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22.06.2014, 19:44Inaktiver User
AW: "Menschenfeindlich" geworden...
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22.06.2014, 19:52
AW: "Menschenfeindlich" geworden...
Man macht als introvertierter Mensch oft den Fehler, sich zurückzuhalten, bis man von jemandem "aufgesammelt" wird. Und wer sammelt einen auf? Extrovertierte natürlich. Das ist dann erst mal toll, weil die so anders sind, aber ganz schnell ist man überfordert und nur noch genervt, oder man stellt fest, daß der Extrovertierte ständig Leute aufsammelt und einem nicht die Vertrautheit und Ruhe geben kann, die man sich wünscht.
Guck mal nach den Stillen, die manchmal im Kielwasser der Extrovertierten treiben, vielleicht ist da jemand bei, der ähnlich tickt wie du. Und dann langsam angehen lassen.
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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22.06.2014, 19:56
AW: "Menschenfeindlich" geworden...
Ach, weißt Du, ich finde leicht zumindest neue Kontakte und trotzdem lasse ich sie einschlafen. Offenbar wirke ich nicht so, wie ich bin: ich bin auch nicht lustig, eher sarkastisch und ansonsten ernst. Ich "fremdel" auch sehr.
Ich war schon als Kind und Teenie sehr für mich, wahrscheinlich ist da vieles auch familiär geprägt. Nach dem Tod meines Mannes wurde es dann ziemlich extrem. Am allerbesten komme ich mit Zweiergesprächen mit meinen paar engen Freunden klar - oder in einer großen anonymen Menge wie auf einem großen Fest, auf dem ich kaum jemanden kenne, oder in einem Club.
Ich bin angeblich sehr zugewandt und ich kann schon mal einen ganzen Tisch geistreich unterhalten, aber nur, weil ich weiß, dass nach kurzer Zeit alles vorbei ist und ich wieder nach Hause in mein Refugium zu meinen Hunden kann.
Es ist so, wie es ist. Ich fühle mich meistens auch wohl damit. Nur die Perspektive eines einsamen Alters (ich bin jetzt 57) ist nicht so toll.Thank you for observing all safety precautions.
(aus Dark Star von John Carpenter)
Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
sonst normale Userin
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22.06.2014, 20:14
AW: "Menschenfeindlich" geworden...
Ich bin ebenfalls recht introvertiert und mir geht es sehr ähnlich, das Ganze verstärkt sich bei mir auch. Zu Schulzeiten fand ich irgendwie alle toll und war der Meinung, wenn man etwas nett ist, dann müsse man mit allen gut klarkommen. Im Studium war das schon etwas eingeschränkter aber grundsätzlich hatte ich da die gleiche Sicht. Danach ist das irgendwie anders geworden. Soll jetzt nicht despektierlich klingen, aber für mich war es fast etwas ein "Kulturschock" zu erleben, was für Vollpfosten teilweise in Unternehmen rumlaufen, u.U. sogar auf richtig guten Positionen sitzen. Vollpfosten entweder in intellektueller Hinsicht, oder auch darin, was es neben der Arbeit noch gibt. Ich war immer sehr vielseitig interessiert, hab lange wettkampfmäßig Sport betrieben, mache seit fast 30 Jahren Musik und kenne viele von früher die das auch als Beruf ergriffen haben, kann auch mit dem künstlerischen Bereich einiges anfangen, ebenso mit Naturwissenschaften, obwohl das nicht mein Berufsfeld ist. Wenn ich dann überlege, dass die meisten ihren Job als absolut zentral ansehen und danach gibt es nicht mehr viel wie das Bierchen auf der Terasse oder das Anschmeißen des Grills am Samstag dann finde ich das sehr arm, in gewisser Weise verkümmert muss ich fast sagen. Und solche Leute finde ich dann eben auch absolut uninteressant. Mittlerweile ist es bei mir so, dass ich mir bei 80-90% der Leute die man irgendwo neu kennenlernt im Grunde nach drei Sätzen denke "ach 'ne, bitte hau ab, das kann ich mir echt nicht lange geben".
Dazu kommt, dass ich mittlerweile von dummen Fragen ziemlich schnell genervt bin. Ich bin eigentlich sehr geduldig, nach außen gehe ich da auch niemanden an. Auch bei meinem Vater nicht, wenn er zum 20. Mal wissen will, wie er die Fotos von seiner Kamera auf den PC bekommt. Aber innerlich bin ich teilweise absolut genervt und möchte die Situation eigentlich nur noch verlassen.
Das schlimme ist, mir ist klar, dass ich selbst nach außen auch nicht wirklich interessant wirke, da ich vieles eben nur für mich mache bzw. mich alleine mit etwas beschäftige. Man projeziert da etwas auf andere, welches sich zumindest in Teilen auch nur im Inneren abspielt oder nur alleine gemacht wird, aber auch bei einem selber sieht das ja keiner. In gewisser Weise ist da Selbst- und Fremdwahrnehmung in einer deutlich Schieflage, mir ist das auch klar, trotzdem empfinde ich es so und trotzdem wird das auch eher mehr als weniger.
EDIT
Auch ich bin durchaus auf Extrovertierte neidisch, da es zumindest auf mich so wirkt, dass diese es in vielen Punkten deutlich leichter haben. Das ist nicht zuletzt im Beruflichen Umfeld so, wo ich das Gefühl habe, sehr viel mehr leisten zu müssen, weil ich mich nicht verkaufen kann und es ansonsten keiner wahrnimmt. Oftmals sind die "Pfosten" von oben dann erfolgreicher, sofern sie eine große Klappe haben. Ist natürlich alles sehr subjektiv, aber so fühlt es sich für mich an.
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22.06.2014, 20:22Inaktiver User
AW: "Menschenfeindlich" geworden...
Du schriebst Du bist neidisch auf die extrovertierten Menschen in Deiner Umgebung, folglich siehst Du etwas an ihnen was Du nicht bist, nicht kannst, nicht hast aber gerne auch hättest. Du vergleichst Dich und erlebst Dein Nicht-Können als Defizit, deswegen habe ich das als solches bezeichnet.
Nicht ich habe gewertet, sondern Du hast es Deinen Ängsten entsprechend so aufgefasst.
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22.06.2014, 20:46Inaktiver User
AW: "Menschenfeindlich" geworden...
Das verstehe ich.
Ich habe mich im Alter immer mehr zurück gezogen.
Vom einem großen Haufen Freunde sind jetzt nicht mehr allzu viele übrig; etliche sind bereits gestorben...von anderen habe ich mich so weit entfernt, dass wir keine Basis mehr miteinander haben. Ich fremdele auch...Neue gute Freunde zu finden ist schwer - wogegen ich leicht neue Bekannte finde und auch eine große Runde leicht alleine unterhalten kann.
Ich freu mich, wenn ich in meine 4 Wände zurück kann, zu meinem Mann, zu meinen Hunden...und glaube, dass ich schwieriger und unbequemer geworden bin in den letzten Jahren. Bis jetzt kann ich damit bestens leben.
Die Angst vor einem einsamen Alter treibt mich allerdings auch um...es gibt nicht mehr viele Menschen, denen ich nahe bin...und sie sind alle viel älter als ich...
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22.06.2014, 20:47
AW: "Menschenfeindlich" geworden...
ich denke schon auch, dass du da was verwechselst. Introvertiert sein, heisst ja nicht automatisch, weniger Kontakte zu wollen bzw zu haben. Es ist einfach nur eine andere Qualität, diese Kontakte zu schließen und zu pflegen.
Ich habe im Laufe der Zeit gelernt, dass den meisten Menschen ein eher introvertiertes Gegenüber sogar angenehmer ist, da ruhiger und distanzierter. Das, was sich negativ anhört - nämlich der Begriff Distanz - hat andererseits eine sehr positive Komponente: Distanz lässt dem Gegenüber Raum, und das wird i.d.R. als sehr angenehm empfunden, da kein Schutz vor Übergriffigkeit notwendig ist. So hat alles seine Licht- und Schattenseiten.Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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22.06.2014, 23:00Inaktiver User
AW: "Menschenfeindlich" geworden...
Hast du dir auch schon mal die Frage gestellt, ob du wirklich "extrovertierter" sein möchtest, weil du glaubst, dass man das muss (gesellschaftliches Ideal, etc.) und es dir so im Laufe deines Lebens vom Umfeld vermittelt wurde (sie hat so wenig Freunde, verbringt viel Zeit alleine, verträgt laute Geräusche schlecht, etc.)? oder ob du evtl. eine schüchterne Extrovertierte bist, die das ganze was man so mit Extroversion verbindet, gerne ausleben möchte, aber sich nicht traut?
Die beiden können von außen ja durchaus ähnlich wirken, den Unterschied erkennt man ja nur von innen. Und genervt sein, von zu viel Menschen um einen herum, und wenns nur einer ist, und das kann dann auch jemand Nahestehendes sein, klingt eher nach richtiger Introversion. Das ist man dann, wenn die Akkus alle sind. Wenn du nach ner Zeit alleine alle um dich herum wieder gut erträgst, dich auf sie freust, wäre das ein Zeichen dafür. Wenn man seine eigenen Bedürfnisse ne zeitlang missachtet, kann man dann durchaus von allen genervt sein.
Ich bin nicht neidisch auf Extrovertierte, das war ich frühers mal, als ich dachte Introversion sei ein Defizit. Aber inzwischen fühle ich mich wohl damit.
Außerdem denke ich darf man den Inhalt von Gespräch mit Bekannten, auf Feiern, Kollegen etc. nicht so viel Wert beimessen. Dann eträgt man auch Belanglosigkeiten, andere Ansichten, etc. besser :) Man muss ja nicht mit jedem auf einer Wellenlänge sein. Das bin ich auch nur mit wenigen.
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22.06.2014, 23:07Inaktiver User
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22.06.2014, 23:08Inaktiver User
AW: "Menschenfeindlich" geworden...
Introversion heißt doch eigentlich erstmal, dass man weniger Reize von außen benötigt und dadurch schneller von ihnen gesättigt ist. Ne Gruppe von Menschen ist für Extros ein Aufladegerät, für Intros ein Energiefresser. Das äußert sich doch wiederum schon auch darin, dass man weniger Kontakte benötigt (Sättigung ist schneller erreicht), dementsprechend auch will und hat. Die Qualität sie zu schließen und zu pflegen ist dann auch nochmal anders ja.



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