Hallo zusammen
Würde gerne ein paar Meinungen hören zu meinem Anliegen. Ich hoffe, es richtig beschreiben zu können.
Ich bin 24 Jahre alt, studiere teilzeit, arbeite 70% in einem internationalen Unternehmen.
Seit einiger Zeit bemerke ich eine allgemeine Unzufriedenheit, die sich so langsam eingeschlichen hat.
1. Ich bin extrem eitel und merke, dass meine Laune davon abhängt, ob ich mich an jenem Tag schön fühle oder nicht. Habe ich am Morgen genug Zeit mich in aller Ruhe fertig zu machen, sitzen die Haare usw., dann fühle ich mich gut. Bin ich aber am Morgen schon gestresst weil mich irgendwas an meinem Gesicht stört, meine Kleidung mir nicht passt oder ähnliches, ist für mich der Tag oft gelaufen. Ich komme mir sehr doof vor, dass ich mir solche Gedanken mache und nicht unbeschwerter sein kann. Kann gut sein, dass es auch mit meiner Haut zu tun hat. Ich habe gerötete Wangen, die ich ganz abdecken möchte. Das braucht natürlich Zeit. Wenn ich ungeschminkt bin, mag ich mich nicht. Es ist nicht so, dass ich mein Gesicht nicht mag, nein, ich bin ein feiner, weiblicher Typ. Ich hasse einfach diese rote Farbe im Gesicht. Ich denke manchmal, dass andere Menschen viel schlimmere Probleme/Krankheiten haben und schäme mich dafür, das so wichtig zu nehmen.
2. Ich mag morgens kaum aufstehen. Ich merke, dass ich schon unzufrieden erwache. Nur sehr selten gehe ich mit einem guten Gefühl aus dem Bett. Ich denke dann an alles, was mich schon beim Einschlafen beschäftigt hat, was noch auf mich zu kommt usw. Ich mag am Morgen nicht gerne reden und werde zickig, wenn mich dann jemand anspricht. Das tut mir im Nachhinein sehr leid.
3. Meine Arbeit ist langweilig. Ich bin total unterfordert. Mein Studium fordert mich zwar, aber es interessiert mich nicht 100%. Manchmal denke ich, dass ich viel lieber eine ganz andere Richtung einschlagen würde (Richtung Tourismus, Journalismus oder etwas mit Kindern). Ich sage mir oft, dass ich eine neue Stelle suchen sollte, trotzdem finde ich immer wieder Ausreden ("Es ist zu anstrengend, eine neue Arbeit mit dem Studium zu vereinbaren" etc.). Dass ich mein Studium abschliessen möchte, davon bin ich aber überzeugt. Habe jetzt etwa die Hälfte geschafft.
4. Ich habe Mühe damit, wenn die Aufmerksamkeit auf mich fällt. Ich mag es nicht, in einer Sitzung oder in der Schule im Klassenzimmer vom Lehrer angesprochen zu werden. Ich weiss nicht, wieso. Ich kann mich eigentlich sehr gut ausdrücken, bin bedacht und überlege, bevor ich spreche. Ich mag es nicht, wenn mich die Leute anschauen. Früher war ich extrem schüchtern, das hat sich aber gebessert. Es ist nicht so, dass ich nicht gerne unter Leuten bin oder meine Meinung nicht gerne mitteile.
5. Ich kann mich nicht entscheiden. Das fängt beim Shampoo an. Stehe ich vor dem Regal, überlege ich lange und merke, wie ich dabei nervös werde. Diese Eigenschaft zieht sich durch bis hin zu grösseren Entscheidungen wie der Berufswahl. Ich denke, dass ich mir zu viele Gedanken mache.
6. Ich bin unsicher in meiner Partnerschaft und fühle mich unterlegen. Das mag daran liegen, dass wir vor ca. einem Jahr eine Krise hatten. Mein Freund hat sich in eine andere Frau verguckt. Wir haben gemeinsam für unsere Beziehung gekämpft und haben uns wiedergefunden und neu verliebt. Trotzdem habe ich Mühe mit dem Vertrauen und bin eifersüchtig. Das nervt mich. Ich bin unausgeglichen und meine Reaktionen sind für ihn nicht absehbar. Ich nörgle viel. Wenn ich solche Phasen habe, zieht er sich logischerweise zurück, was mich dann verletzt. Manchmal überlege ich mir, ob diese Beziehung noch Sinn macht. Ich grüble extrem viel.
7. Ich bin in meinem Auftreten unsicher. Ich wirke nicht selbstbewusst. Vieles ist mir peinlich und unangenehm. Wie zum Beispiel Komplimente oder Anspielungen.
Es gäbe noch weitere Beispiele, wie sich diese Unzufriedenheit zeigt. Ich habe das Gefühl, festzustecken. Ich weiss, dass nur ich selber etwas ändern kann, aber ich weiss nicht wie. Kennt jemand dieses Verhalten/diese Gedanken?
Ich freue mich über jede Rückmeldung.![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 16
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03.03.2014, 10:14
Eigene Unzufriedenheit, Alltag, Umgang mit Partner etc.
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03.03.2014, 12:58
AW: Eigene Unzufriedenheit, Alltag, Umgang mit Partner etc.
Liebe lulu4,
Doch, doch, dös passt scho!
Es ist ein extrem vielschichtiges Puzzle, dass man/frau zerpflücken und von den Teilaspekten her angehen kann. Als gemeinsamen Nenner sehe ich, dass Dich irgend etwas an Dir verunsichert und einen Rattenschwanz (liebe Ratten, seht mir den Ausdruck nach, bitte!) an Störungen erzeugt. Diese verstärken dann wiederum die Verunsicherung, etc. ... So meine ich das:
Ganz vom Schluss, vorweg genommen:
Wir Ingenieure zerlegen überwältigende Probleme in überschaubare Teile und lösen diese einzeln, sollten dabei aber das Ganze im Hinterkopf behalten. Ich habe damit auch bei menschlichen Problemen gute Erfahrungen gemacht. Wenn aus dem Problem ein Puzzle wird, kann man es lösen. In diesem etwas umfangreich geratenen Posting versuche ich, Dir Möglichkeiten dazu zu zeigen.
Eigentlich gute Voraussetzungen, um in aller Ruhe nach zu denken und die Weichen neu zu stellen.
Damit bist Du nicht allein, sieh Dich mal um, wie viele dieses Gefühl offensichtlich teilen! Und all die maskenhaften, als perfekt verkauften Gesichter, die uns von den Plakatwänden herunter kalt mustern, zementieren das noch.
Dass Du kein rotes Gesicht haben willst, verstehe ich. Aber wenn es nur die Wangen sind ... ? Bei den Briten gibt es die „English Rose“, ein eigentliches Schönheitsideal. Isa, die ich heiss und innig liebte, solange sie mich liess, soll dem schon sehr nahe kommen. Sie braucht deswegen kaum Schminke.
Vielleicht musst Du es nur ein wenig dämpfen. Lerne bei einer Visagistin, wie man das rasch und effizient besorgt.
Und mache Dir das Paretoprinzip zu eigen; es hat mir auf der Baustelle ungemein geholfen. Wir arbeiteten damals technologisch einwandfrei, aber gezielt unperfekt.
Zitat aus Wikipedia: „Das Paretoprinzip, benannt nach Vilfredo Pareto (1848–1923), auch Pareto-Effekt, 80-zu-20-Regel, besagt, dass 80 % der Ergebnisse in 20 % der Gesamtzeit eines Projekts erreicht werden. Die verbleibenden 20 % der Ergebnisse benötigen 80 % der Gesamtzeit und verursachen die meiste Arbeit.“
Schläfst Du richtig, genügend und vor allem zur Dir angemessenen Zeit?
Früher war das bei mir so: Schlafen um 2200 h war daneben und bewirkte eine wahrhaft höllische Nacht, von 2400 - 0600 h kam ich mit 6 Stunden gut aus, ab 0100 h brauchte ich eine Stunde mehr, und von 0200 h an ging es einfach nicht. Ich fühlte mich dann den ganzen nächsten Tag mies.
Vage, schlecht fassbare, zu komplexe oder drückende Probleme ins Bett nehmen, ist eine extrem schlechte Praxis, die Du Dir ab trainieren (lassen?) solltest. Hier könnte der Schlüssel zu Deinem unbefriedigenden Aufstehen liegen. Gut formulierte Teilprobleme kann man/frau durchaus im Bett lösen. So ist mir schon in der Stunde Halbschlaf vor dem völligen Erwachen plötzlich und unbeabsichtigt eine Lösung eingefallen, oder ich habe in Selbsthypnose (meinen Teil-Ersatz für Schlaf) mit gutem Erfolg eine Konstruktion zu Faden geschlagen.
Morgenmuffel hat es schon in den besten Familien gegeben. Meide in der kritischen Zeit alles, was Dich überfordert und sprich dies mit Deinem Partner ab. Isa und ich - beide extreme Morgenmuffel - fuhren 2 Jahre lang gemeinsam ein Stück weit zur Arbeit. Wir waren jeweils fast am Trennungsort, wenn wir das erste Mal mit einander sprachen. Ab dann war alles OK. Ohne diese Taktik hätten wir es kaum bis zur Ehe geschafft.
Ein Teil zum Überleben - ein anderer Teil für den Kick wäre doch gut. Langfristig könntest Du das anstreben, aber:
Etwas fertig machen finde ich notwendig und Super. Was man hat, das hat man! Vielleicht sind es gar keine Ausreden, sondern die Vernunft, die sich meldet. Ich fände es aber schon gut, wenn Du einem Teil Deiner Beschäftigung einen Reiz ab gewinnen könntest. Für den Moment: Könntest Du an der Arbeit firmenintern etwas ändern, damit Du Dich weniger langweilst? Könntest Du das Studium bei gleicher Studienrichtung etwas aufpeppen? Ich habe das im Ingenieurstudium während einer Flaute (oh Panne!) gemacht, indem ich an weiteren Fachgebieten schnupperte und für später sehr wertvolle Dinge lernte.
Extrovertiertheit kann man in Grenzen üben. Das dauert aber lange und man muss den Mut auf bringen, sich entsprechenden Situationen aus zu setzen.
Wenn Du auf gerufen wirst: Fordere bewusst die Zeit ein, die Du für die Antwort brauchst. Lege Dir Sprüche zu, wie meinen „Ich habe viele Kompetenzen, aber Geschwindigkeit gehört nicht dazu!“ oder „Ist noch nicht ganz spruchreif.“
Passt gut zu Frage 1. Auch das braucht Training, eventuell mit Hilfe eines Verhaltenstherapeuten / einer Verhaltenstherapeutin . NB.: Ich sehe die eher als die Grobschlosser unter den PsychologInnen, aber sie weisen Erfolge vor.
Na siehste!
Es gibt eine ganze Theorie zu den Nachteilen von zu vielen Auswahlmöglichkeiten. Ich finde nur schon das Angebot an Frühstücksflocken so abtörnend, dass ich auch ohne das Wissen um den gewaltigen Zuckergehalt einen weiten Bogen um die betreffenden Gestelle machen würde. Zum Teil ist die Überflutung durchaus beabsichtigt und Deine Verwirrung das Ziel.
Rationalisiere die Auswahl:
- Lege Dich fest und wechsle nur, wenn es objektiv notwendig ist. (2 Shampoos genügen, eines gegen Schuppen und ein sehr Verträgliches ohne Silicon zur Pflege)
- Lerne nach objektiven Kriterien aus zu wählen. Bei industriell gefertigten Lebensmitteln schreckt mich meistens ein Blick auf die Zusammensetzung so ab, dass die Auswahl sehr überschaubar wird.
- Achte mal darauf, wie viele Produkte nur scheinbar verschieden sind, manchmal nur durch die Packung oder den Preis.
- Überlege Dir - weit weg vom Gestell - , welche Eigenschaften DIR wichtig sind. Benütze die Auswahl nur dazu, EIN EINZIGES Produkt zu finden, welches DEINE Kriterien erfüllt. Dazu prüft Du eines und wenn es genügt und bezahlbar ist, reicht das.
- Vermeide also den Optimierungswahn. Du brauchst häufig nur etwas, das passt und nicht das Non-Plus-Ultra.
- Etc. ... Liste beliebig erweiterbar.
Überlegen ist gut, grübeln nicht. Auch hier: Versuche zu objektivieren, z.B. mit pro-vs-contra-Listen. Stelle aber sicher, dass ER die nicht findet, und wenn er sie findet, nicht lesen kann. Auch dazu sind Kriterien und deren Bewertung wichtig. Ich finde z.B. wenn mich eine Frau wirklich liebt, darf sie ruhig etwas suboptimal aussehen oder die eine oder andere Macke haben. In Grenzen natürlich. Berücksichtige, dass Deine sonstige Unzufriedenheit auch auf die Beziehung durch schlägt oder umgekehrt. Eins nach dem Anderen! Easy does it!
NB.: Ich war immer der Hässlichere, was neben Isa allerdings keine Kunst ist. Trotzdem ging es, auch wenn ich nicht wirklich begriff, warum.
Siehe zu Frage 4. Extrovertiertheit ... eventuell mit Coaching.
Eine Gefahr, der sich überlegende Menschen aussetzen. Schubi-dubi-duuu und alles wird gut ist einfacher; aber auch besser? Ich kann das auch nicht und musste deshalb für mich Methoden entwickeln, die es mir erlauben, trotz vieler Überlegungen genüsslich durchs Leben zu kommen. Ist nicht einfach, aber möglich - wenn auch nicht immer. Aber was soll's, das Restrisiko ist ein Luxusproblem.
Zusammen mit Deiner etwas grüblerischen Natur hast Du - wie man/frau sieht die Fähigkeit zur Analyse erhalten. Nutze Sie und erstrahle in vollem Glanz!
Grüsse von Isambard, der Dir dazu die Daumen hält.
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03.03.2014, 15:58
AW: Eigene Unzufriedenheit, Alltag, Umgang mit Partner etc.
Hallo Isambard,
Vielen Dank für deine sehr detaillierte und objektive Rückmeldung, damit habe ich nicht gerechnet. Es ist schön, dass du dir Zeit genommen hast.
Wir Ingenieure zerlegen überwältigende Probleme in überschaubare Teile und lösen diese einzeln, sollten dabei aber das Ganze im Hinterkopf behalten. Ich habe damit auch bei menschlichen Problemen gute Erfahrungen gemacht. Wenn aus dem Problem ein Puzzle wird, kann man es lösen. In diesem etwas umfangreich geratenen Posting versuche ich, Dir Möglichkeiten dazu zu zeigen.
Das ist schon Mal ein guter Ansatz, das Problem anzugehen.
Eigentlich gute Voraussetzungen, um in aller Ruhe nach zu denken und die Weichen neu zu stellen.
Ja, ich bin froh, dass ich diese Möglichkeit habe. Ich schätze es, studieren zu können und bin glücklich, gute Arbeitsbedinungen zu haben.
Damit bist Du nicht allein, sieh Dich mal um, wie viele dieses Gefühl offensichtlich teilen! Und all die maskenhaften, als perfekt verkauften Gesichter, die uns von den Plakatwänden herunter kalt mustern, zementieren das noch.
Das stimmt. Ich lasse mich (leider) viel zu fest davon beeinflussen.
Dass Du kein rotes Gesicht haben willst, verstehe ich. Aber wenn es nur die Wangen sind ... ? Bei den Briten gibt es die „English Rose“, ein eigentliches Schönheitsideal. Isa, die ich heiss und innig liebte, solange sie mich liess, soll dem schon sehr nahe kommen. Sie braucht deswegen kaum Schminke.
Ich weiss, was du meinst. Nur leicht gerötete Wangen sind es leider nicht, ich denke, dass es eher eine leichte Rosacea ist. Denke schon, dass das ein grosses Problem für mich darstellt und ich mich gehemmt fühle. Gehe nicht ohne Make up auf die Strasse.
Vielleicht musst Du es nur ein wenig dämpfen. Lerne bei einer Visagistin, wie man das rasch und effizient besorgt.
Ja, wahrscheinlich will ich es zu perfekt machen, was das Ganze noch verschlimmert.
Und mache Dir das Paretoprinzip zu eigen; es hat mir auf der Baustelle ungemein geholfen. Wir arbeiteten damals technologisch einwandfrei, aber gezielt unperfekt.
Zitat aus Wikipedia: „Das Paretoprinzip, benannt nach Vilfredo Pareto (1848–1923), auch Pareto-Effekt, 80-zu-20-Regel, besagt, dass 80 % der Ergebnisse in 20 % der Gesamtzeit eines Projekts erreicht werden. Die verbleibenden 20 % der Ergebnisse benötigen 80 % der Gesamtzeit und verursachen die meiste Arbeit.“
Das ist ein guter Ansatz, den ich auch beim Lernen für meine Semesterprüfungen anwende
Schläfst Du richtig, genügend und vor allem zur Dir angemessenen Zeit?
Früher war das bei mir so: Schlafen um 2200 h war daneben und bewirkte eine wahrhaft höllische Nacht, von 2400 - 0600 h kam ich mit 6 Stunden gut aus, ab 0100 h brauchte ich eine Stunde mehr, und von 0200 h an ging es einfach nicht. Ich fühlte mich dann den ganzen nächsten Tag mies.
Ich denke, dass ich eher zu viel schlafe und merke, dass ich viel fitter bin, wenn ich erst um 23.30 schlafen gehe. Manchmal weiss ich aber abends nicht, was ich mit der verbleibenden Zeit anfangen soll und lege mich anstatt fern zu schauen lieber gemütlich ins Bett. (Wenn ich mir das so überlege, ist es irgendwie seltsam, oder? Es gibt doch eigentlich immer etwas zu tun...)
Vage, schlecht fassbare, zu komplexe oder drückende Probleme ins Bett nehmen, ist eine extrem schlechte Praxis, die Du Dir ab trainieren (lassen?) solltest. Hier könnte der Schlüssel zu Deinem unbefriedigenden Aufstehen liegen. Gut formulierte Teilprobleme kann man/frau durchaus im Bett lösen. So ist mir schon in der Stunde Halbschlaf vor dem völligen Erwachen plötzlich und unbeabsichtigt eine Lösung eingefallen, oder ich habe in Selbsthypnose (meinen Teil-Ersatz für Schlaf) mit gutem Erfolg eine Konstruktion zu Faden geschlagen.
Ja, da hast du vollkommen recht. Ich grüble sehr oft vor dem Einschlafen und träume dann auch noch (in Form von Alpträumen) von diesen Gedanken. Beispiel: In der Zeit, als mein Freund und ich unsere "Krise" hatten, träumte ich praktisch jede Nacht von der anderen Frau, aber in verschiedenen Arten - gut, das ist wohl normal).
Morgenmuffel hat es schon in den besten Familien gegeben. Meide in der kritischen Zeit alles, was Dich überfordert und sprich dies mit Deinem Partner ab. Isa und ich - beide extreme Morgenmuffel - fuhren 2 Jahre lang gemeinsam ein Stück weit zur Arbeit. Wir waren jeweils fast am Trennungsort, wenn wir das erste Mal mit einander sprachen. Ab dann war alles OK. Ohne diese Taktik hätten wir es kaum bis zur Ehe geschafft.
Ich wohne noch bei meinen Eltern. Das mit der Fahrt morgens kommt mir aber bekannt vor. Wenn mich mein Freund morgens (wenn ich bei ihm übernachte) zur Arbeit bringt, sagen wir uns meistens nur "auf Wiedersehen", sonst schweigen wir beide. Das passt aber wie bei dir gut. Trotzdem denke ich, dass dieses Genervtsein am Morgen eher von meiner Laune abhängt, die leider, an meine Arbeit denkend, am Morgen häufig schlecht ist.
Ein Teil zum Überleben - ein anderer Teil für den Kick wäre doch gut. Langfristig könntest Du das anstreben, aber:
Etwas fertig machen finde ich notwendig und Super. Was man hat, das hat man! Vielleicht sind es gar keine Ausreden, sondern die Vernunft, die sich meldet. Ich fände es aber schon gut, wenn Du einem Teil Deiner Beschäftigung einen Reiz ab gewinnen könntest. Für den Moment: Könntest Du an der Arbeit firmenintern etwas ändern, damit Du Dich weniger langweilst? Könntest Du das Studium bei gleicher Studienrichtung etwas aufpeppen? Ich habe das im Ingenieurstudium während einer Flaute (oh Panne!) gemacht, indem ich an weiteren Fachgebieten schnupperte und für später sehr wertvolle Dinge lernte.
Nein, unsere Firma ist leider nicht sehr flexibel in solchen Dingen. Ansonsten bin ich auch sehr zufrieden mit den Arbeitsbedingungen und es ist nur 10 Minuten von meinem Wohnort entfernt. Nur eben die Arbeit gefällt mir überhaupt nicht, da ich vorwiegend einfach Routinearbeiten erledige. Ja, das habe ich auch schon gemacht. Habe zum Beispiel als Kontextfach Geschichte genommen, was eigentlich überhaupt nicht zu meiner Studienrichtung passt. Hat mir aber unheimlich Spass gemacht.
Extrovertiertheit kann man in Grenzen üben. Das dauert aber lange und man muss den Mut auf bringen, sich entsprechenden Situationen aus zu setzen.
Ich habe mich schon weiterentwickelt in punkto Extrovertiertheit. Es gibt Tage, wo es mir gut gelingt und andere, wo ich mich am liebsten verkriechen möchte.
Wenn Du auf gerufen wirst: Fordere bewusst die Zeit ein, die Du für die Antwort brauchst. Lege Dir Sprüche zu, wie meinen „Ich habe viele Kompetenzen, aber Geschwindigkeit gehört nicht dazu!“ oder „Ist noch nicht ganz spruchreif.“
Auch das ist ein Punkt, wo ich Mühe habe. Ich möchte natürlich möglichst schnell antworten, damit die Aufmerksamkeit von mir weg ist. Da ich dann überhaupt nicht mehr klar denken kann, kommt das dann meistens seltsam rüber. Das mit der Zeit muss ich noch lernen. Die Sprüche sind eine gute Idee, ob es dann gelingt, weiss ich aber nicht.
Passt gut zu Frage 1. Auch das braucht Training, eventuell mit Hilfe eines Verhaltenstherapeuten / einer Verhaltenstherapeutin . NB.: Ich sehe die eher als die Grobschlosser unter den PsychologInnen, aber sie weisen Erfolge vor.
Habe mir nach der Krise mit meinem Freund überlegt, eine Therapie zu machen. Irgendwie habe ich es dann doch überwunden und seitdem nicht wieder daran gedacht. Vielleicht muss zuerst mal selbst versuchen, mich zu formen.
- Überlege Dir - weit weg vom Gestell - , welche Eigenschaften DIR wichtig sind. Benütze die Auswahl nur dazu, EIN EINZIGES Produkt zu finden, welches DEINE Kriterien erfüllt. Dazu prüft Du eines und wenn es genügt und bezahlbar ist, reicht das.
- Vermeide also den Optimierungswahn. Du brauchst häufig nur etwas, das passt und nicht das Non-Plus-Ultra.
Das ist wahrscheinlich genau das Problem. Ich habe häufig das Gefühl, vieles ausprobieren zu müssen, obwohl ich eigentlich
weiss, dass die Unterschiede minimal sind. Aber auch das zeigt ja häufig eine gewisse Unzufriedenheit auf.
Berücksichtige, dass Deine sonstige Unzufriedenheit auch auf die Beziehung durch schlägt oder umgekehrt. Eins nach dem Anderen! Easy does it!
Ja genau, das ist das Problem. Gerade gestern hatte ich wieder eine Diskussion mit meinem Freund. Habe rumgenörgelt, weil mir eine Verhaltensweise von ihm nicht passt. Im Nachhinein habe ich aber gemerkt, dass meine Empfindlichkeit und meine extremen Reaktionen wahrscheinlich der Grund dafür sind, dass er das macht. Es ist leider ein Teufelskreis.
NB.: Ich war immer der Hässlichere, was neben Isa allerdings keine Kunst ist. Trotzdem ging es, auch wenn ich nicht wirklich begriff, warum.
Bei diesem Satz musste ich schmunzeln. Das kann man (sich) doch auch liebevoller sagen. OT: Ich wünsche mir auch nicht den perfekten Mann (Aussehen) an meiner Seite. Hätte ich, bevor ich meinen Freund kennengelernt habe, eine Vorstellung meines Traumtypen gemalt, wäre er um 180 ° anders gewesen als er. Ich habe mich in seine Männlichkeit, seinen Charme, seinen Humor verliebt und das liebe ich heute noch an ihm.
Eine Gefahr, der sich überlegende Menschen aussetzen. Schubi-dubi-duuu und alles wird gut ist einfacher; aber auch besser? Ich kann das auch nicht und musste deshalb für mich Methoden entwickeln, die es mir erlauben, trotz vieler Überlegungen genüsslich durchs Leben zu kommen. Ist nicht einfach, aber möglich - wenn auch nicht immer. Aber was soll's, das Restrisiko ist ein Luxusproblem.
Das ist wahr und kann einem das Leben ganz schön schwer machen. Aber wie du sagst, eigentlich müsste ich dankbar sein dafür, mich "nur" damit beschäftigen zu müssen.
Zusammen mit Deiner etwas grüblerischen Natur hast Du - wie man/frau sieht die Fähigkeit zur Analyse erhalten. Nutze Sie und erstrahle in vollem Glanz!
Das versuche ich auch und helfe gerne meinen Freundinnen beim Analysieren ihrer Probleme.
Grüsse von Isambard, der Dir dazu die Daumen hält.
Dafür danke ich dir sehr.
Lulu
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03.03.2014, 17:21
AW: Eigene Unzufriedenheit, Alltag, Umgang mit Partner etc.
Unzufriedenheit hat meist drei Ursachen (und da ist es egal, in welchem Lebensbereich sich die Unzufriedenheit zeigt):
* der Vergleich mit anderen
* geringes Selbstwertgefühl
* Undankbarkeit (bzw. mangelnde Demut), die wiederum aus einem falschen Fokus im Leben erwächst
Willst du also zufriedener sein, so hilft es sicherlich, den Blick von den anderen wegzunehmen und auf sich selber zu schauen, sprich: Was kann ich gut, was ist mir gut gelungen, wo habe ich meine Stärken und Talente, was ist besonders an mir? Kläre das, schreibe es auf (mach dir dabei richtig Mühe und gestalte es schön. Und dann hänge es dir gut sichtbar irgendwo auf, wo du jeden Tag dran vorbei kommst (Badezimmerspiegel oder so) und lese es dir jeden Tag laut vor.
Und dann tue Dinge, die dein Selbstwertgefühl steigern. Damit du dich realistisch und wohlwollend einzuschätzen weißt und dich selber annehmen kannst.
Und -last but not least- dann den Fokus auf das legen, was das Leben einem schon Wunderbares geschenkt hat: Deine Gesundheit, deine kognitiven Fähigkeiten, deine Partnerschaft, deine Freunde, deine Talente, deine Wohnung etc.....Man wandelt nur das, was man annimmt.
C.G. Jung
Nein ist ein ganzer Satz.
Keine Ahnung von wem
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03.03.2014, 20:19
AW: Eigene Unzufriedenheit, Alltag, Umgang mit Partner etc.
Leider nur ganz kurz.
Mir erscheint es, als wenn du in die Perfektionsfalle getappt bist.
Statt dich daran zu freuen, was du hast ( und das ist viel mehr als viele andere haben ) muss alles "perfekt" sein, bishin zum Shampoo.
An diesem Perfektionsmushinterhergerenne sind die meisten Menschen gescheitert, denn so ist das Leben eben nicht.
Auch wenn man sich noch so anstrengt, es wird immer etwas ( oder jemanden ) geben, das besser ist, als das, was man hat.
Die Gleichung " Das Beste von allem = Glück und Zufriedenheit" funktioniert nicht und ist der Garant dafür, genau das Gegenteil zu erreichen.
Das beste Beispiel dafür ist deine Entscheidungslosigkeit. Denn, wenn man sich entscheidet, kann es ja sein, das man sich falsch entscheidet .Aber was wöre denn, wenn du ein "falsches" Shampoo wählen würdest?
Genau, NICHTS wäre passiert, ausser das du ein falsches Shampoo hättest. Und davon geht auch deine Welt nicht unter
Geändert von Lilith10 (03.03.2014 um 20:28 Uhr)
Wissen beginnt mit der Erkenntnis der Unzuverlässigkeit der Wahrnehmungen, mit der Zerstörung von Täuschungen, mit der "Ent-täuschung"
Erich Fromm
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04.03.2014, 08:19
AW: Eigene Unzufriedenheit, Alltag, Umgang mit Partner etc.
Hallo Beklamo,
Vielen Dank für deine Worte.
Du hast recht, die ersten zwei Punkte sind bei mir das grösste Problem. Wobei ich denke, dass die Undankbarkeit auch mitspielt, wenn auch nur unterbewusst (eigentlich müsste ich ja wirklich glücklich sein, wenn ich denke, was ich für Möglichkeiten habe usw.)
Der Vergleich mit anderen: Ja, das tue ich, und zwar zu oft. Das war schon in meiner frühen Jugend so. Ich erinnere mich, dass ich im Verein (da war ich etwa 14) immer sein wollte wie ein anderes Mädchen, da sie so lustig war und alle damit anstecken konnte. Ich war da schon immer sehr ruhig und unscheinbar. Das zog sich weiter und ich finde immer wieder Vergleichsbeispiele. Nicht zuletzt auch die "andere", in die sich mein Freund vor ca. einem Jahr verguckt hat. Ich kann dann gar nicht mehr objektiv denken, sondern sehe oft nur das Gute an ihr und das Schlechte an mir.
Das geringe Selbstwertgefühl: Ja, auch das spielt eine Rolle. Ich kann mir aber nicht genau vorstellen, woher das kommt. Ich habe eine wunderbare Familie, tolle Freundinnen. Ein Punkt ist sicher das Problem mit meiner Haut, ein anderes das Problem mit meinem Freund letztes Jahr. Es gab eine Zeit, wo ich mich so klein und minderwertig neben ihm gefühlt habe. Ich denke, dass das auch ein Grund ist, wieso die Beziehung mich manchmal unsicher macht. Ich habe das Gefühl, ihm in irgend einer Weise unterlegen zu sein (wahrscheinlich auch wegen dieser "anderen"). Und ich denke, dass ihn das manchmal ganz schön überfordert, wenn ich wieder meine Zweifel hege. An manchen Tagen fühle ich mich stark und dann frage ich mich, ob diese Beziehung überhaupt noch Sinn macht, ob er mich noch ernst neben kann usw.
Das mit der Liste ist eine gute Idee. Ich glaube, ich beginne damit gleich mal.
Liebe Grüsse und
Lulu
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04.03.2014, 08:32
AW: Eigene Unzufriedenheit, Alltag, Umgang mit Partner etc.
Hallo Lilith
Auch du hast sicher recht.
Dieser Perfektionismus macht nicht glücklich, denn es gibt nichts, was perfekt ist. Vielleicht muss ich mir das mal in aller Ruhe zu Gemüte führen.
Es ist aber so, dass ich nicht in allen Dingen Perfektionistin bin. Ich bin Perfektionistin bei meinem Aussehen und will dass meine Beziehung perfekt ist. In den anderen Dingen wie zum Beispiel im Studium (beim Lernen, Projekten, etc.) bin ich meistens relativ minimalistisch. Das stört mich auch.
Ich merke, dass ich mir viel zu viele Gedanken um das eigentlich Unwichtigere mache. Logisch, die Beziehung ist wichtig, aber sollte nicht meine Motivation beeinflussen. Auch die Gedanken um mein Aussehen sollten mich nicht so stark beschäftigen, wie sie es tun. Viel wichtiger wäre, die Arbeit gut zu meistern, genug fürs Studium zu tun, meine Freundschaften und Hobbies intensiver zu pflegen usw.
Auch dir, vielen Dank
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04.03.2014, 08:37Inaktiver User
AW: Eigene Unzufriedenheit, Alltag, Umgang mit Partner etc.
ich finde es relativ offensichtlich, wenn ich deine sonstigen postings lese: du lebst dein leben (noch) nicht.
bei mir kommt es so an: du wohnst noch zuhause, du arbeitest/studierst etwas, das dich langweilt.
du erlebst dich selbst nicht richtig.
du hast eine identitätskrise - du weißt eigentlich gar nicht, wer du bist.
du kannst nichts sehen und nichts spüren in dir drin.
also richtest du in der suche nach dir selbst den blick nach außen. auf deine haut, dein aussehen, evtl auch deinen freund und versuchst dich selbst über das feedback von außen zu konstruieren.
aber eine hülle kann natürlich kaum halt geben...
wenn ich ungefähr richtig liege, wäre mein rat, wende den blick von deinem aussehen und von deinem freund ab.
zieh aus und such dir wenn schon keinen job, dann wenigstens mal ein praktikum in einem bereich, der dich interessiert.
mach einfach mal. wenn dich große schritte überfordern, mach kleine. aber tu was!
du musst nicht über dein leben entscheiden, sondern nur erstmal über ein paar wochen.
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04.03.2014, 09:07
AW: Eigene Unzufriedenheit, Alltag, Umgang mit Partner etc.
Hallo Ambiva,
Harte Worte, aber es trifft durchaus zu. Und rüttelt auf.
Ausziehen kann ich (noch) nicht. Verdiene nur 70% und das würde niemals reichen.
Ich weiss, dass sich etwas ändern muss. Ich möchte nicht abhängig sein von diesen "äusseren Dingen". Wie oft habe ich mir gewünscht, am Morgen mit Freude aufzustehen, weil ich eine Arbeit habe, dir mir Spass macht. Vielleicht etwas mit Kindern, Coiffeuse, oder Kosmetikerin. Aber ich wollte mehr, da ich die Möglichkeit hatte. Nun studiere ich, arbeite, bin unzufrieden mit beidem. Aber eins habe ich mit mir abgemacht: Ich möchte mein Studium abschliessen.
Aber du hast recht, es muss etwas geschehen. Ich muss etwas tun, womit ich mich identifizieren kann. Ich denke, eine fordernde Arbeitsstelle wäre toll. Ich habe immer die Ausrede, dass es zu viel ist mit dem Studium, aber wahrscheinlich ist das auch eine Selbsttäuschung. Denn ich war noch nie an einem Punkt, wo mir etwas zu viel war. Ich mag Herausforderungen, ich brauche den (positiven) Stress, damit ich motiviert bin.
Was meinen Freund anbelangt: Ich merke, dass ich klammere, wenn ich unzufrieden bin. Ich habe Angst, loszulassen. Wir sind mehr als 6 Jahre zusammen. Wenn ich zufrieden bin, fühle ich mich stark und unabhängiger. Ich weiss nicht, ob mir die Beziehung (noch) gut tut. Wir haben sehr schöne Zeiten, aber eben auch viele (unnötige und von mir kommende) Diskussionen.
Auch dir, danke für deine auftrichtigen Worte
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04.03.2014, 09:13Inaktiver User


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