Ich denke, es gibt zu viele Probleme, als dass man sich wirklich für alles und jedes engagieren kann. Auch wenn man das gerne möchte oder ein schlechtes Gewissen hat.
Da sollte man sich lieber auf eine Sache "spezialisieren", die einem besonders am Herzen liegt. Man kann nicht alle Probleme dieser Welt lösen.
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Ergebnis 31 bis 37 von 37
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10.03.2014, 22:35Inaktiver User
AW: Karma Punkte sammeln oder was ist es...?
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10.03.2014, 22:37Inaktiver User
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11.03.2014, 01:03
AW: Karma Punkte sammeln oder was ist es...?
@SciGen, danke für deinen ausführlichen Beitrag und deine Tipps, wie man mit kleinen Dingen schon etwas gutes machen kann

Ich habe jetzt noch etwas anders das ich einbringen möchte und mich sehr beschäftigt und ich finde, dass es gerade zu diesem Thema passt:
Ich schrieb ja, dass ich z.B versuche, Menschen in meinem Umfeld zu helfen, wenn sie Hilfe benötigen. Sei es, dass ich sie irgendwo hinfahre, wo sie sonst nur schwer hinkommen ohne Auto, dass ich beim Umzug Stundenlang helfe, ihnen Geld leihe oder einfach ein offenes Ohr für sie habe.
Jetzt habe ich nach 5 Jahren einen Bekannten besucht, den ich damals in der Psychiatrie kennen lernte. Er ist ein herzensguter Mensch, zu gut für diese Welt, erläutere gleich weshalb.
Er kam nach der Scheidung seiner Ex Frau in die Klinik, war ein Wrak, weil sie in körperlich und seelisch total kaputt gemacht und nur gefordert aber nicht gegeben hat. Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch einen Job in welchem er gut verdient hat und den er auch kurze Zeit unterbrechen konnte, solange er in der Klinik war. Wir führten dort wahnsinnig viele und tiefsinnige Gespräche, er hat viel geweint und mir von seinem seelischen Schmerz und seinen dazukommenden Krankheiten erzählt. Ich habe versucht so gut ich konnte, ihn wieder auf die Beide zu bringen, ihm Selbstvertrauen/Selbstbewusstsein zurück zu geben, was mir laut seiner Aussage auch gelungen ist. "Leider" war ich nicht lange dort und wir verloren uns aus den Augen bzw hatten nachher nur noch einige male Kontakt und uns nur 1x gesehen, da ging es ihm aber recht gut.
Jetzt, nach 5 Jahren war ich am Samstag bei ihm. Er hat eine kleine, aber sehr hübsch eingerichtete Wohnung. Nach ein wenig Smalltalk kamen wir aufs Thema Psychiatrie zurück und wie es ihm danach ergangen ist. Er hatte beim Erzählen Tränen in den Augen, ich beim schreiben jetzt gerade auch..
Als ich gegangen bin, wurde er kurz darauf auch entlassen, die psychischen Probleme kehrten aber ziemlich schnell zurück und er bekam ein FF (fürsorgliche Freiheitsentziehung) und wurde in die geschlossene eingewiesen. Dort war er im ganzen fast 11 Monate und in dieser Zeit lernte er einen Anwalt aus Lichtenstein kennen, dem er sich anvertraute. Da er niemanden hatte (seine Mutter wohnte 6h von der Klinik weg und war damals schon 68 Jahre alt und fuhr nicht mehr Auto) und dachte er könne seinem neuen Freund (dem Anwalt) vertrauen, hat er ihm die Vollmacht über sein Konto gegeben als dieser entlassen wurde, damit er für ihn seine Rechnungen zu Hause bezahlt und ihm jeden Monat Geld vorbei bringt, da er dies selbst nicht erledigen konnte. Er hat ihm auch sein Auto überlassen und ihm seien Wohnungsschlüssel gegeben. Sein Freund kam mit seinem Auto auch die restliche Zeit in der er dort war jeden Monat vorbei und brachte ihm die gewünschte Summe Geld vorbei.
Als er selbst dann auch endlich entlassen wurde, soweit stabil war und ein neues Leben beginnen wollte, fuhr er nach Hause und entdeckte einen total überfüllten Briefkasten. In seiner Wohnung wurde nicht 1x geputzt seit er weg war, geschweige denn die Blumen gegossen. Da er natürlich hunger hatte und einkaufen gehen wollte, ging er zur Bank und wollte Geld abheben, da lief es ihm kalt den Rücken runter, Kontostand: 30'000.- im Minus durch einen Dispositionskredit der aufgenommen wurde. Er bekam diese Zeit in der Klinik immer Lohn, sogar den 13 Monatslohn und hätte Minimum CHF 50'000 auf dem Konto haben müssen, auch durch sein Erspartes vor der Psychiatrie.
Er rief natürlich gleich bei seinem "Freund" an und wollte ihn zur Rede stellen, jedoch war dieser natürlich nicht mehr erreichbar. An seiner Adresse war er nicht mehr angemeldet und somit nicht mehr auffindbar, da er wahrscheinlich nach Lichtenstein zurück ist, nachdem er sein Konto geplündert und überzogen hat. Er war am Boden zerstört, wusste sich nicht zu helfen und ging natürlich sofort zur Polizei. Diese meinte dann, er sollte vorsichtig sein mit seinen Anschuldigungen, das wäre unter Umständen Verleumnung und er sei selbst schuld, wenn er jemand Fremden so zu sagen, eine Vollmacht über sein Konto erteilt. Als er mir das erzählt hat, hätte ich kotzen können!!!! Ja klar war er irgendwo selbst schuld, weil sein Vertrauen diesem Mann gegenüber grenzenlos war und dachte, er wollte ihm helfen und ihm nicht sein Leben zerstören, aber sowas kann man einem Mann, der gerade frisch aus der Psychiatrie kommt und dem gerade alles genommen wurde, doch nicht an den Kopf werden?? Die Polizei meinte dann, dass man nicht viel machen könnte, das Geld wird er sehr wahrscheinlich nicht mehr sehen, da dieser Anwalt besagte 4 Mio. Schulden hat und hier in der Schweiz schon diverse Geschäfte gegründet hat, die alle nach kurzer Zeit Konkurs gingen. Er wahrscheinlich auch nicht mehr hier wohnhaft ist und bei ihm unter diesen Umständen auch nichts zu holen ist.
Für ihn brach eine Welt zusammen. Er ging zum Sozialamt und bat um Geld, da er sich ja auch zu Essen kaufen musste und diese meinten zu ihm, dass er Antrag auf Sozialgeld einige Wochen dauern könnte und er jetzt nichts bekommen kann. Er rief dann die letzten paar Freunde an die er nocht hatte und seine Mutter und bat die um Geld. Er fühlte sich wie der letzte Dreck. Hatte vor dem Klinik Aufenthalt nie Geldsorgen, hat immer gearbeitet und war nie auf andere angewiesen oder von anderen abhänig.
Durch die ganzen Rechnungen die nicht bezahlt wurden, entstanden Betreibungen und er gerit in enorme Schulden (sind jetzt ca. CHF 60'000). Er wurde überall gesperrt und konnte nicht mal mehr ein Handy- oder Interntabo auf seinen Namen laufen lassen. Dadurch wurde ihm auch sein geliebtes Auto weg genommen und verwertet, dass einen Teil der Schulden getilgt werden konnte. Heute hat er einen Beistand, der ihm hilft, sich einen Überblick über seine Schulden zu verschaffen, die er selbst nicht verursacht hat. Ihm wurde eine kleine Wohnung gewährt und jeder einzelne Artikel der etwas mehr kostet, bezahlt ihm seine Mutter, weil das Geld was er im Monat bekommt, gerade mal für sein Zug Ticket und Essen reicht, grosse Sprünge kann er damit also nicht machen.
Gut, warum ich das ganze hier rein schreibe. Ich möchte ihm helfen. Ich möchte einen Spendenaufruf starten und ein Konto für ihn eröffnen, wo jeder eine kleine Spende einzahlen kann und nach ca 1 Jahr, möchte ich ihm das dort eingezahlt Spendengeld überreichen. Es ist mir klar, dass ich in dieser Zeit keine CHF 60'000 sammeln kann, aber vielleicht in paar hundert oder tausend Franken, die ihm eine Freunde bereiten und womit er sich etwas gutes tun kann.
Dieser Mensch ist so liebenwert wie kaum ein anderer. Er strahlt so viel Liebe und positive Energie aus, obwohl ihm so viel Leid wiederfahren ist. Ich möchte es zu meiner Aufgabe machen, diesen Menschen, auch wenn es nur für einen kurzen Moment ist, wieder glücklich zu machen, dass er in diesem Moment seine Sorgen vergisst und einfach nur zufrieden ist.
Ich tue ihm heute schon gutes. Er hat mir erzählt, dass er die Cola Gläser die MC momentan bei einem grossen Menu vergibt, so toll findet. War heute also im MC und hab mir 2 solche Gläser geholt und bringe sie ihm Morgen vorbei. Es ist nur eine kleine Geste, wie den Plüschhasen den ich ihm mitgebracht habe am Samstag, weil ich weiss wie toll er Hasen findet. Es freut mich ungemein, wenn ich ihn lächeln sehe, weil ich diesen Mann bewundere. Dass er immernoch so positiv in den Tag startet und einfach das beste versucht aus seiner momentanen Situation raus zu holen.
Meine Frage an euch ist jetzt, wie ich das anstellen soll? YouTube Video? Status Meldung im FB die ich meine Freunde bitte zu teilen? Wie soll ich am besten anfangen? und glaubt ihr, dass da was zusammen kommen wird?Geändert von Leandra_82 (11.03.2014 um 01:28 Uhr)
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11.03.2014, 07:46Inaktiver User
AW: Karma Punkte sammeln oder was ist es...?
Ich kann dir nur sagen, wie ich reagieren würde: Auf ein Youtube-Video oder einen x-mal geteilten FB-Aufruf würde ich überhaupt nicht reagieren, wenn ich nicht weiß, wer dahintersteckt. Andere sehen das vermutlich ähnlich. Wenn Du Deinem Bekannten helfen willst, solltest du dort ansetzen, wo man ihn und sein Schicksal kennt.
Ich nehme an, der "Beistand" ist das, was in Deutschland der Betreuer ist. Den hätte er wohl schon vor seinem Aufenthalt in der geschlossenen Abteilung des psychiatrischen Krankenhauses gebraucht...
Aber nun ist der Karren im Dreck und soll wieder raus. Biete ihm und dem Betreuer deine Hilfe an. Wer in finanziellen NÖten steckt, freut sich natürlich über Bargeld. Aber wichtig sind auch ganz praktische Tipps, wie man sein Leben kostengünstig bestreiten kann. Bring in Erfahrung, wo es eine "Tafel" gibt oder eine Kleiderkammer eines Wohlfahrtsverbandes. Besorg ihm die Öffnungszeiten der öffentlichen Bücherei. Erkundige dich, ob die Gemeinde Menschen mit kleinem Einkommen Vergünstigungen fürs Schwimmbad oder fürs Museum gewährt. Vermittle ihm Kontakt zu Freizeitkreisen, die keinen Beitrag verlangen und auf ehrenamtlicher Basis ein Freizeitangebot machen - Kirchen bieten so etwas oft an (und nein: man muss dort nicht beten!). Durchforste den Veranstaltungskalender nach kostenlosen Angeboten: Kirchenkonzerte, Tag der offenen Tür im Museum, Vorträge von historischen Vereinen....
Such in deinen Kochbüchern und im Internet nach Rezepten für gute, vollwertige Gerichte aus preiswerten, saisonalen Zutaten. Wer wenig Geld hat greift oft zu Fertiggerichten vom Discounter in der Meinung, die seien preiswert.
Erkundige dich im Bekanntenkreis, wer Haushaltsgeräte, gut erhaltene Kleidung, ein gutes Fahrrad usw. abzugeben hat. Mit ein bisschen Überredungskunst verschenkt vielleicht jemand so etwas.
Und wenn es wirklich auch um Bargeld geht: Kommuniziere das im Bekanntenkreis. Sofern du dort als vertrauenswürdig giltst, geht sicher auch was.
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17.03.2014, 01:57
AW: Karma Punkte sammeln oder was ist es...?
Ich finde jeder muss fuer sich das finden, wo er mithelfen kann, dass es anderen besser geht. Und die, die am lautesten davon berichten tun nicht unbedingt das Meist.
Es kann ja oft schon ein Kompliment an eine unsichere Person sein. Oder jemdandem mit einem Laechel im Verkehr vorlassen. Ich habe schon vielen Menschen Mut gemacht, die nicht an sich geglaubt haben, aber ich habe an sie geglaubt.
Vor Kurzem habe ich ein Interview mit Desmond Tutu im Radio gehoert und auf die Frage, wie man bei all dem Leid in der Welt nicht verrueckt wird fing er an zu singen: "ich bin ein kleines Licht in der Dunkelheit....."
Damit meinte er, er kann nicht alles tun aber erst mal das, was um ihn herum passiert. Und wenn das jeder tut (oder auch nur die Haelfte der Menschheit) dann gebe es weniger Leid auf dieser Welt.
Deswegen spende ich lieber hier an ein Obdachlosen Zentrum, bei dem ich auch schon geholfen habe weil ich weiss, wie das Geld verwendet wird. Also lieber als an eine Initatiative weit weg die ich nicht ueberschauen kann. Aber in erster Linie fuehle ich mich verpflichtet, den Menschen um mich herum mit Respekt zu begegnen. Man weiss nie, was fuer einen Kampf jemand gerade durchmacht. Deswegen immer freundlich sein, sonst ist man am Ende der Tropfen, der das Fass zum Ueberlaufen gebracht hat.
Naja, immer freundlich sein kann ich auch nicht! Aber auch wenn ich so richtig mies drauf bin und vor Wut fast platze versuche ich es nicht an jemand auszulassen, der nichts fuer meine Wut kann und der sich nicht wehren kann.
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17.03.2014, 09:43
AW: Karma Punkte sammeln oder was ist es...?
Leandra,
jeder Mensch hat andere Voraussetzungen, um sich für das Gute einzusetzen. Manche haben überhaupt keine Möglichkeit dazu, zB aufgrund einer schweren Krankheit.
Das wichtigste ist, dass sich jeder nach seinen Möglichkeiten möglichst maximal engagiert für das Gute einsetzt.
Auch der Wissenstand zB hat Einfluß auf die individuellen Möglichkeiten. Was ich - aufgrund meiner Bildung oder Erfahrung - als "Stuss" begreife, kann ich natürlich (aus Gewissensgründen) nicht machen.
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22.03.2014, 08:28
AW: Karma Punkte sammeln oder was ist es...?
Genauso sehe ich es auch. Trotz unserer Klagen und trotz Einschränkungen, die wir hinnehmen müssen, führen wir ein sicheres und luxuriöses Leben, verglichen mit dem der meisten Menschen in anderen Ländern. Da sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, etwas für andere zu tun. Vertrauenswürdige Organisationen kann man finden, wenn man möchte; oder eine Möglichkeit, sich ehrenamtlich für andere zu engagieren.
Natürlich kann man immer mehr tun, das gilt auch für mich. Aber nur, weil man mehr tun könnte, gar nichts zu tun - nee, geht gar nicht.Yes we can!


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