Doch, leider vermittelt sich dieser Eindruck bei mir.
Das Kind ist nicht aufgebahrt, so wie wir es aus unserer Kultur kennen. Sondern es wird eine Situation nachgestellt, die nach der "glücklichen" Geburt stattfindet. Das Kind auf der Brust der Mutter, der Vater küsst die Mutter.
So sieht es auf den ersten Blick aus.
Es zeigt aber das Gegenteil, ein totgeborenes Kind und unglückliche Eltern. Das ist für den unbeteiligten Betrachter (und das ist man zwangsweise) brüskierend, weil er zum Voyeur wider Willen gemacht wird.
Wie gesagt, jeder sollte seiner Trauer Ausdruck geben, wie er möchte. Wenn er aber damit freiwillig in die Öffentlichkeit geht, sollte er auch mit Ablehnung rechnen müssen.
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Ergebnis 101 bis 110 von 224
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08.08.2014, 10:10Inaktiver User
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
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08.08.2014, 10:15
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
PS. gut, dass das Thema aus dem Trauerforum verschoben wurde.
Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
wir waren
Aharon Appelfeld
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08.08.2014, 10:19
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
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Geändert von lunete (08.08.2014 um 10:21 Uhr) Grund: doppelt
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08.08.2014, 10:19
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Habe mir gedacht, dass dieser Einwand kommt.
Natürlich haben auch das Judentum und der Islam die entsprechenden Bräuche: Waschungen, Salbung, Ankleiden, Totenzug, besondere Ausstattung (Sarg/Tuch), Grabbeigaben. Dass diese Bräuche im Vergleich zu anderen Kulturen reduziert sind, mit dem fast unmittelbaren Bestattungsgebot einhergehen und sich - gerade im Fall des Judentums - bewusst/aktiv von der gesellschaftlichen Ausgestaltung abzuwenden versuchen, indem sie die Gleichheit aller Menschen im Tod betonen, ändert nichts an den grundlegenden Funktionen dieser Rituale.
Bewertungen wie "reif" oder "angemessen" finde ich völlig unangebracht.
Das impliziert, dass gewisse Kulturen "besser" wären als andere.
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08.08.2014, 10:20
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Zugestanden. Bei mir ist das nicht so. Wohl deshalb ist für mich in Gänze abwegig, dass die Eltern hier "lebendig spielen" wollten.
Genau. Und das Foto zeigt in meinem Verständnis, dass unmittelbar nach der Geburt die beiden Gefühle: "Wie schön, unser Kind ist da!" und "Wie traurig, es ist tot." noch nicht auseinandergelegt werden konnten - und wollten. Es ist für meine Begriffe das verstörendes Dazwischen, das das Foto bezeugt.Das Kind ist nicht aufgebahrt, so wie wir es aus unserer Kultur kennen. Sondern es wird eine Situation nachgestellt, die nach der "glücklichen" Geburt stattfindet.
Nein, das finde ich nicht. Das Unglücklichsein der Eltern über dieses Kind hat auf diesem Foto "noch" keinen Platz. Wir als Betrachter bekommen dieses "noch nicht" aber zweifellos nicht hin. Wir bekommen das Minuten-Glück der Eltern mit ihrem toten Kind zugemutet.Es zeigt aber das Gegenteil, ein totgeborenes Kind und unglückliche Eltern.
Schwierig. Man kann sich als Betrachter in dieser Zumutung auch aushalten. Lernen.Wie gesagt, jeder sollte seiner Trauer Ausdruck geben, wie er möchte. Wenn er aber damit freiwillig in die Öffentlichkeit geht, sollte er auch mit Ablehnung rechnen müssen.
Gruß,
AenEine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag. -- A. Tschechow
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08.08.2014, 10:21Inaktiver User
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Ganz genau !
@Gezeitenfrau,
ich hätte in diesem Strang nicht weiter geschrieben, wäre er nicht verschoben worden.
Aber es macht m.E. wenig Sinn, ein Thema zur Diskussion zu stellen, wenn es nicht kontrovers diskutiert werden darf.
Im Trauerforum, und dann mit lauter zustimmenden Postings, finde ich das sogar problematisch.
Es kann Trauernde verleiten, es auch so zu handhaben, weil "alle" das ja so toll finden. Um dann aus allen Wolken zu fallen, wenn sie ablehnende oder sogar bösartige Reaktionen bekommen. Das wünsche ich wirklich niemandem.Geändert von Inaktiver User (08.08.2014 um 10:30 Uhr) Grund: Ergänzung
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08.08.2014, 10:29Inaktiver User
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08.08.2014, 10:34
AW: Eltern machen Fotos mit tot geborener Tochter
Warum soll das nicht "normal" sein?
Zum einen wieder das kulturrelativistische Argument: Tote werden gewaschen, zurechtgemacht, ihnen werden die Augen geschlossen (wenn das nicht geht, wird etwas draufgelegt, z.B. Münzen; Bestatter kleben heute die Lider mit Sekundenkleber zusammen), ebenso der Mund (der ggf. auch zugebunden wird bzw. in der modernen bestatterischen Praxis unsichtbar zugenäht), auch andere Körperöffnungen werden verschlossen, geschminkt und frisiert werden sie auch für das Aufbahren in der dörflichen Friedhofskapelle, und in eine gefällige Liegeposition gebracht.
Die Fotos von toten Babys werden m.W. allerdings allenfalls digital nachbearbeitet.
Ich habe mich gestern etwas mit der Materie befasst und u.a. einen Ratgeber für Fotografen gefunden. Bzw. ich kenne auch einen Fotografen, der Fotos von still geborenen Kindern gemacht hat (aus der Erfahrung heraus, selbst ein Kind vor der Geburt verloren zu haben).
Die Eltern erhalten Fotos in drei Kategorien 1.) die ästhetisch ansprechenden, digital bearbeiteten (die wir im aktuellen Fall sicher auch gesehen haben), 2.) die weniger gefälligen, 3.) die unbearbeiteten Fotos in der Rohfassung.
So können die Eltern - ihren Bedürfnissen entsprechend - auf unterschiedliche Arten von Bildern zurückgreifen.
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08.08.2014, 10:35
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08.08.2014, 10:43



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Schon gar nicht, wenn es Fotografen gibt, die sich auf so was spezialisieren.
