Liebe Bricommler,
ich wende mich mit einem Problem an Euch, das mir eigentlich sehr peinlich ist.
Es fällt mir schwer, darüber zu sprechen, aber mir fällt kein anderer Weg ein, mich damit auseinander zu setzen.
Kurz und knapp: Ich fühle mich unendlich einsam. Verlassen. Bin Ü40, Single, keine Kinder (eigene Entscheidung und nie infrage gestellt), relativ große Herkunftsfamilie, zu der guter und regelmäßiger Kontakt besteht.
Dieses Einsamkeitsgefühl begleitet mich eigentlich schon solange ich denken kann, irgendwie ist es Teil von mir, aber ich dachte immer, irgendwann gibt sich das. „Wenn ich mal groß bin, wird alles gut.“ Nun wird mir klar: Ich bin schon lange groß und nichts ist gut. Ich hatte längere Partnerschaften, auch da blieb dieses Gefühl bestehen.
Es ist nicht so, dass ich mir auf Biegen und Brechen wieder einen Partner wünsche; mir fehlen eher verlässliche Freundschaften, Menschen, mit denen ich mich austauschen und etwas unternehmen kann, in deren Gegenwart ich mich zu Hause fühle, denen ich wichtig bin. Für die ich ebenfalls da sein kann. Ich bin sehr lebenshungrig und habe eine Menge Interessen, Ideen und Pläne. Nie setze ich sie um, das Alleinsein lähmt mich, hab das Gefühl, die Zeit rinnt mir durch die Finger und mein Leben ist verschenkt und vergeudet. Als hätte ich überhaupt kein Leben. Alle anderen haben eins, nur ich nicht.
Ich habe einen Freundeskreis, seit Jahrzehnten, die alle Familie haben, sehr nett und hilfsbereit sind. Wir sind füreinander da, wenn jemand Hilfe braucht, und halten uns gegenseitig über unsere Lebenssituationen auf dem Laufenden.
Dennoch fühle ich mich inzwischen dort wie das 5.Rad am Wagen; ich möchte auch nicht über meine Gefühle reden, über diese Bedürftigkeit, weil ich befürchte, das würde die anderen abschrecken und mich noch einsamer machen.
Außerdem habe ich noch die eine oder andere Bekannte zum gemeinsamen Kinobesuch, Radtour, Museumsbesuch usw. Auch dafür bin ich dankbar, aber ich möchte diese Bekanntschaften nicht überstrapazieren. Die haben ja alle ein eigenes Leben und sind nicht zu meiner Bespaßung da.
Ich weiß wirklich nicht mehr weiter; die Tipps mit Verein, Ehrenamt usw. kenne ich und hab sie z.T. ausprobiert. Das Problem ist, dass mir größere Menschengruppen eher Streß und Unbehagen bereiten; verursacht durch ein eher wachsendes Unsicherheits- und Verlassenheitsgefühl.
Wer kennt diese Gefühle und wie geht Ihr damit um? Was hilft Euch aus diesen „Löchern“? Und wie reagiert Ihr, wenn Ihr bei Eurem Gegenüber eine solche Bedürftigkeit feststellt? Stößt es Euch ab? Wie würdet Ihr reagieren, wenn Euch eine Freundin (nicht die „beste“ Freundin) von Ihrer Not erzählen würde? Würdet Ihr Euch abwenden? Ich weiß, es liegt an mir, aber von Innen heraus seh ich einfach nicht, was ich noch tun könnte.
Ich danke fürs Lesen,
viele Grüße
Nachfragende
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 24
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27.04.2014, 11:27
Wie geht man mit Einsamkeitsgefühlen um?
Geändert von BRIGITTE Community-Team (28.04.2014 um 15:47 Uhr) Grund: Titel korrigiert
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27.04.2014, 11:43Inaktiver User
AW: Wie geht man mit Einsamkeitsgefühlen um?
kann es sein, dass du das pferd von der falschen seite aufzäumst?
meiner meinung nach bauen sich beziehungen und nähe und freundschaften nur auf, wenn beide aus sich heraus existieren.
wenn du ideen und pläne nicht verwirklichst, werden und bleiben deine beziehungen auch hohl, wäre meine theorie.
vor dem "wir" steht immer das "ich", es ist voraussetzung für das "wir". jedenfalls ist das in meiner welt so. ich kann mich in einer freundschaft nur aufgehoben fühlen, wenn ich mich selbst spüre.
andersrum funktioniert es nicht.
das sehe ich auch so.Ich habe einen Freundeskreis, seit Jahrzehnten, die alle Familie haben, sehr nett und hilfsbereit sind. Wir sind füreinander da, wenn jemand Hilfe braucht, und halten uns gegenseitig über unsere Lebenssituationen auf dem Laufenden.
Dennoch fühle ich mich inzwischen dort wie das 5.Rad am Wagen; ich möchte auch nicht über meine Gefühle reden, über diese Bedürftigkeit, weil ich befürchte, das würde die anderen abschrecken und mich noch einsamer machen.
Außerdem habe ich noch die eine oder andere Bekannte zum gemeinsamen Kinobesuch, Radtour, Museumsbesuch usw. Auch dafür bin ich dankbar, aber ich möchte diese Bekanntschaften nicht überstrapazieren. Die haben ja alle ein eigenes Leben und sind nicht zu meiner Bespaßung da.
dein soziales umfeld scheint mir eigentlich völlig in ordnung zu sein, ich sehe da keinen handlungsbedarf.
ich denke, dir fehlt ein eigener lebensinhalt, etwas, das dir spaß macht und das du tust, aus dir heraus... kann das sein?Ich weiß wirklich nicht mehr weiter; die Tipps mit Verein, Ehrenamt usw. kenne ich und hab sie z.T. ausprobiert. Das Problem ist, dass mir größere Menschengruppen eher Streß und Unbehagen bereiten; verursacht durch ein eher wachsendes Unsicherheits- und Verlassenheitsgefühl.
ich habe eine weile nach der richtigen arbeit gesucht, und darin liegt bis heute für mich der weg.Wer kennt diese Gefühle und wie geht Ihr damit um? Was hilft Euch aus diesen „Löchern“? Und wie reagiert Ihr, wenn Ihr bei Eurem Gegenüber eine solche Bedürftigkeit feststellt? Stößt es Euch ab? Wie würdet Ihr reagieren, wenn Euch eine Freundin (nicht die „beste“ Freundin) von Ihrer Not erzählen würde? Würdet Ihr Euch abwenden? Ich weiß, es liegt an mir, aber von Innen heraus seh ich einfach nicht, was ich noch tun könnte.
wenn ich sowas bei anderen spüre, stößt es mich nicht ab, aber ich habe dann immer das gefühl, da wird etwas in unsere freundschaft projiziert, das da nicht hingehört, und ich rede dann darüber, schubse aber die entsprechende freundin bzw. den partner sanft aber bestimmt ein stückchen zurück.Geändert von BRIGITTE Community-Team (28.04.2014 um 15:47 Uhr) Grund: Titel korrigiert
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27.04.2014, 11:43
AW: Wie geht man mit Einsamkeitsgefühlen um?
Uuups, da fehlt ein "n" in der Überschrift. Liebe Moderation, kann ich das selbst korrigieren?
Geändert von BRIGITTE Community-Team (28.04.2014 um 15:48 Uhr) Grund: Titel korrigiert
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27.04.2014, 12:11
AW: Wie geht man mit Einsamkeitsgefühlen um?
Hallo ambiva,
vielen Dank für Dein ehrliches und überdenkenswertes Feedback.
Damit triffst Du den Nagel auf den Kopf! Genau so ist meine Sicht auf Beziehungen, so wünsche ich mir Beziehungen, und es stimmt: Ich fühle mich manchmal hohl und deshalb (noch) nicht geeignet. Andersherum geht es mir ja auch so:
Genau deshalb agiere ich auch sehr vorsichtig und meide wirklich dieses Thema. Um nicht zu projizieren oder das Gegenüber in eine Position zu nötigen, in der es nicht um seine Person, sondern um eine Funktion geht. Es ist ja nicht so, dass mich nichts begeistert; ich habe Leidenschaften und kann mich über vieles freuen, es gibt so viele Themen, über die ich gern den Austausch mit anderen Menschen habe, möchte gern teilen...
Im Hinblick auf die Arbeit ist es bei mir perfekt: Ich liebe meinen Beruf, die Umstände, die Gesamtsituation, und dort fühle ich mich erfüllt, daheim und „aus mir selbst schöpfend“. Die Gesamtsituation habe ich selbst erschaffen und bin immer wieder aufs Neue dankbar und glücklich über das Gelungene und Funktionierende.
Wie krieg ich diese Fülle in mein anderes, privates Leben?Geändert von BRIGITTE Community-Team (28.04.2014 um 15:48 Uhr) Grund: Titel korrigiert
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27.04.2014, 13:25
AW: Wie geht man mit Einsamkeitsgefühlen um?
Also mich würde es keineswegs abschrecken wenn du meine Freundin (oder Bekannte) wärst und mir persönlich erzählen würdest was du hier schreibst. Es würde sich daraus vielleicht ein richtig gutes Gespräch ergeben und wenn sich zwei Menschen öffnen und mehr von sich zeigen, dann öffnen sich doch auch Türen in Richtung von guten und tiefgehenden Freundschaften.
Vielleicht liegt darin ein kleiner Schlüssel für dich dass du dich mehr öffnest du dadurch mehr angenommen fühlst. Sonst zeigst du dich ja den Menschen die du magst/liebst nie ganz.
Mich schreckt es nicht ab wenn sich Menschen öffnen - im Gegenteil
Geändert von BRIGITTE Community-Team (28.04.2014 um 15:49 Uhr) Grund: Titel korrigiert
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27.04.2014, 13:53
AW: Wie geht man mit Einsamkeitsgefühlen um?
Hallo Lara,
vielen Dank für Deine ermutigende Antwort. Möglicherweise ist das ein Weg. Es ist sicher ein Risiko dabei, sich schwach und bedürftig zu zeigen. Bin ein Schisser in dieser Hinsicht;-)
Ich denke, es kommt auch darauf an, wie sich so ein Gespräch entwickelt.
Wie ich Dich verstehe, empfindest Du solche „Eröffnungen“ dann eher nicht als Appell an Dich, sondern als Chance auf einen Einstieg in weitergehende Gespräche, bei denen sich beide einbringen und von denen beide profitieren und man, von persönlichen Befindlichkeiten ausgehend, Ausflüge in weitere Bereiche unternimmt? Das ist eine schöne Sichtweise.
Wenn ich so darüber nachdenke, wird mir klar: Ich hätte mehr Mut, etwas zu riskieren und ein eigenes Leben zu führen, wenn ich mehr Annahme spüren würde. So im Hintergrund, ohne dass dauernd jemand für mich da ist.
Dadurch käme mehr "Substanz" in mich, und es gäbe etwas zu geben. Von mir an meine Freunde, meine ich.Geändert von BRIGITTE Community-Team (28.04.2014 um 15:49 Uhr) Grund: Titel korrigiert
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27.04.2014, 15:03
AW: Wie geht man mit Einsamkeitsgefühlen um?
Hallo Nachfragende,
ich kann dich gut verstehen. Ich selber bin auch ü40 und Single (allerdings mit Kind).
Ich habe einige Freundinnen und einen Beruf, der mich ausfüllt. Im Alltag reicht mir das und ich brauche auch Zeit für mich alleine. Aber an Wochenenden und Feiertagen fühle ich mich oft alleine. Dann wünsche ich mir wieder einen Partner. Ich bin aber auch nicht der Mensch, der gerne auf Partys oder in große Menschenmassen geht und dort Leute kennen lernt.
In meiner langen Ehe hatte ich mich aber auch oft einsam gefühlt, denn mein Mann war ganz anders als ich und ich habe mich oft unverstanden gefühlt.
Ich habe leider keine Lösung für das Problem, aber vielleicht tröstet es etwas, dass es anderen auch so geht.
Alles Gute
LockeGeändert von BRIGITTE Community-Team (28.04.2014 um 15:49 Uhr) Grund: Titel korrigiert
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28.04.2014, 15:50
AW: Wie geht man mit Einsamkeitsgefühlen um?
Geändert von BRIGITTE Community-Team (28.04.2014 um 17:59 Uhr)
Das BRIGITTE Community-Team ist Ihr Ansprechpartner bei Fragen, Wünschen oder Problemen rund um die Community. Schreiben Sie uns gerne eine PN oder eine E-Mail.
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28.04.2014, 16:09
AW: Wie geht man mit Einsamkeitsgefühlen um?
Liebe Nachfragende,
das Gefühl, das Du so treffend beschreibst, kenne ich sehr gut aus meinem
eigenen Erleben. Je mehr dass ich es hinterfragt und analysiert habe, desto
eher kam ich zu der Überzeugung, dass es so etwas wie eine grundlegende
Melancholie gibt, die man weder ablegen noch wegtherapieren kann, und
der man auch mit Aktivitäten, egal welchen, nicht wirklich beikommen kann.
Im Außen machen sich tief empfundene Einsamkeitsgefühle in der Regel
nicht bemerkbar, und wirklich nachempfinden können das eigentlich nur
Menschen, denen es ähnlich geht.
Ich persönlich empfinde es als hilfreich bzw. als einzige Option, eben diese
Grundstimmung als solche anzunehmen, als Teil meines Wesens.
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28.04.2014, 17:04Inaktiver User


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