Liebe Radisi,
auch ich finde deine "Eigenheiten" oder wie man es nennen möchte jetzt nicht sooo ungewöhnlich.
Allerdings kenne ich auch das Gefühl, wenn man meint, sich rechtfertigen zu müssen. Das nervt total und ich ärgere mich dann schon auch mal - nicht über die, die Fragen stellen, sondern über mich, dass ich meine, ich müsste mich für Dinge rechtfertigen, die anderen Leuten am Allerwertesten vorbeigehen könnten.
Ich trinke z. B. keinen Alkohol. Das hat viele Gründe, unter anderem schmeckt es mir einfach nicht. Jemand schrieb, er wäre noch nie gefragt worden, warum er nichts trinkt. Mir geht es da leider ganz anders. Ich werde eigentlich fast immer gefragt, warum ich nichts trinke (natürlich nicht von Freunden oder Bekannten, aber manchmal hab ich das Gefühl, es ist immer jemand dabei, der noch nicht weiß, dass ich nichts trinke und immer fällt jemand deshalb aus allen Wolken).
"Trinkst du keinen Alkohol?" - "Nein." - "Wirklich? Nie?" - "Nie." - "Auch nicht an Silvester?" - "Auch nicht an Silvester." usw. Danach dann meistens die Frage, nach dem Warum. Nervig.
(Und so was passiert z.B. auf Geburtstagen oder Hochzeiten, nicht mal nachts in Bars...)
Ein weiterer Punkt ist, dass ich keine Kinder möchte. Ich hatte noch nie den Wunsch danach. Punkt. Ist einfach so. Nun bin ich aber gerade in einem Alter, in dem jeder der möchte und bei dem es klappt, Kinder bekommt. Ich habe einmal fast Krach mit einer Bekannten bekommen, weil sie mich einen Abend lang immer wieder auf das Thema angesprochen hat, dass das ja so schade wäre und dass ich bestimmt eine tolle Mutter wäre und ob ich es mir nicht noch einmal überlegen will. Auch hier: Nervig.
Halbfremde oder fast unbekannte Menschen sagen zu mir: "Ach, das überlegst du dir bestimmt noch." Häh??? Wieso denn? Nur weil andere Kinder wollen, muss ich doch nicht auch?
Mittlerweile merke ich aber, je älter ich werde, desto weniger fange ich an, mich zu rechtfertigen. Möglicherweise signalisiert auch meine Körpersprache mehr, dass mit meiner Aussage, keinen Alkohol zu trinken oder keine Kinder zu wollen, auch schon das Ende dieses Themas erreicht ist. Die Nachfrage nach dem Warum kann man auch gern mit dem guten alten "Weil" beantworten.Spätestens dann merken die meisten, dass zu dem Thema alles gesagt ist.
Wobei ich auch gerne die Frage nach dem Warum beantworte, wenn ich das Gefühl habe, das Gegenüber ist tatsächlich an den Gründen interessiert und nicht nur schockiert, weil ich nicht seiner Norm entspreche.
Also liebe Radisi, in deinem Alter war ich auch noch nicht so weit wie jetzt. Bei mir hat sich da mit der Zeit einfach ein wenig mehr Gelassenheit eingestellt, ohne dass ich bewusst etwas dafür gemacht habe.
Ich wünsche dir alles Gute.
Rino
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18.03.2014, 19:19Inaktiver User
AW: Die Freiheit, nicht immer funktionieren zu müssen
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18.03.2014, 19:30Inaktiver User
AW: Die Freiheit, nicht immer funktionieren zu müssen
Ich schrieb, dass ich auch nicht sage: "ich trinke keinen Alkohol", einfach weil es so strikt nicht stimmt. Aber ich trinke außer Haus so gut wie nie Alkohol und das thematisiere ich auch nicht. Ich bestelle mir einfach etwas anderes, ich sage nicht: "ich trinke keinen Alkohol, für mich bitte ein Wasser", ich bestelle einfach was ich möchte. Bisher hatte keiner das Bedürfnis, das zu diskutieren oder nachzufragen.
Genauso ist es mit anderen Dingen. Wenn ich selbst etwas erwähne, egal ob Alkohol, Kinder, etc, dann brauche ich mich nicht wundern, wenn jemand das aufgreift. Wenn man einfach sein Ding macht, gibt es auch wenig Grund für Kommentare.
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18.03.2014, 19:40Inaktiver User
AW: Die Freiheit, nicht immer funktionieren zu müssen
Da stimme ich dir zu, wenn ich explizit gefragt werde und darauf antworte oder es von mir aus erwähne, wundere ich mich auch nicht über ein Nachfragen des Gegenübers. Allerdings finde ich mehrfaches Nachbohren trotzdem nervig.
Es passiert allerdings oft genug, dass ich es gar nicht explizit erwähne. Angenommen, es gibt einen Sektempfang, ich lehne ab und frage nach Wasser/O-Saft oder lehne einfach nur ab. Oft komt daraufhin die Frage:"Wieso trinkst du nicht einen Sekt mit?"/"Trinkst du nichts?" usw.
Mmh, vielleicht liegts ja an mir?
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18.03.2014, 19:43Inaktiver User
AW: Die Freiheit, nicht immer funktionieren zu müssen
Ich habe noch keinen Sektempfang erlebt, bei dem nicht auch Sekt-Orange, purer Orangensaft oder Wasser angeboten wird. Man greift sich einfach nur das entsprechende Glas. Ich trinke mit und stoße mit an - warum sollte mich jemand fragen? Wenn man gar nichts trinkt und nicht anstößt, könnte ich das verstehen, aber so?
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18.03.2014, 19:48Inaktiver User
AW: Die Freiheit, nicht immer funktionieren zu müssen
Arbeitswelt und Uni sind zwei völlig verschiedene Stiefel. Im Beruf ist abhängig von Job und Branche ein gewisses Auftreten gefordert. Die wenigsten Menschen verhalten sich im Beruf genauso wie in der Freizeit und das hat auch seine Berechtigung, man bekommt also auf der Arbeit uU keinen Einblick, wie ein Mensch wirklich tickt.
Du bist gerade dabei erste Schritte im Erwachsenenleben zu machen und Lebenserfahrung zu sammeln.
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18.03.2014, 19:50Inaktiver User
AW: Die Freiheit, nicht immer funktionieren zu müssen
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19.03.2014, 00:34
AW: Die Freiheit, nicht immer funktionieren zu müssen
Die Kinderfrage hat man mit mir auch diskutieren wollen (ich habe keine und wollte nie welche). Hab immer gesagt "ich will keine, und Punkt". Jedes "Ja, aber" hab ich nur mit einem kurzen "Nein" unterbrochen. Das hat sich dann immer relativ schnell erledigt. Mir gehen Kinder einfach auf die Nerven.
Wieso ist das so ungewöhnlich, wenn der Partner deutlich älter ist? Ist doch bei vielen Paaren so? Meine Partner wurden im Laufe der Jahre immer jünger... mein Mann ist 7 Jahre jünger
Wenn wer dumm fragt, sag ich immer "Männer sterben früher und je jünger der Partner umso länger hab ich was von ihm..."
Normale Menschen machen mir Angst!!! 
**Ich bin nicht dick - das ist erotische Nutzfläche!**
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19.03.2014, 01:36
AW: Die Freiheit, nicht immer funktionieren zu müssen
Obwohl das Umfeld jetzt neu für mich ist, bin ich mit der Arbeitswelt an sich nun doch schon seit einigen Jahren vertraut, weil ich schon lange neben der Uni jobbe. Ich habe also sehr wohl ein "professionelles Gesicht" und verhalte mich natürlich nicht so, wie privat, so dass Kunden, Kollegen und Vorgesetzte mit meiner ungefilterten bunten Persönlichkeit konfrontiert werden
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Ich habe wohl besonders bei einer meiner aktuellen Kolleginnen das Pech, bei ihr an eine Person geraten zu sein, die NUR nach strikten Regeln und Vorgaben handeln kann und möchte, für die NUR der konventionelle Weg der gangbare ist... ein wenig verbohrt und spießig für ein Mädel in meinem Alter, finde ich - und da prallen eben Welten aufeinander mit dem Resultat, dass sie oft echt ruppig und ungeduldig mit mir umgeht, wenn ich nicht so geradlinig handle, wie sie es tun würde (obwohl ich trotzdem meine Aufgaben dort meist gut bewältige!).
Naja, auch im Bereich "mühsame Mitmenschen" fehlt mir wohl noch die Erfahung und die Routine, um sowas echt nicht an mich ranzulassen. Kann ja mit der Zeit eigentlich nur besser werden!
Du bist ein lebender Mensch, eine Frau, und kannst irren und zweifeln und gut sein. (Erich Fried)
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19.03.2014, 07:27
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19.03.2014, 08:10
AW: Die Freiheit, nicht immer funktionieren zu müssen
Das ist doch ein Arbeitskonflikt, was hat das mit unkonventioneller Persönlichkeit zu tun, die nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht?
Wenn Deine Kollegin auf der Arbeit nur nach den Regeln und Vorgaben arbeiten möchte, die dann ja wohl die Firma vorgibt, kann das schlicht und ergreifend daran liegen, dass sie ihren Job weiterhin behalten möchte und ihre Arbeit nicht nur "meist" gut bewältigen möchten, sondern immer.
Wenn Du das immer nur als verbohrt und spießig abtust, kann ich den Unwillen der Kollegin verstehen.
Verrate doch mal was diese gesellschaftliche Norm sein soll?



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