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Thema: Ambivalent

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    Ambivalent

    Mir ist aufgefallen, dass ich einen extrem ambivalenten Lebensstil habe. Mal will ich auswandern für ein paar Jahre und einige Tage später kommt es doch, aus verschiedenen Gründen, nicht mehr in Frage. Ich habe mir eigentlich vor genommen, keine Clubs mehr zu besuchen, da ich einfach keinen Gefallen mehr daran finde, mich mit High Heels und total geschminkt, in dieser Szene präsentieren zu müssen, ging dieses Wochenende aber doch aus, weil ich Ablenkung gebraucht habe. Mir ist schon bewusst, dass sich Meinungen ändern können, ich bin auch die erste die meinem Gegenüber recht gibt, wenn ich einsehe, dass ich im Unrecht bin. Ich höre mir andere Meinungen sogar sehr gerne an und lass mich umstimmen, jedoch kommt dies bei mir einfach extrem oft vor.

    Momentan bin ich wieder extrem verwirrt. Es spukt sehr vieles in meinem Kopf herum. Ich mache mir über Dinge sorgen, die gestern noch gar kein Problem für mich waren. Es kommt einfach so plötzlich und ich sehe die Welt wieder mit völlig anderen Augen. Es gibt Phasen, da handle und denke ich extrem erwachsen, aber dann muss sich eine Situation nur ein wenig verändern und dann tut es meine Meinung auch.

    Ich weiss ja nicht, ob es damit zusammen hängt, dass ich immer noch nicht richtig weiss wer ich bin und was ich überhaupt möchte. Ich kann von mir zwar behaupten dass ich mit beiden Beinen im Leben stehe, gut für mich selbst sorgen kann und sehr zuverlässig bin, aber manchmal gibt es Momente, wo ich mir wieder ein völlig anderes Leben wünsche. Ein Leben als Mutter mit einem Mann der arbeiten geht, obwohl ich momentan eigentlich die Meinung vertrete, dass das Kinder kriegen kein Thema ist und wenn, ich dann weiter arbeiten gehe. Ist eigentlich gerade das beste Beispiel für meine extreme Ambivalenz. Ah auch die Sache mit der Empathie. Ich war bis heute der vollsten Überzeugung, dass ich einfach keine Empathie empfinden kann. Habe praktisch nie mit anderen Leuten über meine Probleme gesprochen, bis ich einer Gruppe beigetreten bin, wo Frauen über ihre Vergangenheit gesprochen und sich gegenseitig gestärkt haben. Das erste Mal hatte ich den Mut über die Dinge zu reden, die mich psychisch sehr belasten und plötzlich verspürte ich auch Empathie anderen gegenüber. Fand es schön wie wir über die ganzen tragischen Geschichten diskutiert haben und uns gegenseitig Mut zugesprochen haben. Wieder ein Moment, in dem ich völlig überrascht von mir selbst und meinem Empfinden war..

    Ich möchte euch einfach fragen, ob das in meinem Alter (23) vielleicht normal ist? Wie wart ihr damals?
    Glück ist das Ergebnis von selbstverantwortlichem, entschiedenem Handeln.

  2. Inaktiver User

    AW: Ambivalent

    ich finde es ziemlich normal für dein alter, was du beschreibst.

    man lernt sich selbst ja noch kennen, probiert sachen aus, die man toll findet, und muss dann feststellen, dass sie gar nicht zu einem passen...

    es gibt so viele wünsche, und alles scheint noch möglich.

    für mich war anfang 20 die schwierigste zeit in meinem leben, niemals vorher und nachher ist es mir so schlecht gegangen.

    aber es war auch eine sehr produktive zeit.
    Geändert von Inaktiver User (28.07.2014 um 09:48 Uhr)

  3. Inaktiver User

    AW: Ambivalent

    Ambivalenz bestimmten Themen gegenüber ist an sich völlig normal.
    Nach meiner Erfahrung begleitet sie einen auch durchs ganze Leben, und das ist auch gut so. Es bedeutet, dass man bereit ist, einmal gefasste Entschlüsse wieder zu überdenken und u.U. etwas zu ändern.
    Allerdings gibt es Entschlüsse, die dauerhafte Fakten schaffen, z.B. der Entschluss, Mutter zu werden. Das sollte man sich vorher sehr klar machen, meine ich.

  4. Inaktiver User

    AW: Ambivalent

    Kann es auch sein, dass dir viele Dinge nicht so wichtig sind ? Wenn man in allen Bereichen ganz festgelegt ist, macht das ja auch starr und irgendwie alt. Aber gibt es etwas oder manches, was dir immens wichtig ist, so dass es sich nicht ändert. Hast du das an dir beobachtet, dass es Themen (kann auch nur einThema sein) oder Einstellungen gibt, die bleiben immer an ihrem Platz? Egal, ob du darüber schweigst oder dich aufregst, sie trotzen einer Umstellung, sie sind fest verankert in dir. Gibt es das auch?

  5. Inaktiver User

    AW: Ambivalent

    Ich denke, eine gewisse Ambivalenz gehört zum Leben und man muss lernen, sie auszuhalten. Widersprüche im eigenen Verhalten, das gelegentliche Anzweifeln eigener Entscheidungen und die Prüfung des Lebensentwurfs - all das passiert wohl den meisten Menschen. Wie sähe die Welt aus, wenn ich einen anderen Partner, einen anderen Beruf, eine andere Stadt gewählt hätte? Sollte oder könnte ich mich doch noch umentscheiden? Wer Fantasie hat und über sich selbst nachdenkt, kommt automatisch gelegentlich zu solchen Fragen. Diese Überlegungen darf man immer zulassen und sie sind kein Kriterium dafür, dass man irgendwas falsch gemacht hat.

    Was ich aus deinem Text herauslese, ist, dass du dich sehr schnell entscheidest bzw. umentscheidest. Schnelle Entscheidungen sind nicht immer die schlechtesten. Aber vielleicht kannst du hier für ein bisschen mehr Stabilität sorgen?

    - Triff eine Entscheidung aus dem Bauch heraus erst, wenn du auch den Kopf konsultiert hast.
    - Schlaf eine Nacht (oder eine Woche oder einen Monat ) darüber, bevor du eine schwerwiegende Entscheidung triffst.
    - Wenn du eine getroffene Entscheidung revidierst, versetz dich kurz in die Situation hinein, in der du diese Entscheidung damals getroffen hast. Wie hast du dich gefühlt, was hast du gedacht?


    Das mit der Empathie erzählst du sehr schön. Dann und wann entwickelt man sich tatsächlich weiter, entdeckt eine neue Seite oder eine neue Fähigkeit. Auch das kann dir in zwanzig Jahren noch passieren, wenn auch vielleicht seltener.

  6. User Info Menu

    AW: Ambivalent

    Zitat Zitat von Leandra_82 Beitrag anzeigen
    Ich möchte euch einfach fragen, ob das in meinem Alter (23) vielleicht normal ist? Wie wart ihr damals?
    Ich glaube auch, dass das normal ist für unser Alter, auch und besonders in Umbruchsituationen. Man steht nunmal unter dem Stress, noch recht frei und ohne Einschränkungen bestimmen zu können=müssen, wohin die Reise geht, ohne großartig was aufzugeben. Das ist zwar wunderbar, aber ich finde es ehrlich gesagt mitunter etwas anstrengend, wenn nicht sogar bedrohlich.

    Zitat Zitat von Leandra_82 Beitrag anzeigen
    Es gibt Phasen, da handle und denke ich extrem erwachsen, aber dann muss sich eine Situation nur ein wenig verändern und dann tut es meine Meinung auch.
    Ich glaube, das ist ein Irrtum, erwachsenes Verhalten mit einer stabilen Meinung gleichzusetzen. Die Welt ist in ständigem Umbruch und eine Meinungsänderung kann durchaus ein Zeichen geistiger Reifung sein.

    Deine Empathieerfahrung finde ich schön

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    AW: Ambivalent

    ch war bis heute der vollsten Überzeugung, dass ich einfach keine Empathie empfinden kann. Habe praktisch nie mit anderen Leuten über meine Probleme gesprochen, bis ich einer Gruppe beigetreten bin, wo Frauen über ihre Vergangenheit gesprochen und sich gegenseitig gestärkt haben. Das erste Mal hatte ich den Mut über die Dinge zu reden, die mich psychisch sehr belasten und plötzlich verspürte ich auch Empathie anderen gegenüber. Fand es schön wie wir über die ganzen tragischen Geschichten diskutiert haben und uns gegenseitig Mut zugesprochen haben. Wieder ein Moment, in dem ich völlig überrascht von mir selbst und meinem Empfinden war..
    finde ich stark, Leandra, dass du mit 23 schon für solche Erfahrungsräume offen bist.

    Empathie zeigt sich vor allem in Gruppenprozessen und gerade Selbsterfahrungs- oder Selbsthilfegruppen zeigen oft auf, dass die meisten Themen, die uns umtreiben, trotz aller Individualität auch universell sind. Tröstet nicht nur, sondern erweitert auch den Horizont

    Ich halte die Ambivalenz in deinem Alter auch für normal. Einiges von dem, das du bescheibst, wird vermutlich phasenweise immer wieder mal stärker auftreten. Da gehts darum, den bisherigen Kurs zu reflektieren und ggf zu korrigieren. Die Bedürfnisse ändern sich i.d.R. nicht schlagartig, aber es kann sein, dass sie uns ziemlich gefühlt schlagartig ins Bewusstsein schießen. Der Verlauf der Lebensphasen ist eigentlich eher wellenartig, aber wenn sich veränderte Bedürfnisse usw ins Bewusstsein drängen, dann ist das meist der Anfang von einer Neuorientierung.

    es kann sein, dass du dich gerade umorientierst, neue Aufgaben im Leben suchst und dergleichen, und parallel dazu passt dann das Freizeitverhalten nicht mehr so, oft ändert sich auch der Bekanntenkreis, weil man sich irgendwie "nix mehr zu sagen hat" oder schlichtweg aus den Augen verliert. In deinem Alter passieren diese Umorientierungsphasen ja auch noch oft von außen kommend: Schule, Studium, Ausbildung fertig oder neu beginnend, damit einhergehend: neue Menschen, evtl. neue Orte, neue Inhalte.

    Manches von dem, was du beschreibst, deutet aber auch drauf hin, dass du generell ein eher tiefsinniger Mensch bist. Das wirst du vielleicht dann als dauerhafte Ambivalenz empfinden, aber die muss dich nicht lebenslang beherrschen. Je selbstbestimmter du lebst, um so mehr Selbstsicherheit wirst du gewinnen können, um so weniger kann dich die Ambivalenz aus den Socken hauen. Du kannst sie statt dessen dann auch als bereichernde Inspiration für dich nutzen, um interessante Dinge rechts und links deines Weges zu entdecken, die sich vielleicht integrieren lassen.
    Grüße
    A.

    Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.

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    AW: Ambivalent

    Zitat Zitat von Leandra_82 Beitrag anzeigen
    Mir ist aufgefallen, dass ich einen extrem ambivalenten Lebensstil habe.


    unbeständigkeit ist doch weder ein notwendiges noch hinreichendes kriterium für ambivalenz? ambivalenz liegt meinem kenntnisstand nach vor, wenn gegensätzliche bestrebungen GLEICHZEITIG vorliegen. das problem daran ist, dass dies handlung hemmen kann, weil man schwankend entscheidungsschwach ist. du hingegen entscheidest dich deiner beschreibung nach ständig. so what?

    ich finde es übrigens unsinnig, clubbing kategorisch auszuschließen, bloß weil einem das zwischendurch nichts gibt/ auf die nerven fällt.
    blöd nur, wenn man sich reproduziert, um dann festzustellen, dass das doch nicht das wahre ist. mein rat also: mehr "was wäre wenn"-szenarien, nicht weniger.

  9. Inaktiver User

    AW: Ambivalent

    Ich möchte euch einfach fragen, ob das in meinem Alter (23) vielleicht normal ist? Wie wart ihr damals?
    Ich war "damals" gerade verheiratet und am Mutter werden und hatte für so Fissimatenten keinen Kopf bzw. Zeit...

    Irgendwie scheint es in deinem Leben aber eh etwas anders geartet zu sein, wenn man dich hier so quer durch die Foren liest. Ich empfinde es so, dass du noch ziemlich pubertär unterwegs bist und solltest vielleicht nochmal ein paar Jahre zum Erwachsen werden nutzen.

  10. User Info Menu

    AW: Ambivalent

    Hallo Leandra,

    ich glaube, es gibt unterschiedliche Sorten von Menschen...
    ich bin auch jemand, der sich häufig sehr sehr viele Gedanken macht, und auch heute (mit 50) noch sehr "flexibel" unterwegs sein kann. Anfang 20 war für mich auch eine sehr schwierige Zeit in meinem Leben.
    Manche haben es da leichter, die kriegen dann eben ihre Kinder und der Weg ist scheinbar vorgegeben und sie wissen, was zu tun ist.
    Das sucht man sich aber nicht aus, wie man so gestrickt ist.
    Über die Jahre hinweg kann ich allerdings sagen: das legt sich. Du wirst Entscheidungen treffen und dazu stehen oder auch nicht. Auf jeden Fall lernst du daraus.
    Und mit 50 hat man dann halt "vieles durch" - man kennt sich und kann es besser einschätzen.

    Mach doch deine Erfahrungen und geh deinen Weg.

    Liebe Grüße
    Capbreton

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