Hallo Barbara,
danke fürs Nähkästchenöffnen!
Paradoxerweise finde ich es auch recht unangenehm, wenn mir fremde Leute ein Gespräch aufdrängen wollen, vor allem in solchen Situationen, wie du eine beschrieben hast. So etwas würde mir nicht im Traum einfallen. Das Problem ist aber, dass ich mich dann nicht abgrenzen kann. Ich meine dann, ich müsste darauf eingehen, weil ich nicht unhöflich sein möchte (da ist es wieder, die Wirkung auf andere).
Dazu fällt mir auch eine Geschichte ein:
Ich war nach der Arbeit eine Rauchen als eine Frau kam, die ich vorher ein paar Mal gesehen hatte. Plötzlich fing sie an über das Wetter zu reden. Ich hab dann auch was dazu gesagt (hat mich schon währenddessen gestört) und auf einmal erzählte sie mir, dass vor kurzem ihre Mutter gestorben sei. Hat mir erzählt wie es dazu kam und ich hab mich immer unwohler gefühlt. Wollte nur noch weg. Einerseits hat sie mir leid getan, andererseits war ich auch irgendwie, ich sag mal verärgert (mir fällt gerade kein besseres Wort ein). Ich finde es sowieso schon schwer, in solchen Situationen die richtigen Worte zu finden, auch bei Bekannten oder Freunden. Ich habe mich völlig hilflos gefühlt. Danach ging mir das Gespräch die ganze Heimfahrt über durch den Kopf und ich habe gerätselt, ob ich mich "richtig" verhalten habe. Das hat mich am meisten geärgert. Könnte mir doch wurscht sein, ich kenn die Frau ja nicht.
Jemandem in solchen Situationen klipp und klar zu sagen, dass ich mich nicht unterhalten will, traue ich mich nicht - warum auch immer!
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Thema: Erst denken, dann reden!
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02.02.2014, 21:55Inaktiver User
AW: Erst denken, dann reden!
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02.02.2014, 22:03Inaktiver User
AW: Erst denken, dann reden!
Das habe ich auch gemacht bzw. mache ich, wenn mal wieder die Gäule mit mir durchgehen!

Ich weiß nicht mehr genau, was ich gesagt habe, aber der Bankmensch hat dann auch gemerkt, dass es nichts persönliches war und sogar gelacht (vorher war er ein bisschen steif). Außerdem hab ich ihm dann eine 2 gegeben!
Das mit dem Einmischen kenne ich auch. Bei mir würde ich das fast ein bisschen "vorlaut" nennen. Manchmal kann ich dann auch richtig den Holzhammer auspacken. Ich bin dann sehr direkt. Hinterher mache ich mir dann auch Gedanken, ob das jetzt nicht ein bisschen zu arg war. Allerdings hat eine Kollegin mal zu mir gesagt, ich wäre dabei immer so charmant, dass man es mir einfach nicht übel nehmen kann (und ich bleibe auch immer über der Gürtellinie).
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03.02.2014, 08:37
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04.02.2014, 13:36
AW: Erst denken, dann reden!
Hm, einfach entspannt hinnehmen. Ich weiß schon, gelingt selten.
Aber es ist doch so, dass die Fremdwahrnehmung so unterschiedlich sein kann, wie es Fremde gibt.
Rinoas Geschichtchen zeigt das ganz deutlich: Sie hat sich im Grunde über das Gerede der Frau geärgert, weil das offenbar einen Schwachpunkt in ihr angerührt hat. (Und wer läßt sich schon gern seine Schwachpunkte zeigen?)
Jemand anders wäre in der Situation völlig souverän, würde sagen: "mein Beileid" und gut ist.
Oder der Banker: wäre der ne Ecke selbstüberzeugter und souveränder gewesen, hätte der sofort über die Frage mit der Note 6 lachen können. So mußte der erstmal überlegen: Will die mir damit sagen, dass ich unter aller Kanone bin?!?!?
Naja, und ich "reg" mich auf, dass es Leute gibt, die versuchen, ihren Hund vegetarisch zu ernähren - die betreffende Erzählerin hat sich offenbar dadurch selbst angepisst gefühlt, obwohl das gar nicht nötig wäre. Die hatte gar keinen Hund - oder zumindest keinen vegetarischen.
Naja, klar hätt ich mir den "Ausbruch" sparen können. Aber diese Runde an Leuten war so fade, ich betrachte es als meinen Beitrag zur Unterhaltung. Außerdem sehr kommunikationsfördernd - nach dem ich gegangen war, gabs Gesprächsstoff...
Als mein gelber Wellensittich aus dem Fenster flog,
hackte eine Schar von Spatzen auf ihn ein,
denn er sang wohl etwas anders und war nicht so grau wie sie,
doch das paßt in Spatzenhirne nicht hinein...
(Gerhard Schöne)
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04.02.2014, 16:23Inaktiver User
AW: Erst denken, dann reden!
"Wem das Herz voll ist, dem läuft der Mund über"
Vielleicht hilfreich und für Dich nachdenkenswert:
Wovon ist Dein "Herz" so voll, dass bei erst-bester Gelegenheit der Mund nicht anders kann, als
sich im Wortschwall oder unpassend zu ergießen und sich zu erleichtern ?
Zum "Gelegenheits-Quatschen" mit Fremden:
Ich gehe gerne (kurz) darauf ein, weil ich denke, dass der mich ansprechende vielleicht einsam ist und jegliche Möglichkeit zum menschlichen Kontakt sucht (und hoffe, dass ich mal nicht in die gleiche Lage komme).
Mir nimmt es nichts, es belastet mich nicht und überfordert mich auch nicht. Der andere erwartet sowieso eher, dass ich ihn reden lasse und ab und zu mal durch "Laut geben" mein Zuhören signalisiere.
Kostet mich nichts, dem anderen macht's vielleicht eine Freude und er hat sogar abends zu Hause noch etwas zum dran denken und zum freuen.
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10.02.2014, 11:24
AW: Erst denken, dann reden!
Erst denken, dann reden!Sorry, musste einfach seinwoher soll ich wissen was ich denke bevor ich höre was ich sage
Wer schreibt, bleibt - wer spricht, nicht!
Robert Gernhardt
"Das Glas ist weder halb voll noch halb leer – es ist einfach doppelt so groß wie nötig."
Autor unbekannt
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14.02.2014, 22:12Inaktiver User
AW: Erst denken, dann reden!
Auch hierüber habe ich länger nachgedacht. Dabei hat sich mir die Frage gestellt: Ist es denn schlimm, wenn das "Herz" so voll ist? Ist mir zumindest lieber, als wenn es "leer" wäre. Warum ich mein Herz auch auf der Zunge trage wenn man so will, steht dann wohl auf einem anderen Blatt.
Mmh, bin immer noch unschlüssig, vielleicht habe ich dich auch falsch verstanden.
In den meisten Fällen geht es mir genauso. Die Geschichte mit der Frau, die mir von ihrer verstorbenen Mutter erzählt hat, hat mich in dem Moment einfach überfordert. Und es ist natürlich auch tagesformabhängig. Manchmal nervts mich dann eben, weil ich vielleicht gerade in Gedanken bin oder einfach meine Ruhe haben möchte.
Ich hatte auch mal ein sehr anregendes Gespräch mit einer älteren Dame im Supermarkt über Silikonbackformen. Wir waren uns beide nicht sicher, was wir davon halten sollen.
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14.02.2014, 22:17Inaktiver User
AW: Erst denken, dann reden!
Ja, da ist was dran... Am meisten hat mich geärgert, dass ich mir hinterher noch Gedanken gemacht habe, ob ich auch der Situation gerecht reagiert habe.

Da bin ich dann wieder bei dem Punkt, dass es mir wohl doch wichtiger ist, was andere Leute von mir denken, als mir recht ist!
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14.02.2014, 22:20Inaktiver User
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14.02.2014, 22:28
AW: Erst denken, dann reden!
Na ja, aus meiner Sicht zumindest ein eher kleines, denn a) scheinst du damit ja nicht wirklich anzuecken und b) wäre es umgekehrt auch nicht so toll.
Ich musste mir das eher angewöhnen auch mit Fremden von Anfang an etwas mehr zu reden und offener zu wirken, dafür kann und konnte ich immer gut "bedeutungsvoll Schweigen"
. Das Mittelding ist ideal, aber i.P. ist es egal, von welcher Seite man sich annähert.
Kreativität kommt von der Freiheit zu scheitern. Und die Freiheit zu scheitern kommt vom Experiment. (Peter Gabriel)



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