Liebe Muschel79,
Eine weise, alte Kollegin hat mir einmal gesagt

Glück ist eine Fähigkeit. {Ergänzung von mir: ... und kein Zustand.}

und nein, es IST nicht einfach. Das notwendige Training und in meinem Fall das Unterlassen der ständigen Schimpferei über jede Kleinigkeit, die einen so herunter zieht, hat Jahre gedauert, so fest gefahren war es inzwischen. Aber es hat sich sehr gelohnt!

Gerade wenn es bei Dir nicht hauptsächlich um Materielles geht, würde ich die mentalen Techniken sorgfältig pflegen. Vielleicht findest Du ja noch weitere heraus.


Mein Rat:

- Mach Dir mal wirklich klar, dass Du nur die Fassade siehst. Gerade heute, wo geradezu verlangt wird, dass man SPASS hat, kann es dahinter insgeheim ganz anders aussehen.

- Beobachte Dich darauf hin, was Du sagst, denkst und tust, das (vermeintlich?) schlechte Vorkommnisse stärker in Dein Bewusstsein prägt.

- Sei nachsichtig mit Dir selbst und setze Dich nicht künstlich unter Druck. Das hilft Dir, und als Nebeneffekt wirst Du auch für Andere geniessbarer.

- Mach Dir klar, dass vieles, was Leute besitzen oder unternehmen, eigentlich nur als Mittel zu einem Zweck dient, nämlich häufig, das Glück zu erreichen. In sehr vielen Fällen ist das ein Trugschluss und funktioniert nur momentan.

- Überlege Dir, was Dir letztlich und wirklich wichtig ist, und strebe es direkt an.

- Erziehe Dich dazu, die guten Dinge, die Dir widerfahren ganz bewusst wahr zu nehmen und freue Dich darüber. Auch über Kleinigkeiten, bitte! Das verstärkt, genau wie das Schimpfen, aber zur die richtigen Seite hin. Bei etwas grösseren Angelegenheiten ist eine kleine Feier angesagt. Soeben habe ich gelesen, dass Sir Ernest Shakelton, Polarforscher und brillanter Führer, auch unter harten Bedingungen gerne und oft, jedoch den Möglichkeiten angemessen, feiern liess.


Illustrierende Bemerkungen:

- Ich habe schon Leute erlebt, denen es unmittelbar vor dem Zusammenbruch blendend ging. Häh?

- Ich hatte die Angewohnheit, erbittert zu schimpfen, wenn nur schon eine Kleinigkeit schief ging. Das erst blies die Geschichte so weit auf, dass sie überhaupt zu einer - völlig unangemessenen - Bedeutung kam. Um mir das ab zu gewöhnen, habe ich dann jeweils LAUT gesagt: „Nein, nein, nein, ich fluche jetzt nicht darüber! So schlimm ist das ja auch wieder nicht.“ 3 mal Nein ist wegen der Magie der 3 und zur Verstärkung wichtig.

- Wenn man sich selbst zu sehr unter Druck setzt, kann man die kleinen Siege weniger geniessen, setzt auch an andere höhere (zu hohe?) Anforderungen, und macht deshalb sich und den Anderen das Leben schwer. (Unbewiesene Behauptung, teilweise von einer Ausbilderin, bei mir war es aber tatsächlich so.)

- Mit dem, was ich „ein Fahrzeug zum Glück“ nenne, habe ich möglichst aufgeräumt. Isa, die Liebe meines Lebens, habe ich ganz direkt gefunden und viele Jahre halten können, nicht auf dem Umweg über ein breites Auto, etc. . Dann war es gut, und ich fand es müssig, zu überlegen, ob Diese oder Jene schöner sei, oder mir den Nacken besser krault. Es hat sich gelohnt.

- Ich besitze gerne Dinge, aber ich mache mein Glück nicht davon abhängig.

- Ich lobe viel. Weil ich nicht will, dass die Nörgler die Welt übernehmen. Viele Leute dürsten nach Anerkennung, auch wenn sie hier zu Lande (in der Schweiz) häufig nicht wissen, wie man Lob graziös entgegen nimmt. Wenn Sie dann abwiegeln, setze ich noch einen drauf.

- Geniessen ist auch angesagt. Wenn Du Hörnchen (CH: Gipfeli, Oe: Kipferl) regelmässig einfach verdrückst, verlierst Du die Fähigkeit, ihnen wirklich etwas ab zu gewinnen. Wenn Du es mit Verzückung geniessest, reicht eines alle paar Wochen, um Dir für einige Minuten den Himmel auf die Erde zu holen. Echt!


Es gibt viel zu tun, packe es an! (frei nach Shell-Oil ?)

Grüsse und auf ein gutes Gelingen Isambard