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  1. Inaktiver User

    AW: Erst denken, dann reden!

    Zitat Zitat von lostineuphoria Beitrag anzeigen
    Mir geht das auch ständig so. Allerdings merke ich nicht währenddessen, sondern erst im Nachhinein, dass ich nicht so viel sagen hätte sollen. Habe das aber eher so im Umgang mit Fremden Leuten, beim Einkaufen, auf der Straße etc. Neulich z.B. saß ich in der S-Bahn und ein netter Mann hat eine rosane Haarklammer vom Boden aufgehoben und mich gefragt ob da meine ist. Ich verneinte und sagte dann noch "sieht eher nach kleinem Mädchen aus". Das kam mir direkt danach seltsam vor, wieso laber ich den wildfremden Typen voll, der nur höflich sein wollte? Ein "Nein, aber danke" hätte doch gereicht.
    Oh ja, diese Situationen kenne ich auch im Umgang mit Fremden. Das fand ich dann hinterher auch immer ein wenig seltsam. Obwohl es einem ja egal sein könnte. Ist es aber nicht.

    Mir passiert es umgekehrt auch öfter, dass mich jemand "volllabert", den ich vielleicht vorher an der Supermarktkasse nur angelächelt habe. Komischerweise finde ich es da gar nicht seltsam sondern eher nett (und manchmal vielleicht auch ein bisschen nervig).

    Vielleicht sind wir da auch zu kritisch uns selbst gegenüber?

  2. Inaktiver User

    AW: Erst denken, dann reden!

    Zitat Zitat von farrah79 Beitrag anzeigen
    Ich glaub auch nicht, dass das die Anderen stört... Im Gegenteil, die Leute mögen das schon, wenn man viel von sich preisgibt, im schlimmsten Fall befriedigt es deren Voyeurismus. Es besteht ja auch die Möglichkeit, dass es gar nicht so wild ist, was du von dir erzählst und du das nur meinst. Also, mir geht es ja wie dir und verstehe schon, dass das manchmal unangenehm ist, vielleicht sind wir aber auch zu streng mit uns. Die Menschen vergessen schnell oder nehmen Dinge einfach nicht so wichtig, die sie nicht selbst betreffen. In erster Linie will es ja jeder erst mal vermeiden, sich selbst zu blamieren.
    Wenn ich so darüber nachdenke, finde ich auch gar nicht so schlimm, dass ich vielleicht zu viel von mir preisgegeben habe. Sondern eher, wie es auf das Gegenüber wirkt.

    Ich war letztes Jahr länger krank (zehn Wochen) und während dieser Zeit habe ich einen neuen Chef bekommen. Als ich wieder arbeiten war, habe ich mich ihm sozusagen offiziell vorgestellt (ich hatte ihn vorher schon auf der Verabschiedung seines Vorgängers gesehen). Er hat gleich gesagt: Schön, dass Sie wieder da sind, was ich sehr angenehm und positiv fand, weil wir uns ja noch gar nicht kannten. Dann fragte er mich, wie es mir geht und ich habe eben ein bisschen erzählt. Eben über meine Krankheit und zwar recht offen.
    Hinterher war da wieder dieses unangenehme Gefühl, zu viel gesagt zu haben. Nicht wegen mir, ich habe nichts erzählt, was ich nicht vor mir verantworten konnte. Sondern wegen ihm. Ich weiß noch, dass ich dachte: Oh Gott, der denkt jetzt sicher auch, was für eine Laberbacke...

    Letztendlich war es aber so, dass er es sehr positiv empfand und irgendwie hat das auch das Eis ein bisschen gebrochen.

    Vielleicht bin ich da wirklich ein bisschen zu streng zu mir. Vielleicht fehlt mir da ein bisschen die Selbstakzeptanz für eine Eigenschaft, die ich nun mal habe.

  3. Inaktiver User

    AW: Erst denken, dann reden!

    Ich könnte mir vorstellen, daß das Gefühl von "hinterher" mit dem "reden müssen" vorher in Zusammenhang steht.

    Und wenn man es dann von hinten aufrollt, kommt heraus, daß man nicht unangenehm auffallen will, angenommen sein will, gut ankommen, dazugehören will.
    Es hat also mit dem Wunsch nach Angenommen werden zu tun- das Gute Alte "ich will geliebt werden".
    Deshalb bleibt auch ein Fragezeichen danach in der Luft zurück ( oder sogar ein ungutes GEfühl), weil eben eine Erwartungshaltung mti dem Reden geknüpft ist.

    Grundsätzlich möchte das ja jeder- und es hängt viel mit dem Charakter zusammen.....der STillere ist einfach zurückhaltender als ein Extrovertierter-- das ist wertfrei dann erst einmal eine Persönlichkeitsvariante, die gar nicht zu werten ist.

    Also was tun??
    1. sich einfach mal klar machen, daß man mit dem Reden Anerkennung sucht- dann kann man sich schon vorher überlegen, ob man den Zuspruch von "genau diesen Leuten" tatsächlich braucht.
    Denn wie schon erwähnt, wird man ja auch angreifbarer mit zuviel Erzählen...und auf das ungute Gefühl sollte man ruhig in sich hören. Nicht jeder nimmt diese Offenheit zum Positiven auf.

    2. bevor man losredet- einmal ATMEN.
    Übe das zuerst einmal zuhause.
    Bevor Du einen Satz sagst und "loslegst"- einmal Einatmen und Ausatmen.
    Das ist ganz schön schwer, denn man ist ja gewohnt wie ein Gewehr gleich loszulegen-- aber man bringt etwas Abstand hinein.
    Vor allen in seine Gefühle, denn um die geht es ja........diese nehmen einen dann ja so mit.
    Wenn man das verinnerlicht- dann wird man handlungsfähiger und hat immer noch die Chance etwas reduzierter zu reden......oder es eventuell auch mal ganz zu lassen.
    Letztlich bekommt man durch das Atmen die Möglichkeit von den Gefühlen ein Stück zurückzutreten, die einen in dem Moment "haben".

    viel Glück
    kenzia

  4. User Info Menu

    AW: Erst denken, dann reden!

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Hinterher war da wieder dieses unangenehme Gefühl, zu viel gesagt zu haben. Nicht wegen mir, ich habe nichts erzählt, was ich nicht vor mir verantworten konnte. Sondern wegen ihm. Ich weiß noch, dass ich dachte: Oh Gott, der denkt jetzt sicher auch, was für eine Laberbacke...

    Letztendlich war es aber so, dass er es sehr positiv empfand und irgendwie hat das auch das Eis ein bisschen gebrochen.

    Vielleicht bin ich da wirklich ein bisschen zu streng zu mir. Vielleicht fehlt mir da ein bisschen die Selbstakzeptanz für eine Eigenschaft, die ich nun mal habe.
    das problem hier kenne ich auch nur zu gut und manchmal steckt, denke ich, auch die angst dahinter "darf ich mir überhaupt so viel raum / zeit im umgang mit anderen nehmen?", also damit auch irgendwie geliebt werden wollen.

    Ansonsten hat mir an den stellen, wo ich nach meinem empfinden wirklich zu viel rede, geholfen, eine zeit lang einen zettel an eine stelle geklebt zu haben, an dem ich ihn oft sehe, auf dem stand "einfach mal die klappe halten". Irgendwann hat sich das dann tatsächlich (einigermaßen) ausgewirkt.

    arabeske
    Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.

  5. Moderation

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    AW: Erst denken, dann reden!

    Einfach den Mund zumachen. Doch, wirklich. Das Gefühl, daß die Lippen miteinander Kontakt haben herstellen, sich dessen bewußt werden, und es beibehalten. Das wirkt erst mal wie ein Heftpflaster.

    Immer mal wieder in müßigen Minuten darüber nachdenken, "Was hat es jetzt gebracht, da meinen Senf zuzugeben? Wurde meine Meinung dadurch mehr berücksichtigt? War die Diskussion zielführender? Wurden relevante Themen angsprochen, die sonst übergangen worden wären? Oder habe ich nur die Luft befeuchtet und aller Leuts Zeit verschwendet?"

    Wenn dann dabei rauskommt, "ja, war sinnvoll und nötig", kann man noch überlegen, "Wie hätte es auf mich gewirkt, etwas in dieser Form gesagt zu bekommen? War es respektvoll? War es verständlich? War es zum richtigen Zeitpunkt?" Oft ist es ja nicht das ob und nicht das was, sondern das wie.

    Schweigen ist nicht immer Gold. Es kann sehr charmant wirken, wenn man sein Herz auf der Zunge trägt, oder zumindest offen, furchtlos, interessiert und mitfühlend. Das hat auch in der Arbeit seine Berechtigung. Wenn alle nur vor sich hin schweigen, ist das auch keine schöne Atmosphäre. Aber man sollte dann auch die richtigen Sachen sagen, und sich seiner selbst sicher genug sein, um hinter diesen Sachen zu stehen.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

  6. Inaktiver User

    AW: Erst denken, dann reden!

    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Einfach den Mund zumachen. Doch, wirklich. Das Gefühl, daß die Lippen miteinander Kontakt haben herstellen, sich dessen bewußt werden, und es beibehalten. Das wirkt erst mal wie ein Heftpflaster.
    Genau das habe ich in der letzten Woche versucht und ich muss sagen, es hat gut geklappt!
    Es gab mehrere Situationen, bei denen mir wirklich etwas auf der Zunge lag, aber da ja die Lippen zusammen waren, konnte es nicht rauskommen! Und ich glaube, das war im Nachhinein auch besser so.

    Allerdings hatte ich wieder eine Situation, in der ich meine Klappe nicht halten konnte. Ich hatte ein Beratungsgespräch bei der Bank. Zum Schluss wollte der Berater wissen, welche Schulnote ich der Beratung geben würde, zwischen 1 und 5. Darauf ich: "Warum gibts denn keine 6???"
    Ich habe das wirklich nicht böse gemeint in dem Sinn, dass ich ihm eine 6 geben wollte, sondern rein aus Neugier. Er war dann sichtlich irritiert und hat etwas gestottert, dass es da eben nur bis 5 geht und erst in diesem Moment wurde mir bewusst, dass meine Frage vielleicht falsch rübergekommen sein könnte.

    Und da liegt dann auch das Problem: Ich hatte diese Frage überhaupt nicht gedacht vorher, sie kam einfach direkt raus, nachdem er das mit der Benotung gesagt hatte. So als gäbe es keinen Filter. Ich war selbst ein bisschen überrascht darüber!

  7. Inaktiver User

    AW: Erst denken, dann reden!

    Zitat Zitat von Arabeske_H Beitrag anzeigen
    Ansonsten hat mir an den stellen, wo ich nach meinem empfinden wirklich zu viel rede, geholfen, eine zeit lang einen zettel an eine stelle geklebt zu haben, an dem ich ihn oft sehe, auf dem stand "einfach mal die klappe halten". Irgendwann hat sich das dann tatsächlich (einigermaßen) ausgewirkt.
    Danke für den Tipp, arabeske!
    Zettel klebt am Badezimmerspiegel! Mal schauen ob es wirkt!

  8. Inaktiver User

    AW: Erst denken, dann reden!

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich könnte mir vorstellen, daß das Gefühl von "hinterher" mit dem "reden müssen" vorher in Zusammenhang steht.

    Und wenn man es dann von hinten aufrollt, kommt heraus, daß man nicht unangenehm auffallen will, angenommen sein will, gut ankommen, dazugehören will.
    Es hat also mit dem Wunsch nach Angenommen werden zu tun- das Gute Alte "ich will geliebt werden".
    Deshalb bleibt auch ein Fragezeichen danach in der Luft zurück ( oder sogar ein ungutes GEfühl), weil eben eine Erwartungshaltung mti dem Reden geknüpft ist.
    Vielen Dank für deine Zeilen Kenzia, über die ich lange nachgedacht habe!
    (Ich habe den Rest gekürzt, damit es nicht so lang wird)

    Ich muss dazu sagen, dass ich früher (so mit 14/15) sehr schüchtern war. Vor allem in größeren Gruppen. Ich hatte zwar unheimlich viele Ideen im Kopf, wie ich mich in ein Gespräch einbringen könnte, habe aber immer die Gelegenheit versäumt, in bestimmten Momenten dann auch tatsächlich etwas zu sagen, weil ich mich nicht getraut habe. Ich hatte immer Angst, dass es die anderen nicht interessieren könnte und nach meinem Gesprächstbeitrag Stille herrscht weil alle denken: Was redet die denn???
    Das war wohlgemerkt bei Freunden der Fall, von Fremden möchte ich gar nicht reden!

    Die Schüchternheit hat sich dann irgendwann verwachsen, ich weiß nicht einmal genau wie, sie war dann einfach irgendwann nicht mehr da (vielleicht auch pubertär bedingt gewesen).
    Vielleicht ist aber dieses Gefühl geblieben, diese Angst, mein(e) Gesprächspartner könnten es völlig uninteressant finden, was ich sage oder schlimmeres.
    Ich verstehe nur nicht, warum mir da die Meinung anderer so wichtig ist, bei anderen Dingen ich aber völlig zu mir selbst stehen kann. Da muss ich wohl noch ein bisschen in mich gehen!

  9. gesperrt

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    AW: Erst denken, dann reden!

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Vielleicht ist aber dieses Gefühl geblieben, diese Angst, mein(e) Gesprächspartner könnten es völlig uninteressant finden, was ich sage oder schlimmeres.
    mal ein Feedback von der andern Seite des Spektrums, ich fand reden schon immer eher riskant und mir fiel es im Zweifelsfall leichter, nichts zu sagen, als etwas zu sagen.

    Wie interessant oder uninteressant das Gegenüber es findet, kann man ja durch Beobachtung meist herausfinden.

    ****Nähkästchen auf******

    Es gibt eine Situation, die ich besonders hasse, das ist, wenn ich an der Bushaltestelle warte und da kommt eine/r, und will plappern. a) über das Wetter, und b) darüber dass der Bus Verspätung hat und wie viel und dass es ein Skandal ist. (in ganz üblen Fällen wird dahinter noch ein Stück Rassismus serviert. Ich weiss nicht warum oder wie, aber das ist der klassische Dreiklang des dummen Plapperns an meiner Bushaltestelle: Wetter, Verspätung, Rassismus) ICH WILL MICH NICHT ÜBER DAS WETTER UND DEN BUS UNTERHALTEN. Ich will gerne eine sachbezogene Frage-beantworten ("Entschuldigen Sie, ist der 16-ab-Bus schon durch?" - "nein noch nicht, er hat Verspätung" - "danke" - "bitte") - aber wenn die Frage beantwortet ist, ist das Gespräch fertig.

    Ich versuch, wenn weiter geplappert wird., mit einigermassen Höflichkeit aus der Situation rauszukommen. Ich werd einsilbig. Ich schau prononciert auf die andere Seite. Aber und zu - selten - kommt es vor, dass ich sagen muss "ich will mich nicht unterhalten. Ich will in Ruhe auf den Bus warten". Ich krieg dann meist böse Blicke ab, aber wurst, ich krieg dann auch meine Ruhe, und die Person sucht sich ein anderes Opfer.

    ja ich bin in der Hinsicht extrem asozial und unleidlich.

    ****nähkästchen zu *****

    ich glaub, die Achtsamkeit für die Körpersprache des Gegenübers kann helfen. Und auch die Gewohnheit, dem Gegenüber eine offene Frage zustellen und dann aufmerksam und ohne Unterbrechung zu lauschen, bis die andere Person fertig gesprochen hat.

    gruss, barbara

  10. Moderation

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    AW: Erst denken, dann reden!

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    erst in diesem Moment wurde mir bewusst, dass meine Frage vielleicht falsch rübergekommen sein könnte.
    Da ist dann vielleicht ein "Rettungssatz" hilfreich. So wie, "Entschuldigen Sie, das kam jetzt vielleicht falsch rüber", oder "Entschuldigen Sie, ich und mein Mundwerk nun wieder." Und dann zur Tagesordnung übergehen.

    Ehrlich gesagt, der Bankmensch *muß* sich in solchen Fällen nicht auf den Schlips getreten fühlen. Wenn er es tut, dann ist er wahrscheinlich nervös oder besorgt, das mußt *du* nicht unbedingt vorher wissen. Erst wenn du feststellst, "Ups, nicht lustig, nicht angemessen" ist der Moment, die Situation abzubiegen, und da man das spontan meistens nicht kann, hilft es oft, eine Formel zu haben.

    Wenn Barbara schon aus dem Nähkästen plaudert: Ich war früher auch total schüchtern, und irgendwann hab ich mir angewöhnt, Sachen zu sagen, die mir durch den Kopf gehen. Das heißt z.B. auch, daß ich mich in nicht-privaten Smalltalk oder Fachsimpeleien auf Parties, in der Teeküche oder in der Muckibude einfach einmische, wenn ich was dazu zu sagen habe. Einerseits empfinde ich das als total unmöglich, andererseits... weiß auch nicht. Ich mach's einfach. Und meine Kollegen finden immer noch, ich sei so still.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

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