vier Beiträge habe ich bisher in der BRI geschrieben - wird das mein 5.? Ich weiß es nicht, seit einiger Zeit fange ich hier immer wieder an und lösche dann doch wieder.
2 Beiträge hier in Persönlichkeit - zwei im "Kennenlernen". Meine Probleme (mit mir) habe ich immer noch, aber ich glaube, dass ich auf einem Weg bin. Der gar nicht so verkehrt ist. beim Letzten musste ihc lange überlegen, wer es überhaupt war - soviel zum Thema, dass ich nur jemanden suchte, um mich besser zu fühlen... Tja...
Mittlerweile wurde bei mir bei einem Psychiater/ Neurologen eine umfangreiche Diagnostik durchgeführt... Die Anzeichen für eine ADS im Erwachsenenalter waren enorm. Seit Juni nehme ich nun Medikinet Adult - seit etwa vier Wochen habe ich "meine" Dosis gefunden. Seitdem bin ich im gesamten wesentlich entspannter. Ich gerate nicht mehr so schnell ins Kopfkino. Vieles gelingt mir besser, ich schaffe mehr, obwohl ich das Gefühl habe, weniger zu tun. Alles ist weniger anstrengend. Ich bin nicht mehr so gehetzt. Nicht mehr so zwanghaft
Ich hatte meinen "Traumtherapeuten" schon gefunden. Dummerweilse muss dieser nun krankheitsbedingt seine Praxis schließen. Mein zweiter "Traumtherapeut" hat leider voraussichtlich erst ab Anfang Januar einen Platz für mich frei - aber wer weiß, wofür es gut ist.
Derzeit ist soviel in Bewegung in mir, immer wieder gerät mein Denken in absolute Wirren und auf einmal macht es *peng* und ich entknote mich. Meinen kleinen überschaubaren Bekanntenkreis musste ich noch mal überdenken - aber es ist okay. Das einzige, was mich gerade traurig macht, dass ich tatsächlich nie jemanden hab so nah an mich heran gelassen, dass ich all meine Gedanken und Gefühle jemanden ungefiltert präsentieren kann. Meine Maske, die ich trage, aus Angst, mein Gesicht zu verlieren.
Aber manchmal muss ich die Knoten loswerden - und deswegen bin ich hier... der X. Versuch - und der heutige bleibt bestehen - wenn nicht die Moderation es löscht... :)
Ich wachse - und möchte Dinge ausprobieren, ich möchte leicht sein, ich möchte frei sein - frei von meinen Ketten, die ich mir angelegt habe.
Warum ich schreibe? Ich würde lügen, wenn ich nicht a) ein bisschen stolz bin, b) vielleicht auch mal die ein oder andere Rückmeldung außerhalb der "Profireihe" hören möchte c) im besten Fall auch mal ein Lob hören möchte.
Aber: Ich möchte irgendwo schreiben können - mit dem Gefühl, dass es andere wahrnehmen (sonst würde ja mein TAgebuch reichen) - wenn es mir gerade schlecht geht.
sehn-sucht ist sehn-süchtig
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Ergebnis 1 bis 10 von 203
Thema: Ich (ent)wachse
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31.08.2014, 16:09
Ich (ent)wachse
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31.08.2014, 17:37
AW: Ich (ent)wachse
Ich finde es immer bewundernswert, wenn jemand an sich bewusst arbeitet, um weiterzukommen. Es hört sich an, als wenn du auf einem guten Weg wärst. Du kannst wirklich stolz darauf sein. Wichtig ist, dass man versteht, dass andere dabei helfen können, aber man immer selbst derjenige ist, der die Änderungen auch zulassen muss um die Ketten durchzuschneiden.
Und zu den Masken: gibt es jemanden, der keine hat? Das ist ein völlig normaler Selbstschutz. Man muss nur wissen, in welchen Fällen es sich lohnt und man dazu bereit wäre, die Maske abzunehmen und es dann schaffen, dies auch zu tun.
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31.08.2014, 17:40Inaktiver User
AW: Ich (ent)wachse
Wurde ADS im Kindesalter festgestellt, bei Dir?
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31.08.2014, 20:01
AW: Ich (ent)wachse
Danke dir! Gerade der von mir markierte Satz ist so entscheidend. Eigentlich habe ich mein Leben lang immer gehofft, dass irgendwer meine Ketten durchtrennt, bzw. habe ich andere überhaupt für das vorhandensein verantwortlich gemacht. Es ist natürlich bequem zu denken/ sagen, wenn der das tut oder die das lässt oder der einfach nur...
Du hast recht, jeder hat Masken - nur meine war eine dauerhafte, permanente - und ich wusste - zum Teil noch weiß - gar nicht, wie ich dahinter aussehe. Wie bin ich, wenn diese Maske nicht da ist. Letzendlich habe ich eine "sehn-sucht" erschaffen und war sie nie. Musste es aber für mich auch erst einmal feststellen, dass "ich gar nicht ich bin" (ähm, ist das gerade verständlich? )Und zu den Masken: gibt es jemanden, der keine hat? Das ist ein völlig normaler Selbstschutz. Man muss nur wissen, in welchen Fällen es sich lohnt und man dazu bereit wäre, die Maske abzunehmen und es dann schaffen, dies auch zu tun.
Nein, nie. Wobei rückblickend vieles darauf hin gedeutet hat - allerdings: Ich bin Mitte 30, wer dachte vor 20/ 25 Jahren an AD(H)S. Gerade eine ohne Hyperaktivität fällt ja auch heute noch häufig nicht auf.
Ich selbst wäre ohne den Wink auch nicht auf die Idee gekommen.
Auch das hat einiges mit den oben erwähnten Masken zu tun .- ich habe vieles kompensieren können. Aber dieses kompensieren, diese besondere anstrengen hat eben auch ganz viel Kraft gekostet, so dass ich permanent überanstrengt war.
ADS ist eine Erklärung für meine Schwierigkeiten - aber ich muss dazu klar sagen, es ist nicht "die" einzige Erklärung. Vielleicht habe ich verletzungen aus der Kindheit nur durch die ADS noch verstärkter wahrgenommen, stärker erlebt.
Danke euch fürs kommentieren und lesen
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31.08.2014, 21:14
AW: Ich (ent)wachse
Ja, das mit den Masken ist merkwürdig. Man stellt fest, dass die Maske sich ändert, je nachdem welcher Person man gegenübersteht. Oder übersetzt: Man ist bei der einen Person vorsichtiger, bei der anderen Person fühlt man sich wohler, bei der dritten verlässt einen noch eher der Mut oder umgekehrt. Man muss darüber nachdenken, bei welcher Person man sich wohler fühlt und woran das liegen könnte. Dieser Person gegenüber zeigt man sich nämlich vielleicht eher, wie man wirklich ist. Oder man bekommt so eine Ahnung, wie man vielleicht sein möchte. Man sollte auch versuchen, die Masken der anderen zu erkennen. Hinter einer abwehrenden Maske versteckt sich viellicht einfach jemand, dem es genauso geht und genauso wenig verletzt werden möchte, wie man selbst. Man lernt dadurch viel.
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01.09.2014, 14:48
AW: Ich (ent)wachse
Ja, das Thema Masken ist sicherlich auch durch mein Schreiben hier gerade sehr präsent. Ich finde es noch sehr schade, dass ich derzeit selbst noch so wenig Gefühl dafür habe, wann ich "keine" Maske aufhabe. Aber das "sich wohlfühlen" ist ein gutes Anzeichen. Wann fühle ich mich wohl? Wann bin ich sicher? Wann bin ich ich? Okay... die letzte Frage dauert sicherlich ein wenig, aber die Antwort ist wohl die entscheidende.
Heute fand ich mich mutig - viele von euch werden sicherlich darüber lächeln, schmunzeln - vielleicht es auch gar nicht verstehen.
Im Mai/ Juni habei ch mich einige Male mit einem Mann getroffen. Ich fand ihn nett - aber als Partner für mich kam er eigentlich nicht in Frage. Ich glaube, er sah es ähnlich. Es verlief sich im Sande. Letzte Woche veränderte er bei FB irgendwann seinen Beziehungsstatus. Nun ja, nun war ich heute morgen beim Sport. Wohlwissend, dass er dort sein würde (er hat ständig Spätschicht). Normalerweise hätte ich heute gekniffen. Die Angst vor der Begegnung - das Gefühl, nicht gut genug für ihn gewesen zu sein (dabei war es ja andersrum genauso). Komisch, oder? Blöd... irgendwie. Aber ich war da - hab ihm zugelächelt und Sport gemacht, nachher noch drei Sätze mit ihm gewechselt und gut war es.
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01.09.2014, 21:09
AW: Ich (ent)wachse
Ich bin stolz auf dich. Wenn man lernt, dass sich nicht alles um die eigenen Gedanken dreht und man manche Dinge einfach akzeptieren und annehen muss, weil man sie doch nicht ändern kann, hat man schon viel gewonnen. Das macht alles sehr viel einfacher.
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05.09.2014, 13:41
AW: Ich (ent)wachse
Liebe ylli,
danke dir für deinen Beitrag. Ich hatte ein paar Tage große Probleme mit dem Internet, konnte ihn lesen, hab mich so gefreut - aber nicht antworten.
Nun ja, seit heute bin ich Besitzerin einer neuen Fritzbox und hoffe, dass sich die Probleme damit gelöst haben.
Heute ist für mich gerade ein tiefschwarzer Tag. Ich kann das schlecht beschreiben. Ich fühle mich einsam und verlassen - und schaffe es nicht, mich wirklich zu öffnen. Bis auf hier - gleich - vielleicht. Schriftlich.
Ich wünschte, die Leute - meine (so genannten?) Freunde würden sich bei mir melden, mich fragen: Hey, wie gehts dir? Gehts dir gut? Nein? Erzähle, was ist los?
Das tun sie nicht - weil sie sich nur wenig vorstellen können, dass es mir schlecht geht... das ich Hilfe brauche. Weil ich immer alles "geschafft habe". Es gab eine Zeit, mein Vater verstarb plötzlich, ich trennte mich von meinem Freund, der Job war schwer, anstrengend - und ich hatte das Gefühl, keiner will gerade hören, wie es mir geht. Heute weiß ich, dass ich es auch nie versucht habe. Ich habe nicht irgendwo angerufen und gesagt: Hast du Zeit für einen Kaffee? Darf ich kommen? Reden? Schweigen - magst du mich vielleicht einfach nur im Arm halten?
Und jetzt? Kann ich das jetzt? Nicht wirklich. Ah, ich rufe T. an, denke ich und zeitgleich ziehe ich mich zurück, nein, nicht jetzt - er hat Probleme. Ich rufe K. an - nein, ich ertrage gerade selbst ihre Depressionen nicht. Dann S. - ach nee, sie ist die beste Freundin von K., sie kümmert sich um sie. Und ich? Wer kümmert sich um mich? Bei wem lasse ich es zu? Wer darf sich um mich kümmern...?
Habt einen guten Start ins Wochenende!
sehn-sucht
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07.09.2014, 11:43
AW: Ich (ent)wachse
Manchmal bin ich einfach so unsagbar wütend. Ich könnte platzen, ich könnte Dinge an die Wand schmeißen, schreien. Warum? Weil ich so oft das Gefühl habe, dass Leute mich nicht verstehen. Ich fühle mich häufig unverstanden. Ich frage dann (mich): Bin ich anders? Oder bin ich mit "den falschen" Leuten zusammen.
Das erste... das ist meine Wahrnehmung - seit meiner Geburt. Es ließe sich nicht ändern. Ich wäre dann einfach ein Mensch, der anders ist und daher mit Menschen nicht zurecht kommt. Das zweite... da ist die Frage: Wie und wo finde ich richtige Leute?
Meine Interessen
- lesen
- Sport
- Ausstellungen/ Messen
- Theater
Vielleicht sollte ich da überlegen, ob ich mit Menschen auch noch anders in Kontakt treten kann. Beim Sport wirklich auch mal an den Aktivitäten teilnehmen, die vom Verein angeboten werden (grillen, wandern, zelten, Feiern). Vermehrt nach Lesungen Ausschau halten. Nach Ausstellungen und Museen, Messen - und nicht nur Ausschau halten, sondern es auch tun.
Ich fühle mich einfach gerade sehr einsam... und beim Versuch mich zu öffnen, stieß ich einfach auf Unverständnis...
Und dabei war es so blöd. Ich bin dabei mich zu finden, das spiegelt sich auch im Kleiderschrank wieder. Ich versuchte einer Bekannte davon, am Telefon zu berichten, dass ich unzählige Hosen, Blusen, Röcke,Kleider besitze - und nie wirklich mich finde. Eher sammel. "Aber das ist doch das Naturell der Frauen, einkuafen, schöne Sachen kaufen..." Ich habe gedanklich dann abgeschaltet und das Telefonat mit einer Notlüge beendet. Weil ich sie spürte - diese unsagbare Wut. Sie ist nicht wirklich kontrollierbar in dem Moment - und für mich und meine Umwelt ist es sicherlich besser, dass ich erst dreimal durchschnaufe, bevor ich - mich so unverstanden fühlend - reagiere.
Da schreibe ich lieber hier... ungefiltert - irgendwie
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07.09.2014, 22:13
AW: Ich (ent)wachse
Weißt du was? Ich glaube, dass dich von denen, die hier lesen, mehr Menschen verstehen, als du glaubst.
Es geht ihnen so wie dir, aber sie zeigen es nicht. Sie haben einfach den Schritt noch nicht geschafft, sich das Problem selbst einzugestehen. Da bist du schon weiter.
Es ist ein Selbstschutz, der einen zurückhält, auf andere zuzugehen. Man möchte nicht verletzt werden. Aber das Verhalten verstehen die anderen nicht. Sie sehen eine Person, die sehr zurückhaltend ist. Eine, die nicht locker ist. Eine, die darauf achtet, höflich und nett zu sein, aber sich selbst nicht zeigt, da sie die Maske aufhat. Vielleicht denken sie sogar, dass die Person sie gar nicht mag und verstehen nicht, warum das so ist. Also halten sie sich auch zurück. Wie sollen sie diese dann kennen lernen?
Andererseits ist es problematisch, Menschen, die man noch nicht gut kennt, mit seinen Problemen zu belasten. Die nehmen dann gleich wieder Abstand. Man muss also die Möglichkeit finden, andere kennenzulernen, regelmäßig zu treffen, in positiver Umgebug. Man muss lernen, sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Andere wichtig zu nehmen. Anderen zuzuhören. Diese können sich vielleicht eher öffnen als man selbst. Dann ergeben sich Gespräche, in die man auch die eigenen Gefühle einbringen kann.
So kann das klappen.
Dir ist es ja schon aufgefallen, dass es nur funktioniert, wenn man auf andere zugeht: "Heute weiß ich, dass ich es auch nie versucht habe. Ich habe nicht irgendwo angerufen und gesagt: Hast du Zeit für einen Kaffee? Darf ich kommen? Reden? Schweigen - magst du mich vielleicht einfach nur im Arm halten? "
Ich weiß, dass das total schwer ist. Man sucht immer wieder für sich selbst Ausreden: dass man dem anderen nicht zu Last fallen möchte, dass man eh nicht der gewünschte Unterhalter ist, dass man mit seiner schlechten Stimmung die der anderen nicht verderben will etc.. Das ist eine Folge jahrelanger Erfahrung, die man mit anderen gemacht hat. Wobei wir wieder bei der Wirkung auf andere sind. Ein Perpetuum mobile. Ein Kreis, der sich immer weiter dreht. Einer, den man unterbrechen muss.
Vielleicht geht es denen aber genau so und freuen sich, wenn sie jemanden haben, der etwas mit ihnen unternimmt, der sie zu einem Spielabend oder zu einem Wein einlädt, ins Kino oder mit ihnen joggen geht? Wie viele Frauen würden gerne joggen gehen, wenn sie jemanden hätten, der mitmacht, weil sie sich nicht alleine in die Pampa trauen? Wie viele würden gerne in eine Ausstellung oder ins Theater gehen, wenn sie nicht alleine hinmüssten? Man muss die nur finden.
Tja, das Problem mit dem Kleiderschrank. Es ist natürlich nicht gut, wenn deine verletzten Gefühle bewirken, dass du hochkochst. Das musst du versuchen in den Griff zu bekommen. Versuche dir klarzumachen, dass du dich schon so oft verletzt gefühlt hast, das du automatisch so reagierst, aber das darf nicht die Oberhand gewinnen. Du kannst nichts dafür und deine Bekannte kann auch nichts dafür. Versuche es zu akzeptieren und gelassen damit umzugehen. Deine Bekannte war bestimmt in diesem Moment überfordert und wusste nicht, wie sie reagieren sollte. Sie kennt dein Inneres doch nicht.


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