Wildwusel,
man darf wohl auch nicht alle Befindlichkeiten mit Humor abbügeln.
Was ich eigentlich noch sagen wollte ist: es gibt gewisse Dispositionen - du beschriebst das ja auch schon - die mir schon beim Dran-denken die Haare zu Berge stehen lassen.
Mal ein Beispiel: im Kaufhaus arbeiten zu müssen. Nichts gegen Kaufhäuser, aber den ganzen Tag da drin sein, dem Neonlicht ausgesetzt sein etc.....
Das soll jetzt keine Abwertung dieser Arbeit sein, es löst eben bloss bei mir so was aus.
Ich würde Butterly mal raten da ein wenig zu forschen.
Wir sind ja leider alle so: orientieren uns am Gesellschaftlichen Standard.
Eine Arbeit die nur Spass macht und die ich mit links mache hat oft keine hohen Wert.
Entweder ist es gesellschaftlich wirklich so - oder man denkt es sich.
Das sind so innere unbewusste Strukturen die da ablaufen.
Den größten Fehler meines Lebens machte ich übrigens als ich eine Stelle als Sekretärin in einem stinkvornehmen Institut annahm. Und meinen alten Job damit aufgab. Der war ein wenig schlechter bezahlt, aber dafür lebendig - nicht langweilig - und ich fühlte mich da wohl.
Den Job im Institut hatte ich noch während der Probezeit gekündigt.
Ich hab mich da nie wohl gefühlt.
Die Reaktion meiner Umwelt war mir eigentlich wurscht. Mein Lebenslauf war dadurch ein wenig verfranst.
Das alles hat mir ziemlich geschadet, aber nicht auszudenken wenn ich da geblieben wäre.
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13.06.2014, 15:50Inaktiver User
AW: Sich schnell angegriffen fühlen und aufbrausend sein
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14.06.2014, 08:30Inaktiver User
AW: Sich schnell angegriffen fühlen und aufbrausend sein
dann würde ich diese freundin fragen, direkt fragen ob sie mich damit provozieren möchte und wenn ja- warum. (es besteht durchaus die möglichkeit, dass sie dir helfen will etwas an/ in dir zu realisieren und zu verändern)
gehst du schon vorab davon aus, dass es von ihrer seite nur provokation sein kann? die möglichkeit der gedankenlosigkeit wird von dir nicht zugelassen?
dann ist nicht dein aufbrausen das problem - sondern dass eure freundschaft keine freundschaft mehr ist.
wenn ich einem menschen vorab schon böse absichten unterstelle- ist das für mich kein freund.
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14.06.2014, 12:02Inaktiver User
AW: Sich schnell angegriffen fühlen und aufbrausend sein
Das mit dem Provozieren war anders gemeint. Eher so, dass ich mich durch ihr Verhalten provoziert fühle. Ob sie es absichtlich macht? Keine Ahnung. Ansonsten ist das nicht das Thema (dafür gibt es den anderen Strang
). Es geht hier nicht darum, ob und wie ich unsere Freundschaft rette, sondern wie ich souveräner in solchen Situationen reagieren kann. Ich fühle mich danach nämlich noch kleiner als vorher schon. Wenn ich es aber schaffe, drüber zu stehen, kann man mich auch nicht mehr so leicht provozieren und ich kann aus dem Teufelskreis ausbrechen.
Der Grund für meine Ausraster liegt in meiner Kindheit und Jugend begründet. Insbesondere mein Vater hat mich mit Psychoterror und Gewalt immer klein gemacht und abgewertet. Meine einzige Chance, nicht daran kaputt zu gehen, war, diese Mauer der Aggression aufzubauen, mit der ich dagegen zumindest innerlich angegangen bin. Und dieses Verhaltensmuster ist in mir drin. Ich fühle mich leicht abgewertet und runter gemacht, und dann greift unbewusst und unbeabsichtigt diese Verteidigungsstrategie. Ich versuche, den anderen mit Worten von mir weg zu halten, damit er mir nicht wehtun kann. Aber wie gesagt, das läuft automatisch ab, ohne dass ich das in dem Moment steuern kann. Ich merke es in dem Moment nicht einmal, wie heftig ich reagiere.
Ich habe jetzt für mich schon ein paar Mal versucht, mir dann hinterher die Situationen nochmal nachzuspielen und anders zu lösen. Doch selbst in meinen 4 Wänden gelingt es mir nicht. Ich gerate immer wieder in dieses Fahrwasser der Aggression. Ich kann nicht ruhig und besonnen bleiben. Meine Worte sind wie Pfeile - oder besser gesagt ein Maschinengewehr - und prasseln einfach aus mir heraus; und das mit einer Härte, die mich selbst erschreckt.
Ich schätze, dass ich das auch nicht allein in den Griff kriege. Ich werde mir professionelle Hilfe hierbei suchen. Ich denke, das ist die einzige Lösung für mein Problem. Vielleicht auch einfach, um mal die Vergangenheit aufzuarbeiten.
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14.06.2014, 12:31Inaktiver User
AW: Sich schnell angegriffen fühlen und aufbrausend sein
Das ist mir zwischenzeitlich auch eingefallen: nicht versuchen, die Ausraster durch Zählen, Atmen, etc zu umgehen, sondern sich die Ursache der Ausraster anschauen.
Das was du von deiner Herkunftsfamilie beschrieben hast, ist keine Bagatelle, das ist ziemlich heftig, was du erleben musstest. Als Kind ist und muss man sehr erfindungsreich sein, wie man sich mit Gewalt (egal ob körperlich, verbal, seelisch) arrangiert, um in der Familie bestehen und überleben zu können. Die Überlebensstrategien sind aber im Erwachsenenleben oft nicht sehr hilftreich und dann steht man "dumm" da, wenn man keine Handlungsalternativen kann und sich immer wieder emotional in die Kindheit zurückgeschickt fühlt.
Ich will dich deshalb ausdrücklich ermutigen und unterstützen, dir Hilfe zu holen und die frühere Zeit mit einem Profi zu besprechen. Für dich und dein Seelenheil, damit du ruhig und stabil wirst und dich auch so fühlst. Dass dann Freundschaften besser klappen, wird ein schöner Nebeneffekt sein, mach es vor allem für dich!
Liebe Grüße
Drahtseilakt
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14.06.2014, 13:10Inaktiver User
AW: Sich schnell angegriffen fühlen und aufbrausend sein
Ich mache es nur für mich. Eben, das wird vielleicht ein schöner Nebeneffekt sein - überhaupt, dass ich mit anderen Menschen dann evtl. besser klar kommen könnte. Aber ich möchte auch diese negativen Gefühle nicht mehr haben, möchte mich endlich selbst so annehmen können wie ich bin.
Danke Dir!
Liebe Grüße zurück
Butterfly
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14.06.2014, 15:39Inaktiver User
AW: Sich schnell angegriffen fühlen und aufbrausend sein
Da wünsche ich viel Erfolg bei.
Dein Problem ist ja wohl auch mitunter dass du so angestrengt wirkst und wohl auch bist.
Schon oft hab ich bei mir festgestellt: wenn diese Fesseln sich lösten war mir das was ich mir so wünschte überhaupt nicht mehr wichtig - und man trug es mir hinterher....
Ich glaube, du bringst schon zwei sehr gute Voraussetzungen mit erfolgreich eine Therapie zu mache: dein Leidensdruck ist hoch - und du hast Mut!!!
Finde ich jedenfalls.
Alles Gute von mir!!!
LG Lucia-
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14.06.2014, 21:32
AW: Sich schnell angegriffen fühlen und aufbrausend sein
Ja.
Ich hatte früher mal einen guten Freund, der hatte diagnostizierte Aggressionsverarbeitungsstörungen. Der sagte den Leuten recht frühzeitig, "Ich habe da ein Problem. Egal worum es geht, was die Situation ist, worüber wir reden: Wenn ich sage 'Ich muß jetzt gehen', stell bitte keine Fragen und halt mich nicht auf. Wir können das immer später klären." Unter all den Aufbrausenden, mit dem ich im Leben zu tun hatte, war er derjenige, bei dem ich mich nie nervös oder unsicher gefühlt habe.
Idealerweise wird dir der Aufbrausende dir dann in Zukunft aus dem Weg gehen, da du die schlechtesten Seiten in ihm hervorbringst. (Wer sich das Rauchen abgewöhnen will, geht ja auch nicht unter Leute, die ohne eine Zigarette zur Begrüßung kein Wort mit jemandem wechseln...)
Damit ist ja auch allen geholfen.
Wenn er es nicht tut, steht wahrscheinlich ein ganz anderer Mechanismus dahinter.
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Was das schnelle Runterkommen angeht: Ich habe die Vermutung, daß das ein Effekt von "ich versuche, mir das abzugewöhnen, sehe mein eigenes Verhalten kritisch und hinterfrage es" ist. Die "Runterfahrstimme" ist ja eine von den Stimmen im Kopf: Die eine hat gerade einen Anfall und macht ein Riesendrama, die Runterfahrstimme sagt, "du machst dich lächerlich, das ist alles nicht wichtig, hör auf", und das Selbst winselt "Ich kann nicht!!!" Manchmal kommt dann eine andere als die Dramastimme kurz durch, das wirkt natürlich dann auf die Leute völlig meschugge.
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Zum Thema "harmlose Sätze" -- die sind nicht harmlos, wenn sie ankommen. Eine leere Coladose ist harmlos, solange sie nicht auf den Zünder einer im Boden vor sich hinmodernden Fliegerbombe trifft. Ein Pantoffel ist harmlos, solange man nicht der Katze auf den Schwanz tritt damit: Die getretene Katze fährt herum, auf einmal ist das Fell gesträubt, sie faucht einen an, krallt vielleicht, und verschwindet hinter dem Sofa, wo sie versucht, auseinanderzusortieren, was gerade passiert ist, und warum ihr Mensch auf einmal so gemein zu ihr ist. Der Mensch, der vielleicht (dicksohlige Pantoffel vorausgesetzt) gar nicht gemerkt hat, was er getan hat, denkt sich, "die Katze hat wieder ihre fünf Minuten".
Sehr ähnliche Dynamik möglicherweise wie die, die butterfly sieht! Verschärft dadurch, daß wunde Punkte beim Menschen nicht so gut zu sehen sind wie Schwänze bei Katzen, und man oft überhaupt nicht merkt, was einem unter den Pantoffel gerät!** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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14.06.2014, 21:41
AW: Sich schnell angegriffen fühlen und aufbrausend sein
Das könnte wirklich eine gute Idee sein, auch das Aufarbeiten, wenn du das so klar siehst. Solche destruktiven Abwehrmuster machen einem zu dem, was man haßt. Einem wurde Angst gemacht, jetzt macht man anderen Angst, man wurde klein gemacht, jetzt macht man andere klein, und man merkt es auch noch. (Andererseits, wenn man es merkt, hat man noch die Chance, sich zu ändern. Besser als anders.)
Ich würde zum Lösen so einer Situation bevorzugt die Strategie wählen, sie zu verlassen. Schlagfertigkeit wird überbewertet.
Man muß auch denken, daß Leute, die einen die Situation nicht verlassen lassen, oder die eine Stichelei wieder und wieder bringen, nachdem man ihnen gesagt hat, a) "nicht lustig", b) "lästig", c) "laß das bitte", vielleicht noch nicht bösartig sind aber doch so unaufmerksam, daß man nicht gut klarkommen kann mit ihnen. Und wenn sie dann noch, wenn man (wie in einem gewissen Fall, der mir gerade durch den Kopf geht) nach drei Tagen ständigem Gestichel hochgeht wie eine Silvesterrakete, sich gleichzeitig echauffieren und eine verspotten, daß man so hochgeht, und dabei ihr Gestichel penetrant weiterführen -- dann sind das Leute, die einem nicht guttun. (Das war mein längster Aussetzer. Sechs Stunden.)** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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14.06.2014, 21:53Inaktiver User
AW: Sich schnell angegriffen fühlen und aufbrausend sein
Ich denke, dass "harmlose Sätze" trotz allem harmlos bleiben, egal wie sie bei dem anderen ankommen. Sie liefern keine Rechtfertigung für einen impulsiven Ausbruch, selbst wenn sie den Impulsiven genervt haben. Die Verantwortung für den Ausbruch bleibt bei dem Impulsiven, da die Reaktion in keinem Verhältnis zu dem Auslöser steht, das könnte auch auf normalem Weg geklärt werden.
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14.06.2014, 21:57Inaktiver User
AW: Sich schnell angegriffen fühlen und aufbrausend sein


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