Mir wird in letzter Zeit von allen Seiten (Therapeutin, Psychiater, Freundin...) das Tagebuchschreiben angepriesen: als Hilfe gegen Grübelei und negative Gedankenmuster, als Stimmungsbarometer entsprechend des verhaltenstherapeutischen Ansatzes, als Glückstagebuch für schöne Momente etc.
Das Problem: mir bringt diese Tagebuchschreiberei rein garnichts. Ich konnte mich schon früher nie dazu motivieren, regelmäßig etwas aufzuschreiben. Das ist für mich eine reine Pflichtarbeit, die keinerlei Verarbeitungswirkung hat.
Wenn ich was schreibe dann eher in Richtung Gedankenassoziationen, Gedichte u.ä. - aber das auch nur wenn es "mich überkommt", das kann ich nicht erzwingen.
Trotzdem suche ich einen Weg, mit wiederkehrenden Grübeleien, Gedankenschleifen etc. umzugehen. Zum Hintergrund: leide seit vielen Jahren an Depressionen, die im Moment zwar in einer ruhigeren Phase sind, aber ich neige immer noch dazu, Probleme endlos hin- und herzuwälzen.
Was macht ihr in so einer Situation, wenn ihr nicht Tagebuch schreibt - und keiner greifbar ist, der sich eure apokalyptischen Gedankengänge zum tausendachtizgsten Mal geduldig anhört?
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22.09.2014, 22:32Inaktiver User
Gedanken verarbeiten - Alternativen zum Tagebuch?
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22.09.2014, 22:37
AW: Gedanken verarbeiten - Alternativen zum Tagebuch?
Ich schreibe Tagebuch in einem Blog - manchmal sehr regelmäßig, manchmal sind auch zwei Jahre Pause, wenn mir danach ist.
Warum bist du denn der Meinung, dass du zur Regelmäßigkeit verpflichtet wärst?
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22.09.2014, 22:53Inaktiver User
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22.09.2014, 23:23
AW: Gedanken verarbeiten - Alternativen zum Tagebuch?
Da habe ich mal beschlossen: mein Blog, meine Schreibfrequenz. Wenn mir nach regelmäßig ist -okay, wenn nicht - auch okay. Manchmal muss ich den gleichen Mist fünfmal nacheinander aufschreiben, manchmal kommt dann auch nur ein Link zum alten Beitrag, wenn ich schreibfaul bin

Nein, das ist nur für mich. Ein öffentliches Blog hatte ich auch mal, aber da habe ich genau diese Erwartungshaltung an mich entwickelt, ich müsste "liefern". Das war nix.
Je nach Anbieter kannst du verschiedene Stufen an Privatsphäre einstellen, d. h., du kannst alle, einzelne oder kein Post öffentlich lesbar machen, nur für eingeladene Personen oder eben nur für dich.
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23.09.2014, 06:55Inaktiver User
AW: Gedanken verarbeiten - Alternativen zum Tagebuch?
Kauf Dir ein Diktiergerät und spreche Deine Gedanken darauf- Handy geht je nach Speicherkarte ebenso.
Denke- das kann genauso helfen- vorausgesetzt, du nimmst Dir später die Zeit, Dich selber nochmal anzuhören.
Könnte sogar sehr hilfreich sein......alla "oha- den Gedanken kenne ich schon lange.......kann ich den auch mal anders denken?"
Es geht ja letztlich um Reflektion Deiner Gedanken- und das wiederum geht nur, wenn man sie ansieht.
Ansehen wiederum kann lesen oder auch hören bedeuten....
Aufschreiben generell bedeutet:
Gedanken in Sätze zu formulieren und damit schon mal in eine Ordnung bringen-- im Kopf geht es oft zu wie im Wirbelwind.
Gedanken loswerden indem man sie notiert.....dann ist es wie bei Harry Potter in einer Szene.....man holt den Gedanken aus dem Kopf heraus und lässt ihn nicht ständig weiterkreisen.
Im Durchlesen hinterher und betrachten- können viele neue Kenntnisse gewonnen werden.
Was hab ich genau gesagt?- wie hab ich es formuliert?- was sieht in dem jetzigen Moment anders aus? Was würde ich nem Fremden raten?
Ich befinde mich dann außerhalb der gedachten und gefühlten Situation und kann besser denken.
Was hinter einem Gedanken steht- lässt sich mit Abstand besser erkunden und erfahren-- macht das Aufspüren von Glaubenssätzen zB viel leichter.
Sinn macht das also durchaus- nur sollte es nicht zum Zwang werden müssen.
Warum man genau das aber so gar nicht möchte.....hat aber ja auch Hintergründe, die man sich auch ansehen könnte-- sind vielleicht sogar ein Schlüssel zu entwas?
Ansonsten- siehe Diktiergerät oder Handy.......möglich, das das viel mehr Dein Weg ist.
kenzia
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23.09.2014, 07:09Inaktiver User
AW: Gedanken verarbeiten - Alternativen zum Tagebuch?
Ja, das mit dem Sprechen ist vielleicht eine gute Idee, um gewisse Gedanken erstmal "loszuwerden".
Das mit der Reflektion ist so eine Sache...Mir fehlt, wenn ich Geschriebenes später noch mal lese, die emotionale Verbindung dazu. Im Grunde genommen kenne ich meine Muster, und ich sehe (vom Kopf her) natürlich: ah ja, da habe ich mich wieder daran festgebissen, aber das macht nichts mit mir, es bringt mich irgendwie nicht weiter.
Vielleicht ist das beim Sprechen anders, das ist halt weniger gefiltert. Einen Versuch ist das sicherlich wert.
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23.09.2014, 07:23
AW: Gedanken verarbeiten - Alternativen zum Tagebuch?
Ich werfe mal zwei neudeutsche Begriffe hinein: Brainstorming und Mind-Mapping.
Mir hat das geholfen um die Gedanken zu kanalisieren, ordnen. Zuerst habe ich praktisch Gedanken gesammelt. In Stichworten auf Post-it-Zetteln. Die habe ich dann (ich hatte jede Menge dieser papiernen Schreibtischunterlagen) auf großen Blättern geordnet und modifiziert zu Mind-Maps.
Mir fiel diese Methode leichter als das Tagebuchschreiben. Bei diesem war ich die Grübel-Gedanken zwar erst einmal los geworden, aber sie kamen wieder, weil sie nicht "zu Ende gedacht" waren. Ich las mir meine Tagebuchnotizen nämlich nicht mehr durch. Da war einfach nur ein großer Haufen Text, der unbearbeitet blieb.
Die Mind-Map-Methode ist für private wie für berufliche Themen anwendbar.
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23.09.2014, 07:52
AW: Gedanken verarbeiten - Alternativen zum Tagebuch?
Ein Tagebuch muss ja nicht geschrieben sein, es kann auch gezeichnet sein. Ungeordneter als die erwähnten Mind-Maps, welche ich auch sehr gut finde.
Ich nutze zur Zeit, um mein Gehirn zu leeren und meine Gedanken zu entspannen Zentangle. Dazu habe ich mir ein Buch gekauft und erstmal täglich 3 Muster geübt (wie im Buch vorgegeben) und dann ein Zentangle aus diesen Mustern gemalt. Mir hilft das mich geistig auszuklinken. Allerdings habe ich das schon seit ich denken kann genutzt, nur eben ungeordneter und nicht mit dem Aspekt des "Ich denke nichts".
Außerdem glaube ich, dass reines Tagebuch schreiben keine Gedankenspiralen durchbricht. Um eine manifestierte Grübelei (ich nenn das mal jetzt so) zu durchbrechen benötigt es mehr Struktur und Routine. Es gibt Schreibtherapieformen, die geben etwas vor, z. B. ein Thema und dann soll man täglich 20 Minuten dazu schriftlich assoziieren.
Eine praktische Alternative ist Stricken oder Häkeln, kürzlich habe ich wieder irgendwo gelesen, wie gut das hilft um die Gedanken zu ordnen. Für mich gilt das auch, ebenso wie jede andere handwerkliche und/oder kreative Tätigkeit.Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
Die Ärzte
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23.09.2014, 21:40Inaktiver User
AW: Gedanken verarbeiten - Alternativen zum Tagebuch?
Ich habe bevor es das Internet gab, lange Jahre einen regelmäßigen Briefkontakt mit einer Freundin gepflegt. Tagebuchschreiben hat mich nie angezogen, weil ich keine Selbstgespräche führen wollte. So konnte ich mich an jemanden wenden, hatte Zeit genug meine Gedanken zu sortieren und bekam Anteilnahme. Letzteres war mir wichtig. Inzwischen sind wir Beide bequemer geworden. Wir schreiben uns noch regelmäßig E-Mails, die haben aber nicht mehr diese Intensität wie ich sie beim handschriftlichen Schreiben erlebt habe.
Wenn Du Deine Muster bereits kennst, ist es meiner Ansicht nach nicht hilfreich den immer gleichen Gedankengängen nachzugehen. Du willst die Gedankenspirale auflösen, so wie ich Dich verstanden habe. Dann probiere es doch mal mit Achtsamkeit. Wenn Du bemerkst, was Du denkst, dann sag Dir ohne das zu bewerten: Ah - da sind die alten Gedankengänge also wieder. Ihr hattet lange Zeit eine Berechtigung. Ich nehme euch wahr und an aber jetzt konzentriere ich mich auf etwas anderes, entscheide mich an etwas anderes zu glauben.
Also nicht wegdrängen, loswerden wollen sondern akzeptieren und ziehen lassen, in der Gegenwart sein, Dich im Körper spüren.
Der Mensch neigt dazu sich immer wieder dieselben Geschichten zu erzählen.
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23.09.2014, 23:52
AW: Gedanken verarbeiten - Alternativen zum Tagebuch?
ein tagebuch musss nicht immer sein. schreibst du eben was anderes. lustige oder traurige geschichten. oder malst etwas. es gibt tausend dinge gefühle darzustellen. ein blog find ich eine gute idee. da gibt es immer feedback, was auch der seele gut tut. ich mein man kann viele dinge machen und muss sich nicht unter druck setzen


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