Ich finde den Unterschied nicht so extrem groß, ob der vertraute Mensch nun das fast ausgereifte Kind im Körper ist, das tod geboren wird, oder einige Tage/Wochen nach der Geburt stirbt.Zu dem Aspekt des toten Körpers: in diesem Fall ist es nicht der vertraute Körper eines geliebten Menschen, anhand dessen mir klar werden kann, dass dieser Mensch nun nicht mehr lebt. Sondern der meinen Augen unbekannte Körper eines Menschlein, das ich viele Monate in mir hatte, das von meinen Bewegungen einschlief und mich weckte, wenn ich müde war, dessen Temperament ich ahnen, dessen Füße, Hände, Ellenbogen ich fühlen und durch die Bauchdecke tasten und sehen konnte. An das ich viele Stunden gedacht, mich begonnen zu binden, mit dem ich gelebt habe. Das ich aber noch nie getroffen habe. Und nun sehe ich es endlich, und es ist gleichzeitig da und nicht da.
Die Handlungen, im Arm wiegen, waschen, kleiden, begreifen das kein Leben mehr im Kind ist, sind die gleichen.
Der Schmerz ist auch der gleiche.
Sehe ich auch so.Diese intime Situation zu fotografieren - kann ich noch verstehen. Das Bild zu veröffentlichen - da kann ich nicht mehr folgen. Es mag am Alter liegen. Das Bild in die privaten Trauerkarten zu legen, hätte ich mir vorstellen können
Grüße
Luftpost
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10.08.2014, 00:23
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Geändert von Luftpost (10.08.2014 um 00:29 Uhr)
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10.08.2014, 02:13
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Mir wäre das auch zu öffentlich. Aber: Ich bin überzeugt davon, dass die Totgeburt des eigenen Kindes niemand zur Effekthascherei auf facebook & Co verwenden würde. Ganz so kaltblütig schätze ich die Menschen nicht ein, vor allem dann nicht, wenn vor wenigen Stunden das eigene Kind gestorben ist.
Und auch ganz gleich, wie die Fotos auf Anraten einer Fotografin gestellt werden und wirken. Das Foto mit der schwarzen Blume um den kleinen Kopf geht auch absolut an meinem Geschmack vorbei und wirkt auf mich der Situation bei weitem nicht gerecht, also viel zu lapidar angesichts der Umstände - aber das tun die Fingernägel der Mutter auch, ergo: Das sind einfach andere Charaktäre und ihr Geschmack ist nunmal so, dass damit das wiedergegeben wird, was sie als schön und angemessen empfinden. Selbst wenn das Pärchen ein Rockerpaar gewesen wäre und das Baby ein Wacken-Stirnband aufgesetzt bekommen hätte, so heisst das nicht, dass das Paar weniger trauert/leidet als jemand, der überhaupt keine Fotos machen lässt und/oder preisgibt.
Das Erreichen derjenigen, denen dieses Foto beim Betrachten in irgendeiner Form hilft, ist es wert, die ganzen pietätlosen Kommentare in Kauf zu nehmen. Es gibt ungleich mehr Fotos von lebendigen erwachsenen Menschen, die man pietätlos nennen könnte.
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10.08.2014, 15:35Inaktiver User
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Ich glaube nicht dass die Eltern Effekthascherei betreiben wollten.
Ich denke eher, dass sie mit ihrer Veröffentlichung etwas erreichen wollten, vielleicht eine Meinungsänderung der absoluten Gegner hier im Forum. Vielleicht wollten sie anderen Eltern zeigen, wie man mit dem "Problem" umgehen kann, einen Weg zeigen, die Trauer zu bewältigen.
Die meisten haben doch das Problem, mit dem Thema Tod nichts zu tun haben zu wollen. Die Meinung einiger hier finde ich einfach nur engstirnig, egoistisch. Man kann natürlich viele Gründe gegen diese Aktion anführen.
Man kann aber auch offen sein und positiv denken und sich überlegen, was die Eltern damit erreichen wollen.
Der Tod gehört nunmal zum Leben dazu. Warum sollte man ihn ausschließen.
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10.08.2014, 16:10
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Als jemand der seit anderthalb Jahren mit dem eigenen jederzeit eintreffenden Tod konfrontiert ist und TÄGLICH an das eigene Sterben denkt, lass ich mir nun nicht nachsagen, dass ich dem Thema aus dem Weg gehe.
Und nur weil man die Inszenierung und Veröffentlichung der Fotos ablehnt, ist man nicht gleich herzlos. Jeder, der hier schreibt, hat Verständnis für die Trauer der Eltern geäußert, jeder hat Verständnis für den Wunch nach einem Foto von dem verstorbenen Baby geäußert, das einzige, was einige Leute hier abstößt ist die gewählte Art des Fotos und seine Veröffentlichung. Und das ist ja nun eine Geschmacksfrage. Ich hab sogar Verständnis dafür, dass andere diesen Weg wählen, nur bleibe ich bei meiner Meinung, dass ich ihn unangemessen finde.
Für mich steckt in dieser Inszenierung etwas, was den Tod konsumierbar, einfach macht. Und das stimmt mich eben bedenklich. So ein Foto schauen wir uns alle gern an, es ist rührend und irgendwie harmlos. Und wird dem Schrecken, der damit verbunden ist, in meinen Augen in keiner Hinsicht gerecht. Ich bin sicher, das Foto einer blutverschmierten Babyleiche, die eingesargt ist, fänden viele hier gemacklos. Dabei würde so ein Bild viel deutlicher zeigen, was wirklich passiert ist.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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10.08.2014, 16:13Inaktiver User
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10.08.2014, 16:17
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Ich habe hier niemanden gelesen, der ein Problem mit dem Tod an sich hätte. Allerdings haben einige ein Problem mit dieser Inszenierung. Hier wird nämlich gerade nicht der Tod thematisiert, sondern so getan, als sei es ein lebendes Kind. Das finde ich in der Tat sehr problematisch.Die meisten haben doch das Problem, mit dem Thema Tod nichts zu tun haben zu wollen. Die Meinung einiger hier finde ich einfach nur engstirnig, egoistisch. Man kann natürlich viele Gründe gegen diese Aktion anführen
Der Tod gehört in der Tat zum Leben dazu, aber dann bitte nicht verkleidet, sondern eben in seiner Eigenschaft gewürdigt. Eine Leiche ist wie ein Haus, das der Besitzer verlassen hat, und das jetzt leer steht und verfällt. Genau das kommt bei diesen Bildern nicht zum Ausdruck.
.Man kann aber auch offen sein und positiv denken und sich überlegen, was die Eltern damit erreichen wollen
Das kann man natürlich machen. Man kann aber auch zu seinen eigenen Gefühlen stehen und den Hype um die Fotos aufdringlich und daneben finden. Ich muss nicht alles gut finden, nur weil es gerade angesagt ist.
Dennoch hoffe ich, dass den Eltern die Fotos das geben, was sie sich wünschten und dass sie den Medienrummel nicht im Nachhinein bedauern.
liebe Grüße
Türkis
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10.08.2014, 16:35
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Ich denke, dass die Eltern andere Probleme haben als irgendetwas zu bedauern, was sie eventuell in ihrer Ausnahmesituation nicht 100% ig ganz zuende gedacht haben.Das ist doch völlig unerheblich.
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10.08.2014, 17:48Inaktiver User
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Ja, die Bilder sind inszeniert. Ich denke aber, dass die ganze Inszenierung lange vor der Geburt des Kindes genaustens geplant und vorbereitet war. Man hat allerdings mit einem gesunden Kind gerechnet. Als das Baby dann tot geboren wurde, hat vielleicht die Fotografin aus Hilflosigkeit vorgeschlagen "Wir sollten die Fotos genau so machen, wie wir es geplant haben". Und nun sind die Fotos da.
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10.08.2014, 17:58
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
So betrachtet, ist es auch eine Inszenierung und Verharmlosung, wenn man die demente und krebskranke Großmutter mit Geburtstagstorte und Kaffeegedeck fotografiert. Wenn man ihre letzten Lebensmonate realistisch abbilden wollte, dann müsste man sie vielleicht beim Kotschmieren ablichten...
Jedes Familienfoto ist doch ein Stück weit inszeniert und gestellt. Da wird das Leben weichgezeichnet und das Sterben eben auch.
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10.08.2014, 18:19
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
]
Erst dadurch das die Eltern das Kind behandeln als wäre es lebend, erleben sie den Tod des Kindes und können ihn begreifen. Erst dadruch können sie Abschied nehmen und das Kind tot sein lassen.Ich habe hier niemanden gelesen, der ein Problem mit dem Tod an sich hätte. Allerdings haben einige ein Problem mit dieser Inszenierung. Hier wird nämlich gerade nicht der Tod thematisiert, sondern so getan, als sei es ein lebendes Kind. Das finde ich in der Tat sehr problematisch.
Das tun im übrigen selbst Tiere, schleppen ihren toten Nachwuchs teilweise tagelang mit sich rum und behandeln ihn wie einlebendes Junges, bis sie anerkennen müssen, das der Nachwuchs endgültig nicht mehr von dieser Welt ist.
Ich vermute, das es auch Bilder von der Baby im Sag gibt und warscheinlich auch von der Beerdigung.Der Tod gehört in der Tat zum Leben dazu, aber dann bitte nicht verkleidet, sondern eben in seiner Eigenschaft gewürdigt. Eine Leiche ist wie ein Haus, das der Besitzer verlassen hat, und das jetzt leer steht und verfällt. Genau das kommt bei diesen Bildern nicht zum Ausdruck.
Grüße
Luftpost


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