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  1. Inaktiver User

    AW: Dem Gegenüber genau zuhören

    Im Forum kann man es ganz super erkennen, denn ein Artikel kann von zig Leuten zig mal anders ausgelegt und verstanden werden.
    Der Eine legt die Aussage mehr auf Punkt X - der andere auf Punkt Y......und möglicherweise meint dann der Schreiber noch was ganz anderes.

    Wobei Schreiben wirklich noch anders ist-- ich finde es halt schon im Gegenüber interessant, was immer wieder für andere Interpretationen kommen und kaum ein Mensch so "spiegelt"- ist ja auch nicht nötig....man "weiß ja was der andere meint"
    Ist übrigens schlimmer- je länger man sich kennt......oft am Unerträglichsten bei Eltern und Kindern-- man KENNT sich ja in- und auswendig.......
    Eine andere Sichtweise auf den anderen ist beinahe unmöglich.

    kenzia

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    AW: Dem Gegenüber genau zuhören

    Trotzdem würde ich nicht behaupten, dass der Sender wie in deinem Eingangsbeitrag behauptet - NULL - damit zu tun hat, was beim Empfänger ankommt. Schließlich hört man nicht nur auf verschiedenen Ebenen, man "sendet" auch auf verschiedenen. Welche Ebene gerade gemeint ist, erschließt sich letztlich meist aus dem Kontext und auch aus nonverbalen Signalen.

    Aber Missverständnisse sind eher eine gestörte Kommunikation zwischen den beiden Akteuren und nicht zwingend nur dem Sender oder nur dem Empfänger anzulasten.

  3. Inaktiver User

    AW: Dem Gegenüber genau zuhören

    Ich sehe hier mehrere Probleme. Es geht nicht nur ums genaue zuhören, sondern auch um die meist vorhandenen mehr oder weniger intensiven Interpretationen der einzelnen zuhörenden Personen und vopr allem um die Fähigkeit der beteiligten sich wirklich konzentrieren zu können.

    Um jemandem wirklich zuhören zu können, muß man eine gewisse Menge Konzentration aufbauen können. Da unser Leben immer schneller und hektischer abläuft, oft mehrere Aktivitäten gleichzeitig erfolgen müssen, ist oft garnicht die Kapazität da, sich auf das Gespräch wirklich zu konzentrieren.

    Ich beobachte auch zunehmend, dass Menschen einfach trotz einem eigentlich eindeutigen Wortlaut etwas hinein interpretieren was garnicht da ist.

    Kleines Beispiel:
    Ich sage ich habe mir einen kräftig orangeroten Pullover gekauft. Diese Aussage entspricht der Realität.

    Mein gegenüber kennt aber meine Einstellung zu Farben, ich mag eine solche Farbe eigentlich nicht, kommt dann nicht klar mit der Aussage, dass ich mir den gekauft habe und damit es wieder in das Bild passt, verändert er für sich die Aussage zur Farbe, indem er sich den Pullover wesentlich dezenter vorstellt als ich mit meiner eigentlich präzisen Angabe gesagt habe.

    Oder er macht aus dem ich habe mir gekauft ein ich wollte mir kaufen.

    Mit mischt hier auch noch das Problem, dass nicht wirklich 100% auf meine sprachliche Aussage gehört wurde, eben weil man meist zumindest gedanklich immer noch zusätzlich auf einer anderen Spur ist. Der Angesprochene füllt sich also selbst die Lücken aus und glaubt nachher auch wirklich, dass ich das gesagt habe, was in seinem Kopf hängen geblieben ist.

    Da ich selbst aus gesundheitlichen Gründen mit Konzentrationsstörungen zu kämpfen habe, bin ich oft garnicht in der Lage wirklich richtig zuzuhören, weil ich garnicht mitbekomme, dass ich mich jetzt wirklich auf eine Aktion konzentrieren muß. Anders formuliert höre ich zwar, dass jemand mit mir redet, ich nehme auch etwas auf, ich antworte evtl. auch, aber ohne wirklich alles erfasst zu haben. Das ärgert mich enorm, ich kann es aber nicht ändern.

    Abgemildert habe ich die Problematik, indem ich mit meinen Mitmenschen (natürlich nicht überall möglich) darüber kommuniziere und klar verlange, dass man mich bitte deutlich anspricht, sich vergewissert, dass ich mit meiner Aufmerksamkeit dabei bin und dann mit mir redet.

    Ergebnis: Es gibt viel weniger Mißverständnisse.

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    AW: Dem Gegenüber genau zuhören

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    am witzigsten fand ich die Aufgabe, dass in einem Zweiergespräch irgendetwas ziemlich Belangloses diskutiert werden sollte. Nur der Eine hatte die Aufgabe ständig zu widersprechen und Nein zu sagen, egal ob er der Aussage innerlich zustimmen könnte oder nicht.
    Kommt mir bekannt vor. Sowas hatten wir frueher mal im Deutschunterricht gemacht. Das Thema war eigentlich nicht belanglos sondern eher brisant (und soweit ich weiss sogar aktuell). Es wurde dann ausgelost, wer welche Meinung dazu vertreten sollte. Das ganze wirkte wie ein Theaterstueck, weil natuerlich keine wirkliche Diskussion zusatande kam. Die beiden gaben sich zwar ordentlich Muehe, aber es kam dennoch keine echte Emotion auf, weil sich im Grunde beide einig waren und der Rest der Klasse einschliesslich Lehrer genauso. Lag also vielleicht am Thema.

    Solche rhetorischen Uebungen sind irgendwie immer gleich. Man staunt nicht schlecht und wendet die Technik im Alltag dann doch nicht an.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Man kann einfach gut erkennen, dass jeder in seinem Film unterwegs ist und damit gar nicht so auf einen eingestellt, wie man es gerne denkt.
    Da kommen manchmal ganz komische Reaktionen, wenn man etwas an sich total harmloses gesagt hat. Ich erinnere mich an ein Gespraech mit einem Kollegen, bei dem sich auf einmal ein anderer Kollege, der sich nur zufaellig im gleichen Raum aufgehalten hatte, ganz fuerchterlich ueber einen Satz von mir aufgeregt hat. Er fuehlte sich davon offenbar angesprochen und glaubte ernsthaft, ich haette ihn damit gemeint. (Na gut, der litt auch an Verfolgungswahn.)

  5. Inaktiver User

    AW: Dem Gegenüber genau zuhören

    Zitat Zitat von schlumpsi Beitrag anzeigen

    Aber Missverständnisse sind eher eine gestörte Kommunikation zwischen den beiden Akteuren und nicht zwingend nur dem Sender oder nur dem Empfänger anzulasten.
    Wie in Opelius Beispielen zu lesen, kann die Kommunikation auch beabsichtigt gestört werden. Das Schwierige ist, die Intention zu erfassen. Gestört kann sein, dass der eine den anderen nicht versteht. Gestört kann auch heißen, dass einer die Kommunikation stören will. Oder wie bittersweet erzählt, dass es an Konzentration etc. mangelt. Nicht so einfach das Ganze.

  6. Inaktiver User

    AW: Dem Gegenüber genau zuhören

    Ist es nun nicht ein schönes Beispiel für mein Eingangsposting?

    Zitat Zitat von schlumpsi Beitrag anzeigen
    Trotzdem würde ich nicht behaupten, dass der Sender wie in deinem Eingangsbeitrag behauptet - NULL - damit zu tun hat, was beim Empfänger ankommt.
    1. ich habe nicht "behauptet"- dieses Wort nirgends verwendet- und empfinde es auch als ziemlich dogmatisch- weder meine Art noch das, was ich vermitteln wollte oder würde.

    2.Es wurde nicht richtig "zugehört"

    Ich schrieb:"und wie oft wird sogar recht heftig reagiert-- inzwischen ist mir klar, das diese Reaktion null mit mir zu tun hat....sondern ein Thema des Gegenüber ist"
    Mir geht es um die Reaktion vom Empfänger......und darauf habe ich keinen Einfluss!

    Ich kann als Sender so gut wie möglich VERSUCHEN mich verständlich zu machen. Mit Worten, Gesten, Mimik etc....es gibt aber keine Garantie, das es bei dem Gegenüber auch so ankommt, wie ich es gemeint habe.
    Die Reaktion, die dann von dem Gegenüber kommt-- hat nur noch mit ihm zu tun.

    Es geht mir überhaupt nicht um den Austausch zwischen Sender und Empfänger- der natürlich besteht und auch nie bestritten wurde. (falls das jemand nun hinein-interpretiert!)
    Sondern um den Umstand, das selbst mit dieser "Fürsorge" für den anderen- sich verständlich zu machen, es immer wieder Situationen gibt bei denen der Gegenüber nur in seinem Film sitzt und nicht wirklich mit bekommt worum es ursprünglich geht.

    Hier sieht man schon schön, wie man missverstehen kann und mit eigenen Worten dem Ganzen auch einen neuen - anderen Anstrich geben.
    Alles kein Drama, aber es unterstreicht mein EIngangsposting.

    lg kenzia

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    AW: Dem Gegenüber genau zuhören

    kenzia, mag sein, dass ich dich in der Tat falsch verstehe, bei mir kommt dieser Satz an als: "ist ja egal, wie ich etwas sage, ich bin nicht schuld, wenn der Andere sauer wird." Gerade bei Forenkommunikation, aber oft genug auch im realen Leben, gibt es hinter der scheinbar so harmlosen Sachebene kleine und gemeine Spitzen. Und immer dann, wenn das Gegenüber dann darauf entsprechend einsteigt, ist die Reaktion irgendwas in der Art: "Also das ist nicht mein Problem, ich habe doch nur xy gesagt."

    Ich behaupte nicht, dass du das tust oder dass dieser Satz von dir so intendiert ist, aber ich will darauf hinweisen, dass man als Sprecher eben auch mitbedenken sollte, wie etwas, vielleicht tatsächlich hamrlos gemeintes beim Empfänger ankommen kann. Und nein, das lässt sich nicht immer zweifelsfrei vorher entscheiden, das macht Kommunikation im Zweifelsfall so schwierig.

  8. gesperrt

    User Info Menu

    AW: Dem Gegenüber genau zuhören

    " Gerade bei Forenkommunikation, aber oft genug auch im realen Leben, gibt es hinter der scheinbar so harmlosen Sachebene kleine und gemeine Spitzen. Und immer dann, wenn das Gegenüber dann darauf entsprechend einsteigt, ist die Reaktion irgendwas in der Art: "Also das ist nicht mein Problem, ich habe doch nur xy gesagt."
    Oder der Empfänger hört Spitzen, die der Sender garnicht bewust los geschickt hat.

    Grüße
    Luftpost

  9. Inaktiver User

    AW: Dem Gegenüber genau zuhören

    Viele Forenmitglieder sind wahre Künstler darin, in völlig harmlose Satzkonstrukte heftig hinein zu interpretieren.

  10. User Info Menu

    AW: Dem Gegenüber genau zuhören

    Interessantes Thema - ich war in letzter Zeit ziemlich kommunikationsabstinent (jedenfalls schriftlich) und muss mich mal wieder einschreiben...

    Die diversen Kommunikationstheorien sind je nach Situation sehr brauchbar (ich mag besonders Watzlawick), aber m. E. schwer auf sich selbst anwendbar - jedenfalls schaffe ich es kaum, mich während einer Kommunikation quasi neben mich zu stellen und das Ganze auch noch "extern" zu beobachten. Dennoch kann ich viele der hier angeführten Phänomene bestätigen und so manches Mal überforder(te)n sie mich...

    Da ich schon immer radikal war, alles von der Wurzel her aufrollen will, fange ich mit den Überlegungen aber weiter unten an. Vor Kurzem erst las ich den einfachsten Satz, der meine Überzeugung einigermaßen zusammenfasst:

    "Unsere Wahrnehmung der Welt ist eine Fantasie, die mit der Realität in Einklang steht." (Chris Frith)

    Will sagen, jeder von uns hat eine eigene (innere) Realität und ein eigenes Bild von sich selbst und dem/den Anderen. Je mehr die jeweiligen Bilder differieren (ob nun insgesamt oder nur in einzelnen oder sehr speziellen Aspekten), desto weniger werden wir uns (in diesen oder insgesamt) "richtig" verstehen können.

    Ich behaupte sogar pauschal, dass wir "EU-Normalbürger" nicht in der Lage sind, Chinesen zu verstehen oder wir "EU-Christen" nicht die Muslime oder auch nur (bestimmte) "USA-Christen". Dazu kommt, dass Kommunikationsmittel, -arten, -wege und -kanäle sogar unsere Art zu Denken beeinflussen, letztlich unser Gehirn umbauen.

    Wenn wir dann noch Thomas Metzingers "Phänomenales Selbstmodell" hinzunehmen, an dem ich keine Zweifel hege:

    "Unser »Selbst« existiert gar nicht. Das bewusst erlebte Ich wird lediglich von unserem Gehirn erzeugt."

    dann wird klar, dass in einer immer individualisierteren und diversifizierteren Gesellschaft (auch wenn die erlebte Individualität größtenteils Einbildung ist) ein Konsens fast nur noch auf unbemerkten Missverständnissen beruhen kann, gefördert durch Überlastung bzw. Überflutung.

    Den Urheber von "Wir sehen nur, was wir schon kennen." weiß ich nun nicht mehr, aber dasselbe gilt für mich auch fürs Hören. Geschuldet ist das alles einer beschränkten Leistung des Gehirns - es ist auf die Spekulation einer gewissen Konstanz bzw. gewisser Konstanten angewiesen, basierend auf Prägung, Sozialisation, bisheriger Erfahrung - man kann das auch "Glauben" nennen.

    Martin Urban zitierte in einem seiner Bücher einen Lehrer, der einen selbstbekennend ungläubigen Schüler mal darauf hinwies,

    "Du glaubst zumindest, dass der Bäcker nicht ins Brot spuckt!"

    Über solche letztlich nützlichen und sogar lebensnotwendigen Konventionen (wenn wir nicht verhungern oder paranoid werden wollen) ist wohl am ehesten und die größte Übereinstimmung zu erreichen.

    Das alles ist doch noch weit entfernt von den viel spezielleren Kommunikationstheorien - aber erklärt m. E., warum es mit der Kommunikation überhaupt nur unter recht speziellen Umständen (oder zufällig) mal klappen kann. Ich merke das an meinem radikal-konstruktivistischen Welt- und Menschenbild, das mir als das plausibelste und einfachste überhaupt erscheint, von den meisten anderen aber so garnicht auch nur im Ansatz verstanden wird.

    Wer hat schon eine Vorstellung davon, wie sein Gehirn funktioniert? Selbst mit dieser (derzeit) wissenschaftlich-plausibelsten (partiellen) Vorstellung bleibt das eigene Selbstempfinden "im praktischen Leben" unhintergehbar und zudem ist jeder darauf aus, aus den (Lebens)Äußerungen der Anderen die Bestätigung seines Selbstbegriffes herauszulesen (notfalls herauszukonfabulieren), solange dieser nicht auch für ihn völlig unmissverständlich verworfen oder entwertet wird.

    Es geht allerdings auch umgekehrt - in fast jeder Kommunikation ein endgültiges Verwerfen oder die Entwertung des eigenen Selbstbegriffes zu suchen. Auch dann wird es schwerlich Konsens geben können. Andere verwerfen wiederum (wohl aus einer Art vorauseilendem Selbstschutz) so krass, dass deshalb kein förderlich-kommunikatives Miteinander entstehen kann.

    Also können wir eigentlich doch schon froh sein, wenn Kommunikation wenigstens zu funktionieren scheint - und sei es nur, weil wir gerade so trefflich aneinander vorbeireden und -denken, ohne dass sich die verschiedenen "Realitäten" dabei ins Gehege kommen...
    Geändert von Cygnus (03.10.2014 um 02:42 Uhr)
    Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco

    Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia

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