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    AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen

    Und für mich ist meine verstorbene Oma in meinen Erinnerungen lebendig, ich könnte sie nie als verstorbene Hülle betrachten und sie ist auch nicht weg für mich, da ist noch etwas, was ich nicht beschreiben kann. Jeder hat seine eigenen Vorstellungen.
    Hast Du Abschied von der toten Oma nehmen können?

    Grüße
    Luftpost

  2. Inaktiver User

    AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter

    Zitat Zitat von Luftpost Beitrag anzeigen
    Hast Du Abschied von der toten Oma nehmen können?

    Grüße
    Luftpost
    Nein. Kann sein, dass das sehr viel ausmacht, einen Verstorbenen anders zu betrachten. Ich träume hin und wieder von ihr und wenn ich an sie denke, ist da ein warmes Gefühl.

  3. Inaktiver User

    AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter

    Zitat Zitat von Malina70 Beitrag anzeigen
    Als ich neben meinem toten Vater gesessen habe, hatte ich das Gefühl, dass das nur seine körperliche Hülle ist. Was immer lebenig an ihm war, ist jetzt woanders (oder auch einfach weg, wenn nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt). Und genau diesen radikdalen Schnitten können Fotos einfach nicht vermitteln. Sie verharmlosen den Tod, machen ihn für die Masse gut konsumierbar, erst recht wenn man ein Baby, schön angezogen auf der Brust der Mutter liegend sieht. Den Schmerz der Eltern dahinter bekommt man durch das Foto ja nicht wirklich mit. Das ist geschönt, idyllisch, gut anzusehen.

    Und für mich ist die Leiches eines Menschen auch nicht gleich der Mensch. Ich finde es eher seltsam von Verstorbenen noch so zu reden, als seien sie lebendig. Das Lebendige ist eben nicht mehr da, oder, wie in dem Fall des im Mutterleib verstorbenen Babys, nie wirklich da gewesen.

    Für mich hat dieser ganze Hype eher was von dem krampfhaften Vesuch, ein totes Baby doch in den Welt der Lebenden zu zerren, ihm einen Platz zu geben, den es de facto nie hatte.
    Das faßt es eigentlich perfekt zusammen, und deshalb wirkt diese Art, damit umzugehen, auf mich auch irgendwie archaisch - man reduziert den Toten auf den Körper. Wie die alten Ägypter, oder Steinzeitkulturen, die dem Jäger Jagdwerkzeuge mitgaben, damit er im Jenseits weiter jagen konnte.

    Aber ich sehe das auch nur als leere Hülle .... Ob man das, was den Menschen ausgemacht hat, nun im Himmel/ im Nirvana / wiedergeboren / aufgelöst glaubt - egal: Es ist nicht mehr da, in diesem toten Körper, das ist Fakt.

    Und das eine Mutter und ggf. die Umgebung ein Gefühl zu diesem Ungeborenen aufnehmen: Glaube ich gerne, unbenommen. Fakt ist aber leider auch: Es hat in dieser Welt niemals als geborenes Leben existiert. Und deshalb empfinde ich diese Fotos als gestellt, eine Situation simulierend, die es nie gab.

    Auch wenn ich diesen - und allen betroffenen - Eltern wünschte, das es nicht so wäre.
    Geändert von Inaktiver User (09.08.2014 um 18:25 Uhr)

  4. Inaktiver User

    AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter

    Sie haben ein Gesicht und sie sehen, wem das Kind ähnlich sieht. Und sie wußten schon vor seiner Geburt, ob es ein lebhaftes oder eher ruhiges Kind werden würde. Kinder sind schon im Mutterleib Persönlichkeiten. Sie kennen schon aus der Zeit vor ihrer Geburt Geräusche und sogar Melodien. Erzähle mir bitte keiner, dass erst mit der Geburt das Leben beginnt.

  5. Inaktiver User

    AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und für mich ist meine verstorbene Oma in meinen Erinnerungen lebendig, ich könnte sie nie als verstorbene Hülle betrachten und sie ist auch nicht weg für mich, da ist noch etwas, was ich nicht beschreiben kann.
    Eben - in Deinen Erinnerungen, und dem Gefühl, das ihre Seele noch irgendwie da ist.

    Aber doch nicht in ihrem toten Körper, nehme ich an ?

  6. gesperrt

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    AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Nein. Kann sein, dass das sehr viel ausmacht, einen Verstorbenen anders zu betrachten. Ich träume hin und wieder von ihr und wenn ich an sie denke, ist da ein warmes Gefühl.
    Ich habe von allen meines verstorbenen nahen Anghörigen Abschied am Totenbett genommen.
    In der Erinnerung sind diese Menschen lebendig, jung, alt oder auch schwerst krank oder tod, jenach dem welche Erinnerung ich wach rufe. Ich weis sie leben nicht mehr und ich fühle es ist richtig so, auch wenn es weh tut.

    Grüße
    Luftpost
    Geändert von Luftpost (09.08.2014 um 19:12 Uhr)

  7. gesperrt

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    AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter

    Aber ich sehe das auch nur als leere Hülle .... Ob man das, was den Menschen ausgemacht hat, nun im Himmel/ im Nirvana / wiedergeboren / aufgelöst glaubt - egal: Es ist nicht mehr da, in diesem toten Körper, das ist Fakt.
    Um das glauben und zu fühlen bedarf es der Verarbeitung des Ganzen.
    Und das eine Mutter und ggf. die Umgebung ein Gefühl zu diesem Ungeborenen aufnehmen: Glaube ich gerne, unbenommen. Fakt ist aber leider auch: Es hat in dieser Welt niemals als geborenes Leben existiert. Und deshalb empfinde ich diese Fotos als gestellt, eine Situation simulierend, die es nie gab.[/QUOT
    Und genau dazu brauchen diese Eltern das erleben des toten Kinds. Es zu behandeln wie ein lebendes Kind und seine Nichtreagieren zu begreifen, das ist Abschiednahme. Die Bilder dukumentieren wie immer im Leben das ganze.

    Grüße
    Luftpost
    Geändert von Luftpost (09.08.2014 um 19:14 Uhr)

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    AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter

    Hallo,

    ich hab nicht alles gelesen, kann also sein, dass manches schon gesagt wurde, aber was ich noch beisteuern wollte:

    Mir persönlich stößt der Vergleich zwischen einem verstorbenen, erwachsenen Menschen und einem Totgeborenen doch ein wenig auf. Das kann man doch gar nicht vergleichen. Ein Baby, das noch im Mutterleib stirbt, da gibt es noch keine Fotos, da gibt es noch kein Gesicht, kein Wissen darum, wie sieht mein Baby aus, wem sieht es ähnlich - was für ein Wesen ist das Kleine in meinem Bauch überhaupt gewesen. Deshalb finde ich nicht, dass man Fotos von Totgeborenen als Inszenierung bezeichnen kann. Vielmehr ist es die erste und einzige Erinnerung, die die Eltern mit ihrem Kind haben. Das ist so immens wichtig. Ganz viele Eltern, die diese Möglichkeit nicht hatten oder wie früher üblich, ihr totes Kind nicht mal sehen durften, leiden noch Jahre danach, weil ihnen da was ganz wichtiges genommen wurde. Das ist keine Fehlgeburt irgendeines "Zellklumpens", das ist ein fertiges, komplettes Baby, das normalerweise weder schrecklich noch abstoßend aussieht. Es ist eben tot, aber ja sorry, diesen Weg gehen wir alle mal...

    Dazu möchte ich auch noch sagen: Bei einem so spät totgeborenen Kind müssen die Eltern jegliche Formalitäten erledigen, wie bei einem lebendigen Kind. Die Eltern müssen zwingend eine Vornamenserklärung ausfüllen, sie müssen zur Anmeldung ihres Kindes alle Unterlagen abgeben, teilweise - wenn das Kind noch einige Zeit gelebt und Behandlungen bekommen hat - müssen sie das tote Kind sogar bei der Krankenkasse anmelden. Sonst gibt es keine Geburts- und keine Sterbeurkunde und die Behandlungskosten werden von der Kasse der Mutter nicht übernommen. Das ist so schlimm und wenn man sich da so benehmen muss, als hätte man ein lebendiges Kind geboren, nur damit der Bürokratie genüge getan wird, ja dann darf man doch wohl auch einen intimen Moment als Familie "inszenieren", denn eine Familie ist man - moralisch und selbst vor dem Staat.

    Es hat in dieser Welt niemals als geborenes Leben existiert. Und deshalb empfinde ich diese Fotos als gestellt, eine Situation simulierend, die es nie gab.
    Dazu wollte ich noch was sagen. Sollte das Baby nur eine Sekunde geatmet haben, gilt es als lebend geborenes Kind für diesen Staat und selbst bei Totgeburten muss - wie schon gesagt - einiges an Formalia eingehalten werden. So einfach ex und hopp macht es sich der Staat nicht. Warum sollten sich dann die Eltern anders benehmen? Ich hab die Fotos von dem Baby nicht gesehen, aber ich nehme an, da sind die Eltern drauf und halten ihr Baby im Arm? Diese Eltern simulieren keine Situation - es ist die Situation - Vater, Mutter, Baby. Es ist ein Abschiednehmen, aber sicher auch eine Begrüßung. Ob man das auf FB posten muss, weiß ich nicht. Muss ich jeden angefressenen Muffin auf FB posten? Ist eben ein wenig unsere Kultur geworden. Aber was an einem toten Baby so abstoßend sein soll, erschließt sich mir auch nicht. Darf man nur ein lebendiges Kind im Arm halten und kuscheln?
    Geändert von gwendolin79 (09.08.2014 um 19:27 Uhr)

  9. Moderation

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    AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter

    Zu dem Aspekt des toten Körpers: in diesem Fall ist es nicht der vertraute Körper eines geliebten Menschen, anhand dessen mir klar werden kann, dass dieser Mensch nun nicht mehr lebt. Sondern der meinen Augen unbekannte Körper eines Menschlein, das ich viele Monate in mir hatte, das von meinen Bewegungen einschlief und mich weckte, wenn ich müde war, dessen Temperament ich ahnen, dessen Füße, Hände, Ellenbogen ich fühlen und durch die Bauchdecke tasten und sehen konnte. An das ich viele Stunden gedacht, mich begonnen zu binden, mit dem ich gelebt habe. Das ich aber noch nie getroffen habe. Und nun sehe ich es endlich, und es ist gleichzeitig da und nicht da.

    Einen toten Körper zu halten, gerade auch zu waschen, ist ein guter und würdiger Weg, um dessen Totsein wirklich zu begreifen.

    Diese intime Situation zu fotografieren - kann ich noch verstehen. Das Bild zu veröffentlichen - da kann ich nicht mehr folgen. Es mag am Alter liegen. Das Bild in die privaten Trauerkarten zu legen, hätte ich mir vorstellen können.

  10. Inaktiver User

    AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Diese intime Situation zu fotografieren - kann ich noch verstehen. Das Bild zu veröffentlichen - da kann ich nicht mehr folgen. Es mag am Alter liegen. Das Bild in die privaten Trauerkarten zu legen, hätte ich mir vorstellen können.
    Geht mir ähnlich.

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