Das muss ich nicht ausprobieren: wieso sollte ich Verantwortung bei mir suchen bei Dingen, die andere tun? Ich halte es auch für ziemlich gefährlich das auf Krankheiten zu beziehen, so pauschal. Bei Unfällen oder Verbrechen erst recht.
Abgesehen davon dass das wissenschaftlich nicht haltbar. Psychosomatik ist anerkannt, aber so 1:1 funktioniert das nicht. Ich denke, man muss da sehr aufpassen um nicht ungerecht zu werden.
Ich kenne für meinen Geschmack zu viele Leute, die meinen ihr Wohlleben verdient zu haben, das ist oft nichts als überheblich. Und eben: Glückssache.
Ich jedenfalls bin für das was mir gelungen ist, auch mit eigene Anstrengung, immer auch dankbar. Weil ich weiß dass ich nicht alles in der Hand habe.
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13.10.2014, 12:29Inaktiver User
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
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13.10.2014, 12:31Inaktiver User
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
Ich kenne eine Frau, die drei Ehemänner durch den Tod verloren hat. Das steckt niemand so einfach weg behaupte ich mal, egal mit welcher Haltung: die hatte einfach sehr viel Schmerz zu ertragen. Wo da ihre Verantwortung liegen soll ist mir unerfindlich. Oder wo jemand das aus eigener Verantwortung anders erleben durfte, wenn er 60 oder Jahre mit seinem Partner zusammen sein durfte. Dass die Beziehung emotional stabil bleibt, dazu kann ich meinen Teil beitragen - aber gewiß nicht, ob mein Partner am Leben bleibt.
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13.10.2014, 12:52
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
Dass das Un-Glück ist, bestreitet doch sicher keiner - ich jedenfalls nicht.
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13.10.2014, 13:22
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
Danke für die Aufklärung.

Ich hatte Dich tatsächlich missverstanden ... vielleicht auch deshalb, weil es
eben eine weit verbreitete Überzeugung zu sein scheint, dass materieller Besitz
nicht glücklich machen kann bzw. darf. Diese Ansicht teile ich nämlich nicht.
Den Glaubenssätzen auf die Spur zu kommen, ist relativ einfach.
Aber sie zu verändern oder gar zu verbannen empfinde ich als äußerst schwierig.
Das Fatale ist ja, dass ihnen mit der Logik nicht beizukommen ist, weil sie bereits
unser Wesen geprägt haben.
Sehe ich auch so.
Ich halte diese Gedankenschiene sogar für ausgesprochen gefährlich, weil
Verantwortung hier zu einem ganz schwammigen Begriff wird.
Ja, definitiv ist eine gute Ausgangsbasis schon per se ein Glück.
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13.10.2014, 13:28Inaktiver User
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
Für mich liegt der "Denkfehler" einiger Posts darin, Glück bzw Pech als etwas Objektives zu sehen. Beides ist sehr subjektiv und hat damit doch ganz viel mit einem selbst zu tun.
Beispiele:
A) 4 Fehlgeburten zu erleben und zu verkraften ist ganz schön schlimm (s. Cariad). Wo doch viele andere Frauen ohne Probleme Kinder bekommen und es sogar immer wieder Frauen gibt, die ungewollt schwanger werden trotz Verhütung. Was für ein Schicksalsschlag und Pech für mich!
B) Die körperlichen/medizinischen Voraussetzungen für eine Schwangerschaft sind bei mir sehr ungünstig, ich habe nur geringe Chancen ein Kind zu bekommen. Aber beim 5. Versuch hat es doch geklappt, was bin ich doch für ein Glückspilz.
Ein anderer Gedanke zum Thema "Glück ist subjektiv". Ob einem Gutes widerfährt oder etwas gelingt, hängt auch davon ab, ob ich Chancen erkennen und wahrnehmen kann. Das kann einerseits tagesformabhängig sein, andererseits auch von meinen generellen Denkmustern. Destruktive Denkmuster zu ändern könnte also dazu führen, mehr Chancen als solche zu erkennen und auch umzusetzen.
Weitergedacht: ob ich eine Chance als solche erkenne, hängt auch sehr von meiner eigenen Beurteilung ab, von den Kriterien, die ich anlege. Hinterfrage ich mich und meine Kriterien, ob sie wirklich zu mir passen, besteht die Möglichkeit, Chancen zu sehen, an denen ich vorher vorbeigelaufen bin, zB Partnerwahl, Berufswahl.
Genauso kann man sich fragen, was Glück im Einzelfall bedeutet:
Ich habe ein Problem und hänge fest. Dann passiert etwas und plötzlich klappt es. Glück oder einfach ein "Aha"-Erlebnis, das im Kopf klick gemacht hat? Wenn ich immer wieder in den selben Gedankenschleifen festhänge, mich immer wieder bestätige, dann tue ich mir mit Aha-Erlebnissen schwerer, als wenn ich versuche neue Positionen einzunehmen und das Problem von versch./anderen Seiten zu betrachten (zB mit Hilfe einer Psychotherapie).
Subjektiv ist auch, was ich unter Glück bzw Pech verstehe:
1) Die Deutschen im Spiel gegen die Polen: besser gespielt, aber es sollte halt nicht sein.
2) ein schwerer Unfall oder eine Krankheit
Für mich ist 1) Pech und 2) Schicksal bzw. das normale Leben(srisiko)
Manche verwechseln auch den Begriff "Glück haben" mit "sich glücklich fühlen/was macht mich glücklich".
Anderer Gedanke: Glück und Pech ist relativ. Was ich heute als Glücksfall beurteile, kann morgen schon mein Nachteil sein und umgekehrt:
Glück und Unglück
Eines Tages lief einem Bauern das einzige Pferd fort und kam nicht mehr zurück. Da hatten die Nachbarn Mitleid mit dem Bauern und sagten: „Du Ärmster! Dein Pferd ist weggelaufen - welch ein Unglück!“
Der Landmann antwortete: „Wer sagt denn, dass dies ein Unglück ist?“ -
Und tatsächlich kehrte nach einigen Tagen das Pferd zurück und brachte ein Wildpferd mit.
Jetzt sagten die Nachbarn: „Erst läuft dir das Pferd weg - dann bringt es noch ein zweites mit! Was hast du bloß für ein Glück!“
Der Bauer schüttelte den Kopf: „Wer weiß, ob das Glück bedeutet?“ Das Wildpferd wurde vom ältesten Sohn des Bauern eingeritten; dabei stürzte er und brach sich ein Bein. Die Nachbarn eilten herbei und sagten: „Welch ein Unglück!“
Aber der Landmann gab zur Antwort: „Wer will wissen, ob das ein Unglück ist?“
Kurz darauf kamen die Soldaten des Königs und zogen alle jungen Männer des Dorfes für den Kriegsdienst ein. Den ältesten Sohn des Bauern ließen sie zurück - mit seinem gebrochenen Bein.
Da riefen die Nachbarn: „Was für ein Glück! Dein Sohn wurde nicht eingezogen!“
Glück und Unglück wohnen eng beisammen, wer weiß schon immer sofort, ob ein Unglück nicht doch ein Glück ist?
(Christian Morgenstern)
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13.10.2014, 13:30Inaktiver User
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
tja, wie sehr können wir unser leben beeinflussen?
jedenfalls nicht, indem wir die nove zur heiligen klara beten und kerzen spenden.
und das ist jetzt ohne jeglichen sarkasmus oder gar zynismus gemeint.
altiv sein leben gestalten hat noch niemandem geschadet.
ich persönlich kenne auch niemanden, der durch passivität irgendwas bewirkt hat.
mit dem GLÜCK ist es wiederum eine andere sache. unbeeinflussbar.
es gibt tatsächlich menschen, die haben nie w i r k l i c h e probleme mit dem partner/in, job, familie .
unerklärbar, aber es ist so.
bei anderen zieht sich förmlich das unglück wie ein roter faden durch das ganze leben.
auch unerklärbar.
aber deshalb nur treiben lassen, kann es auch nicht sein.
aktiv heisst ja auch = in bewegung = kein stillstand.
lange rede, kurzer sinn.
ICh will schon mein leben aktiv beeinflussen.
was dabei rauskommt, steht auf einem anderen blatt.
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13.10.2014, 14:01Inaktiver User
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?

Ich glaube schon, dass vieles mehr von unserer Haltung abhängt als von objektiven Gegebenheiten.
Trotzdem kann ich zugestehen, dass es vieles im Leben gibt was ich einfach als Leid empfinde, dem ich zwar immer auch irgendeinen Sinn abringen kann, was es aber nicht weniger ungerecht und schmerzhaft macht.
Und von dem andere einfach weil sie Glück hatten verschont geblieben sind, und nicht weil sie irgendwas besser gemacht haben.
Auf den Lerneffekt ein Kind zu verlieren kann man glaube ich gut verzichten.
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13.10.2014, 14:26Inaktiver User
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
Im Nachhinein ein Unglück als Glück umzudeuten, finde ich irgendwie auch unplausibel. Und in der Situation selbst sowieso nicht immer möglich. Wenn ich zwanzig Euro verloren hab, kann ich mich selbst in den Arm zwicken und hoffen, dass die jemand gefunden hat, der sie gerade dringender brauchte (egal ob das nun stimmt oder nicht). Bei einem echten Unglück ist Unglücklichsein erstmal eine gesunde, angemessene Reaktion.
Was man tun kann, ist ein Unglück irgendwie verwerten. Das ist eine Art aktiver Handlung: daran wachsen, eine bessere oder klügere oder stabilere Person werden. Das gleicht zwar das Unglück nicht aus, aber zumindest hat man es, sozusagen, nicht verkommen lassen und das beste daraus gemacht.
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13.10.2014, 16:19Inaktiver User
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
Ein sehr interessantes Thema! Ausnahmsweise lese ich diesmal nicht erst die anderen Antworten, sondern schreibe ganz bewusst meinen ersten Spontangedanken:
Es kommt darauf an! Manches im Leben ist schlicht und einfach Glück oder Pech und durch ein Individuum nicht steuerbar. Ob ich im reichen Deutschland geboren werde oder in einem afrikanischen Busch, wo die Menschen verhungern und an Seuchen sterben - darauf habe ich keinen Einfluss, und es prägt in erheblichem Maße die Gestaltungsmöglichkeiten in meinem Leben. Wer in Deutschland z.B. Schul- und Hochschulbildung genießt, dadurch einen gutbezahlten Arbeitsplatz bekommt, kann die Welt bereisen, fremde Kulturen kennenlernen, seinen Horizont erweitern und erhält dadurch viele Anregungen, bunte Impressionen, Austausch mit Menschen der verschiedensten Weltanschauungen, Genüsse exotischer Speisen, Erlebnisse, Begegnungen... Wer seine Kraft und Hoffnungen komplett darauf aufwenden muss, die Familie für den Rest der Woche ernähren zu können, bekommt diese Chancen nicht.
Auch innerhalb eines materiell gutgestellten Landes gibt es große Unterschiede zwischen verschiedenen Herkunftsfamilien. Ich wage zu behaupten, dass es auf den Verlauf meiner Partnerschaften einen großen Einfluss hat, ob in meiner Herkunftsfamilie ein liebevoller, warmherziger und von gegenseitiger Wertschätzung geprägter Umgang herrscht. Oder ob ich mit einem gewalttätigen Alkoholiker als Vater aufwachse und die Mutter aus Angst vor seinen Schlägen nur kuscht. Im zweiten Fall werden mir traumatische Erfahrungen mitgegeben, die ich als Erwachsene erst einmal überwinden muss und mit denen ich im ersten Fall gar nie konfrontiert wäre.
Sofern gesundheitliche und wirtschaftliche Möglichkeiten vorhanden sind, kann ich mir einen Weg zu mehr Zufriedenheit erarbeiten, gern auch mit Unterstützung (Therapie, Coaching etc). Ändert aber nichts daran, dass solche Narben manchen Kindern ins Gepäck gelegt wurden und anderen nicht, die dann unbeschwerter ihr Leben genießen können, während die anderen sich um seelische "Heilung" bemühen.
Also - ja, man kann vieles aus seinem Leben machen, sofern es die Ressourcen zulassen, aber das Startkapital an Glück oder Pech ist auf der Welt ungleich verteilt.
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13.10.2014, 17:03Inaktiver User
AW: Wie sehr können wir unser Leben beeinflussen? Welche Rolle spielt Glück?
Schade, dass es hier keinen Gefällt-mir-Button gibt, den hätte ich jetzt unter Lilly Towns Beitrag angeclickt



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