Lepitopdera, Du schmeißt ein paar Sachen zusammen, die man auseinanderhalten sollte:
Du sagst, dass Du davon geprägt bist, dass Du in Deiner Kindheit nur dann Wertschätzung erfahren hast, wenn Du angepasst und brav warst. Heute verhältst Du Dich ähnlich in Deiner Partnerschaft aus Angst, Deinen Partner zu verlieren.
Es kann also nicht die Rede davon sein, dass Dir dieser Mechanismus unbewusst ist. Im Gegenteil: Du weißt, woher Deine Ängste kommen.
Dies ist erstmal wichtig. Sehr sogar. Es ist der erste Schritt hin zur Lösung. Der Umgang damit (Deine Frage: wie geht man am besten damit um?) ist der nächste Schritt. Er besteht darin anzuerkennen, dass Du heute kein kleines Mädchen mehr bist, das auf seine Eltern angewiesen ist, sondern eine erwachsene Frau, die den Wunsch hat, gleichberechtigt neben dem Partner zu stehen. Kein Therapeut dieser Welt kann Dir die Verlustängste nehmen, die damit verbunden sind, sich Konflikten in der Partnerschaft zu stellen.
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30.04.2014, 08:37
AW: Übertragung in Beziehungen - Kann man ihnen entkommen?
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30.04.2014, 09:25
AW: Übertragung in Beziehungen - Kann man ihnen entkommen?
Stimmt, das ist ein Unterschied. Wobei sicherlich weder das eine noch das andere dauerhaft sinnvoll ist.
Ich habe mir jetzt vorgenommen, besser darauf zu achten. Die Situationen vielleicht auch einfach mal aufzuschreiben und zu schauen: Was genau hat meine Reaktion ausgelöst, die ich loswerden möchte? Warum habe ich so reagiert? Was will ich an dieser Reaktion nicht mehr?Wo auch immer du hingehst, du triffst am Ende immer nur dich selbst.
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30.04.2014, 09:32
AW: Übertragung in Beziehungen - Kann man ihnen entkommen?
...dort, wo du dich nicht wohl fühlst, wo es in der Beziehung knirscht, hakt; Trigger-punkte.
Aber man kann (allein) da auch ganz schön in die Irre laufen. Trotzdem: Selbst-Beobachtung und Reflexion halte ich für nützlich. Wie wär's mit einem Tagebuch?
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30.04.2014, 09:32
AW: Übertragung in Beziehungen - Kann man ihnen entkommen?
Richtig. Der Unterschied wurde mir hier zum ersten Mal durch eure guten Kommentare richtig bewusst.
Ich glaube mein bisheriges Problem war, dass ich zwar immer dachte "Mist, das ist doof. Ich will das ändern.", aber nie danach gehandelt habe. Wirklich etwas dafür getan habe, das Problem zu lösen. Mir ist gerade bewusst geworden, dass "nur" Achtsamkeit eben auch nicht weiterhilft. Deswegen versuche ich es jetzt damit, Situationen aufzuschreiben, meine Reaktionen zu beschreiben und nach den Ursachen zu gucken. Und mir nicht zu überlegen "Das nächste Mal mache ich es anders", sondern mir selbst "Handlungsempfehlungen" zu geben, die ich mir vorstellen kann, umzusetzen. Die Situation praktisch "umschreiben" und versuchen, das neue Handeln zur Gewohnheit werden zu lassen.
Ich bin gespannt wie das klappt. Den Anstoß dazu habe ich jetzt auf jeden Fall. :)Wo auch immer du hingehst, du triffst am Ende immer nur dich selbst.
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30.04.2014, 09:34
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30.04.2014, 13:08
AW: Übertragung in Beziehungen - Kann man ihnen entkommen?
Liebe Lepidoptera,
Die folgenden Ratschläge gebe ich Dir als bedürftiger Amateur, der auch irgend wie zu Rande kommen muss und dies nach etwa 40 Jahren der Überlegung einigermassen schafft. Nicht als Profi und schon gar nicht vom hohen Ross herunter.
Auch ich glaube, dass Du etwas Anderes beschreibst, als Übertragungen im Sinne von Sigmund Freud bedeuten. Das bewirkt, dass Du bei Deinen Recherchen einem falschen Stichwort folgst. Probier's doch eher mit Verdrängung (von un- oder falsch verarbeiteten Erlebnissen) und unbewusstem Handeln gemäss dieser „Altlasten“.
Ich versuche, mich selbst möglichst gut zu durchschauen, damit ich merke, warum ich mich wie verhalte. Auch wenn ich auf dünnes Eis gelange, fällt mir das häufig rasch auf. Damit ich nicht ständig jede Bewegung überlegen muss und auch aus anderen Gründen, habe ich ein Verfahren ersonnen. Es ist nicht originell, wird aber viel zu selten angewandt.
Verfahren
Hier habe ich alles zusammen gefasst. Der Rest ist Beilage.
- Ereignisse (gute und schlechte) durchleuchten und verarbeiten. NICHT weg schieben! (*1)
- Bewerten: Kann ich das so schlittern lassen (*2), oder muss ich:
- Schlussfolgerungen für die Zukunft ziehen. (*3)
- Die so verarbeitete Erfahrung derart verinnerlichen, dass ich Reflex artig danach handeln kann. Ich nenne das, die weibliche Intuition füttern. (*4)
- Ich versuche dabei, nur im Guten nachtragend zu sein. (*5:) Sünden müssen gelegentlich vom Tisch, mindestens zu Weihnachten und Ostern. Aber das ist eine andere Sache.
- Altlasten mit professioneller Hilfe ausräumen oder beherrschen lernen. (*6)
Zugemüse, Illustrationen und Erläuterungen
Auswirkungen
- Oft hilft es nur schon, sich bewusst und systematisch mit etwas zu beschäftigen, um zu erstaunlichen Ergebnissen zu gelangen. Dadurch dass man dem Eindruck gar nicht erst gestattet, sich im Verborgenen ein zu nisten, ist die Gefahr weitgehend gebannt.
- (6:) Wenn etwas schon fest eingebaut ist, wie in Deinem Beispiel von Unterwerfung und Belohnung, bedeutet das in aller Regel Arbeit für Profis -> psychotherapeutische Beratung oder Behandlung.
Wenn Dir der Irrtum der zu Grunde liegenden Annahme klar wird, wäre es denkbar, dass Du auch selbst Dein Verhalten etwas ändern kannst. (6:) Aber die ganz tief eingenisteten Reflexe wollen nicht raus, da braucht es professionelle Hilfe.
Isa und ich wissen schon, warum wir nach einer geplatzten Beziehung zu einem Jahr Pause raten: Wut, Beruhigung, Wunden lecken, Beurteilung, Altlasten identifizieren, Bestimmung des Standorts und der künftigen Strategien braucht eine Menge Zeit, Gehirnschmalz und eventuell auch Hilfe. Nur wenn man frei und alles klar ist, geht es Erfolg versprechend weiter. Durchaus auch ganz anders, als man es eigentlich gewollt hätte.
- Noch einmal zu Deinem Beispiel: Zuneigung oder Wertschätzung im Tausch gegen Wohlverhalten ist ein meistens untaugliches Erziehungsmittel mit fürchterlichen Auswirkungen. Natürlich: Ein Kind darf durchaus merken, dass ich weniger zugänglich bin, wenn es mich nicht gegrüsst hat. Aber es ist nicht „lieb“, wenn es das Zimmer aufgeräumt oder „schön“ gegessen hat.
Gerade bei der Wertschätzung und insbesondere bei der Suche nach einem/einer PartnerIn, läuft det janz und jar nich!
Ich bin ziemlich „nett“ im Sinne der fünfziger Jahre und nicht nett = die kleine Schwester von Scheisse. Meine Regel um damit um zu gehen lautet: Man darf ruhig nett sein, aber nur so lange die Anderen wissen, dass man freiwillig nett ist! Dazu braucht es eine klare Linie, die - durchaus auch unterschwellig - kommuniziert wird. Ich lasse zudem immer wieder durch blicken, dass es durchaus auch anders ginge. Bei körperlichen Angriffen reagiere ich sofort und mit dosierter Härte, bei Geringschätzung werde ich sehr schnell sehr laut. Wenn ich mich auch sonst mal dosiert schlecht benehmen muss: Es ist ja für einen guten Zweck!
Erläuterungen / Fussnoten
*1: In einem Roman über eine Englische Jagdflieger-Staffel stand dies: Wenn einem etwas von Bedeutung widerfahren war, läutete er vor dem Büro des Squadron Leaders eine eigens dazu aufgehängte Glocke, die Kameraden kamen herbei, und er schilderte Ihnen den Sachverhalt, auch wenn es manchmal etwas peinlich war. Dies wurde analysiert, Lösungen gesucht und man richtete sich künftig auf die derart erkannte und verarbeitete Situation ein. Mir hat dieses Verfahren sehr ein geleuchtet.
Ich mache es so: Wenn etwas Dramatisches geschieht, oder wenn ich fest stelle, dass ich mich unangemessen verhalten habe, überlege ich mir genau, was geschehen ist etc. (*2:) Das kann 10 Sekunden dauern: „Aha, aber passt schon!“, 1 Minute: „Jetzt warst ich ein Rüppel, (*3:) nicht ALLE sind meine Feinde!“ oder 2 Tage samt der dazwischen liegenden Nacht, nach einer Kollision im Verkehr: (*3 und *4:)„Künftig so und so machen, viel mehr als früher im Bewusstsein dessen, was die Anderen können und was nicht!“
*2: Manchmal sind auch eindrückliche Ereignisse wenig bedeutsam und es hat keinen Sinn, ein Riesen Theater zu veranstalten. Ich erinnere mich, dass ich, wenn meinen Jungs etwas schief gelaufen war, zuerst heraus zu finden versuchte, ob es ein echter Ausrutscher/Fehler oder etwas Systematisches war. Ausrutscher habe ich so abgebucht: (2:) „OK, jetzt haben wir es begriffen, oder?“ bei systematischen Fehlern (*3:) haben wir ein Verfahren ersonnen, um sie zu vermeiden. Ersteres war sehr viel häufiger, so dass wir das grosse Büro nur selten auf machen mussten.
*3: Man muss vermeiden, Fehler immer und immer wieder zu machen. Nicht so, wie die frisch geschiedene Frau, die einen neuen Partner unbedingt mit Bart suchte. Hat sie denn nicht gemerkt, dass es entscheidendere Kriterien gibt? Zu Weilen funktioniert bei mir die Feinmotorik der Hände nicht ganz. Ich versuche deshalb, Zerbrechliches zu erfassen und dann den Griff unverändert zu lassen. Griffwechsel werden prompt bestraft. Richtungswechsel unter Türen lasse ich, um mir nicht ständig den Kopf an zu schlagen. Etc., etc. ..
*4: - Bewegungsmuster sind so etwas, was JedeR anwendet.
- Es fällt mir gar nicht mehr ein, die Küche ohne Piepser zu verlassen, wenn etwas kocht.
- Im Verkehr blicke ich 2 Mal, damit sich nicht verstecken kann.
- Keine Unterschrift unter Unvollständiges oder nicht durch Gelesenes.
- etc., etc. ..
*5: Ich bin eigentlich sehr nachtragend. Nun kann ich aber nicht mit Hass im Herzen an die Geburtstagsparty von Jesus gehen. Wie kriegt man das unter einen Hut? Wirklich reuigen Sündern zu vergeben, fällt mir sehr leicht, die sind also kein Problem. Zu Weihnachten und Ostern erlasse ich eine Amnestie. Bei verstockten Sündern, die wo möglich noch stolz auf ihre Tat sind, heisst das: Keine künftigen Repressionen mehr für das, was war. Vergebung ist etwas anderes, aber es zügelt meine Hass-Phantasien.
Nun zu den Guten: Ich vergesse nur selten eine Wohltat. So waren schon Leute sehr erstaunt, als ich mich nach 10 Jahren noch an etwas erinnerte, was sie mir zu Liebe getan hatten.
*6: Ich selbst habe mich mit etwa 24 als Amateur aber intensiv mit Psychologie befasst und eine Selbstanalyse vollzogen. Deshalb durchschaue ich gewisse psychologische Tricks rasch und glaube deshalb nicht, dass mir eine Psychoanalyse helfen könnte. Dort kommt übrigens die Übertragung zum Zuge und der Therapeut/die Therapeutin dient bei der Verarbeitung der Altlasten als Blitzableiter.
Ich sehe aber immer wieder, wie beratungsresistent Leute mit sehr einfach durchschaubaren Problemen sein können. Dann hilft ein blosser Ratschlag nicht mehr und es muss jemand her, der/die genau weiss, wie man/frau die Schwierigkeiten angehen muss.
Weil Du bemerkt hast, dass in Dir etwas aus dem Lot ist, habe ich einiges Vertrauen darauf, dass Du Dein Verhalten und Deine Situation zum Guten verändern kannst. Auch wenn es nicht einfach wird. Du klingst gar nicht nach „Man kann doch erwarten dass, ...“. Dann kann man nämlich nur Frustration und Ärger erwarten.
Grüsse von Isambard, der es selbst erlebt hat und immer wieder erlebt, aber immer noch da ist.
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30.04.2014, 21:00Inaktiver User
AW: Übertragung in Beziehungen - Kann man ihnen entkommen?
Der Erste Anschub etwas zu verändern ist doch, das du erkennst.
Du kannst also anfangen, was dir nicht gut tut Stück für Stück aus deinem Leben weg zu räumen. Schau wo es öfter wiederkehrende Probleme gibt. Wo ist die Ursache? Oft in der Kindheit, oft an dem wie man sich verbiegt un´m geliebt und geachtet zu werden, z.B. Aber odt hat man das seit Kindertagen intuss, weil es als Kind Überlebensstrategie war und nicht anders möglich war. Als Erwachsener kannst du alles jeder Zeit ändern.
Es gibt Bücher, Themengruppen,... man muss nur für sich heraus finden was das Problem ist und wo es ggf. her kommt.
Z.B. immer die falschen Beziehungen, oder gar destruktive Beziehungen,... etc. gern mehr per PN.
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30.04.2014, 21:23
AW: Übertragung in Beziehungen - Kann man ihnen entkommen?
Wow, Isambard, ich danke dir, dass du all das mit mir geteilt hast. Ich werde es mir noch mehrmals in Ruhe und langsam zu Gemüte führen, um alles zu verstehen. Vielen Dank für deine engagierte Hilfe!

Kario, danke auch an dich. Mir wurde gerade noch einmal bewusst, dass bei systematischem Vorgehen (1. Wo gibt es wiederkehrende Probleme? 2. Was könnte die Ursache sein? 3. Strategien überlegen, die Probleme zu lösen) doch recht viel im Alleingang möglich ist.Wo auch immer du hingehst, du triffst am Ende immer nur dich selbst.
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30.04.2014, 21:43Inaktiver User
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02.05.2014, 10:41
AW: Übertragung in Beziehungen - Kann man ihnen entkommen?
Liebe Lepidoptera,
Bitte, Deine Reaktion freut mich sehr.
Grüsse Isambard



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