Hallo liebe community,
Ich fühle mich seit einiger Zeit sehr einsam und verzweifle jeden Tag ein wenig mehr, was meine Situation angeht, daher würde ich mich freuen, Anregungen oder Erfahrungswerte von Euch zu erhalten…
Zu mir: fast 34 Jahre, gerade mit dem sehr gut abgeschlossenen Studium fertig. Da ich zuvor ein anderes Fach studiert habe, musste ich mich im zweiten vollständig selbst finanzieren. Das bedeute bei meiner Fächerkombi sehr viel Arbeit und nebenher so viel wie möglich nebenher arbeiten (immer mind. 20 h; in allen Semesterferien ganztags). Dh. ich war vollkommen ausgelaugt nach einigen Jahren, das Leben und schöne Dinge immer verschoben, muss nur noch durchhalten bis…und dann kam es wieder anders…also wieder durchhalten--ständiges-verschieben des Lebens.
Daher war es sehr schwer einen stabilen Freundeskreis aufzubauen, eine stabile Partnerschaft zu führen oder auch Hobbys nachzugehen. Dennoch habe ich mich immer, wenn mich jemand brauchte, um denjenigen gekümmert, und die Zeit dann in Nachtschichten aufgeholt. Mir wurde immer wieder gesagt, dass ich mich auch im größten Stress, für andere und ihr Wohlergehen interessiert habe und mich darum gekümmert habe.
Das Ende des Studiums, die Abschlussarbeit, war aus unterschiedlichen Gründen extrem, einzig der Gedanke, das danach ich mich endlich meine Partnerschaft, Freunde und andere schöne Dinge kümmern kann und ENDLICH anfange zu leben, ließ mich durchhalten und war mein einziger Halt.
Nun, ist alles geschafft, aber die Partnerschaft ist auf den letzten Metern der Abschlussarbeit nach 2 Jahren zerbrochen, die sehr wenigen Freunde, die ich habe, die bis zum Zeitpunkt der Abgabe noch zahlreiche Pläne geschmiedet haben, ziehen sich stark zurück.
Ich stehe momentan vollkommen alleine da. Teilweise spreche ich eine ganze Woche mit niemanden. Ich musste für 3 Wochen ins Krankenhaus, was meinen Freunden bekannt war, es kam kein Anruf/Nachricht oder Besuch vorbei.
Ich fühle mich extrem einsam, nach Jahren, in denen ich mir nichts mehr gewünscht habe, als Zeit für meine Lieben, und nun habe ich Zeit…aber niemand ist da. Mein Gefühl: Jeder gehört irgendwo dazu : Familie, Freunde, Partnerschaften, nur ich habe das mit fast 34 Jahren immer noch nicht geschafft.
Ich frage mich natürlich selbstkritisch, was ich falsch gemacht habe, was bei mir nicht stimmt, dass alle 4 Freunde gleichzeitig, ohne in Kontakt zu stehen, sich zurückziehen.
Ich merke momentan, dass ich erstmal lernen müsste, was LEBEN heißt, wie man Zeit genießt, Interessen nachgeht und daraus evt. Hobbys werden…
Dieses Rausgehen in die Welt, würde mir einfacher fallen, wenn ich meine Leute um mich herum hätte. So denke ich, wenn die Leute, die mich jetzt über Jahre kennen, sich zurückziehen, weil ich so, wie ich bin, offensichtlich nicht ok bin, wie kann ich dann auf neue Bekanntschaften oder Menschen ganz allgemein zugehen und selbstbewusst sein und mich wohlfühlen…(unter anderem auch im Zuge der jetzt anstehenden Bewerbungen)
Ich weiß einfach nicht, wo ich ansetzen kann, bin extrem verunsichert und einsam. Ich merke, dass ich das Bedürfnis habe, mich anzulehnen, nach dieser extremen Zeit und durchzuatmen, da jedoch niemand ist, sodass ich falle…Gleichzeitig habe ich das Gefühl für die „Aufbauarbeit“ eines stabilen sozialen Umfeldes keine Kraft zu haben, da ich so verunsichert bin und eigentlich erst einmal selbst aufgefangen werden müsste…
Vielen Dank jenen, die sich bis hierhin durchgekämpft haben! Vielleicht könnt Ihr mir Anregungen geben...![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 22
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04.03.2014, 11:43
sehr einsam nach heftiger Zeit - kein Zugehörigkeitsgefühl- wo kann ich ansetzen?
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04.03.2014, 11:58Inaktiver User
AW: sehr einsam nach heftiger Zeit - kein Zugehörigkeitsgefühl- wo kann ich ansetzen?
wie sieht denn dieses zurückziehen aus?
was passiert denn, wenn du dich meldest und was vorschlägst?
insgesamt denke ich, über den job werden sich dann neue kontakte finden...
es ist eine schwierige phase in deinem alter, da sind viele leute mit leben aufbauen beschäftigt, beruflich und privat. (du bis vor kurzem ja auch.) da fühlt sich eventuell was nach rückzug an, was in wahrheit zeitmangel ist. soll heißen: das hat wahrscheinlich nichts mit dir zu tun und du musst dich gar nicht so infrage stellen.
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04.03.2014, 13:10Inaktiver User
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04.03.2014, 13:23
AW: sehr einsam nach heftiger Zeit - kein Zugehörigkeitsgefühl- wo kann ich ansetzen?
Vielicht ist es möglich, über den Job Kontakte zu bekommen. Da ändert sich doch bestimmt was nach einem aufwendigen zweiten Studium.
Sonst bleiben die Klassiker Sportverein und Kirche. Oder kannst du sonst was gut? Spielst du ein Musikinstrument? Singst du gerne?
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04.03.2014, 13:39
AW: sehr einsam nach heftiger Zeit - kein Zugehörigkeitsgefühl- wo kann ich ansetzen?
Liebe Schokolademitsalz,
WENN Du Dich mal mit Deinen Freunden getroffen oder telefoniert hast, hast Du dann ausschließlich über Dein Studium und Deine Arbeit gesprochen?
Beispiel:
Die Tochter, 33, meiner guten Bekannten aus dem Nebenhaus hat ihre Kindheit, Jugend ausschließlich mit ihren Eltern verbracht. Auch während ihres Studiums zur Gymnasiallehrerin wurde sie zur Uni gefahren und wieder abgeholt. Das heißt, über 'normale', weltliche Themen kann sie nicht reden.
Wenn wir uns mal im Garten zusammen setzen bzw. einmal im Jahr essen gehen, wird nur = ausschließlich über die zu korrigierenden Arbeiten gesprochen. Da kann ich nicht mitreden. Ich langweile mich buchstäblich zu Tode.
FG von Helga
„Nehmen sie die Menschen wie sie sind, denn andere gibt es nicht“
Konrad Adenauer
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04.03.2014, 14:32
AW: sehr einsam nach heftiger Zeit - kein Zugehörigkeitsgefühl- wo kann ich ansetzen?
Hallo Schokolademitsalz,
erst mal herzlichen Glückwunsch zum Studienabschluss!
Deine Situation kann ich ganz gut nachempfinden. Mir ging es vor zwei Jahren ähnlich, fühlte mich einsam und fehl am Platze, Freunde steckten in anderen Lebensphasen, Treffen kamen (gefühlt) nur dann zustande, wenn sie es wollten. Ich war auch total verunsichert.
Im wahrsten Sinne des Wortes gerettet hat mich dann ein neuer Job mit ganz tollen Kollegen. Mit einigen konnte ich mich auch privat anfreunden. Ich würde Dich daher ermutigen, Dich so schnell wie möglich zu bewerben.
Zu Deinem Freundeskreis: Vielleicht haben Dich die Freunde die ganzen Jahre als jemand erlebt, der alles alleine wuppt? Sprich sie doch noch mal konkret an und teile mit, dass Du Dich einsam fühlst und Sie brauchst. Nicht leicht, ich weiß. Wenn Sie dann immer noch nicht für Dich da sind, sind es keine Freunde.
Alles Gute!
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04.03.2014, 14:35
AW: sehr einsam nach heftiger Zeit - kein Zugehörigkeitsgefühl- wo kann ich ansetzen?
Hallo liebe schokolademitsalz,
mir sind 2 Dinge aufgefallen:
Dass sich die Freunde zurückgezogen haben, kann ganz unterschiedliche Gründe haben, die zunächst mit Dir gar nichts zu tun haben brauchen, aber in der Folge beim Kontakt mit Dir noch der berühmte "Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte", mit hinzukam, so dass sie den Kontakt eingestellt haben.
Vielleicht ist es auch so, dass sich der Ein oder Andere auch gar nicht so sehr mit Dir befreundet empfunden hat als Du selbst empfindest und sich, als sich der Kontakt mit Dir - aus welchen Gründen auch immer - als schwierig(er) herausstellte, es aufgegeben hat, vielleicht ohne sich großartig Gedanken darüber zu machen.
Ich würde an Deiner Stelle aufhören, zu spekulieren und zu vermuten (zieht Dich eh' runter), sondern, mir nun meinerseits ganz genau überlegen, wer von den 4 Freunden mir wirklich viel bedeutet. Dann würde ich alle Kraft und Mut zusammennehmen und auf diesen Menschen zugehen, ihn kontaktieren, ihn fragen, wie es ihm geht und deutlich machen, dass Dir an Kontakt mit ihm liegt und dann in einem Gespräch ganz einfach fragen, was Du falsch gemacht haben könntest.
Aber, bevor Du das angehst, sehe ich die eigentliche Baustelle erst mal hier:
Ich denke, dass Du nach diesen intensiven Jahren ohne Urlaub einfach so ziemlich am Ende und völlig ausgepowert bist. Auch dass Du im Krankenhaus warst, verstärkt meine Vermutung nur.Ich merke momentan, dass ich erstmal lernen müsste, was LEBEN heißt, wie man Zeit genießt, Interessen nachgeht und daraus evt. Hobbys werden…(...)
Ich weiß einfach nicht, wo ich ansetzen kann, bin extrem verunsichert und einsam. Ich merke, dass ich das Bedürfnis habe, mich anzulehnen, nach dieser extremen Zeit und durchzuatmen, da jedoch niemand ist, sodass ich falle…Gleichzeitig habe ich das Gefühl für die „Aufbauarbeit“ eines stabilen sozialen Umfeldes keine Kraft zu haben, da ich so verunsichert bin und eigentlich erst einmal selbst aufgefangen werden müsste… (...)
Es ist also höchste Zeit, dass Du das Sich_Kümmern selbst in die Hand nimmst, JETZT, und das ohne Vorwurf an andere, bzw. an die Freunde, und auch noch BEVOR Du anfängst, Bewerbungen zu schreiben.
Ich würde alles dransetzen und mir JETZT entsprechende Hilfe holen, um wieder "LEBEN" zu lernen, wie Du sicher nicht ohne Grund schreibst. Diese Hilfe könnte sein:
* Therapie/Coaching
* Aufenthalt in einer Klinik zwecks Behandlung von Burn-Out (sprich mal mit Deinem Hausarzt)
* Urlaub, Seele baumeln lassen, eventuell in einer Gruppe (Segeltörn? etc.?), damit Du nicht alleine bist und neue Menschen kennenlernen kannst.
* ??
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04.03.2014, 15:58
AW: sehr einsam nach heftiger Zeit - kein Zugehörigkeitsgefühl- wo kann ich ansetzen?
Danke, für Deine Rückmeldung
Mmh, also, zb so, dass ich äußere, dass ich mich mal wieder freuen würde, eine Freundin zu sehen, aber im Gegensatz zu früher, viele Vorschläge mache, bis Treffpunkt und Art des Treffens passt, um dann nicht mehr zu reagieren, wenn ich einen Tag vorher nachfrage ob es dabei bleibt.
Ein Verhalten, was früher absolut nicht typisch war, wo doch die Grundvorraussetzungen insgesamt schwieriger waren, einen für beide passenden Termin zu finden.
Oder eine mütterliche Freundin (Mitte 50) und gleichzeitig Nachbarin, bei der ich bis jetzt das Gefühl hatte, dass wir gegenseitig uns sehr nah stehen und im Leben des anderen involviert sind, die auf Nachrichten nicht reagiert und wenn ich klingle, über Wochen zum falschen Zeitpunkt vorbei komme.
Klar, haben beide vielfältige Baustellen, aber das war ja bsiher immer so, aber sie ließen mich daran teilhaben, und so entstand das Gefühl von Nähe.
Mir fehlt nicht nur das Anteilhaben an meinem Leben, sonders andersherum mindestens genauso.
Grundsätzlich habe ich überlegt, ob die heftigen letzten Wochen der Abschlussarbeit, daran Schuld sind, und sie sich deshalb zurückziehen. Aber inzwischen sind 2,5 Monate verstrichen und ich hatte gehofft, an die alte Art und Weise des Umgangs anknüpfen zu können.
Mir fehlt das, meine Freunde, das Bedürfnis nach Nähe zu mir äußeren, hin und wieder frage ich nach, aber es wird weniger, weil ich mir vorkomme, als ob ich bettle...was bisher nie so war, da sich Treffen immer natürlich ergeben haben. Und diese Tatsache verunsichert mich stark, zumal ich die Pläne, die vor Abgabe der Arbeit gemeinsam geschmiedet wurden für die Zeit danach, auch gern umsetzen würde...
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04.03.2014, 16:11
AW: sehr einsam nach heftiger Zeit - kein Zugehörigkeitsgefühl- wo kann ich ansetzen?
Ja, genau, darum geht es auch. Hobbys finden und ausprobieren. Aber ich bin verunsichert, wo anzusetzen...
Ich allein bin dafür verantwortlich, dass es mir gut geht, die Verantwortung kann/will ich auch gar nicht abgeben...aber, dadurch, dass das ein völlig neues Leben ist, 13 Jahre immer Stress, immer schlechtes Gewissen, wenn ich nicht meinen Pflichten nachgekommen bin...ich muss...jetzt mit knapp 34 Jahren erstmal lernen zu leben und dazu gehört auch, Freizeit aktiv gestalten
Hört sich vielleicht komisch an, weil das für viele selbstverständlich ist.
Aber gerade dieses in die Welt gehen, ist für mich schwer und ich bin sehr verunsichert, da sich innerhalb kürzester Zeit, alles strukturgebene verändert/aufgelöst hat.
Studium über so viele Jahre, ist ja auch Struktur, Freunde, kenne ich alle auch bereits zwischen 2-5 Jahren (nicht extrem lang, aber ich beshcrieb ja das Problem), Partnerschaft...immer zu wenig Zeit
Und nun habe ich zeit und plötzlich ist sämtliche Struktur weg und durch das Verhalten der Freunde, bin ich so extrem verunsichert, dass dieses notwendige Raus-in-die Welt-gehen mich ängstigt, so nach dem Motto, wenn die die mich kennen keine Zeit mit mir verbringen wollen, warum sollten es dann bisher Fremde...
Daher: ganz klar ich muss an meinem Selbstwertgefühl arbeiten, es wäre nur wahrscheinlich leichter, ein wenig Unterstützung im Hintergrund zu haben...Geändert von schokolademitsalz (04.03.2014 um 16:12 Uhr) Grund: vergessen zitat einzufügen
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04.03.2014, 16:23
AW: sehr einsam nach heftiger Zeit - kein Zugehörigkeitsgefühl- wo kann ich ansetzen?
Danke für Deine Anregung.Darüber habe ich mir auch Gedanken gemacht.
aber, so war auch die Rückmeldung wenn ich gefragt habe, dadurch dass 3 der Freunde, nicht studiert haben, wurde mir immer gesagt, dass es erstaunlich ist, dass ich auch, wenn ich zb deren Freunde kennengelernt habe, schnell ein Thema finde, über das sich beide Seiten gut unterhalten können.
Im Gegenteil, ich habe immer erst nach Aufforderung, etwas fachliches gesagt, wenn man auf ein Thema kam, dass mit meinem Studium zu tun hat und das auch nicht ausschweifend und ohne Fachchinesisch.
Und, selbst in der stressigsten Phase, habe ich mir Zeit genommen, für stundenlange Gespräche telefonisch,sodass teilweise mir empfohlen wurde, mich auf mich zu konzentrieren. Mir war halt immer wichtig, dass nicht nur weil es für mich eine sehr bedeutende Zeit war, dass deshalb alle anderen zu kurz kommen.
Dennoch war es natürlich eine schwierige Zeit, weil ich nicht verbergen konnte, wie extrem die Situation ist (bis kurz vor schluss war nicht sicher, ob ich überhaupt eine Arbeit abgeben konnte). Da hatte ich schon das Gefühl, dass die anderen mitlitten, daher dachte ich auch, dass es nach dieser Phase, normal sei, sich erstmal etwas zurückzuziehen...aber jetzt nach 2,5 Monaten...wird der Kontakt schlechter und nicht besser


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