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    AW: Bindungsangst vs. Phantasien

    Zitat Zitat von VanDyck Beitrag anzeigen
    Zu diesen Bemerkungen von dir muss ich doch noch mal was loswerden.
    Und ich komme auf die 'Glaubenssätze' zurück - Glaubenssätze von dir, die aber gar nicht so stimmen.

    Hinter deiner Bemerkung steckt ja der Glaubenssatz, du könntest eben NICHT jederzeit aus einer Beziehung aussteigen.
    Doch genau das ist ja nicht richtig.
    Letztlich kannst du immer und jederzeit aus jeder Liebesbeziehung aussteigen!

    Ja, mglw. hat das mit deiner Kindheit zu tun, so zu denken.
    Kinder kommen in der Tat (in aller Regel) nicht aus der Beziehung mit den Eltern raus, wenn die schlimme Dinge tun.
    Aber du bist groß und kannst immer und jederzeit gehen.
    Du musst nicht, aber du KÖNNTEST. Jederzeit!
    Das, was du einen "verführerischen Gedanken" nennst, ist Realität!

    VanDyck
    Ich hatte auch schon mal das Hinterfragen der eigenen Glaubenssätze angeregt.
    Mit Blick auf: welche sind wirklich von Dir, schlaflos, welche sind von außen aufgesetzt.
    Gelten die Glaubenssätze noch immer oder kannst Du nachjustieren?
    Gibt es neue? Gelten alte nicht mehr?
    Wo sind Deine wirklichen Bedürfnisse, unabhängig von Erwartungen anderer?
    Glaubenssätze sind Gebote/Verbote, eine Umwandlung in oder ein Aufstellen als Erlaubenssätze ist vielleicht auch eine Möglichkeit?

    Wer sich entscheidet zu gehen, ist sich der Konsequenzen für alle von der Entscheidung Betroffenen bewusst.
    Ein bisschen verstehe ich Dich, schlaflos, als jemand, der 'selbst aktiv werden' lieber sein lässt, evtl wegen der damit verbundenen Verantwortung? Und den damit möglicherweise verbundenen Vorwürfen?
    Wer eine Entscheidung trifft, steht zu ihr. Sonst ist es ja keine.

  2. Moderation

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    AW: Bindungsangst vs. Phantasien

    Zitat Zitat von VanDyck Beitrag anzeigen
    ...aus meiner Sicht besteht die Möglichkeit, dass du eine ganze Reihe von Glaubenssätzen dich betreffend (auf der rationalen Ebene) verinnerlicht hast, die aber zugleich recht wenig mit der Realität zu tun haben. Zugleich sehe ich die Gefahr, dass du dich in diesen 'starken Sätzen' gewissermaßen selbst verhedderst und dich sodann selbst in deinem VERHALTEN behinderst.

    Zitat Zitat von yokotoo Beitrag anzeigen
    Ich hatte auch schon mal das Hinterfragen der eigenen Glaubenssätze angeregt.
    Mit Blick auf: welche sind wirklich von Dir, schlaflos, welche sind von außen aufgesetzt....
    Glaubenssätze sind Gebote/Verbote, eine Umwandlung in oder ein Aufstellen als Erlaubenssätze ist vielleicht auch eine Möglichkeit?

    Mir ist diese Darstellung von Glaubenssätzen viel zu rational, cerebral, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass der Begriff aus der kognitiven Richtung stammt. Was sie beschreiben, ist aber eigentlich das, was als das "implizite Selbst" bezeichnet wird.


    Glaubenssätze sind aber nichts Rationales, höchstens etwas, das nach und nach teilweise rationalisiert wird, um es erklären zu können.

    Glaubenssätze sitzen unter der Haut, im Herzen, im Fleisch, im Rückenmark. Sie sind so früh aufgebaut worden, dass sie vor dem Denken sitzen und unter den differenzierteren Gefühlen. Sie steuern Puls, Anspannung, Erregung, Schwitzen, Gedankenfülle oder Gedankenleere, und Gefühlsmuster. Sie sitzen an den Schaltstellen von Persönlichkeit und innerer Regulation. Wenn man sehr destruktive Glaubenssätze aufgebaut hat (aufbauen musste), dann wird an diesen Schaltstellen auch die Bereitschaft zur Entkoppelung, Dissoziation, unterstützt.



    Weil die "Glaubenssätze" so tief liegen und unser Hirn so viele Jahre geprägt haben, sind die der Ratio und der denkenden Veränderung nicht zugänglich. Im Gegenteil, jedes Mal, wenn der Mensch erneut die Erfahrung machen muss, wider die Vernunft und wider den eigenen Willen wie unter Zwang destruktiven Mustern nachgehen zu müssen, wird nur die Hilf- und Hoffnungslosigkeit bestärkt, es sei eh keine Hilfe/Veränderung möglich.



    Die Tragweite dieser neueren Erkenntnisse ist leider den wenigsten Leuten so geläufig oder verdeutlicht (hier z.B. nachzulesen, aber leider sehr kompliziert. Siehe z.B. Absatz "Enduring effect of relational trauma on right brain development: impaired emotional processing and pathological dissocation" Ich kenne leider keine allgemein verständlichere Darstellung, sonst würde ich nicht Schore verlinken).


    Man kann diese Glaubenssätze nicht umdenken. Was man kann, ist sie umzufühlen, und zwar, wenn sie besonders destruktiv waren, in Begleitung. So, wie sie sich damals in Begleitung aufgebaut haben in den frühen Beziehungen, kann man sie in Beziehung umbauen. Als längeren Prozess der neuen, heilenden Erfahrung zwischen zwei Gehirnen, wenn man so will.


    Dann ist die Unweigerlichkeit, mit der sie sich einschalten, gebrochen, und es sind neue Wege möglich.
    that was the river - this is the sea


    Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum

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    AW: Bindungsangst vs. Phantasien

    [QUOTE=Inaktiver User;25998566]Was mache ich mit meinem Gefühl, meinem Bedürfnis, einen Partner zu haben?


    Nur kurz dazu noch
    DIR SELBER EIN GUTER PARTNER SEIN. Was das im Einzelnen für DICH bedeutet, das kannst nur du selber wissen.
    Vielleicht brauchst du noch ein paar Monate oder sogar ein paar Jahre dafür.
    Wenn du das aber geschafft hast, dann wird es auch mit einem "fremden" Menschen klappen.
    Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"

    Erich Fromm

  4. Inaktiver User

    AW: Bindungsangst vs. Phantasien

    @maryquitecontrary

    danke, fürs Erklären Habe jetzt mal kurz in deinen verlinkten Text geschaut und werde ihn mir noch mal genauer durchlesen, habe so ungefähr verstanden, um was es geht. Hoff ich.

    Grundsätzlich kann ich als "Traumaüberlebende" sagen, dass ich viel dissoziiert habe, über die Jahre aber durch viel Therapie und üben (nachfühlen, integrieren) "durchlässiger" wurde oder eine kohärente Einstellung entwickelte. Sagt man das so? Und auch eine Realistischere. Mein Herz weitete sich und ich habe auch wieder mehr Vertrauen ins Leben entwickelt. Aber ich muss verdammt aufpassen, um in keine destruktive Beziehung zu gelangen, schlicht, weil es mir vertraut ist. pavlov's dog

    Wie ich schon schrieb, durch massive Grenzverletzung konnte ich keine gesunde Substanz, keine gesunden Verhaltensweisen einüben. Ich wurde nicht richtig sozialisiert, was sich u.a. in nahen Bindungen (intime Partnerschaften) zeigte. Von außen betrachtet funktionierte ich Jahrzehnte oberflächlich relativ normal 1erAbitur, Studium, Heirat, Kind. Aber wehe jemand kratzte ein wenig an meiner Oberfläche....Hingabe und Vertrauen oh je. Das sind alles Dinge, die ich mühsam erlernen oder erfühlen muss, eben weil meine Hingabe- und Vertrauensfähigkeit in meiner Kindheit stark beschädigt wurden.

    Die Heilung (tieferer Schichten) kann meiner Erfahrung nach nur über den Weg der Angst gehen und darüber, sich so anzunehmen, wie man ist, ohne zu werten, liebe @Schlaflos. Angst macht eng und Liebe weitet das Herz. Allgemein gesprochen. Ich rede jetzt nicht von den Männern. Ich kenne dich nicht, aber du liest dich, als ob du schon einen langen Weg hinter dir hast und du jetzt nochmal durch den letzten Flaschenhals der Angst musst, um in die Freiheit zu kommen, dein Leben so leben zu können, wie du dich wohlfühlst. Wenn das mit der Angst nicht für dich passt. Vielleicht gefällt dir "innere Ordnung schaffen" besser. Dann ist es m.M. auch mehr oder weniger wurscht, ob du liiert bist oder nicht, weil du mit dir sein kannst. Weil du es mit dir aushältst ohne einen anderen als seelisches Korrektiv haben zu müssen.
    Artgerechte Haltung halt. Ich wünsche dir jedenfalls alles erdenklich Liebe und Gute!

    Seitdem ich diesen Weg gehe, kann ich (auch vom männlichen Umfeld her) nur Gutes und Ehrliches berichten. Seitdem ich innerlich "aufräume". Wie im Innen, so im Außen.

    Könnte jetzt noch Erich Fromm über Liebesfähigkeit zitieren oder über reife und unreife Liebe :
    Infantile Liebe folgt dem Prinzip: „ich liebe, weil ich geliebt werde.“ Reife Liebe folgt dem Prinzip: „Ich werde geliebt, weil ich liebe.“
    aber ihr könnt auch selbst googlen. Erich Fromm online, falls es interessiert.

    PS: was ich noch sagen wollte, in meinem Vokabular gibt es übrigens keine "Schuld" und ich bin auch kein "Opfer"

    so jetzt aber genug

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    AW: Bindungsangst vs. Phantasien

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen

    Glaubenssätze sitzen unter der Haut, im Herzen, im Fleisch, im Rückenmark. Sie sind so früh aufgebaut worden, dass sie vor dem Denken sitzen und unter den differenzierteren Gefühlen. Sie steuern Puls, Anspannung, Erregung, Schwitzen, Gedankenfülle oder Gedankenleere, und Gefühlsmuster. Sie sitzen an den Schaltstellen von Persönlichkeit und innerer Regulation. Wenn man sehr destruktive Glaubenssätze aufgebaut hat (aufbauen musste), dann wird an diesen Schaltstellen auch die Bereitschaft zur Entkoppelung, Dissoziation, unterstützt.

    Weil die "Glaubenssätze" so tief liegen und unser Hirn so viele Jahre geprägt haben, sind die der Ratio und der denkenden Veränderung nicht zugänglich. Im Gegenteil, jedes Mal, wenn der Mensch erneut die Erfahrung machen muss, wider die Vernunft und wider den eigenen Willen wie unter Zwang destruktiven Mustern nachgehen zu müssen, wird nur die Hilf- und Hoffnungslosigkeit bestärkt, es sei eh keine Hilfe/Veränderung möglich.

    Man kann diese Glaubenssätze nicht umdenken. Was man kann, ist sie umzufühlen, und zwar, wenn sie besonders destruktiv waren, in Begleitung. So, wie sie sich damals in Begleitung aufgebaut haben in den frühen Beziehungen, kann man sie in Beziehung umbauen. Als längeren Prozess der neuen, heilenden Erfahrung zwischen zwei Gehirnen, wenn man so will.

    Dann ist die Unweigerlichkeit, mit der sie sich einschalten, gebrochen, und es sind neue Wege möglich.
    Ein Versuch:

    Es ist das Empfinden, ich kann nicht aus meiner Haut, das bremst oder blockiert oder hemmt, nach gescheiterten Versuchen (also der erneuten/wiederholten Erfahrung) noch ein weiteres Mal zu versuchen, diesmal auf anderem Weg, Glaubenssätze zu hinterfragen und ihre Dynamik zu erkennen.

    Glaubenssätze beruhen auf Erfahrungen (und Konventionen/Traditionen). Sie entstehen in der Vergangenheit. Erfahrungen, die sie ein ums andere Mal bestätigen. Hier von der TE als Beispiel: wenn ich mich auf eine Beziehung 'wirklich' einlasse, dann werde ich enttäuscht. Da mir das weh tut, werde ich mich nicht einlassen.

    Denn diese Erfahrung macht mir Angst.
    Doch es ist nicht die Erfahrung/die Situation, die Angst macht, sondern der Mensch selbst macht sich die Angst vor einer solchen Situation.
    Insofern ist es Selbstschutz zu sagen, ich ermögliche diese Situation nicht.

    Dabei ist der Weg aus der Angst derjenige welcher sagt, ok, bisher war eine Situation, vor der ich Angst habe immer eine, die sich für mich als gefährlich weil verletzend darstellt.
    Daher (ver)meide ich in Zukunft solche Situationen.

    Statt hinzugehen und zu sagen, ok, ich weiß, warum ich diese Angst entwickle, es ist 'einstudiert'/automatisiert (ebenso die körperlichen Auswirkungen wie panisch werden, Übelkeit), aber es bedeutet nicht unweigerlich, dass ich, wenn ich von einem Partner (oder den bisherigen) enttäuscht werde, mich der nächste, übernächste wieder enttäuschen wird.
    Ich versuche mal, die Angst nicht so groß werden zu lassen, dass sie mich komplett einnimmt, sondern räume ihr einen kleineren Raum ein, um mal zu testen, ob ich nicht auch eine andere (als die bisherige) Erfahrung machen kann. Ich bin mir aber bewusst, dass es auch schief gehen kann. Auch damit werde ich umgehen können.
    Es liegt allein an mir, wie ich Situationen und Gefühle einordne, sortiere, bewerte.

    Wie soll ich es ausdrücken? Hmmm, es gibt ein (Referenz-)Programm 'Angst', dieses Programm erweist sich als falsch i.S.v. nicht immer, selten, manchmal zutreffend, weil ich erkenne, dass ich der Angst (dem Programm, das abläuft) nicht ausgeliefert sein muss, kann ich diese Angst überwinden. Ich traue mir zu, mit dieser Angst so umzugehen, dass nicht sie mich beherrscht, sondern ich sie.
    Ich übernehme die Kontrolle (Verantwortung) über mein Leben, meine Gefühle, meine Werte, Situationen ... und deren Bedeutung. Ich wage eine andere Sichtweise, wechsle den Fokus, den Filter.
    Weg von selbsterfüllenden Prophezeiungen.
    Hin zu positiven Erfahrungen, und sei es zunächst in der gedanklichen Vorstellung.
    Mit den damit verbundenen positiven Gefühlen.
    Und daran glauben.
    In schlaflos' Phantasie funktioniert das auch schon.

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