Ich fand die ganze Aktion so exhibitionistisch, dass ich den trauernden Eltern ihre Trauer gar nicht abnehmen konnte. Ich bin nicht in der Brigitte darüber gestolpert, sondern in der Bunten, zusammen mit Neuigkeiten über Königs, Stars und was man sonst so wissen muss.
Ich kann die Trauer über ein tot geborenes Kind gut nachvollziehen, gerade deshalb hat mich der Hype so abgestossen. Trauer ist für mich etwas intimes.
So hatte ich den Eindruck, dass als Trost für die Eltern 5 Minuten Ruhm dabei herausgesprungen sind. Ich will den Eltern nciht unterstellen dass das der Zweck des ganzen war, aber das Ergebnis wirkt eben so.
liebe Grüße
Türkis
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07.08.2014, 20:19
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
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07.08.2014, 20:39
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Ich denke, das ist nichts vollkommen Neues Was man diesbezüglich auf Youtube findet, erschreckt mich teilweise doch sehr.
Geändert von Madame_X (07.08.2014 um 22:20 Uhr)
Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand.
Denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.
Rene Descartes
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07.08.2014, 20:41Inaktiver User
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07.08.2014, 20:55
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Mag sein. Aber die Eltern haben sich in die Öffentlichkeit begeben und müssen daher mit Urteilen leben. Zudem werden einem diese Bilder förmlich aufgedrängt, wenn man online Zeitung liest.- selbst wenn jemand die Folgen seines Handelns nicht überdacht hat, so steht es mir nicht zu darüber zu urteilen und das zu bewerten.
Über diesen Aspekt habe ich sehr wohl eine Bewerung, ich bin nämlich das Opfer ihres (zumindest) unüberlegten Handelns
liebe Grüße
Türkis
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07.08.2014, 21:36
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Hallo,
richtiggehende Fotosessions von tot geborenen Kindern oder Kindern, die vorhersehbar mit einer sehr geringen Lebenserwartung geboren werden, sind, das wurde hier im Strang ja schon angetönt, nicht selten.
Ich habe da vor Jahren mal eine Reportage gelesen, z.B. gibt es eine (bzw. wohl mehrere) ehrenamtliche Initiativen, die betroffenen Familien diesen "Service" anbieten (die Organisation, über die ich las heißt "Now I Lay Me Down To Sleep" - kann man googeln, wenn man möchte).
Die entsprechenden Fotos werden nicht nur in speziell der Trauer(arbeit) gewidmeten Foren oder privaten "Online Memorials" im Netz veröffentlicht, sondern auch auf den Seiten der großen sozialen Netzwerke, Facebook, Instagram, Youtube usw.
Man kann das leicht finden, wenn man danach sucht.
Den Eltern würde ich daher nicht unüberlegtes Kurzschlusshandeln unterstellen und auch nicht, sie suchten offensiv die Öffentlichkeit. Es ist ein verbreiteter Umgang mit Trauer heutzutage, in gewissen Kreisen (und Kulturen) vielleicht mehr als in anderen. Exhibitionistische Exzentriker sind diese Eltern nicht.
Warum nun ausgerechnet dieser Fall so unfassbar breitgetreten wird, weiß ich nicht, es ist eben eines der "Aufregerthemen" aktuell - kontrovers, emotional, fotogen.
Das würde ich schlicht für Zufall halten, Sommerloch, was auch immer.
Lunete
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07.08.2014, 22:11Inaktiver User
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Das finde ich schon einen interessanten Aspekt.
Die Post mortem Fotographien aus dem 19. und 20. Jahrhundert (hauptsächlich wohl aus dem anglo-amerikanischen Umfeld) sind ja auch durch ein neues Medium hervorgerufen worden, die Frage wäre, ob diese Fotos dann auch in Zeitungen veröffentlicht oder nur in privaten Fotoalben verwahrt wurden.
Früher hat man auch Totenmasken hergestellt, um den Toten gegenwärtig zu halten.
Die Frage, die sich mir stellt, ist, weshalb man diese Erinnerungen der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen muss. Was steckt dahinter?
Trauer ist eigentlich etwas höchst Privates, niemand möchte am Grab seines liebsten Menschen fotografiert werden oder während man am Totenbett irgendjemandes sitzt und weint.
Ich kann mir sehr schlecht vorstellen, dass ich ein Foto von mir hätte haben wollen, während ich mein totes Kind im Arm gehabt hätte. Das wäre mir zu intim und zu aufdringlich gewesen.
Meiner Meinung nach sind es zwei Dinge, einmal Fotos herzustellen, das ist eine private Angelegenheit, die ist nicht zu diskutieren, zum anderen diese Fotos in die Öffentlichkeit zu stellen, wo sie durch die neuen Medien nicht nur von Angehörigen, sondern auch von Unbeteiligten angesehen werden.
Mich berührt das Zweite sehr unangenehm, da ich die Beweggründe nicht nachvollziehen kann.
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07.08.2014, 22:20Inaktiver User
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Vielleicht wollen die Eltern auch nur zeigen: seht her, so schön war unser Kind und wir lieben es und es wäre ein Teil der menschlichen Gemeinschaft gewesen. Das kann ich gut nachvollziehen. Da ist das eine Bild von Monroe, auf dem die Eltern mit einem Lächeln ihre Tochter liebkosen, da sieht man einfach nur die Liebe, die sie haben und wie schön sie ihr Kind finden, auch wenn es nicht leben durfte.
Wenn es Seiten im Internet dafür gibt, ist es gut so. Man darf das zeigen. Punkt.Geändert von Inaktiver User (07.08.2014 um 22:31 Uhr)
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07.08.2014, 22:42
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Der "Memorial"-Gedanke ist in diesem Kontext m.E. wichtig. Gedächtnis, Gedenken das eine materielle (bzw. hier: mediale) Manifestation erhält.
Vergleichbar mit einem Grabstein, einem Gedenkstein, einem Baum, einer Bank, einem irgendwie öffentlichen Objekt oder "Monument", das an den Verstorbenen erinnern soll.
Heute gibt es online die Möglichkeit, Erinnerungsseiten einzurichten.
Das Netz vergisst nicht.
Adressiert sind diese Seiten an diejenigen, die ihrer Trauer so eine Form und einen Ort geben, aber auch an Angehörige, Freunde und letztlich auch an die - in der vielleicht naiven, aber auch verständlichen Intention der Verfasser - mitfühlende Öffentlichkeit.
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07.08.2014, 22:45Inaktiver User
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Nicht nur Memorial, sondern wünschen sich manche Eltern einfach nur einen Platz für ihr Kind als Teil der menschlichen Gemeinschaft. Das ist so wichtig, denn das Kind war da, sie haben sich darauf gefreut und es sollte aber nicht sein.
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07.08.2014, 23:03
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Ja, möglicherweise ist es das. Die Freude auf dieses werdende Kind gehörte so lange Tage, Wochen, Monate unhinterfragt und "öffentlich" zu dieser Schwangerschaft. Dass die Freude am Kind, als es dann tot geboren war, nicht plötzlich "aufhören" konnte, sondern in diesen Fotos aufbewahrt bleiben darf, ist für die Eltern vielleicht wirklich ein wichtiges - eben freudiges - Bekenntnis ins Außen. Bevor das intime, stille Trauern beginnt.
Gruß,
AenEine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag. -- A. Tschechow


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