Hallo Luftpost,
ich denke, es handelt sich hier um ein "gründliches" Fehlverhalten eines Therapeuten- und sowas sollte einfach nicht geschehen.
Ich gehe davon aus, dass ein Therapeut helfen möchte und es dem Gegenüber erleichtern.
Natürlich weiß er nicht, was sich wie zugetragen hat und wie Du es empfunden hast- und Ersteres wird auch keiner behaupten können oder gar wollen- Zweiteres......spräche für ein wahrhaftig übergriffiges Verhalten.
Vor allem, wenn der Klient nach Worten sucht und noch mitten im Gespräch ist.
Hast Du es dem Therapeuten gesagt?
Ich finde sowas wichtig, denn so ein Verhalten ist unprofessionell und manch Therapeut, der so handelt- wird sich gar nicht klar sein, was da abläuft.......auch er ist nur ein Mensch
Zuhören ist gar nicht so einfach....seine eigenen Meinungen und Überlegungen raus zu halten und ganz offen dabei sein, wenn jemand erzählt.
lg kenzia
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24.08.2014, 17:58Inaktiver User
AW: Ich wurde als Kind geschlagen!
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24.08.2014, 19:38
AW: Ich wurde als Kind geschlagen!
ich wurde als Kind auch regelmässig von meiner Mutter geschlagen, weil sie mit mir überfordert war. Wir hatten nicht das beste Verhältnis, die Schläge waren sicher auch ein Grund dafür. Sie hat sich nie dafür entschuldigt, zumindest nicht zu ihren Lebzeiten. Ich habei immer noch in Situationen wo ich mich behaupten und (verbal) wehren muss unbewußt Angst geschlagen zu werden, auch wenn diese Angst in den meisten Fällen eher absurd ist.
Trotz allem ist sie/war sie meine Mutter und auch wenn ich es nicht vergessen kann habe ich irgendwo auf meine Art meinem Frieden mit ihr gefunden.
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24.08.2014, 20:25
AW: Ich wurde als Kind geschlagen!
Ich stimme Schlaflos und Luftpost zu, die Taubheit der Gefühle und die fehlenden Erinnerungen sprechen für eine dissoziative Verarbeitung der erlebten Gewalt, also einer Art Abspaltung des Erlebens, des Bewusstseins.
Kinder (und Erwachsene, besonders, wenn sie bereits als Kinder dissoziiert sind) verarbeiten Erlebtes dann so, wenn sie sich als komplett hilflos und ohne Möglichkeit sehen, einer ganz erheblichen Bedrohung ausweichen zu können (wenn man glaubt, ausweichen zu können, setzt ein Fluchtreflex ein). Es ist wie ein inneres sich-Totstellen und hilft, die Situation auszuhalten. Aber die Strategie hat ihren Preis:
Auch nach Jahren spuken dann oft noch unintegrierte Erinnerungsfetzen, Gefühle wie Angst und Wut, Lähmung und Hilflosigkeit angesichts von Bedrohung sowie körperliche Symptome im Leben der früheren Opfer herum und können sogar dazu führen, dass man sich selbst als nicht ganz (wie fragmentiert) oder als nicht zusammenhängend erlebt (wenn man plötzlich in unerklärlichen Gefühlen landet oder einem Erinnerungen an aktuelle Ereignisse fehlen).
Auch gegenüber den eigenen Kindern, wenn man sich dann sozusagen spiegelbildlich in einer entsprechenden Situation befindet, können solche Gefühle ausbrechen, auch Wut und Aggression.
Bei Dissoziation sollte man sich eine professionelle Begleitung suchen, einen Therapeuten, der sich mit dem Thema und mit der Behandlung von posttraumatischen Störungen auskennt. Mit dem zusammen kann man dann ganz langsam und zuerst mit dem Fokus auf der Erarbeitung von Sicherheit und mehr Abgegrenztheit, sich dem Thema nähern.that was the river - this is the sea
Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum
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24.08.2014, 20:42
AW: Ich wurde als Kind geschlagen!
Gewalt in der Erziehung ist seit 2000 verboten. Das heisst nicht, dass sie nicht mehr angewendet wird. Viele Eltern finden mindestens den berühmten Klaps noch heute legitim, und etliche Eltern schlagen weitaus mehr als das. Früher, als man "noch durfte", war das noch verbreiteter und einfacher. Den Eltern wurde und wird viel Spielraum gelassen bei der Gestaltung ihrer "Erziehung". Und die Kinder hatten keine Lobby. ich erinnere mich an eine Klassenkameradin, die auf der Klassenfahrt in der 6. Klasse erzählte, sie werde von der Mutter mit dem Handfeger geschlagen. Es hat uns alle gegruselt und ich habe eine dunkle Errinnerung, dass ich dies meiner Klassenlehrerin erzählte. Es kam keine Reaktion.
In meiner klinischen Arbeit in Deutschland habe ich so viele misshandelte Kinder kennengelernt. Ca. 75% der Kinder auf meiner Station hatten dies und/oder sexuellen "Missbrauch" erlebt. Die wenigsten konnten offen darüber reden, es ist ein grosses Tabu und sie sind so loyal.
Dazu kommt, dass man heute weiss, dass man als Zeuge von Gewalt in Familien (also mitansehen wie die Mutter oder die grossen Geschwister geschlagen werden) die gleichen Reaktionsformen entwickeln kann.
Mich ergreift dies noch immer, weil ich nicht verstehen kann - naja, verstehen will, ich kann die Mechanismen dahinter schon sehen, aber ich akzeptiere sie nicht - weshalb sich nicht mehr Erwachsene aktiv um das Wohl bedrohter Kinder kümmern. Als hätten sie einfach karmisches Pech, better luck next time. Viel Engagement in meiner eigenen Abeit beziehe ich aus dieser Bewegtheit. Und ich erlebe, zur Zeit allerdings in einem anderen Land arbeitend, dass es mehr Menschen werden, die das im Blick haben udn sich einsetzen, dass Gewalt insgesamt immer weniger akzeptiert werden wird, dass es Initiativen gibt, massenweise Forschung, und etliche Leute die versuchen, dass Gewalt und ihre "Folgekosten" endlich im gesellschaftlichen Suchscheinwerfer landet.that was the river - this is the sea
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24.08.2014, 21:33
AW: Ich wurde als Kind geschlagen!
Ja, ich habe es ihm eine Sitzung später genau so deutlich mitgeteilt wie ich es hier geschrieben habe.Hast Du es dem Therapeuten gesagt?
Ich finde sowas wichtig, denn so ein Verhalten ist unprofessionell und manch Therapeut, der so handelt- wird sich gar nicht klar sein, was da abläuft.......auch er ist nur ein Mensch
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Zuhören ist gar nicht so einfach....seine eigenen Meinungen und Überlegungen raus zu halten und ganz offen dabei sein, wenn jemand erzählt.
In den betreffenden Sitzungen habe ich immer nur sehr generft seinem Vorgriff wiedersprochen, in der Hoffnung das bei ihm der Groschen fällt, allerdings vergeblich.
Ich habe den deutlichen Eindruck, das mein Psychotherapeut in Schubladen denkt. Die Pat. ist seit frühester Kindheit traumatisiert, floglich hat sie soziale Schwierigkeiten im Privatleben u. Beruf, ist suchtgefährdet, ist promiskuitiv, betreibt Risikoverhlalten usw.
Und deshalb kann sie ihre Gefühle nicht ausdrücken, braucht Hilfe bei der Einschätzung von Situationen usw.
Nichts davon trifft zu, ich wiederlege es Sitzung für Sitzung. Aber der Therapeut ist nicht in der Lage das abzuspreicheren, zu notieren und mich in eine andere Schublade einzuordnen. Dieser Krampf geht jetzt schon seit Dez. 2005.
Er ist wirklich reif für die Rente.
Grüße
LuftpostGeändert von Luftpost (24.08.2014 um 21:41 Uhr)
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24.08.2014, 23:21Inaktiver User
AW: Ich wurde als Kind geschlagen!
Dies wird mein, wahrscheinlich, letzter Beitrag zu diesem Thema sein.
Ich danke euch allen für eure Ratschläge, wie ich schon sagte, ich sehe das auch so, dass alles davon sinnvoll ist und ich durchaus in der Lage bin, auszuwählen, was mir davon passt und was nicht.
Die Diskussion darum fand ich sehr interessant zu lesen.
Die letzten Stunden waren teilweise sehr anstrengend, morgen geht es wieder los mit Arbeit und Co - und ich bin froh, dass ich mich erstmal etwas ablenken kann.
Wie hier schon einige schrieben, ich glaube, ich brauche letztendlich keine "Bewertung" von außen; brauche diese auch nicht vornehmen ... , aber es kann sinnvoll sein, eine Idee davon zu haben, wie ich das "bewerten" oder einordnen KÖNNTE.
Auch eine interessante Diskussion!
Mir hilft gerade vor allem, dass ich merke: so viele Dinge, die ich tu sind - aus dieser Grunderfahrung des Schlagens heraus - erklärbar und "normal".
- Dass ich meine Mutter nicht gerne umarme, beispielsweise.
(Wie lange habe ich mich gefragt, was falsch ist mit mir.)
Und es gibt viele andere Dinge, die ich erlebt habe oder tu, die auch darauf zurückzuführen sind/ sein könnten.
Mir geht es also alles in allem so, als wäre mir ein riesiger Stein vom Herzen gefallen oder gar ein Gebirge (und es poltert noch).
Vielleicht bin ich irgendwann einmal in der Lage, die Erfahrungen auch "emotional" zu verarbeiten, vielleicht zu weinen oder - was auch immer - .
Einen Therapeuten brauche ich, denke ich, nicht, weil mich das nicht so belastet, dass ich irgendwie eingeschränkt wäre. Ich bin ein lebenslustiger, froher und geselliger Mensch - manchmal etwas nachdenklich. Es ist alles gut.
Ich bin sehr froh darum, hab die letzten Tage oft daran gedacht, dass es auch anders hätte kommen können.
Aber das hätte es auch ohne Schläge. Also, Bewertungen: nein.
Erfahrungen emotional erspüren, um sich vielleicht noch stärker davon "reinigen" zu können: ja.
Aber dafür bin ich noch nicht bereit. Noch nicht jetzt.
Ich will das auch nicht erzwingen. Das, was ich die letzten Stunden "erfahren" habe, ist erstmal genug. Deswegen werde ich mich jetzt auch (erstmal) zurückziehen.
Ich danke euch allen.
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25.08.2014, 07:00Inaktiver User
AW: Ich wurde als Kind geschlagen!
Hallo Lufpost,
wenn ich das lese frage ich mich, was Dich an diesen Therapeuten bindet?
Es klingt nicht nur nach KRampf sondern vor allem nach Kampf....und worum kämpfst Du?
Ich verstehe sehr gut wie wichtig einem Anerkennung und Respekt zu so einem Thema ist, aber diese Bedürfnisse wirst Du bei diesem Menschen nicht befriedigen können.
Du möchtest aus dieser Schublade, in der er Dich hat.....was ändert sich in Deinem Leben, wenn Du es schaffen würdest?
Es hat nichts mit Rente zu tun, jeder Mensch hat seine Schubladen und sei es nur die, die uns toleranter sein lässt....auch das ist Eine
Du sagst, Du widerlegst Sitzung für Sitzung......für WEN tust Du das tatsächlich?? WEN willst Du überzeugen?
lg kenzia
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25.08.2014, 07:54
AW: Ich wurde als Kind geschlagen!
Luftpost... Es gibt auch Therapeuten die dich bestimmtes verhalten testen bzw. Versuchen etwas aus dir rauszukitzeln. Kann, muss aber nicht.
Lunatica,
Ich kann es absolut nachvollziehen wie es dir damit geht u danke dir für die themeneröffnung. Auch mir sind damit Dinge klarer geworden :)
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25.08.2014, 07:56
AW: Ich wurde als Kind geschlagen!
Hallo Lunatica,
du liest hier vielleicht noch mal.
Mit dir ist nichts falsch und du hast es ja in deinem ersten beitrag geschrieben, es war und ist auch nicht deine schuld.
Ich finde, das ist eine wichtige erkenntnis
.
arabeske
p.s.
mich hat der "andere" strang auch um einiges weiter gebracht, in eine andere richtung...Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.
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25.08.2014, 20:52
AW: Ich wurde als Kind geschlagen!
[QUOTE=Inaktiver User;25882402]
Vaterübertragungen. Ich kämpfe darum von meinem TherapeutenVater als Person gesehen zu werden. Und nicht als sein Konstrukt das er für mich hält.Hallo Lufpost,
wenn ich das lese frage ich mich, was Dich an diesen Therapeuten bindet?
Es klingt nicht nur nach KRampf sondern vor allem nach Kampf....und worum kämpfst Du?
Es geht um Erkennung, nicht Anerkennung. Respekt bringt er mir entgegen, ich vermute genau so viel wie jedem anderen Pat. auch. Den respektvollen Patientenumgang habe ich mir von ihm abgegucktIch verstehe sehr gut wie wichtig einem Anerkennung und Respekt zu so einem Thema ist, aber diese Bedürfnisse wirst Du bei diesem Menschen nicht befriedigen können.
Ich möchte als der Mensch gesehen werden der ich bin und nicht als der Mensch den er sich denkt.Du möchtest aus dieser Schublade, in der er Dich hat.....was ändert sich in Deinem Leben, wenn Du es schaffen würdest?
Meinen TherapeutenVater, Übertragungen.Es hat nichts mit Rente zu tun, jeder Mensch hat seine Schubladen und sei es nur die, die uns toleranter sein lässt....auch das ist Eine
Du sagst, Du widerlegst Sitzung für Sitzung......für WEN tust Du das tatsächlich?? WEN willst Du überzeugen?
Ich frage mich, warum kann er nicht, was andere Menschen Laien wie Profis problemlos schaffen?
Das kann doch nicht so schwer sein.
Grüße
Luftpost



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