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    AW: Schwanger und wahnsinnige Angst...

    Mein Kind geht schon zur Schule. Das nicht geborene wäre schon 15. Es ist eine ganz komische Furcht, mich zu sehr an irgendwen oder irgendwas zu gewöhnen und dann wieder enttäuscht zu werden. Und dazu kommen wehmütige Gedanken an meine eigene Kindheit, jedoch nicht die negativen, sondern die schönen Momente. Ich sehe mich mit Mama und Papa und Bruder und erinnere mich an die Geborgenheit. Als ob ich erst jetzt meine Kindheit verliere. Ich empfinde große Liebe und Dankbarkeit für meine Eltern, auch wenn vieles schiefgegangen ist. Wir haben uns ausgesöhnt. Und gerade jetzt möchte ich zurück in Mamas Schoß kriechen, Pudding essen und von Papa zu Bett gebracht werden. Jetzt muss ich plötzlich selbst erwachsen sein. Ich sehne mich danach, Kind zu sein. Warum kommt das jetzt? Weil ich dabei bin, mir eine Familienform aufzubauen, die der meiner eigenen Kindheit entspricht? (2 Kinder, großer Altersabstand)
    Das klingt alles so verworren, ich weiß.

  2. Inaktiver User

    AW: Schwanger und wahnsinnige Angst...

    Ich empfinde das nicht als verworren, sondern verständlich und - vor allem - verzeihbar , denn ich habe den Eindruck, du haderst gerade sehr mit dir selbst, bist sehr streng zu dir. Wie wäre es denn, dein inneres Kind, daß gerade ganz große Bedürfnisse anmeldet, ernst zu nehmen und ihm zu geben, was es braucht: Wärme, Zuneigung und Aufmerksamkeit. Vielleicht hilft dir ein Kuscheltier, näher an dieses Gefühl zu kommen. Dass dann auch Tränen fließen können, scheint mir ebenso normal in diesem Prozess.

    Ich glaube nicht, dass wir auf einen Schlag erwachsen sind, sondern dass dies ein Prozess ist, ein lebenslanger, und es immer wieder 'Wehen' gibt, wenn ein neuer Schritt getan wird.

  3. User Info Menu

    AW: Schwanger und wahnsinnige Angst...

    Julifrau: jetzt muss ich weinen. *blümchengeb*

  4. Inaktiver User

    AW: Schwanger und wahnsinnige Angst...

    Zitat Zitat von Kullerauge Beitrag anzeigen
    Julifrau: jetzt muss ich weinen. *blümchengeb*
    Danke und wenn ich darf . Lass' sie fließen, das tut dir gut.

  5. Moderation

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    AW: Schwanger und wahnsinnige Angst...

    Liebe Kullerauge,

    ich antworte dir jetzt ganz direkt, weil das, was du gerade erlebst, in mein berufliches Fachgebiet fällt. Es ist nicht selten, dass in einer Schwangerschaft "alte" Themen wach werden, Ängste, Traurigkeiten, Schmerzen, die vielleicht sonst tief weckgepackt waren.

    Es soll auch so sein, daß man (frau eigentlich ) in der Schwangerschaft offener wird Gefühlen gegenüber, nicht selten träumt man (vor allem im zweiten Trimester) auch viel und beschäftigt sich mit Fragen aus der eigenen Kindheit, die eigenen Eltern betreffend, mit Fragen, wie bin ich als Elternteil, was will ich weitergeben, was will ich anders für mein Kind als ich selbst das hatte.

    Das alles ist schon eine beginnende Bindung an das kommende Kind, die nach der Geburt noch intensiver wird. Aber auch vorher sind wir offener und verletzlicher.


    Die inneren "Gefühlsbahnen", aus denen heraus wir uns dem Kind zuwenden, die aktiviert werden, wenn wir uns unserem Kind gegenüber sehen, seine Hilflosigkeit, seine Bedürftigkeit wahrnehmen, auch bereits in der Schwangerrschaft seine "Besetzung" unseres Körpers und Belegung unserer Lebenspläne, diese inneren Gefühlsbahnen (tatsächlich Verbindungen in unserem Hirn) sind die ganz, ganz alten Bahnen, die wir selbst damals mit unseren Eltern in unserer ersten Zeit entwickelt haben. Sie sind dementsprechend geprägt von dem, was damals war, Liebe wie Angst, Zärtlichkeit wie Ablehnung, Hilflosigkeit, Chaos, Überwältigung...was unsere frühen Erfahrungen ausmachte.


    ...oft ist es das, was uns da gefühlsmäßig als Erwachsenen entgegenschlägt, was uns die Tür öffnet, uns in eigene kindliche Verletzungen und Ängste einzufühlen. Insofern ist diese Zeit, die du jetzt erlebst, auch eine sehr chancenreiche Zeit, eine Zeit, in der Wiederholung wie Veränderung beidermaßen möglich ist.

    je nachdem, wie tief alte Wunden gegangen sind, wie sehr die Gefühle überwältigen und beeinträchtigen, sollte man diese Veränderungen aber zusammen mit fachmännischer/-fraulicher Hilfe angehen. Und nicht mit dem Fokus darauf, was damals war, sondern auf dem, was hier und jetzt wach wird, und darauf, wie du deine erwachsenen, gesunden Anteile mobilisieren kannst, um dich selbst und das Baby, wenn es kommt, zu halten.


    Es ist ganz wichtig sich zu erinnern, daß dein "damals" vorbei ist, und daß du nicht deine Mutter, dein Vater bist, daß du deinem Kind andere Erlebnisse zuteil werden lassen kannst und, bei dir auch ganz besonders, daß du nicht alleine bist, dein Mann kann dir beistehen.

    Ich würde dir raten, dir Hilfe von Spezialisten zu holen, die mit Eltern und Neugeborenen zusammenarbeiten, bei denen die Eltern eine psychische Belastung haben, es mag sein, daß man auch als Schwangere schon dorthin überwiesen werden kann. Möglichwerweis kann man über sog. Schreiambulanzen Adressen bekommen. (In Skandinavien, wo ich arbeite, beginnen wir bereits in der Schwangerschaft mit der therapeutischen Begleitung, aber in Deutschland mag das, auch zwischen den Regionen, unterschiedlich sein.

    Nur Mut!
    that was the river - this is the sea


    Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum

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