Hallo liebe community,
ich hatte neulich eine interessante Diskussion und würde gerne noch mehr (d.h. eure) Meinungen zu dem Thema hören. Ich sagte folgendes:
Selbstverständlich muss man, um ein gutes Leben zu haben, selbst aktiv sein. Z.B. um jemanden kennenzulernen das Haus verlassen. Jemand sein, der für andere interessant ist (d.h. offen, authentisch usw). Um einen guten Job zu finden sich überlegen, was zu einem passt, eine gute Ausbildung haben und sich bewerben. Ggf. Bewerbungstraining machen.
Wenn man ein vierblättriges Kleeblatt finden will, auch mal auf eine Wiese gehen. Ohne das kann man keinen Erfolg haben.
ABER: Wenn man zusätzlich dazu nicht das Quäntchen Glück ( mit "Glück" meine ich in diesem Beitrag das "wohlwollende Schicksal") hat, eben auch nicht. Das Glück ist bei mir über 30 Jahre lang ausgeblieben. Inzwischen habe ich in einigen Lebensbereichen Zufriedenheit / Befriedigung (im nicht sexuellen Sinne) gefunden, aber nur durch Glück. Ich habe dazu nichts anders gemacht als vorher, ich hatte nur einfach mal Glück. Andere haben es öfter, wieder andere nie und sie sterben elend mit 60 an Selbstmord. Ich kannte so jemanden. Wenn es einem nicht gegeben ist, wird alles erfolglos bleiben. Das war meine Meinung in dem Gespräch.
Die Gesprächspartnerin meinte:
Nein, wenn wir alles richtig machen (positive Einstellung, nicht zu verkrampft, ...) kommen die guten Erfahrungen zwangsläufig. Wir sind dem Schicksal/Zufall/Glück nicht ausgeliefert, sondern haben es selbst in der Hand. Das Glück kommt nicht immer sofort, aber irgendwann immer.
Was meint ihr zu dem Thema?
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Ergebnis 1 bis 10 von 45
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12.10.2014, 15:52
Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
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12.10.2014, 16:06
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
Ich sehe das so, dass man einige Dinge beeinflussen kann und andere wieder nicht. Der Glaube an die Omnipotenz ist sicher gefährlich.
WAS man allerdings beeinflussen kann, ist seine eigene Reaktion und Sichtweise auf die Dinge. Wenn es regnet, kann man sich immer selbst entscheiden, ob man deswegen mürrisch zuhause bleibt und das Schicksal beklagt oder eine Regenjacke anzieht und draußen spazieren geht. Und so ist es mit vielen Dingen, die wir nicht beeinflussen können.
Im Endeffekt zählt ja das Gefühl, das man entwickelt, nicht das Ereignis selbst.
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12.10.2014, 16:18
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
Danke zio für deine Antwort. Da hast du auf jeden Fall recht. Allerdings braucht man doch trotzdem ein Minimum an Erfolgserlebnissen. Z.B. ich hatte früher keine Freunde und andere Menschen haben immer negativ auf mich reagiert. Selbst wenn ich mal dachte, diesmal ist es anders, kam bald darauf ein böser Reinfall. 2009 ist durch einen riesen Zufall etwas passiert, bei dem ich Freunde gefunden habe und endlich mal positive Rückmeldung. Dadurch ist ein Damm gebrochen und heute habe ich damit keine Probleme mehr. Ich habe ein normales Verhältnis zu anderen Menschen. Mit manchen kann ich gut und wir haben viel Spaß, andere mag ich nicht und manche mögen mich nicht, aber das spielt keine Rolle, weil ich mich insgesamt gut eingebettet fühle. Aber ohne das zufällige Erlebnis damals wäre ich da nie hingekommen. Und ohne das säße ich bestimmt jetzt nicht so hier. Man kann Spaß im Regen haben, aber wenn es immer nur regnet und jede Regenjacke immer kaputt ist, dann kann man irgendwann nicht mehr. Auch nicht, dem ganzen etwas postitves abgewinnen. Dann muss auch mal die Sonne kommen.
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12.10.2014, 16:33Inaktiver User
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
Der Nobelpreisträger Kahneman hat die schöne Formel aufgestellt: Erfolg = Talent plus Glück. Großer Erfolg = etwas mehr Talent plus sehr viel mehr Glück. Er meint damit unternehmerischen Erfolg, aber ich denke, das trifft in den meisten Bereichen zu. Egal ob man Filmstars, glückliche Familienmütter oder Topmanager anschaut - sie alle mussten etwas können, aber sie mussten auch zur rechten Zeit am rechten Ort sein, die richtigen Leute treffen und dann und wann auch mal einfach Glück haben.
Auf der anderen Seite erinnere ich mich an das Zitat irgendeines Golfspielers: "Es ist komisch, je mehr ich übe, desto mehr Glück habe ich." Das stimmt natürlich auch: Je mehr Chancen man sich erarbeitet, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann das Große Los dabei ist.
Ich denke also: Man kann die Wahrscheinlichkeit auf Glück erhöhen. Rausgehen, sich umschauen, Versuchsballons starten, Chancen ergreifen. Eine Garantie für Glück gibt es aber nicht. Ist ja auch ein gewisser Trost: Man darf sich auch dann und wann mal auf Pech berufen, man ist nicht an allem selbst schuld.
Passt zu dem Fußballspiel gestern, falls es jemand gesehen hat: Die eine Mannschaft schießt 30 mal aufs Tor, trifft Latte, Netz und knapp vorbei, kein einziger Ball geht rein. Die andere Mannschaft schießt viermal aufs Tor, zwei Treffer. So kann's gehen.
(Mich persönlich spricht das Thema an. Ich hab mich immer für einen Glückspilz gehalten. Dann hatte ich mal eine echte Pechsträhne, unter anderem vier Fehlgeburten hintereinander. Eine Ärztin sagte damals zu mir: "Werden Sie so oft es geht schwanger, dann ist vielleicht irgendwann die Schwangerschaft dabei, die bleibt." Sie hatte recht. Und ich halte mich eigentlich immer noch für einen Glückspilz.
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12.10.2014, 16:41
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
Also ich denke Glücksgefühle kann man schon ein wenig beeinflussen. Ich denke da auch an biochemische Prozesse die durch schöne Ereignisse das "Flow" auslösen können. Hat allerdings nur eine geringe Halbwertszeit, so wünscht man sich dieses Gefühl öfters, weil es einfach gut tut.
Das "Glück haben" ist für mich auch schon mal nur eine Abwesenheit von Unglück. Wenn ich daran denke was mir schon alles passiert ist und wie viel Glück ich im Leben schon hatte. Freuts mich wieder des Lebens. Meine Wirklichkeit baue ich mir weitgehend auch selber und das Glück ist für mich grundsätzlich ein gern gesehener Gast, aber es ist kein Ziel...
Gruß von Akzent
- Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
von Bruce Lee
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12.10.2014, 16:48Inaktiver User
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
@ akzent-

für mich ist glück ein tu-wort. es kommt wie bei so vielem im leben darauf an: welche wertigkeit gebe ich dem leben, einem ereignis, einem menschen?
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12.10.2014, 16:51
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
Danke brighid
- Der leichte Weg ist auch der richtige Weg -
von Bruce Lee
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12.10.2014, 17:20
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
Ich glaube, mein Problem ist:
Ich leide extrem unter schlechten Erfahrungen und kann nicht aufhören, damit zu hadern.
Könnte ich das alles einfach abhaken, würde ich nicht leiden und mich nicht als Pechvogel sehen.
Ich kann das aber nicht abhaken, weil es mich so quält.
Irgendwie ein Teufelskreis.
Es quält mich, weil es ungerecht ist und ich nichts dagegen machen kann. Und ich habe alles probiert, was mir nur eingefallen ist. Und wenn mir nichts mehr eingefallen ist, habe ich mich umgehört, was es noch alles für Möglichkeiten gibt und diese auch noch ausprobiert. Möglichkeiten praktischer Art, aber auch, an mir zu arbeiten, an meiner Einstellung und Herangehensweise. Vielleicht war immer noch irgendwo ein Fehler drin, aber ich habe ihn nie gefunden. So gesehen ist es ja nicht meine Schuld. Nur Pech.
Wenn einem wenig Gutes widerfährt, wird es einem umso wichtiger. Und umso weher tut jeder Reinfall.Geändert von erd (12.10.2014 um 17:24 Uhr) Grund: Rechtschreibfehler
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12.10.2014, 17:26Inaktiver User
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
Ich bin ja überzeugt davon, dass man mit Eigenverantwortung weit kommt. Ich möchte Täter meines Lebens sein, nicht Opfer, und aktiv gestalten und mich dahin bewegen wo ich sein will. Keine Frage.
Aber solche Sprüche find ich unerträglich. Sicher ist vieles eine Frage der Haltung, aber ich kann doch nicht verkennen, dass manche Leute mit Schicksalsschlägen zu kämfen haben die es einem schwer machen, sich wieder zu berappeln.
Eine Freundin meiner Mutter hatte mit Anfang 50 zwei unverschuldete Unfälle, den ersten hat sie knapp überlebt (ein junger Mann hat überholt und ist ihr frontal ins Auto gerauscht), kaum war sie wieder einigermaßen im Leben wurde sie beim Radfahren von einem Auto angefahren und hat sich mehrfach das Handgelenk gebrochen, war daraufhin arbeitsunfähig und hat ihren Job verloren, den sie sehr geliebt hat. Kurz danach bekam dann ihr Mann mit Anfang 60 Alzheimer.
Ist das jetzt alles nicht so schlimm oder hätte sie irgendwas anders machen sollen?
Bei Leuten wie deiner Gesprächspartnerin fehlt mir ein wenig Demut. Und ich denke, solche Ansichten rühren aus Angst oder Selbstüberschätzung. Entweder muss sich jemand damit beruhigen (wenn ich alles richtig mache passiert mir auch nix), oder jemand bildet sich ein, alles was er hat hat er ausschließlich sich selbst zu verdanken, und hat es geradezu verdient. Beides finde ich ausgesprochen dumm.
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12.10.2014, 17:33Inaktiver User
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
Gut ausgedrückt.
Ich glaube schon, dass man aktiv daran arbeiten kann, glücklich oder zumindest zufrieden zu werden.
Mir hilft dabei zweierlei: mir immer wieder ins Gedächtnis zu rufen dass nichts selbstverständlich ist, dann bin ich schon mal froh dass ich es grad warm habe, dass ich satt bin und mir nix weh tut. Das ist schon mal was, find ich.
Und das zweite ist, mehr im Jetzt zu leben, nicht zu denken, wenn dies oder jenes so wäre, dann könnte ich glücklich sein. Das ist alles Zukunft, wer weiß wie es dann sein wird, leben tu ich aber eben gerade, in diesem Moment. Und mich darauf zu besinnen hilft mir, aus diesem was wäre wenn herauszufinden.


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