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  1. Avatar von giftgruen
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    AW: Wenn ich ein Mann wäre...

    @ silberklar:

    Vielen Dank für dein gutes Posting. Ja, du sprichst da die sozialen Komponenten an, die natürlich auch eine Rolle in meinen Überlegungen spielen. Weshalb ich denke, dass ich erfolgreicher wäre...es hängt damit zusammen, dass ich als Mann mehr Selbstbewusstsein hätte. Was wiederum damit zusammenhängt, dass ich dann schon von klein auf mehr akzeptiert gewesen wäre. Manchmal kommt es mir vor, als wäre ich mit angezogener Handbremse unterwegs und versuche dauernd, sie endlich zu lockern, aber ich finde sie einfach nicht, d.h. ich habe noch blinde Flecken dafür, was mich eigentlich nun ausbremst.

    @zio:

    Ich könnte keine hohen Absätze mehr tragen.
    Ich würde mit langen Haaren und gestylten Locken wahrscheinlich doof aussehen.
    Röcke, ach Gottchen, Röcke....
    Strümpfe würden wohl auch nicht gern gesehen sein...
    Und ich würde mich ohne Taillengürtel richtig nackig fühlen.

    Liebe giftgrün - es gibt NICHTS, was Du nicht auch er-leben kannst, wenn Du es möchtest. Ganz egal, ob Du Männlein oder Weiblein bist.

    Du kannst Dich verlieben, Du kannst das Leben genießen, Du kannst lachen, weinen...wo ist der Unterschied?
    Ja, hinsichtlich des Äußeren habe ich wirklich ALLES ausprobiert. Burschikos, sportlich, feminin...bei letzterem machte ich die Erfahrung, dass mir dann mehr Sympathien entgegengebracht wurden, doch auch das hinterließ bald einen schalen Nachgeschmack, weil sich letztendlich auch das bald wieder anfühlte wie eine Verkleidung und erst recht die Falschen anlockte.

    Ich habe viele Gefühle vergraben. Manchmal kommen sie hoch und dann bin ich wirklich unberechenbar und für meine Umwelt eine Zumutung...dann bin ich die sprichwörtliche Zicke, die Mädchen laut meiner Mutter oft sind.

    An meinem Selbstbewusstsein versuche ich seit Jahren zu arbeiten, aber es ist so schwer. Und irgendwie frustrierend, wenn man sieht, wie schnell viele andere damit Fortschritte machen.
    Ich zeige dir die Angst in einer Handvoll Staub.

  2. Avatar von giftgruen
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    AW: Wenn ich ein Mann wäre...

    Zitat Zitat von Opelius Beitrag anzeigen
    ich bin ein Mann:



    das, was Du zur Zeit erlebst, war mein Alltag bis etwa zum 35. Lebensjahr. In zwei Berufen gescheitert, eher durch äußere Umstände denn durch mein Unvermögen. Ich war bis dahin überall der Benjamin, süß, aber nicht recht ernst zu nehmen. Ich habe alles getan, um meinen Mitmenschen zu gefallen. Kolleginnen haben mich betätschelt und ausgelacht.

    Dann beschloss ich grantig zu werden und Nein zusagen. "Was ist denn bloß mit dem los?", meinten sie nur. Aber es half.

    Beruflich erfolgreich wurde ich auch nicht und schon gar nicht reich.
    Aha! Darf ich fragen, ob das "Grantige" tatsächlich diese "Süßheit" auflöst? Denn es ist so, ich werde von vielen als niedlich bezeichnet, ich glaube, das meistgehörte Wort ist "Püppchen". Ich habe, je nach Aufmachung, androgyne, aber eher kindliche Gesichtszüge. Als ich kurze Haare hatte, war wirklich schwer zu entscheiden, ob ich ein Mädchen oder einfach ein niedlicher Junge war.

    Und jetzt eben...ein Püppchen. Oder eine Kleine. Und das, obwohl, ich fast eins achzig bin
    Und wenn ich dann mal energisch werde, finden die das erst recht lustig und "süß". Und ich KANN richtig ausrasten.
    Ich zeige dir die Angst in einer Handvoll Staub.

  3. Avatar von giftgruen
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    AW: Wenn ich ein Mann wäre...

    Zitat Zitat von zio Beitrag anzeigen
    Und Du duckst Dich?

    Wie wäre es mit dem Gedanken: JETZT erst recht...?

    Meine Mutter hatte geweint, als ich geboren wurde, denn sie wollte unbedingt einen Jungen. Wenn schon noch ein Kind, dann wenigstens ein männliches....

    Sie verpassten mir immer einen Bubenhaarschnitt, würde "besser zu mir" (oder zu ihnen?) passen....

    Ich bin eine Frau geworden - allen Wünschen zum Trotz.

    Liebe Grüße
    Zio
    Das ist das Seltsame. Jetzt ist das alles kein Thema mehr. Als ich Jugendliche war, war sie in beständiger Sorge, ich könnte schwanger werden. Was natürlich völlig lächerlich war, denn mit dem anderen Geschlecht hatte ich nichts am Hut. (Und sie auch nicht mit mir, dafür war ich damals zu hässlich. Ich lief in weiten, fürchterlichen Klamotten herum und ließ meine aschblonde Krausmähne wuchern.)

    Als junge Erwachsene dann...da sollte ich auf einmal ihre beste Freundin sein und es kamen auch "Frauenthemen" auf den Tisch. Es hat mich verwirrt, aber auch erfreut, dass sie auf einmal so vertraut mit mir reden wollte.
    Und jetzt...es wird immer komplizierter, auch nach meiner gescheiterten Ehe, nach der sie hunderprozentig für mich da war und wirklich alles getan har. Ich versteh einfach nicht mehr, wie ich mich zu ihr einordnen soll.
    Ich zeige dir die Angst in einer Handvoll Staub.


  4. Registriert seit
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    AW: Wenn ich ein Mann wäre...

    Liebe giftgruen,

    Wenn ich eine Frau wäre

    - würde ich meine Kinder eher zu sehr behüten

    - dürfte ich mehr heulen

    - würde man meine weibliche Intuition wohl weniger Ernst nehmen

    - würde mich die Monatsregel tierisch stören

    - wäre meine Neigung zum Ungehorsam noch weniger beliebt, als so (als Mann)

    - würde ich mit Absicht auch spezifisch männliche Tätigkeiten ausüben

    - wäre ich vielleicht ein Mauerblümchen, ach ja ...

    Ich glaube, ich warte mit der Geschlechtsumwandlung besser noch etwas.


    Auch ich (als Mann) habe mich schon gefragt, was ich hätte anders machen können und ob ich das denn getan haben wollte. Unter Berücksichtigung meiner Neigungen, Wertvorstellungen und meiner körperlichen und geistigen Konstitution sind die Möglichkeiten arg eingeschränkt. Wenn nur das Geschlecht anders wäre würde MICH das nicht wirklich wo anders hin bringen.

    Es gibt aber schon Dinge an denen man schrauben kann, wenn man einen Umbruch erträgt, oder durchaus in Kauf nimmt, dass eineN nicht alle gut finden. Lass mich einige Beispiele erzählen.

    Überlege Dir doch mal, was ein Mann, wie Du ihn gerne sein möchtest, denn alles tut, damit er besser über die Runden kommt. Vielleicht kannst Du das Eine oder Andere übernehmen. Aber, bitte, werde kein Mannweib und keine wild um sich beissende Furie! Es muss etwas massvoller gehen.

    - Ich hatte Gelegenheit in der damaligen Schulklasse von Isaak ein Mädchen (ca. 10 - 12, noch nicht in der Pubertät) zu beobachten, das ganz offensichtlich nach Jungs-Regeln spielte und auch die körperliche Auseinandersetzung nicht scheute. Sie rempelte und machte sich breit und gross. Die Jungs haben das voll akzeptiert und sie weitgehend in Ruhe gelassen. Das möchte ich als Frau auch können!

    - Ich selbst sehe eher freundlich und harmlos aus, was für gewisse Leute einfach zu verführerisch ist. Ich gehe dann, zwar viel dosierter als jenes Mädchen, aber durchaus auch auf Konfrontationskurs. So weiche ich nur aus, wenn der/die Andere auch etwas ausweicht. Bei Respektlosigkeiten werde ich sehr schnell sehr laut, auch wenn es mich gar nicht sonderlich aufregt.

    - Mit dem Stress ist das so eine Sache. Ich meine jetzt echten, wirklich quälenden Stress. Etwa wenn man dauernd mehr leisten sollte, als man eigentlich kann. Nicht, wenn man ausnahmsweise viel Arbeit hat. Ein Stück weit kann man den Umgang damit trainieren, mindestens so weit, dass einem niemand etwas anmerkt und manchmal noch weiter. Es gibt aber Dinge, die gehen auch einem Mann an die Nieren. Mich belastete der wahnsinnige Druck, für die Familie sorgen zu müssen, sehr. Als Isa schliesslich wieder zu arbeiten begann und nach einiger Zeit gut verdiente, half das etwas, aber wohl war mir nie. Eigentlich hätte ich ihr ja ein etwas schöneres Leben bieten wollen. Immerhin: Ich habe mein Möglichstes getan.

    - Der Erfolg hat seinen Preis. Die wenigsten machen das mit links und viele setzen sich dadurch noch mehr Stress aus, als der Durchschnitt. Nimm Carsten Schloter / SwissCom: Ein sehr erfolgreicher und glaub' auch geachteter Manager, der sich selbst tötete. Oder all die Männer, deren Ehe in die Brüche geht, weil sie nur mit vollem Einsatz die Stellung halten können.

    - Das mit dem Geld hat was. Nur: Warum erlernen Frauen so häufig auch ohne Not mies bezahlte Berufe?

    - Respektiert oder eben nicht, wird man/frau nur, wenn man/frau etwas dafür tut. Mit lieb sein allein geht das nicht. Die Leute müssen auch wissen, dass man/frau FREIWILLIG lieb ist. War es nicht Präsident Roosevelt, der sagte „Speak softly and carry a big stick!“ Mir leuchtet das sehr ein. Ich selbst benehme mich manchmal ganz gezielt daneben, jedoch immer ohne jemandem zu schaden oder jemanden an zu greifen. So sehen alle, dass es auch anders ginge. Was getratscht wird, weiss ich nicht, aber ich komme auf diese Weise gut zu recht.

    - Angst kennen wir Männer auch, ich selbst meistens vor irgend welchen Umständen, aber wir dürfen nicht oder nicht oft darüber reden, denn das wird vom Versacher der Angst als Schwäche ausgelegt, es stigmatisiert, oder es beunruhigt unsere Liebsten.


    - Gegen Angst vor körperlichen Auseinandersetzungen kenne ich dies:
    1) Das Handwerk lernen. Wie haut man, damit es Wirkung zeigt?
    2) Mentale Stärke entwickeln.
    3) Aus strahlen, dass man den Fehdehandschuh mit Vergnügen aufnimmt.
    4) Dies ist kein Rat: Sich massvoll und sehr überlegt der Gefahr aussetzen und so trainieren.

    1,2: Die ersten beiden lernst Du bei Wen-Do (ceterum censeo ...). 1: Ich selbst habe Muhammad Ali ex Cassius Clay lange und genau beobachtet und Dinge gefunden, die auch Schwächere durchaus verwenden können.

    2: Mental hilft es in vielen Situationen, in denen nicht gerade Lebensgefahr besteht, wenn man sich die Möglichkeit, verletzt zu werden, ganz bewusst bei Seite schiebt. So denke ich, wenn sich ein Hund daneben benimmt: „ Ich bin nicht Dein Feind! Ich kann nicht verhindern, dass Du mich beisst, aber ich kann verhindern, dass Du das überlebst!“
    Ein freundlicher, eher kleiner Mann, der (als Hobby oder als Zubrot?) auch Türsteher war, hat mir gesagt: „Es spielt keine Rolle, ob ich siege oder verliere, aber ich muss mich stellen.“

    3: Das rempelnde Mädchen hat gezeigt, dass man mit ihr rechnen musste. Beobachte mal, dass man Dir i.d.R. so viel Raum gibt, wie Du Dir nimmst. Ich habe lange beobachtet, wie eng oder weit mich auf dem Rad die Autofahrer überholen: Sie geben mir sehr, sehr häufig noch einmal so viel Raum, wie ich vom Strassenrand weg fahre. Wenn ich mich schmal mache, kriege ich von entgegenkommenden Fussgängern noch weniger Platz. Wenn ich meine Hälfte des Weges fordere, notfalls mit Schulter nach vorne, kriege ich sie meistens.

    4: Ich bin sehr vorsichtig, ging aber bis vor kurzen auf Bergwegen übungshalber dicht an der Kante, bin in Zürich Rad gefahren, als das noch nicht schön war, habe Eiskunstlauf trainiert und gehe auch heute noch (mit bald 62) gelegentlich auf ein Dach. Die so erworbenen Fähigkeiten bieten eine gewisse Sicherheit. Ausnahmen: Ich gehe nicht zu „Partys“ wo gesoffen wird, nicht an Fussballspiele und nicht an Hockeymatches.

    Manchmal braucht das Selbstbewusstsein auch ein kleines Pölsterchen. Ich bekenne dies: In Zürich gab es vor Jahren die offene Drogenszene Letten, eine potentielle Quelle der Gefahr. Ich ging möglichst nicht zu nahe ran, war aber gerüstet. Ich sag jetzt nicht wie. Das Glück war mir hold und ich hatte nie die geringste Konfrontation.


    Ich wünsche Dir, dass Du eine Frau bleibst, Dir jedoch von den Männern das Beste abguckst. Dann kommst Du gut zurecht und wir Männer gehen Deiner nicht verlustig.

    Es gibt viel zu tun, pack's an! Isambard

  5. Moderation Avatar von skirbifax
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    AW: Wenn ich ein Mann wäre...

    Zitat Zitat von giftgruen Beitrag anzeigen
    Was mich daran hindert? Wenn ich mich als Frau so benehme, glotzen mich Männer wie Frauen entgeistert an. Und Männer fühlen sich auf den Schlips getreten. Denn, laut ihrer Aussage passt so ein Benehmen nicht mit meinem Aussehen zusammen.
    Und im Grunde ist das, was die anderen meinen und sagen einfach uninteressant. Aber du lässt dich davon beeinflussen. Warum? Fühlst du dich in deiner Haut nicht wohl? Wenn du dich wohl fühlst, dann solltest du dich von der Meinung anderer frei machen.

    Zitat Zitat von giftgruen Beitrag anzeigen
    Ich kann mich auch nicht erinnern, dass je an meinem Bruder so herumgenölt und herumgekrittelt wurde wie an mir. Mal war ich zu jungenhaft, dann wieder zu zickig und stur oder wahlweise eine blöde Kuh.
    Da kommt man wohl nicht so leicht raus, zugegeben. Meine Mutter war immer enttäuscht, dass ich so wenig "Mädchen" war. Wie oft habe ich gehört, dass sich ein Mädchen doch so nicht benehmen darf ... Allerdings hatte ich einen Vater, der mich so hat sein lassen, wie ich bin. Heute interessiert mich nicht mehr, wie eine "Frau" zu sein hat. Ich bin eine Frau, deshalb bin ich richtig.

    Zitat Zitat von giftgruen Beitrag anzeigen
    Und jetzt eben...ein Püppchen. Oder eine Kleine. Und das, obwohl, ich fast eins achzig bin Und wenn ich dann mal energisch werde, finden die das erst recht lustig und "süß". Und ich KANN richtig ausrasten.
    Ich weiß von meinem Mann, dass er mich hin und wieder süß findet, wenn ich mich so richtig aufrege. Allerdings sagt er das nicht zu mir (in der Situation). Püppchen oder Kleine, wenn sich ein Mann erdreistet, so was zu mir zu sagen (kam durchaus auch vor), nehme ich mir das Recht heraus, diese Pfeife nicht mehr für voll zu nehmen.

    Zitat Zitat von Isambard Beitrag anzeigen
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  6. Avatar von Strunzhuhn
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    AW: Wenn ich ein Mann wäre...

    Zitat Zitat von zio Beitrag anzeigen
    Meine Mutter hatte geweint, als ich geboren wurde, denn sie wollte unbedingt einen Jungen. Wenn schon noch ein Kind, dann wenigstens ein männliches....

    Sie verpassten mir immer einen Bubenhaarschnitt, würde "besser zu mir" (oder zu ihnen?) passen....

    Ich bin eine Frau geworden - allen Wünschen zum Trotz.

    Hehe, kommt mir das bekannt vor. Mein Vater hat sich nicht entblödet, einem Arbeitskollegen in meinem Beisein (ich war 16) zu erzählen, wie enttäuscht er auf der Entbindungsstation war, dass ich nur ein Mädchen geworden bin. Im Rückblick wurde mir damals einiges klar, nämlich weshalb ich als Kind immer kurz geschorene Haare hatte und in Hosen gesteckt wurde, statt wie meine Schwester in Kleider. Mit Puppen zu spielen hat mich nie interessiert, der Fischer-Baukasten meiner Cousins und mit den Nachbarbuben Indianer spielen war viel besser oder ich hab meinem Vater in der Werkstatt "geholfen". Ich muss ungefähr fünf gewesen sein, als mich meine Mutter vom Friseur abgeholt und sich wohl über meine Frisur mit den ausrasierten Ohren beschwert hatte. "Ach, das ist ein Mädchen?", meinte der Friseur. Papa hat wohl vergessen, dieses kleine Detail zu erwähnen, als er mich allein im Friseurladen abgestellt hat. Mit 12 hat es endlich bei mir "Klick!" gemacht, als ich in der Metzgerei fröhlich mit "Na, was wünscht der junge Herr?" begrüßt wurde. Ab diesem Tag gabs nur noch Wimperntusche und ich hab mir die Haare wachsen lassen. Das als kleine Anekdote am Rande.

    Ich habe also weder jemals Prinzessin gespielt, noch rosa Klamotten getragen und als Teenie hab ich keine Popstars angehimmelt. Trotzdem gibt es an mir nichts Burschikoses oder Androgynes. Ich bin einfach 100 Prozent Weib und würde nie mit einem Mann tauschen wollen. Ich habe Frau sein nie als Nachteil empfunden - ganz im Gegenteil! - denn es steht jeder Frau offen, für sich einen Lebensweg zu gestalten, ob sie sich Kindern und Familie widmet oder die Chefetage erobert. Frauen, die beruflich in bisher ausschließliche Männerdomänen vordringen, sind heutzutage eine Selbstverständlichkeit, während ein männlicher Kindergärtner oder ein Mann im Erziehungsurlaub immer noch als Softie belächelt wird. Schade eigentlich.


  7. Registriert seit
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    AW: Wenn ich ein Mann wäre...

    Liebe giftgruen,

    Bitte, verzeih mir, dass ich Dich zuerst falsch verstanden und deshalb etwas an Deinen wirklichen Problemen vorbei geschrieben habe.

    Deine letzten Postings erinnern mich sehr an eine junge Frau, die ich vor vielen Jahren kennen gelernt habe. Sie war bildhübsch, Modelmaterial, nur eben nicht hochgestylt, und dabei von angenehmem Wesen und sehr freundlich. Ihr Partner war von Ihr in jeder Beziehung so begeistert, dass er sich vor Glück kaum retten konnte. Der Hacken an der Sache war, dass sie sich allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz als unschön empfand. Dabei war das hässliche Entlein, zu dem sie ihre Brüder gemacht hatten, längst der Schwan geworden, nur mit dem Stolz haperte es eben.

    Diese Geschichte hat mich gelehrt, wie ungeheuer schwierig es ist, aus einer Schablone heraus zu schlüpfen, in die man in der Prägungsphase gedrückt worden war. Ich bin um Haaresbreite an so etwas vorbei geschrammt. Allerdings waren bei mir nicht die Eltern die Ursache, sondern mein Körper, von dem ich trotz Isa und aus durchaus objektiven Gründen nicht begeistert bin. Mich haben günstige Umstände auf Kurs gebracht und jetzt geht es.

    Was Du so schreibst, schreit förmlich nach professioneller Hilfe. Leider habe ich mit Psychotherapie keinerlei Erfahrung ausserhalb einer Selbstanalyse im Do-It-Yourself-Verfahren. Deshalb kann ich Dir keinen Rat geben, wie diese aussehen könnte.


    Ich schlage Dir - ohne Anspruch auf Richtigkeit - dies vor:

    1. Weiche der Beurteilung durch andere zunächst aus, bezw. versuche, sie an Dir ab perlen zu lassen. DIE können nämlich nicht verstehen, was in Dir vorgeht.

    2. Finde heraus, wer Du wirklich bist, dann werde ganz so und bleibe so. Nicht, wie Dich die Leute sehen, daran kannst Du später arbeiten (3, 4 und 5).

    3. Entwickle Deinen Stil. Einen, Du auch verteidigen kannst.

    4. Wenn Du Dich gefunden hast: Suche eine Möglichkeit, Dich neu zu definieren. Überlege Dir, wie Du Dich geben musst, damit beim Betrachter / bei der Betrachterin das ankommt, was Du willst. Dann fang neu an. Eine völlig neue Umgebung, in der Dich niemand kennt, hilft dabei sehr.

    5. Analysiere, wo Du hin gehören könntest. Arschlöcher gibt es. Meide sie möglichst oder gestehe Ihnen keine Bedeutung zu. Sie lassen sich nur schon durch die Wahl des Ortes sehr ausdünnen.


    Zu 1.: Das hat sich bei mir aus ganz praktischen Gründen immer wieder als sinnvoll erwiesen. Lass mich etwas ausholen: Sigmund Freud hat sich mit etwas beschäftigt, was er „Komplexe“ nannte. Ihm war wichtig, dass während einer Psychoanalyse „der Klient seine Komplexe nicht agiert“. Ich sehe das so: Eine Wunde kann nicht heilen, wenn man darin herum stochert. Die Gelassenheit, die sehr dabei hilft, wenn man sich selbst gezielt verändern will, braucht Ruhe und nicht Auseinandersetzung. NB.: Verhaltenstherapeuten machen etwas Anderes.

    Zu 2.: Du kannst sein, wie Du willst und wirst immer jemanden finden, dem das nicht passt. Zum Teil, weil es an eigene Unsicherheiten dieser Personen rührt. Verwirrung mag auch eine Rolle spielen, was lieben wir doch feste, wohl definierte Kategorien! Die blödsinnigen, völlig unnötigen Konflikte mit Schwulen und Lesben illustrieren solche Mechanismen trefflich.
    Horche also tief in Dich hinein, und versuche etwas zu finden, was Du möglichst ohne grössere Umbauten leben kannst.

    Zu 3.: Das soll sich dann auch in Deiner Erscheinung, Deinem Benehmen, Deinem Stil, kurz: Deiner ganzen Lebensweise äussern. Es soll nicht aufgesetzt sein, sondern zweckmässig und für Dich gut. Du musst selbst glauben, dass es so und nicht anders richtig ist.
    Zur Illustration: Ich selbst trage Hemden, weil ich sie bequemer finde, als T-Shirts, Pullover, weil sie mich warm halten, ohne mich schwitzen zu lassen, helle aber dennoch robuste Hosen (+- Naturfarbe der Baumwolle), weil ich damit ein eher heiteres Gemüt ausdrücke und darin alles machen kann. Du siehst, ich werde nie und nimmer „Anzug- und Schlips-Träger“. Trotzdem trage ich bei passenden Gelegenheiten beides. Ich will in jedem Fall sicher sein, dass es richtig ist.

    Zu 4.: Wegen körperlicher Mängel und einer ungenügenden Sozialisierung war ich lange ein Aussenseiter. Dann wurde ich für das Gymnasium ins Exil geschickt, an eine sehr freiheitliche Schule in einer anderen Stadt, wo mich niemand kannte und wo Leute völlig anderer Art lebten. Ich durchschaute meine alte Situation einigermassen und fällte ganz bewusst einige Entscheidungen darüber, was ich wollte, und was sicher nicht mehr. Die neuen Kameraden haben mich derart freundlich aufgenommen, dass ich von da an bis heute sehr glücklich mit meinen Mitmenschen bin. Seither haben bei mir Thurgauer im speziellen und Ostschweizer überhaupt einen „Ostschweizer-Bonus“. Wenn ich nur schon den Dialekt höre, erwarte ich nichts Schlechtes. Bescheuert und auf eine Art „positiv rassistisch“, aber ich kann nicht anders.

    Zu 5.: Ich habe den Eindruck, weit weg vom Mainstream sei es besser. Eine Lehrerin hat in einem eher einfachen Umfeld über einen sehr besonderen Schüler gesagt, sie hätte Hoffnung, dass er an einem Gymnasium mindestens einen Anderen finde, der so sei, wie er. Alsbald so geschehen.
    Es gibt Umfelder wo gewisse - auch schlechte - Verhaltensweisen gehäuft auftreten. So tritt etwa Sexismus an gewissen Orten eher auf, an anderen wird er schlicht nicht toleriert. Auch geringschätziger oder respektvoller Umgang mit Menschen hat jeder seinen Platz.

    Leider perlen Angriffe nicht einfach ab. Man kann aber erkennen lernen, wann man darauf etwas geben soll und wann eben nicht. Blicke können tatsächlich töten. Man ist aber nicht wehrlos. Als ich begonnen habe, im Freibad den Leuten gerade ins Auge zu schauen und dabei zu denken: „Wage es bloss, mit einer einzigen Wimper zu zucken!“, habe ich mich für meinen Körper nicht mehr geschämt und geglotzt hat niemand mehr. Autogrammkarten wären auch etwas.


    So wie Du klingst, bist Du sehr zur Überlegung fähig. Wenn Du Dich soweit gefunden hast, dass Du keine Quelle der Verunsicherung für Dich und die Anderen mehr bist, wird das schon. Mich hast Du jedenfalls beeindruckt.


    Habe Mut! Isambard

  8. Inaktiver User

    AW: Wenn ich ein Mann wäre...

    Zitat Zitat von giftgruen Beitrag anzeigen
    komme immer wieder zu dem Schluss, dass mein Leben einfacher/besser wäre, wenn ich nur als Junge auf die Welt gekommen wäreLG
    Klar und unbestritten: wir leben in einer Männerwelt. Das männliche Prinzip hat es überall einfacher und leichter.

    Und trotzdem: nie möchte ich tauschen. Immerhin sind Männer nach der Schöpfungsgeschichte nur der Prototyp und wir
    die verbesserte Variante

    Nicht nur, dass wir alles besser können, wir wissen auch noch alles besser !!

    Die Liste hierüber wäre lang. So lang wie einmal quer durchs Universum.

    Ich geb die Hoffnung nicht auf. Eines Tages wird es so sein, dass es nur noch "Menschen" gibt.
    Dann wird es keine vertikale Trennung mehr geben, sondern nur noch eine horizontale - in gute und weniger gute Menschen.

  9. Avatar von giftgruen
    Registriert seit
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    AW: Wenn ich ein Mann wäre...

    Zitat Zitat von Isambard Beitrag anzeigen
    Liebe giftgruen,

    Bitte, verzeih mir, dass ich Dich zuerst falsch verstanden und deshalb etwas an Deinen wirklichen Problemen vorbei geschrieben habe.
    Da gibt es für mich nichts zu verzeihen, lieber Isambard, ich danke dir sehr, dass du dir so viel Zeit genommen und zwei so lange und schöne Postings geschrieben hast

    1. Weiche der Beurteilung durch andere zunächst aus, bezw. versuche, sie an Dir ab perlen zu lassen. DIE können nämlich nicht verstehen, was in Dir vorgeht.

    2. Finde heraus, wer Du wirklich bist, dann werde ganz so und bleibe so. Nicht, wie Dich die Leute sehen, daran kannst Du später arbeiten (3, 4 und 5).
    Daran arbeite ich mich schon seit Jahren ab. Es ist, als könnte ich mich einfach nicht "festlegen", wer ich denn nun bin, und das macht mich von Zeit zu Zeit schlichtweg verrückt. Aber irgendwo muss es ja einen Ruhepol geben, an dem sogar ich mal verschnaufen kann. Ich versuche meine Probleme nun mit einer Therapie anzugehen.

    Zu 5.: Ich habe den Eindruck, weit weg vom Mainstream sei es besser. Eine Lehrerin hat in einem eher einfachen Umfeld über einen sehr besonderen Schüler gesagt, sie hätte Hoffnung, dass er an einem Gymnasium mindestens einen Anderen finde, der so sei, wie er. Alsbald so geschehen.
    Es gibt Umfelder wo gewisse - auch schlechte - Verhaltensweisen gehäuft auftreten. So tritt etwa Sexismus an gewissen Orten eher auf, an anderen wird er schlicht nicht toleriert. Auch geringschätziger oder respektvoller Umgang mit Menschen hat jeder seinen Platz.
    Zu der Überzeugung bin ich mittlerweile auch gelangt. Nur ist es für mich ein wenig härter, mich damit durchzusetzen, da ich an Einsamkeit gewöhnt bin und manche Teile des menschlichen Umgangs - einfach nie selber erlernt habe, das musste ich mir alles mühevoll erst spät aneignen. Aber ein paar kleinere Etappenziele hab ich schon geschafft, wie etwa normalen Umgang, Blickkontakt aushalten usw. Mit der Menschenkenntnis hapert's teilweise noch.

    So wie Du klingst, bist Du sehr zur Überlegung fähig. Wenn Du Dich soweit gefunden hast, dass Du keine Quelle der Verunsicherung für Dich und die Anderen mehr bist, wird das schon. Mich hast Du jedenfalls beeindruckt.


    Habe Mut! Isambard
    Danke sehr. Es hilft mir weiter.


    Ach, und um kein falsches Bild entstehen zu lassen, was diese Sache mit meiner Mutter und Erziehung betrifft: Es ist nicht so, dass sie mir das zu jeder Zeit wieder aufs Brot geschmiert hat; sie hatte es gar nicht so leicht, war alleinerziehend mit zwei Kindern kurz nach meiner Geburt, hat immer Vollzeit gearbeitet und musste quasi jeden Monat mit meinem Erzeuger einen Streit vor Gericht wegen den Unterhaltszahlungen ausfechten. Im Prinzip ist sie also genauso eine lebenstüchtige, tatkräftige Frau, wie hier viele beschrieben haben. Trotzdem habe ich ihre Lage oft als wenig erstrebenswert gefunden, eben weil ich gesehen habe, wie erschöpft und frustriert sie oft war...eben auch darüber, dass sie die Kinder am Hals hatte und er nicht; wir desöfteren am Existenzminimum entlanggeschrammt sind, obwohl sie sich dauernd gegen Widrigkeiten abstrampeln musste.
    Diese Gereiztheit hat sich dann öfters einfach auf mich übertragen...es gab wenig Lebensfreude, es war ein Funktionieren und Hetze und Krampf. Jetzt versteh ich sie und einige ihrer Aussagen und Taten natürlich besser als früher in der Kindheit.

    Ich möchte mich noch mal bei allen Mitschreibern bedanken. Mein Kopf ist gerade ein bisschen zu voll und meine Gedanken zu verdreht, um sie schriftlich weiter zu formulieren.

    LG, giftgruen
    Ich zeige dir die Angst in einer Handvoll Staub.

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