Hallo ihr!
Ich bin ganz gerührt wegen eurer Fürsorge. Aber macht euch keine zu großen Gedanken, denn alles, was hier steht ist sehr wertvoll für mich.
Sowohl die Argumente pro "andere Meinungen", als auch die Argumente "contra", da eigenes Empfinden usw. Sogar dieser doofe Beitrag da ganz zu Anfang. Alles in Ordnung. Mir war bewusst, dass ich einen ziemlichen Stein ins Rollen bringe.
Für mich selbst, oder besser vielleicht "in mir", als auch in den Menschen, die diesen Beitrag lesen. Wer weiß, welche Erfahrungen da draußen herumschwirren.
Herausgreifen möchte ich den Gedanken von ichkannauchanders. Auch Psychologen beschönigen solche Erfahrungen. Ichkannauchanders, Du hast so recht damit!!!
Ich war nämlich schon einmal in psychologischer Behandlung, wegen, ach, unzähligen Dingen ... auch das Thema Schläge wurde angesprochen, das der Psychater aber relativ bald ad acta gelegt hat. Jetzt, mit dem Wissen ca. 10 Jahre später, wird mir das klarer.
Er hat mir trotzdem sehr geholfen. Wahrscheinlich wäre das damals auch noch too much für mich gewesen.
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23.08.2014, 15:38Inaktiver User
AW: Ich wurde als Kind geschlagen!
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23.08.2014, 16:21
AW: Ich wurde als Kind geschlagen!
Gewalt gegen Kinder gibt es auch heute noch. Siehe Fall Yagmur in Hamburg.
Oder glaubst du, dass heutzutage alle Kinder liebevoll aufgezogen werden?
Lunatica,
ich finde es sehr gut, dass du dich diesem Thema stellst, gerade auch wenn du noch jung bist. (Steht dein Alter eigentlich irgendwo?) Je früher, je besser!!
Liebe Grüße
Capbreton
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23.08.2014, 17:14
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23.08.2014, 22:13
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24.08.2014, 09:56Inaktiver User
AW: Ich wurde als Kind geschlagen!
Hallo pars_pro_toto,
vielleicht hilft ja ein Beispiel zu erklären, was ich mit meinen Aussagen meine:
Wenn ein Kind hinfällt, dann steht es manchmal auf und bevor es überhaupt zu weinen anfängt- schaut es sich um oder zur Mutter und je nach Verhalten der Mutter......fängt das Kind zu weinen an oder eben nicht.
Rennt die Mutter auf das Kind zu, sagt sie "hach wie schlimm, mein so armes Kind"- vermittelt sie dem Kind, das etwas Schlimmes passiert ist.....dann "folgt" das Kind der Reaktion, "weiß" nun einzuordnen....."es ist also grad was schlimmes passiert" und wird darauf reagieren.
Bleibt die Mutter total entspannt, lächelt vielleicht das Kind nur aufmunternd an nach dem Motto "ich hab es gesehen- alles ist gut"- dann wird man sehen, wie das Kind ohne weitere Notiz von dem Geschehen vorher ganz locker darüber hinweg geht.
So- ist unser ganzes Leben!
Wir bewerten und danach folgen Gefühle......und unsere Stimmung.
Es gibt wirklich Situationen, die für Außenstehende dramatisch, traumatisch oder sonstwie wirken-- und der Betroffene steckt dieses echt locker weg!
Soll er sich nun, weil alle drumrum denken "das war ein Drama"- schlecht fühlen??
Mir geht es nur darum, dass es eine möglichst freie EIGENE Einordnung von Geschehnissen geben muss.
Und seien wir ehrlich- wenn jemand eine harte Kindheit gut wegsteckt.....dann ist das doch ein Segen für denjenigen! Und geben tut es das durchaus!
Ich denke, was Du meinst mit der Inkongruenz von Innenwelt und Außen-- das bringt Verwirrung aber keine Taubheit.
Denn dann HAT man Gefühle- man ist sich derer nur nicht sicher!
Und ja-- wie ich auch schon geschrieben habe- dann kann man durchaus um Meinungen und Einschätzungen fragen. Dann ist das sogar sehr wichtig.
Letztlich- ist so ein Forum doch immer ein Pool aus Gedanken und ich habe ja nicht den Anspruch auf Vollständigkeit
Ich sehe jeden Beitrag in diesem Forum als Regalauslage in einem Supermarkt-- man möge sich davon nehmen, was man möchte.......den Rest lässt man eben liegen.
Je bunter die Auslage ist- desto größer die Auswahl an Gedanken, Impulsen und neuem Lichteinfall auf das, was wir Leben nennen!
Lunatica wird sich aus den Beiträgen damit schon viel Meinung und Urteil geholt haben- und ich bin dann nur die, die erinnert- damit auch etwas vorsichtig zu sein.....ist doch ne gute Kombi- find ich
lg kenzia
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24.08.2014, 10:14Inaktiver User
AW: Ich wurde als Kind geschlagen!
Das ein Therapeut Gefühle vorschlägt- finde ich gut- ringen doch genug Menschen um die passenden Worte.
Es muss nur der Raum für das Hinfühlen bleiben und es dem Klienten immer noch selber überlassen, ob er es fühlt oder nicht
Und dann gibt es noch andere-- man höre und staune

Menschen, die einem jegliches Gefühl zugestehen und nichts davon leugnen oder rationalisieren- die durchaus mitfühlen können aber die eigene Bewertung heraus halten wollen.......um DIR jegliche Freiheit zu ermöglichen!
Es gibt mehr als drei Handlungsmöglichkeiten - viel mehr......so einfach ist das Leben nicht.
Wieder mal....kategorisieren um bloß sicher zu sein-- die Vielfalt kann schon Angst machen......durchaus...
lg kenzia
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24.08.2014, 13:38
AW: Ich wurde als Kind geschlagen!
Liebe Lunatica, natürlich haben diese Schläge dich mit geprägt,egal ob du vieles
"vergessen" hast oder nicht.Aber ob du das alles noch mal therapeutisch aufarbeiten solltest
und in wieweit deine jetzigen Probleme sich dadurch bessern würden, vermag ich nicht zu beurteilen.
Jeder ist da anders gestrickt,nicht bei jedem bringt eine Therapie die Lösung, vieles entwickelt sich
aus sem Leben als solchem heraus, durch neue Erfahrungen,Herausforderungen,Menschen.
Man darf der alten Gewalt nicht zu viel Raum geben im Hier und Jetzt,das denke ich heute.
Meine,bzw. unsere Kindheit wurde durch Gewalt der Eltern, körperliche und seelische Misshandlung
extrem geprägt, ich habe da kaum was verdrängen können, es ragte zu sehr in mein Leben in
der Gegenwart hinein.So sehr habe ich mir immer gewünscht einfach "den Strich ziehen" zu können...
Heute,mit Ende 40, bin ich soweit das ich mir bewußt bin,das das alles VERGANGENHEIT ist, es nun
an mir liegt mich dem zu entziehen wenn ich will -und niemand mehr mir "was anhaben" kann.
Mehr würde eine Therapie, die immer mal wieder im Raum stand, mir auch nicht bringen.
Ich habe den Kontakt zu meinen Eltern vor über einem Jahr komplett abgebrochen und werde
nie mehr in ihrem Leben in Erscheinung treten.Damit geht es mir erheblich besser, ein riesiger
Druck, aber auch viel angestaute Wut, die immer kurz vor der Eruption war, wenn ich mit meinen
mittlerweile alten Eltern zu tun hatte, ist von mir gewichen.Und das fühlt sich einfach besser an.
Ich glaube beides ist wichtig,sich erinnern können an das, was falsch und schlecht war,zB.
in der Kindheit,aber sich auch der eigenen Ressourcen und Möglichkeiten im jetzigen Leben
bewußt zu sein.Beides hat seinen Raum- und wenn man sich darüber im Klaren ist das wir noch
viel ändern können, aus unserem gelebten Leben heraus,aus dem was wir auch an guten Gefühlen
und Erfahrungen erleben konnten, ist das ein Grund Hoffnung zu haben auf positive Veränderungen....Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
wir waren
Aharon Appelfeld
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24.08.2014, 15:11
AW: Ich wurde als Kind geschlagen!
Es ist aber nicht für jeden gut. Therapeutische interventionen sind immer auf den Pat. abzustimmen.
Wenn ich in meine Gedanken und Gefühlen in der Vergangenheit bin um eine Begebenheit zu schildern und von Therapeuten aus diesen Prozess rausgeholt werde, ist das kontraproduktiv.
Zudem ist es extrem unhöflich und unsensibel, jemanden der sich bemüht etwas in Worte zu fassen, einfach zu unterbrechen und ins Wort zu fallen.
Zudem kann er garnicht wissen, was sich wie zugetragen hat und wie ich das empfunden habe, denn es ist MEINE Vergangenheit und es sind MEINE Bewertungen und Gefühle. Und nicht die des Psychotherapeuten.
Grüße
LuftpostGeändert von Luftpost (24.08.2014 um 16:24 Uhr)
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24.08.2014, 16:07Inaktiver User
AW: Ich wurde als Kind geschlagen!
So eine Amnesie lässt immer auf eine traumatische Erfahrung schließen, obwohl es auch eine charakterliche Grunddisposition gibt, ab wann welches Gemüt eine Erfahrung als traumatisch empfindet. Deshalb ist es auch so schwierig, mit "schlimm" oder "gar nicht so schlimm" nachträglich zu bewerten. Allein der Fakt: Amnesie ist hier entscheidend.
Meiner Ansicht nach ist es nicht zielführend, heute von anderen Menschen Bewertungen zu verlangen. Solche Geschichten können auch triggernd wirken. Anders herum können Trigger unbewusst missbraucht werden, in emotionalen Kontakt zu sich selber zu kommen. Traumatisierte Kinder haben als Erwachsener häufig Probleme mit Gefühlen.
Mir selbst - beispielsweise - ist erst am Beispiel meiner eigenen Tochter komplett aufgegangen, wie unsäglich das Verhalten meiner Bezugspersonen an mir als kleinem Kind gewesen ist... So kehrten Stück für Stück auch wieder meine Gefühle zurück, und ich wurde sicherer auch im erwachsenen Selbstschutz.
Es ist ja kein Zufall, dass als Kinder Misshandelte oftmals auch als Erwachsener Partner haben, von denen sie sich misshandeln lassen.
Zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr kommen sehr häugfig Erinnerungen an die Kindheit hoch. Oftmals umso stärker, je intensiver sie weggedrückt werden. Niemand kann sich ihnen entziehen. Die erwachsene Psyche braucht zwingend eine Neu-Bewertung. Deshalb ist es auch so wichtig, sich der Verarbeitung zu stellen. Das muss nicht immer durch einen Therapeuten erfolgen. Es gibt durchaus auch starke Selbstschutzmechanismen.
Liebe TE, ein Psychiater ist definitiv nicht der richtige Ansprechpartner für deine Art von Problemen. Vielleicht, falls du Interesse an einer Therapie hast, suchst du besser nach jemanden, der spezialisiert ist auf posttraumatische Belastungsstörungen. Bis dahin würde ich versuchen, ein Tagebuch zu schreiben, in dem du vor allem alle heutigen (!) Gefühle festhältst, die dich an frühere erinnern. Über die Gefühle kommst du zurück zu dem Menschen, der du geworden wärst, hätte man dir nicht so viel Leid angetan, denn dort liegt der Kern, zu dem du Kontakt brauchst. Man muss sich aber deshalb nicht an jedes Fitzelchen erinnern, was einem mal passiert ist.
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24.08.2014, 16:55
AW: Ich wurde als Kind geschlagen!
Ja, mir hat das sehr geholfen, mit anderen darüber reden zu können, ich musste das sogar viele Jahre so machen, da es keine Therapiemöglichkeiten gab für mich.
Heute habe ich alles aufgearbeitet und Teil der Therapie war auch, mit anderen darüber zu reden (Gruppentherapie, aber auch in der Freizeit). Das war sehr aufschlussreich für mich. Genauso wie es die TE hier geschildert hat, dass die Freundin weinen musste, habe ich es auch erlebt. Und das hat mir doch sehr deutlich gezeigt, wie schlimm und ungerecht es tatsächlich war, was mir widerfahren ist.
Ich habe mein Leben lang unter schlimmen Wutanfällen gelitten. Und ich wusste nicht warum. Dabei ist man mit Wut schon mal auf dem richtigen Weg. Nur verstehen muss man das erst einmal.Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft.


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