Diese Frage stelle ich mir oft.
Damit ist gemeint: nicht zu oft "zurück schauen", sondern mehr "nach vorn"....
Das hört man ja oft, wenn zB. Promis interviewt werden: "Ich schaue nach vorn, nicht
auf das was mal war..."usw.
Erstaunt mich immer wieder- denn das gelingt mir nicht wirklich.
Der Gegenwart kann man nicht entfliehen, so oder so nicht, man ist tagtäglich mit dem Leben
beschäftigt.Ab und zu gibt es bei mir mal einen Grobentwurf in Richtung Zukunft, eher abstrakt,
so unter dem Motto: wo stehe ich in 10 Jahren?!
Da gäbe es eine Menge zu überlegen,ich bin chronisch krank und werde nicht noch über 18 Jahre
in der Pflege arbeiten können, mein jüngstes Kind ist noch sehr jung ,was wenn ich nicht mehr
so beweglich bin,in Rehas muss etc.Zuweilen möchte ich aussteigen aus dem Job,noch mal was ganz
anderes machen,oder eine Zeitlang zuhause bleiben.Finanziell ginge das-aber: ich würde noch mehr
grübeln,noch mehr in schmerzlichen (und auch schönen) Erinnerungen wühlen.....
Momentan bin ich sehr oft gedanklich in der Vergangenheit.Das mag ua. daran liegen
das mein Mann im April 10 Jahre tot ist (unfassbar!) und der Mann,den ich nach ihm lieben
durfte,bereits Mitte März 5 Jahre.In den ersten Monten des Jahres geht es mir seltsamerweise
nie gut,auch physisch.Ganz egal wie oft ich mir vornehme alles zu tun, dass eben das nicht
wieder vorkommt und mich fast zwanghaft mit Arbeit, "Ablenkung" und Vorhaben zuballere.
Dabei bin ich sehr glücklich in meiner neuen Beziehung, seit bald 3 Jahren und hoffe
den Mann für den Lebensrest gefunden zu haben.
Trotzdem kommen immer so viele Bilder hoch von früher, verbiete ich es mir, passiert es in den
Träumen, gerade heute wieder, als ich aus dem Nachtdienst kam und endlich schlafen konnte....
Auch das Thema "Eltern", mit denen ich seit Mai 2013 keinerlei Kontakt mehr habe( ich brach
ihn aus guten Gründen endlich ab) und Kindheit kommt immer wieder hoch,auch wenn ich
mit niemandem aus meinem Umfeld mehr darüber sprechen mag und abblocke.
Nur mein Bruder weiß was damals war, alle anderen würden das alles nicht nachvollziehen
können.
Neulich grübelte ich über eine bestimmte, extrem belastende Situation aus meiner frühen
Kindheit nach ( war etwa 4 J.) und dachte dann allen Ernstes daran einen Hypnose-
therapeuten aufzusuchen, um die Situation noch mal zu "erleben und abzuarbeiten".
Keine Ahnung ob sowas überhaupt funktionieren kann.
Oder "Klopfen Sie sich frei"- die Methode EFT erlernen... ich kann daran nicht wirklich
glauben,aber es spukt immer mal wieder in mir ,sowas zu versuchen um endlich "Frieden"
zu finden.
Wie schafft man es, das Vergangene wirklich "loszulassen"- jedenfalls das was einen
daraus belastet ?!
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 30
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01.03.2014, 14:52
Wie viel Vergangenheit tut gut !?
Die Träume sind geheime Tunnel, durch die wir zurück-
kehren, so daß wir einen Moment lang wieder sind, wer
wir waren
Aharon Appelfeld
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01.03.2014, 15:20
AW: Wie viel Vergangenheit tut gut !?
ich fürchte das geht nicht.
Je älter man wird, desto mehr belastende Situation aus früheren Tagen stürmen auf einen ein. Ich hatte keine schlimme Kindheit, zumindest aus meiner Einschätzung. Aber Versagenssituationen fallen mir immer in dem Dämmerzustand des Einschlafens und des Aufwachens ein. Und das ist eine Menge, Dinge, die ich längst begraben hatte.
Morgens stehe ich daher sehr schnell auf und lese die Zeitung beim Kaffeetrinken, damit das Trübselige verschwindet.
Vielleicht muss ich akzeptieren, dass mein Leben nicht ganz so positiv war, wie ich es immer hoffe, dass es gewesen sei.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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01.03.2014, 15:27Inaktiver User
AW: Wie viel Vergangenheit tut gut !?
Ich antworte mal pragmatisch: es gibt tatsächlich einige psychologische Möglichkeiten, alte Situationen umzudeuten, wegzuschließen oder Assoziationen, die aktuelle Situationen schwierig machen, von den alte Erlebnissen zu trennen.
EMDR zum Beispiel. Mir hat das sehr geholfen, ein Verhaltenstherapeut war beteiligt.
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01.03.2014, 15:41
AW: Wie viel Vergangenheit tut gut !?
ich glaube, den "Hauptfehler", den wir da in unseren Erwartungen haben ist der, zu glauben, dass Zeit in Verbindung mit Gefühlen, Prägungen, Erinnerungen usw chronologisch verläuft, also gradlinig in Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft. Tut es auf dieser Ebene nicht. I
Ich sehe das ganze daher eher wie ein Gemälde: all diese Prägungen, Erlebnisse usw sind wie die Grundierung unseres aktuellen Bildes. Wir sind durch viele Farbtöpfe gelaufen und haben viele Fußtapper davon mitgenommen. Die Grundstruktur ist zwar längst übermalt, aber das heisst ja nicht, dass sie deshalb nicht ihren Teil in dem Bild mitformen würde. Wenn wir dieses Bild betrachten, dann ahnen wir auch die Farbschichten und die Grundierung darunter und manchmal sticht sie auch deutlich hervor. Wenn sich eine neue Farbschicht, und damit eine neue Landschaft bzw ein neues Detail davon, bildet, dann wirkt diese wiederum auch auf die bisher vorhandene Struktur. Im unserem Sinne geschieht dies mit unserer Bewertung der Vergangenheit.
Dieses Bild von einem Lebens- oder Persönlickeitsbild hilft mir immer wieder, die Prozesse besser zu begreifen und anzunehmen. Wie in meinen Traumbildern vermischen sich die Ebenen ineinander und beeinflussen sich wechselseitig.
Wenn ich mir die Zeit für diese Bilder nehme - auch wenn sie mir "scheinbar" gerade gar nicht in den Kram pasen - dann merke ich, dass sie mich weniger blockieren, als wenn ich versuche, sie wegzudrücken. Im Gegenteil - irgendwann lassen sie mich auch wieder und ich bin kräftiger als vorher.
Klar, manche Bilder können sehr hartnäckig sein, da kanns dann vielleicht tatsächlich angesagt sein, (nochmal) in einen tieferen, therapeutischen Prozess zu gehen.
Gezeitenfrau, ich kann das gut nachvollziehen, dass die Todestage und der Abbruch zu deinen Eltern vieles hochkatapultieren. Es ist so, als müsste sich das System in einem selbst wieder neu feinjustieren, so empfinde ich es, wenn es Veränderungen dieser Ausmaße gibt. Nimm dir die Zeit für dich. Du musst nicht auf alles, was da an Bildern kommt, einsteigen, oft reicht es auch schon, dass sie einfach dasein dürfen.
Viel Kraft.Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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01.03.2014, 20:25
AW: Wie viel Vergangenheit tut gut !?
Liebe Gezeitenfrau, das liest sich nach einer Traumatisierung.
Die Idee mit dem Psychotherapeuten finde ich gut. Nur lässt sich eine Traumatisierung nicht so einfach abarbeiten wie du denkst. Sowas dauert längere Zeit und viele Psychotherapiesitzungen. Nach meiner Erfahrung setzt sich so eine Traumatisierung aus viele Aspekten zusammen und die wollen alle nach einander verarbeitet werden.Neulich grübelte ich über eine bestimmte, extrem belastende Situation aus meiner frühen
Kindheit nach ( war etwa 4 J.) und dachte dann allen Ernstes daran einen Hypnose-
therapeuten aufzusuchen, um die Situation noch mal zu "erleben und abzuarbeiten".
Keine Ahnung ob sowas überhaupt funktionieren kann.
Oder "Klopfen Sie sich frei"- die Methode EFT erlernen... ich kann daran nicht wirklich
glauben,aber es spukt immer mal wieder in mir ,sowas zu versuchen um endlich "Frieden"
zu finden.
[/QUOTE]Wie schafft man es, das Vergangene wirklich "loszulassen"- jedenfalls das was einen
daraus belastet ?!
Durch die Verarbeitung verliert das Trauma an Wichtigkeit. Es drängt sich nicht mehr in den Vordergrund. Es ist nur noch Teil der Vergangenheit, welche nicht mehr so wichtig ist. So meine Erfahrungen.
Grüße
Luftpost
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01.03.2014, 22:30
AW: Wie viel Vergangenheit tut gut !?
Zeit.
Weitergehen.
Mir hat es immer sehr geholfen, die Vergangenheit zu Geschichten, Legenden, Anekdoten, Dramen zu machen. In dem ich etwas zu einer Geschichte mache, gebe ich ihm einen Sinn und einen Kontext in meinem Leben, und entferne es von mir. Schon der Akt, ein Geschehen in Sprache zu fassen, ihm eine Kausalität zuzuordnen (es passierte das, und dann das, weil...) distanziert. Man behält die Vergangenheit, aber man schließt sie ab. Man sieht die Gegenwart aus ihr entstehen, aber nicht von ihr gefangengehalten werden. (Wenn man sie doch gefangengehalten sieht, muß man meistens etwas konkretes tun, und nicht nur denken.)
Eine Therapie läßt dich deine Geschichten erzählen und verhindert dabei daß du dich ihn ihnen verfängst und sie immer wieder erlebst, anstatt sie abzuschließen. (Eine Form der Literaturkritik?
)
Wenn Sachen wieder hochkommen, sind sie auch oft ein Kommentar des Unterbewußtseins zur Gegenwart. Dann lohnt es sich, zu gucken, "was will mir das jetzt sagen", und dann zu entscheiden, ob man das hören muß oder nicht. Es klingt schon danach, daß du gerade in einer Umbruchphase bist, da will dein Unterbewußtsein dir natürlich so viele Infos wie möglich zukommen lassen, deswegen sagt es wie die Großmutter, "Das erinnert mich an den großen Kartoffelkrieg anno 70/71...". Ob der Kartoffelkrieg der Großmutter aber wirklich einen Bezug zum Jetzt hat, daß muß man durchdenken.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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01.03.2014, 22:51Inaktiver User
AW: Wie viel Vergangenheit tut gut !?
Hallo Gezeitenfrau,
vor über 13 Jahren ist mein Kind gestorben. Bestimmt 9 Jahre lang ging es mir jeweils in dem Zeitraum zwischen Geburtstag und Todestag besonders traurig-schlecht-anstrengend.
Erlaube Dir Deine Trauer, auch wenn schon Jahre vergangen sind und Du in einer neuen Partnerschaft lebst.
Das Wegklopfen von Ängsten, Traumata hat bei mir funktioniert. Ich wusste garnicht das es sowas gibt und kam mir auch dabei ziemlich doof vor.
Mein Leidensdruck war aber groß und da hab ich es mitgemacht, angeleitet durch eine Heilpraktikerin.
Ich habe meinen Weg darin gefunden, dass ich erkannt habe, dass alles einen Sinn hat. Aber ich muss nicht erkennen welchen. Das bedeutet, dass ich nicht alle früheren Erlebnisse aufdröseln muss. Ich erkenne an, dass es so war, dass das eben das Leben ist.
Seit dem ich das erkannt habe, ist mir irgendwie "leichter".
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01.03.2014, 22:55Inaktiver User
AW: Wie viel Vergangenheit tut gut !?
Welche schönen Erinnerungen hast du, woran denkst du gern zurück? Vielleicht ist es für dich viel hilfreicher dich darauf zu besinnen als an dem herumzukauen, was dich herunterzieht. Gibt es diese guten Erinnerungen?
Welche sind es?
Ein Kontaktabbruch zu den Eltern ist eine sehr schwierige Belastung für die Psyche. War das wirklich nötig?
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01.03.2014, 23:29
AW: Wie viel Vergangenheit tut gut !?
Noch viel ungesünder kann es bei Traumatisierungen sein, den Täterkontakt zu halten.Ein Kontaktabbruch zu den Eltern ist eine sehr schwierige Belastung für die Psyche. War das wirklich nötig?
Grüße
Luftpost
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02.03.2014, 00:23
AW: Wie viel Vergangenheit tut gut !?
Liebe gezeitenfrau,
Vor allem im Zusammenhang mit Politikern habe ich den dringenden Verdacht, eigentlich hiesse das: „Vergiss den gewaltigen Mist, den ich gestern gebaut habe und lass mich gleich Neuen bauen!“, also dass Vergebung eingefordert wird, bevor die Sache wirklich abgearbeitet und vom Tisch ist. Tolle Methode, aber nicht für mich.
Ich finde es schön, dass ich gelebt und erlebt habe. So schön, dass ich es nicht wirklich als Unglück ansehe, zu sterben, auch wenn ich mich damit nicht sonderlich beeile. Deshalb erinnere ich mich gerne und oft, bemühe mich aber, meine Umgebung nicht ständig mit alten Geschichten zu terrorisieren - wenn auch nicht immer mit Erfolg.
Sigmund Freud fand es ganz schlecht, Dinge zu verdrängen und hat einen schönen Teil seiner Arbeit darauf verwendet, sie wieder hervor zu holen, damit sie verarbeitet werden konnten.
Nicht, indem man/frau es verdrängt. Wenn Du mit den Personen in Deiner Umgebung nicht sprechen kannst, dann gehe zu jemandem, mit dem/der es möglich ist, und suche durchaus auch professionelle Hilfe, wenn Du das vermagst.
Auch wenn etwas vielleicht immer irgendwo präsent sein wird, kann man/frau lernen, damit um zu gehen. Jede und Jeder nach seiner Art:
Vergebung befreit ungemein, auch wenn man nicht vergessen kann.
- Wenn der/die SünderIn den Fehler einsieht, gelingt mir dies ganz leicht.
- Für Leute, die mir schuldhaft geschadet haben und darauf auch noch stolz oder sonst uneinsichtig sind, fällt es mir unendlich schwer. Dafür verwende ich das Werkzeug der Amnestie: Ich begrabe das Kriegsbeil und sehe von Vergeltungsschlägen endgültig ab. Damit kann ich wesentlich entspannter weiterleben, auch wenn es keine echte Vergebung im christlichen Sinne ist.
Die Lehren ziehen
- Das Geschehene zu einer Einstellung und zu vorbereiteten Verhaltensweisen für zukünftige Vorkommnisse verarbeiten und verinnerlichen. Ich mache das absichtlich und systematisch mit allem, was mir bedeutsam erscheint und nenne diese Methode: „Den weiblichen Instinkt füttern“. Die hohe Wahrscheinlichkeit, in einer entsprechenden Situation besser zu reagieren, hilft mir, die Alte etwas zu vergessen, was aber kein Verdrängen ist, da sie ja verarbeitet ist.
- Ich kannte einmal einen Mann, der in der Kindheit oft und heftig geprügelt worden war. Seine Folgerung war: „Nie, gar nie mit meinen Kindern!“ So hat er aus seinen schlimmen Erfahrungen wenigstens etwas Positives gemacht.
Hilfe holen, wenn man/frau selbst nicht weiter kommt!“
Es gibt Gründe, warum sich etwas so hartnäckig fest setzt. Und Methoden, das Ungeheuer aus zu räuchern, etwa, unbewusste Gründe bewusst zu machen und zu verarbeiten. Das war der Trick bei vielen Psychotherapien. Bei Vielem hilft es nur schon, wenn man sieht, dass man nicht allein ist. Eine gute Selbsthilfegruppe kann durch ihr blosses Bestehen schon einen positiven Effekt auf die TeilnehmerInnen haben.
- Damit Du Dich entwickeln kannst, wünsche ich Dir, dass Du Dich nicht mit Dingen zu müllst, die Deine Probleme nur verdrängen. Die Arbeit hilft einem, im Tritt zu bleiben, am Morgen auf zu stehen, etc. Aber die Flucht in übermässige Arbeit kann der Lösung im Wege stehen, denn in der ersten ruhigen Minute kommt alles wieder hoch.
Ich fände professionelle Hilfe gut. Das ist aber nicht so einfach. Lege Dich nicht auf eine Methode fest, wenn Du nicht wirklich gut weisst, wie sie funktioniert.
Lass Dir ans Herz legen, den Therapeuten oder die Therapeutin ganz am Anfang sorgfältig darauf zu prüfen, ob Ihr Euch versteht und vertragt.
Mach, bitte, nicht den häufigen und von Psychoanalytikern gefürchteten Fehler, davon zu laufen, sobald es schmerzhaft wird. Das ist nämlich ein Zeichen dafür, langsam zum Kern eines Problems zu kommen, was sehr aufwühlend sein kann, sogar wenn man es selbst macht.
Ich selbst habe mich mit etwa 24 intensiv mit Psychologie befasst. Hans Jürgen Eysenck hat mir die Freude an der Psychoanalyse ausgetrieben. Trotzdem habe ich eine Selbstanalyse veranstaltet. Dazu habe ich Selbsthypnose gelernt, was sich als äusserst praktisch erwiesen hat: Ich konnte damit in der Vergangenheit und in meinem Innersten herum zu wühlen, mich vor Prüfungen beruhigen und 35 Jahre später einen brauchbaren Ersatz für einen Teil des Schlafes finden. NB.: Bertrand Piccard verwendet Selbsthypnose, um beim Fliegen aus zu ruhen. Man ist dabei so tief entspannt, dass es von Schlaf kaum zu unterscheiden ist, aber wach und sofort handlungsfähig.
Leider haben mich die Kenntnisse gegen allerlei schon damals bekannte psychologische Tricks immun gemacht. So geht nicht mehr alles.
Planen, aber nur da, wo es nützlich ist, und nicht übertrieben weit in die Zukunft
Zu Deiner Frage:
Wenn zu viele Ungewissheiten da sind, kann es sehr quälend sein, zu sinnieren und zu grübeln und doch zu keinem Ergebnis zu kommen, weil man ja prinzipiell nicht dazu kommen kann.
Wenn Du die Fähigkeit hättest, gute Weissagungen zu machen, bräuchtest Du Dir mindestens finanziell noch weniger Sorgen zu machen. Andernfalls leitest Du Deine Gedanken besser in nützlichere Bahnen:
- Was für ein Kurs ist nach heutiger Erkenntnis sinnvoll? In welche Richtung will ich überhaupt? NB.: Nachher ist man immer klüger. Nicht fürchten und später nicht ärgern!
- Kann ich mit meinen Fähigkeiten etwas Sinnvolles tun, was mich weniger belastet? Etwa wie jener Maurer-Meister, der wegen Rückenproblemen Fachlehrer an der Gewerbeschule wurde. Oder jene Pflegeperson, die ihr gewaltiges Spezialwissen als Ausbildnerin für gutes Geld weitergibt und dabei erst noch ihre Gelenke schont.
- Geisteshaltungen erarbeiten, die irgend wo in der Zukunft nützlich sein könnten. Bei wiederholten Phasen der Arbeitslosigkeit habe ich mich so zum Opportunisten entwickelt: Ständig bereit, den Wurm zu packen, wenn er vorbei kriecht.
- Szenarien ausdenken, die man später bei Bedarf blitzschnell aus der Schublade ziehen und sofort richtig reagieren kann. Das lehrte mich ein Oberst im Generalstab, nachdem ich ihn gefragt hatte, woher er seine Gelassenheit in unbehaglichen Situationen nähme.
Zum Schluss noch dies: Du darfst ruhig etwas stolz darauf sein, noch einigermassen zu funktionieren. Viele Andere wären wohl an solchen Schicksalsschlägen zerbrochen.
Grüsse, Isambard, der Dir (noch mehr) Mut und Kraft für die Bewegung wünscht.



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