Zurückhaltung.
Meine Ticks und Macken werden schon noch früh genug zum Vorschein kommen, aber ich würde mir wünschen, dass ich da nicht einen Rattenschwanz an Erklärungen mitliefern müsste. "Ich bin wie ich bin! Akzeptiere mich so, aber stell' mir nicht zu viele Fragen dazu, bitte!" - Das wäre meine Erwartungshaltung (die leider oftmals als Friss-oder-stirb-Mentalität betrachtet wird, fürchte ich).
Ist mir nicht bewusst.
Thema: Gelassenheit... Das muss ich üben.
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19.10.2014, 11:56Inaktiver User
AW: Bindungsangst vs. Phantasien
Ach, das ist eigentlich (und das weiß ich doch auch) ein total autoagressives Ding. Da kann so vieles Triggern, zum Beispiel die Planung des Weihnachtsurlaubes oder das Einfordern einer gewissen Regelmäßigkeit im Meldeverhalten. Alles durchaus legitime und vollkommen normale Beziehungsaspekte - mit denen ich eine Zeit lang mitgehe, aber dann triggert mich irgendetwas, und dann breche ich eben aus. Booommmm

Ich verstehe, was du meinst, es liest sich auch logisch. Aber an den "eigentlichen Grund" glaube ich nicht. Da ist eher so eine Mischung ICH entstanden, die viele Grundlagen hat und doch auch stark beeinflusst wird von zufälligen Ist-Zuständen im Heute. Nicht jeder, der dasselbe erlebt hat wie ich, wird zu dem, der ich bin. Ich halte mich für ein Glückskind, es ist nicht ideal, aber die Hoffnung auf jemanden an meiner Seite, der mir zugewandt ist, habe ich gerade ganz stark.
Da ist noch Unsicherheit, ob ich mich einer Chimäre hingebe oder einer Art Modegedanken. Wenn, so mein Kalkül, ich da Gewissheit hätte, DANN wäre mehr Ruhe in mir.
Oder
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19.10.2014, 15:51Inaktiver User
AW: Bindungsangst vs. Phantasien
Nur kurz hierzu:
Je älter ich werde, desto weniger teile ich das moderne Ideal, dass man in einer guten Beziehung alles voneinander wissen muss. Wo verläuft die Grenze? Will ich wirklich alles vom anderen wissen? Und ehrlich: weiß ich denn selbst alles über mich, dass ich es dem Geliebten 1:1 mitteilen könnte?
Es gibt ein Zitat von Rilke über die Liebe: "Ein jeder sei der Hüter des anderen Einsamkeit" (oder so ähnlich), was für unsere Ohren seltsam klingt, aber viel von gegenseitigem Respekt und Vertrauen beinhaltet. Auch in einer Beziehung bleiben wir einzelne, voneinander getrennte Wesen, die aller Liebe zum Trotz auf einer existenziellen Ebene allein leben und allein sterben müssen.
Und seltsam, seit ich dabei bin, diese Erkenntnis zu verinnerlichen, liebe ich irgendwie besser, d.h. großzügiger, verständnisvoller und weniger bedürftig als zuvor.
LG Wilhelma
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19.10.2014, 15:55
AW: Bindungsangst vs. Phantasien
Na ja, ich meine das eher so. Jeder von uns ( auch der "gesündeste" Mensch ) steht jeden Tag vor der Frage "Warum tu ich jenes, warum fühle ich deses?" Meist sind die Antworten eher intuitiv und gar nicht bewusst.
Wenn es um alltägliche Dinge geht ist es auch in Ordnung einfach nur zu sagen "Ich bin wütend" Und das so stehen zu lassen.
Wenn mir das aber immer und immer wieder passiert, dann muss ich in jeder einzelnen Situation neu bewerten, was hinter dieser Wut steckt. Denn nicht immer ist das ja gleich. Manchmal hat man einfach Grund auf den anderen, oder die Situation wütend zu sein. Einfach so. Und das ist sein gutes "Recht".
Manchmal aber nicht. Dann steckt ( immer situativ betrachtet ) etwas völlig anderes dahinter, was nicht immer "einfach" mit "damals" zu erklären ist.
Ich weiß nicht, ob ich das, was ich sagen will, auch tatsächlich bei dir ankomen kann, so, wie ich es in meinem Kopf habe!? Ich finde es immer recht schwierig meine innerten Gedanken auf "Papier" zu bringen. So hoffe ich, das es irgendwie verständlich war.Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm
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19.10.2014, 16:29
AW: Bindungsangst vs. Phantasien
Hallo Schlaflos,
ich habe deine Gedanken hier aufmerksam verfolgt.
Was für ein Parcours - zwischen den Ängsten und den z. T. doch sehr belastenden Wünschen!
Du fragtest, wie "die andere Seite" das Ganze sieht, wie da die Gemengelage und die evtl. Wünsche sind.
Ich habe seit einiger Zeit eine zwischen Verliebtsein und Wut changierende Situation mit einem Mann, der mich sehr anzieht, auszustehen.
Die Attraktion und das Interesse scheinen eindeutig nicht nur meinerseits da zu sein.
Und immer, wenn eines unserer Zusammentreffen schön gewesen ist, lässt er sich hernach wochenlang nicht mehr sehen. Variante: Wenn das Beisammensein schöner, näher gewesen ist als zuvor, wirft er mir beim nächsten Mal einen völlig abweisenden, kalten Blick zu - und sagt NICHTS, geht einfach weiter.
Dann jedoch beobachtet er mich vom anderen Teil der Tanzfläche aus permanent.
Geflüchtet ist er auch schon zwischendrein. Um dann ohne Erklärung wiederzukehren und sich erneut neben mir zu positionieren.
Ich habe immer wieder das Gefühl, dass er die Kontrolle behalten will.
Ich habe Mitgefühl mit ihm, weil er sich offensichtlich nicht bewusst-manipulativ verhält und er zeitweilig nicht nur Wärme und Sehnen, sondern auch eine gute Portion Einsamkeit atmet.
Und Wut, selbstverständlich, habe ich auch. Weil ich solche Wechselbäder der Gefühle nicht haben will und weil dieses Verhalten ja z. T. auch sehr verletzend ist.
Was müsstest du, was sollte er, "einfach mal machen"?
Z. B. Bescheid geben, dass es im Moment vielleicht einfach zu viel ist. Mir damit Respekt bezeugen, ohne sich damit unbedingt gleich komplett outen zu müssen.
Wäre ein solcher Kompromiss denkbar? Oder widerspricht er dem Prinzip, da ja eigentlich mehr oder minder konsequent abgewiesen, "weggebissen" wird / werden soll?
So oder so - deine Gefühlsdarlegung und die Beiträge der anderen hier sind mir sehr nahegegangen.
Helene
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19.10.2014, 16:57
AW: Bindungsangst vs. Phantasien
Gute Frage. Ist das so?
Welchen Sinn macht das?
Ist schon klar, dass ich nicht gleich alle Karten auf den Tisch lege... aber authentisch bleiben halte ich für sehr wichtig, sonst geht es m.M.n. Richtung 'einem Bild entsprechen'.
Bindungsangst zeigt sich lange vor Beginn einer Beziehung. Begegnungen sind für mich nicht gleich Beziehungsbeginn. Wäre es so, dann müsste man sich ja irgendwie ständig von seiner besten Seite zeigen = unter Kontrolle haben, zumindest was die Außenwirkung betrifft.
Nein, ich bin sehr weit weg von kritisieren, ich versuche noch immer, zu verstehen, daher die vielen Fragen. Es steht jedem Menschen zu, genau so viel von sich zu zeigen, wie es ihm selbst beliebt.
Mit gegenseitiger gewachsener Vertrautheit werden auch die unschöneren Aspekte zum Vorschein kommen, ja, wenn Du das willst. Das geht aber nur (relativ schmerzlos), wenn Du selbst zu diesen unschöneren Aspekten Deines Selbst stehst. So wie Du (viel leichter) zu Deinen schöneren Aspekten stehst.
Alle Aspekte machen Dich aus.
Du bist die Erste, was Dich selbst betrifft, die Aspekte sieht, sich anschaut und dann bewertet.
Und Dich selbst wohlwollend annimmst. Bevor Dir das von außen gespiegelt wird/werden muss, damit Du Dich wohlfühlen kannst. Deine Verantwortung.
Und Dein Selbstwertgefühl/Deine Eigenakzeptanz nach außen transportierst.
Du musst aber nicht jede Frage beantworten. Oder Du merkst an, es ist Dir wichtig, wie das bei dem Anderen ankommt und dass er versteht. Also den Anderen mit seiner eigenen Sicht an- und ernstnehmen, ohne Deine eigene Sicht quasi als das 'Maß der Dinge' von vornherein über Beide bestimmen zu lassen. Zwei Monologe sind noch kein Dialog.
Ich habe noch nie erste Verliebtheit mit 'alles Mitgefühl der Welt' zusammengebracht. Hmmmm. Liest sich für mich wie: im Ansatz steckt schon: ich bin gar nicht wirklich liebenswert. Nur, vielleicht, solange bis... na dann kann ich es ja gleich lassen. Ist das so? Ist da der Hemmschuh?
Naja, klar können Vorwürfe geäußert werden. Muss aber nicht zwangsläufig so sein. Wenn Du von vornherein den (möglichen) Machtmissbrauch einkalkulierst, kann es Dir vielleicht passieren, dass Du einen Vorwurf hörst, wo keiner gemeint ist. Oder aber ein Vorwurf gehört in die Kategorie 'Illoyalität' und ist eine schlechte Karte für den Anderen. Da niemand perfekt ist, empfnde ich das als zu hoch bewertet resp. zu niedrig.
Und es liegt an Dir, Dich dazu zu äußern. Z.B. das kommt bei mir als Vorwurf an, meinst du das wirklich so? Oder: Ich möchte mir das nicht vorwerfen lassen, das gehört zu meiner Biographie. Oder: Das kommt mir jetzt zu nah, ich vertage es auf ein anderes Mal etc.
Du kannst Dir selbst dieses 'Ausgeliefertsein' nehmen, statt z.B. von einem anderen Menschen zu erwarten, dass er es tut.
Kontrolle bringt nur vermeintliche Sicherheit. Die Sicherheit ist, wenn, in Dir.
Mein: Wann möchtest Du denn beginnen, Du selbst zu sein? war inkomplett und daher missverständlich. Ich meine, wann, in einer Beziehung, wenn nicht von Beginn an?
Dein ''ich bin wie ich bin' ist ok. Wer Dich nicht gleich versteht, fragt im besten Fall nach. Denn für den Anderen gilt ja dasselbe: er ist wie er ist. Akzeptabel.
Es sind Fragen an Dich, um Dich besser zu verstehen. Sind es Dir zu viele Fragen, klär das.
Fühlst Du Dich missverstanden, sag das.
Du bestimmst Dein eigenes Tempo.
Gelassenheit, wenn das bedeutet, in Dir zu ruhen und mit Dir selbst im Reinen zu sein.
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19.10.2014, 17:02
AW: Bindungsangst vs. Phantasien
Hallo Helenna 3
ich bin auf die Antwort deiner Frage auch gespannt. Ich habe nie eine befriedigende darauf bekommen.
Insgeheim denke ich aber das es so eine Art "Test" ist. Liebt der andere mich genug um nach meinem Verschwinden ( ohne Erklärung ) immer noch da zu sein. Nicht bewusst.
Na ja, ich warte da mal mit auf Schlaflos Antwort.Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm
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19.10.2014, 17:02
AW: Bindungsangst vs. Phantasien
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19.10.2014, 17:14
AW: Bindungsangst vs. Phantasien
Geht mir ähnlich. Und ich distanziere ich mit jedem neuen Tag mehr von diesem 'das muss so sein, das gehört sich so'.
Beziehungsgestaltung liegt an den zwei Personen, die sie betrifft. Zwei Individuen, die das Wir gestalten.
Ich bin lange angeeckt, erst recht jetzt als zweifache Mutter, wenn ich sagte: ich bin der wichtigste Mensch in meinem Leben. Angeeckt, weil es verstanden wurde als: ich bin Vollzeit-Egoist.
Bis ich erklärte: ich muss zuerst dafür sorgen, dass es mir gut geht, dass ich zufrieden bis glücklich bin.
Das ist meine Basis, um z.B. für meine Kinder ein Vorbild sein zu können. Stoff für lange Diskussionen...
Rilke meinte, glaub ich, nciht die Liebe, sondern die Ehe. Und wunderte sich, dass Ehe mit Glücklichsein gleichgesetzt wurde.
Hüter oder auch Wächter des Anderen Einsamkeit habe ich immer verstanden als aufmerksam, sorgsam, liebevoll, wohlwollend zugewandt sein.
Auch das muss ich zunächst bei mir selbst. Erst Eigenverantwortung, dann Verantwortung für andere.
Schön finde ich das:
Nicht seltsam.
Du stillst Deine eigenen Bedürfnisse. Du bist der erste Mensch, der dafür zuständig ist. Alle Anderen sind ein PLus.



Da fehlt mir wohl etwas Gelassenheit.
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