Du hast die Antwort längst in dir. Suche sie nicht hier.
Wenn du spürst, dass der ständige Wunsch nach MEHR dir keine Erfüllung gibt, obwohl das MEHR ja offensichtlich kommt, ist es doch nur ein kleiner Schritt zu begreifen, dass du diesen Wunsch in den Müll schmeißen kannst (entschuldige die drastische Ausdrucksweise, aber in einer solchen Lage wirkt seichtes Gefasel nicht).
Erwarte nach solch drastischer Analyse kein Geheimrezept. Wie du deinen eigentlichen Lebensinhalt finden und gegen den Wunsch nach Mehr ersetzen kannst, erfordert eine schonungslose Analyse, die dir kein anderer Mensch abnehmen kann; psychologische Unterstützung kann hilfreich sein, wenn du sie zulässt.
Einer von zahlreichen möglichen Denkansätzen: Erfolg ist nur, was dauerhaft Erfolg verspricht. Dauerhaft Mehr muss nach gängigen Theorien zerstörerisch wirken (wie wir schon lange wissen, dass ständiges Wirtschaftswachstum unsere Existenzgrundlage zerstören wird). Traust du dir eine Übung zu? Mindestens drei Tage am Stück völlig unproduktiv verbringen - und dich danach nicht sinnentleert fühlen, sondern die drei Tage genossen zu haben? Wenn nicht - such dir eine für dich passende Übung; Hauptsache sie unterbricht das MEHR.
Noch MEHR fiele mir dazu ein, aber in deiner jetzigen Situation wäre es eindeutig viel zu viel für dich. Denn: Du hast die Antwort längst. Suche sie nicht hier!
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Thema: Ständiger Wunsch nach MEHR
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22.04.2014, 21:23
AW: Ständiger Wunsch nach MEHR
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22.04.2014, 23:18
AW: Ständiger Wunsch nach MEHR
Als ich in der Reha war und sowohl mental als auch finzanziell echt am Limit, lernte ich eine junge Frau kennen, sie war Anfang 30, ich bin 48. Kinder wollte sie keine, Glauben hatte sie nicht, sie kreiste ununterbrochen um sich selbst. Nach ihrer Auskunft hatten sowohl sie wie auch ihr Freund überdurchschnittlich gut bezahlte Jobs.
Einmal erzählt ich ihr, dass es nach Trennung und langer Krankheit nun echt ans Eingemachte ginge, ich müsste mein Haus verkaufen, könnte nicht mehr volltags arbeiten usw.
Da klagte sie im nächsten Moment, dass sie echt ein Problem hätte. Ihr Freund und sie wären ja jetzt schon in sovielen Ländern gewesen, grad wäre wieder eine Reise nach Vietnam geplant. Aber sie mache sich ernsthaft Sorgen, wo sie denn in ein paar Jahren hinreisen sollten, wenn sie dann schon überall gewesen wären!?
Ich glaube, man kann ihr und damit auch dir nur den Tip geben: Sucht euch etwas Sinnvolles, wie meine Vorredner schon sagten: geh in ein Kinderhospiz, fahre alte Leute spazieren, engagiere dich bei der Obdachlosenhilfe...
Schon bist du beschäftigt, findest Anerkennung und musst am Wochenende nicht mehr weinen, weil dir dein Leben so leer vorkommt. Mir ist nie etwas zugeflogen, auch dass es mir jetzt wieder besser geht, habe ich mir selbst erkämpft. Und mein Leben ist mir noch nie "zu wenig" oder leer vorgekommen. Ich engagiere mich aber auch schon immer in Vereinen, Schulen und Organisationen.
Hoffe, das war jetzt nicht zu hart, aber ein wenig fehlt mir da echt das Verständnis.
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23.04.2014, 08:48
AW: Ständiger Wunsch nach MEHR
Ich kann mir auch vorstellen, dass es sich bei dir um eine existenzielle Krise handelt. Wie Analuisa schon schrieb, geht es am Ende darum, einen eigenen Kompass zu seinem eigenen Lebensglück zu finden, das für die wenigsten Menschen im Materiellen liegt (wenn der Lebensbedarf gedeckt ist). Insofern würde ich eine solche Krise ein Geschenk sehen, auch wenn es sich nicht so anfühlt, und mit 28 Jahren sicher nicht zu früh.
Gerade wer mit Leistungsdruck aufgewachsen ist, wird irgendwann herausfinden, daß "bigger, better, faster, more" nicht innerlich "satt" macht, weil es immer auf die Zukunft gerichtet ist, ein Lauf in einem Hamsterrrad, der nie endet (bis zum Schluß an dem Punkt, an dem Dr.Ringsgwandl schon vor Jahren warnte, daß man "nix mitnehma" kann).
Das ist keine Abkehr vom Leistungsgedanken, sondern eine Abkehr davon, seinen Menschenwert (und den anderer Menschen) und sein inneres Wachstum an äußere, gar materielle Parameter zu hängen (was in letzter Konsequenz ein sehr narzißtisches, einsames, selbstunsicheres Projekt ist).
Den Vorschlag, sich auf anderen Gebieten umzutun, zum Beispiel in sozialer Arbeit, finde ich bedenkenswert. Meine eigene Erfahrung ist, daß die Arbeit mit sozial Randständigen oder z.B. geistig "behinderten" Menschen (ohne das instrumentalisieren zu wollen) einen ganz neuen Blick aufs Menschsein eröffnet, der für einen selbst sehr wohltuend und erfüllend ist.that was the river - this is the sea
Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum
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28.04.2014, 21:53Inaktiver User
AW: Ständiger Wunsch nach MEHR
Ehrenamtliches Engagement und soziale Tätigkeiten mit Randgruppen sind aber auch nicht immer die Lösung "solcher Probleme".
Es eröffnet einen Blick auf Menschen, ja, aber grundsätzlich sind Menschen, denen es "schlechter" geht, denen man helfen kann, etc. auch nur Menschen und die sind ja wiederum sehr unterschiedlich. Und sicher kann es dazu führen, dass man dankbarer wird, für das was man hat und einem deren Probleme erstmal bewusst werden, weil man sich davor nicht damit befasst hat, wie es z.B. ist U-Bahn als Rollstuhlfahrer zu fahren, oder wie es ist ohne Unterkunft, verstoßen, etc. zu leben, oder einen Sinn in seiner Tätigkeit sieht, aber den Sinn, sieht man doch auch nur, wenn man das aus freien Stücken macht und nicht, weil einem da jetzt alle dazu raten.
Und es gibt auch nicht nur den armen Rollstuhlfahrer, das kann auch ein rücksichtsloser Mensch sein, der nicht auf die umgebenden Menschen, beim Fahren achtet, ist es dann ein besseres Tun, nur weil die Person keine Beine hat und Unterstützung benötigt? Ich hoffe man versteht, dass das nur ein Beispiel war und nicht pauschalisierend gemeint war, sondern eher das Gegenteil aufzeigen sollte... Es gibt in Randschichten genauso viele materialistisch veranlagte Menschen, wie in Schichten, die es sein können, nur hat das bei denen schwerwiegendere Folgen, als bei jemanden, der sich halt was ansparen kann oder Dinge auf dem legalem Wege erhält.
Natürlich sollte man etwas finden, was einem mit Sinn erfüllt, aber das ist nicht bei jedem die Arbeit mit Randschichten, Behinderten, etc., für manche ist es eben das Reisen ja und was ist dabei, wenn man das gerne tut, aber sich fragt, wo soll ich noch hin?
Sollte man vielleicht nicht eher damit aufhören, sich zu vergleichen, sondern das finden, was einem Spaß macht, und wenn einem Leistung Spaß macht und dem anderen nicht, wer ist dann besser oder verwerflicher?
Klar, mehr kann in verschiedenen Ausrichtungen arten und wenn man den Anspruch hat, irgendwann angekommen zu sein, wird einem dieser Wunsch nach Mehr immer im Weg stehen. Wie wärs denn mit Akzeptanz, dass man mehr will und das dann einfach ausführen bzw. ausprobieren, was einem denn so liegt, ob das nun Ehrenamt, ne Fremdsprache, beides oder doch lieber Reisen, Garten, Weiterbildung, Gitarre ist oder ne Mischung aus allem ist. Aber das merkt man eben durch probieren, im Moment lag der Fokus ja tatsächlich eher auf Besitz, aber es gibt ja noch viel mehr...
Und so grundsätzlich dachte ich, dass es im Menschen aus der Neanderthalerzeit verankert ist, mehr zu wollen, sobald man was hat, weil man nie wusste, ob und wann wieder was kommt. Und gleichzeitig ist es wissenschaftlich erwiesen, dass sobald die Grundbedürfnisse erfüllt sind, das materielle Mehr nicht glücklicher macht. Und sicher können das Leute, denen es schlecht geht nicht nachvollziehen, wie jemand aus "Luxus" heraus jammert, eben wiederum ein Beweis dafür, dass Geld nicht glücklich macht, und angeblich macht es glücklich Eines für andere auszugeben, aber das heißt ja im Umkehrschluss nicht unbedingt, dass "Ehrenamt" die einzige Möglichkeit ist, was Gutes zu tun oder unbedingt glücklich macht.
Glücklich sein oder besser gesagt zufrieden sein, ist ne Einstellung, da muss man gar nicht unbedingt sein Tun ändern oder seine Situation. Es kann aber sein, dass man durch das Ändern des Tun oder der Situation zu der Einstellung kommt.Geändert von Inaktiver User (28.04.2014 um 22:23 Uhr)
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28.04.2014, 22:46
AW: Ständiger Wunsch nach MEHR
Mit meinem Verweis, daß es das eigene Menschenbild verändern kann, mit anderen Menschen Umgang zu haben, die wenig "haben" und/oder aus der Leistungsnorm herausfallen (wobei ich im gleichen Atemzug andeutete, daß eine Instrumentalisierung hier auch problematisch ist), meinte ich nicht, sich angesichts des Kontrastes ("was geht es mir doch im Vergleich gut") oder des "armen aber guten" Menschen als Gegenüber selbst besser oder sinnerfüllter zu fühlen, auch nicht eigentlich, sich Lebenssinn durch Ehrenamt zu schaffen.
Sondern die Erfahrung, daß Menschsein so viel mehr und tiefer ist als "Haben" und "Leistung". Das schließt ja mich, dich und andere ein. Mich persönlich ergreift dabei geradezu Ehrfurcht. (Erst recht bei meiner Arbeit mit ganz kleinen Kindern.) Weil da etwas Wesentliches so spürbar ist, auch als Verbindung zwischen den Menschen. Vielleicht würden manche es Gott nennen?
Hüstel... das nur so als Klärung, weil ich mich da falsch aufgegriffen fand.that was the river - this is the sea
Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum
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28.04.2014, 23:10Inaktiver User
AW: Ständiger Wunsch nach MEHR
Ich hab das schon genauso verstanden, und mich eigentlich auch gar nicht nur auf dich bezogen, den Vorschlag haben ja mehrere erwähnt. :)
Ich fühl mich da jetzt auch falsch aufgegriffen. :) Das was du erwähnst, kann einem z.B. auch das Reisen geben, insbesondere den Einblick dass es mehr als "Haben" und "Leistung" gibt oder dass Menschheit soviel mehr umfasst, als das was man meint zu kennen oder Kleinigkeiten (Gesten, Dinge, Worte, etc.) eben doch viel sind. Die Erfahrung macht doch jeder auf unterschiedliche Art und Weise.
Ich hab in meiner Arbeit mit Menschen eher den Eindruck, dass sich Etliche nur durch "Haben" und "Leistung", oder sich übers Helfen/geholfen werden definieren und da ist für mich auch nicht immer ne menschliche Verbindung oder was Wesentliches spürbar. Arbeit mit Menschen ist halt auch ein weites Feld. Und trotzdem gefällts.
Nur weil für dich die Methode funktioniert, um was Wesentliches zu spüren, heißt das doch im Umkehrschluss nicht, dass es die einzige Methode ist oder es bei jedem genauso funktioniert oder die gleichen Gefühle auslöst. Aber es klingt so, als sei es für dich der richtige Weg.
Seinen Wert sollte man sowieso nicht am Äußeren messen, egal ob das andere Menschen, Geld, Leistung oder Besitz ist, man ist von Grund auf erstmal was Wert. Deshalb bin ich auf den häufig erwähnten Vorschlag eingegangen, eben weil, wenn man sich nicht selbst genügt, auch nicht unbedingt nur allein durch den Umgang mit Menschen zu der Erkenntnis kommt, dass Menschsein so viel mehr ist. Wenn man Scheuklappen vor Augen hat, ändert ne andere Situation erstmal nichts daran, es kann, es muss nicht. Seine Probleme nimmt man häufig erstmal mit.Geändert von Inaktiver User (28.04.2014 um 23:39 Uhr)
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29.04.2014, 01:16
AW: Ständiger Wunsch nach MEHR
Schon mal die Erwägung gezogen, das dir dein Jammern und Lamentieren insgeheim doch auf ne "perverse" Art Vergnügen bereitet?
"Sekundärgewinn" ist wohl der korrekte Termini und bei Hochwohlstands-Neurosen relativ häufig ein massgeblicher Faktor.
Was du wirklich suchst ist "Wertschätzung" , in welcher(n) Geschmacksrichtung(en) auch immer. Das kann über den ich-bin-besser-als-du-Zirkus oder eben auch über den habt-mal-bitte-alle-Mitleid-und-streichelt-mich-Appell erfolgen. Aber Hüben und drüben hast du bislang damit keinen nachhaltigen Erfolg erzielt, oder?
Dir wurden hier ca. 347 sehr unterschiedliche Vorschläge gegeben wie du verfahren könntest. Die Sinnigsten davon haben alle eine Gemeinsamkeit: weit, weit weg von der Ego-Zentriertheit.
Sobald du mehr in Begrifflichkeiten wie "Du" und "Wir", statt "Ich" denkst und handelst wirst du automatisch zufreidener und ausgeglichener sein. Damit kannst du irgendwann auch Kindheits-"Traumata" ala: sei immer besser als die anderen! mit angenenehmeren Credos überschreiben. Das istv kein wasser-Eis wegschlecken, der Stunt kann echt langfristig sein.
Versuch irgendwie die Einstellung: "Ich helfe anderen gern. Falls ich dabei etwas zurückbekomme ist das ein Bonus, den ich gerne dankend annehme, aber mein primäres Ziel ist es anderen selbstlos zu helfen!" in deine Rübe zu kloppen. Wenn du erstmal ein paar mal in Vorleistung getreten bist, wird sich das Relais dahingehend schon von selbst umswitchen, denn unweigerlich wirst du soviel "Bonus" zurück bekommen, das du nicht mehr darauf verzichten möchtest. Tricks dich selber aus!
Und ganz prktisch: Ihr habt Haus und Garten? Warum habt ihr keinen Hund? Kein Therapeut der Welt kann es mit einem Fell-Träger aufnehmen, dessen Schwanz bei der Begrüßung stärker rotiert als ne Geigerzähler-Nadel in Tschernobyl.
Ich wünsch dir alles Beste und bin sehr zuversichtlich, das du dich bald aus deiner Sinnkrise berfreit haben wirst.
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29.04.2014, 09:01
AW: Ständiger Wunsch nach MEHR
isolda,
meldest du dich mal wieder? ich bin gepannt, was du aus den beiträgen mitnimmst.
luci
LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH


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