hier mal die fakten:
ich werde demnächst 45, habe eine 23jährige tochter (beendet in einem monat ihre ausbildung), die noch bei mir wohnt. ich bin sei fast 5 jahren witwe und mehr oder weniger seither single.
wir leben auf einem kleinen bauernhof mit 5 pferden, 2 hunden usw.....
finanziell bin ich unabhängig, arbeite 20 std.
soweit - sogut.........
weiters muss ich dazu sagen, dass ich reite, seit ich 6 bin, und seit 25 jahren mit pferden tür an tür lebe - es ein paar jahre auch hauptberuflich betrieben habe - meine tochter, zb. kennt garnichts anderes, als diese art zu leben und lebt das auch begeistert mit. wir haben hier ein kleines paradies geschaffen. gemütliches haus, naturnahe und dennoch komfortable lebensweise und für unser hobby (die pferde) alles so, wie ichs mir immer gewünscht habe. (sehr gepflegter offenstall, eigener reitplatz mit flutlicht, große koppeln usw. usf)
tja, und nun kämpfe ich seit fast 2 jahren mit mir rum! ich bin unzufrieden/unglücklich/tw. depressiv........ ich will mich von meinem kind abnabeln - sie aber nicht von mir. sie klammert zwar nicht, aber sie tut sich schwer mit veränderungen.
früher waren die phasen, wo ich mir hier wie im goldenen käfig vor kam, seeeeeehr kurz und meine persönliche "befriedigung" hat deutlich überwogen. ich habe viele jahre unglaublich viel kraft aus dem leben und den arbeiten hier geschöpft. auch in der zeit, als mein ehemann verstorben ist! aber nun???? nun erdrückt mich das alles hier...... ich stehe oft vor einem fast unerklimmbarem berg(gefühlt! nicht wirklich.... weil objektiv gesehen, ist das arbeitstechnisch ein klacks hier). habe kaum noch lust mich aufs pferd zu schwingen und frage mich immer öfter, warum ich mir das antu.
mich interessieren zunehmend andere dinge! ich geh zb. lieber laufen, rad fahren, therme, wandern, fahre übers we weg (was natürlich dann immer heißt, dass tochter den laden hier schmeißt). ich bin soooo unglaublich zerrissen - und das nun eben schon seit fast 2 jahren!
ich bring es andererseits aber auch nicht übers herz, meine pferde einfach zu verkaufen......... (bei 2 wäre das ohnehin kaum möglich, weil ältere damen)
weiters würd ich mir sehnlichst wünschen, dass mein kind endlich auszieht und ein eigenes leben mit einem eigenen haushalt beginnt! dafür komm ich mir oft schuftig vor - für diese gedanken. und ich weiß ja auch, dass ich dann mit der ganzen arbeit hier sowieso alleine bleibe........ dennoch wünsch ichs mir! dabei ist das haus für mich alleine sowieso zu groß...........
ich weiß, dass es jammern auf wirklich sehr hohem niveau ist - nur, das hilft mir auch nicht wirklich weiter, da ich einfach meine zufriedenheit und meine ausgeglichenheit kaum noch finde.
aktuell war ich grade 7 tage mit einem sehr sehr lieben mann auf urlaub - garnicht weit weg von daheim. ich habe kaum an daheim, die tiere, meine tochter usw. gedacht, sondern den tapetenwechsel in vollen zügen genossen - und natürlich auch die anwesenheit und gesellschaft dieses mannes.
das alles gibt mir extrem zu denken und beschäftigt mich...... ich weiß natürlich, dass ich mein leben für mich und nicht für meine tochter lebe! aber ich fasse es einfach selber kaum, dass ich mich nach 39 jahren "pferd" so verändert habe.........
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Thema: wendepunkt - abnabeln......
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03.01.2014, 18:49
wendepunkt - abnabeln......
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03.01.2014, 20:03
AW: wendepunkt - abnabeln......
Ich denke du musst erst mal für dich selbst überlegen, was du willst, wohin du willst. Wie stellst du dir dein Leben in fünf, in zehn, in zwanzig Jahren vor ?
Was für eine Ausbildung hat deine Tochter gemacht ? Was mit Tieren ?
Wäre es denkbar, dass sie den "Hof" übernimmt und du ausziehst und dir ein neues Leben aufbaust ?
Willst du in deiner Region bleiben ? Willst du in die Großstadt ziehen ? Willst du mehr arbeiten ? Es anderes arbeiten ? Ins Ausland ? Würdest du das ganze Haus verkaufen - mit der Auflage, dass es Gnadenbrot für die älteren Tiere gibt ?
Spiele doch einfach mal in Gedanken ein paar Möglichkeiten durch mit allen Konsequenzen.Freiheit ist, wenn jeder sich auf seine Art zum Deppen machen kann.
.... und das demnächst auf www.befriendsonline.net/
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03.01.2014, 20:04
AW: wendepunkt - abnabeln......
Ich habe eine langjährige Bekannte, die seit frühester Jugend eine Affinität zu Pferden hat und generell sehr tierlieb ist. Irgendwann hat sie sich dann ihre Wünsche erfüllt und hatte zum Schluss drei Pferde, vier Hunde, zwei Katzen, ein paar Hasen, viele Vögel. Ich habe auch gedacht, das ginge jetzt so weiter bis an ihr Lebensende, aber nach 20 Jahren hat sie sich auf einmal von ihren Jugendtraum gelöst und die (arbeitsintensiven) Pferde verkauft, bzw nach deren Ableben kein neues mehr gekauft. Sie liebt Pferde immer noch, aber scheinbar ist jetzt eine Art Sättigungsgrad eingetreten, ihre anderen Tiere hat sie behalten.
Ich denke nicht, dass du auf hohem Niveau jammerst, sondern du hast dich weiterentwickelt, bzw interessierst dich jetzt eben Sachen, für die du früher nur ein Schulterzucken übrig gehabt hättest. Das ist a) nicht ungewöhnlich und b) kommt es oft nochmal zu einer Neuorientierung in diesem Alter.
Ich denke du solltest dich ernst nehmen und einige Dinge verändern. Es gibt kleine Lösungen wie Pferde verkaufen, Reitbeteiligungen gegen Bezahlung und Hilfe im Stall anzubieten oder auch die große Lösung den Hof zu verpachten. Ich kann verstehen, dass du deine Tochter nicht übergehen willst und sie aus dem Paradies vertreiben willst, aber dann sollte sie überlegen, wie sie sich einbringen könnte."Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
(John D. Rockefeller)
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03.01.2014, 20:38
AW: wendepunkt - abnabeln......
liebe striziwuzi,
ich kann dich soo gut verstehen
ich habe ähnliches und doch etwas anders hinter mir (inkl dem thema kindabnabelung!!)
bei mir hat es jaahre gedauert, bis ich alles verkauft habe!!
und als ich "schon einmal so weit war", hab ich alles auf den letzten moment wieder zurückgezogen.
NUN aber lebe ich soo zufrieden und ERLEICHTERT mein leben!
Abnabelung und Abschied von Menschen, Tieren u Lebensumfeld kann dauern!
Beim einen mehr, bei anderen weniger lang!
Du hast DEINE zeit!
Nimm sie dir und spiele alles durch
(mind map hat mir geholfen!! auch wenn die entscheidung darüber nicht gefallen ist, habe ich gesehen, dass es varianten gibt!!)
wenn du magst, schreib gern hier weiter oder per PN
liebe grüße
twixEs wird Zeit für eine neue Signatur
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03.01.2014, 21:41
AW: wendepunkt - abnabeln......
VIEEEEEEEEEEEEELEN DANK! ihr lieben
es hilft mir wirklich sehr, das hier mal alles nieder zu schreiben - frei auszusprechen. denn einerseits komme ich mir so unendlich undankbar vor! da hat frau endlich alles, was sie sich immer gewünscht hat - und ist erst nicht glücklich. wobei: ich hab dieses leben hier ja pralle 15 jahre unglaublich genossen!
mein kind versteht mich leider nichtmal ansatzweise........... ich gestehe aber auch, ich bin da nicht der große, offene redner mit ihr, was mein innerstes angeht! ich weiß, dass das nicht gut ist und sie des öfteren vor den kopf stößt - andererseits........ sie kennt mich ja genau SO seit 23 jahren ;)
was mir auch unglaublich hilft, ist diese große gelassenheit, umsicht und verständnis dieses "neuen mannes" - den ich grade mal 3 monate kenne, der mir diesbezüblich aber (ohne großartig zu wissen in welchen dimensionen sich das in mir abspielt) viele neue sichtweisen und denkansätze beschert - und das in einer ausgesprochen uneigennützigen art und weise.
übrigens, was meinen job angeht, DEN würd ich wirklich gerne behalten - auch das ausmaß der arbeit ist bestens, da ich nebenberuflich noch in einem völlig anderen genre tätig bin und die abwechslung und vielfalt liebe!
tja, die lieben tiere.......... ich war heuer im sommer schonmal SO verzweifelt, dass ich für eines meiner (älteren) pferde einen neuen platz gesucht habe...... ich kam mir vor, wie der letzte verräter! die beiden älteren pferde sind um die 20....... also nicht wirklich alt, aber halt auch nicht mehr "interssant" für potentielle käufer/interessenten. ich hab auch eigentlich kein problem damit, sie einfach nicht mehr zu reiten - die pferde genießen das genüßliche herdenleben auch ohne reiter! ich mach auch die arbeiten rund um den hof wirklich gerne.......... aber andererseits möchte ich weitaus mehr unabhängigkeit - freiheit - spontanität in meinem leben haben.
meine tochter bringt sich hier auch wirklich ein. ich war in den letzten 2 jahren immer wieder für mehrere wochen aus gesundheitlichen gründen außer gefecht gesetzt. durfte nichtmal ne schaufel mit mist heben - und das wirklich für mehrere wochen am stück. sie hat alles - von traktorfahren, heu-wenden, misten und alle anderen schweren tätigkeiten - toll gemeistert. und auch im alltäglichen betrieb ist es so, dass wir uns den pferde-dienst aufgeteilt haben. ich also durchaus "freigang" habe......... aber ich fühle mich trotzdem wie gefesselt und geknebelt! schrecklich ist das..............
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04.01.2014, 16:49Inaktiver User
AW: wendepunkt - abnabeln......
Ist das paradiesische Leben ererbt oder erheiratet?
Ware es dir möglich diese Gunst an deine Tochter weiterzugeben?
Gönnen können?
Sich selbst abnabeln und frei werden zum fliegen?
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05.01.2014, 13:20
AW: wendepunkt - abnabeln......
@lilace: teils - teils......... diesen traum habe ich mir erarbeitet und ererbt.
das mit dem weitergeben wird vermutlich eh so kommen, da sie "meinen traum" ja mit großer leidenschaft selber lebt - allerdings verfüge ich nicht über endlose finanzielle mittel, um mir einfach so ne neue "existenz" aus dem ärmel zu schütteln. dazu habe ich vermutlich auch (noch)nicht die kraft. ich weiß ZU gut, was es heißt, nochmal von vorne/neu zu beginnen - habe ich bereits 3 x im leben gewagt! nur HIER hab ich zum ersten mal in meinem ganzen leben (inkl. kindheit) eine echte heimat gefunden, bzw. ein echtes heimat- und verwurzelungsgefühl. wäre das nicht so - ich denken, ich wäre schon weg hier.
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06.01.2014, 22:58Inaktiver User
AW: wendepunkt - abnabeln......
Ich kann Dich SEHR gut verstehen. War lange, sehr lange aus ganz anderen Gründen (Pflege eines Elternteils) mit einem bestimmten Wohnort verbunden und emotional zunächst nicht wirklich in der Lage mich damit abzufinden. Nun hat sich letztes Jahr schlagartig alles geändert. Schon allein das Wissen, dass einem nun "die Welt offen steht" ist wunderbar. Im Laufe der schwierigen Zeit habe ich aber auch jedes Heimatgefühl verloren. Mir ist die (potentielle) Freiheit nun wichtiger. Denk drüber nach, ob es nicht eine Lösung gibt, Euren "Landsitz" zwar zu behalten, aber so zu führen, dass Du geographisch auch davon unabhängig sein kannst, jedoch bei Lust und Laune auch wieder ein WE oder ein paar Wochen dort verbringen kannst. Natürlich ist es hart sich von den Pferden zu trennen, aber vielleicht findet sich jemand der sie übernimmt. Sprich mal ganz offen mit Deiner Tochter drüber. Vielleicht hat sie sogar Vorschläge an die Du bisher noch gar nicht gedacht hast! Viel Mut und alles Gute!
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08.01.2014, 13:19
AW: wendepunkt - abnabeln......
vielen dank, rayy!
ich muss sagen, das mal klar auszusprechen und "zu papier" zu bringen (und natürlich euer zuspruch) hat mir schon unglaublich weiter geholfen.
das schlimmste war ja bis jetzt, dass ich mir meine situation und meine wünsche mal klar vor augen stelle - mir bewußt werde, was da in mir abläuft. DAS war die härteste zeit - hat fast 2 jahre gedauert.
jetzt kehrt gerade ruhe und zuversicht ein. wie ich was umsetzen werde - keine ahnung - das wird sich finden! es ist schon einfach hilfreich "nur" seine neue richtung zu kennen und zu deklarieren. welchen pfad man dann genau geht, das wird sich in der zukunft zeigen.
meine tochter macht demnächst ihre lehrabschlussprüfung - auch wieder ein wichtiger schritt beim thema unabhängigkeit (für mich)
ich könnte mir gut vorstellen, den hof als wohnsitz zu behalten, den landwirtschaftlichen teil zu verpachten, denn da ist problemlos eine pferdehaltung für bis zu 10 pferde möglich. oder vielleicht später mal - so meine tochter dann doch andere pläne hat, das gesamte "anwesen" zu verpachten und mir woanders mit einem partner was neues zu suchen, wo wir gemeinsam gemütlich alt werden (jap - ich bin romantiker und steh dazu)
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08.01.2014, 14:47Inaktiver User
AW: wendepunkt - abnabeln......
Tja.......man denkt immer, daß da wo man sich wohl fühlt, auch alles für die Ewigkeit eingerichtet ist.....um dann doch festzustellen, daß man noch soviel in sich hat......
Du lernst Dich auf diese ARt neu kennen- und hast Dich bestimmt auch schon oft bei all dem in Frage gestellt.......gut, daß Du Dir aber auch traust- Dir und Deinen Gefühlen!
Und ein neuer Mann weckt halt auch wieder Anteile des Lebendigen in einem......
Den Hof zu verpachten ist doch eine gute Idee.....so bleibt Dir die "Heimat", die Du Dir geschaffen hast erhalten- vielleicht ja eine Wohnung behalten in der Du wohnen kannst?
Für Deine Tochter scheint mir das alles mehr Heimat und Sicherheit als grundsätzlicher Lebenstraum zu sein.
Und das sie da wenig Veränderung möchte- ist je nach Charakter auch zu verstehen.
Wieso sprichst Du das Thema nicht immer wieder mal bei ihr an?
Bleib bei Dir - rede halt erst einmal ganz vorsichtig, wie unglücklich Du zT bist....so wird sie sich selber nicht so in den Focus stellen sondern möglicherweise so mehr und mehr zu der Überzeugung kommen, daß eine Veränderung kommen sollte.
Und sie trägt ja auch ihren Anteil daran.
Aber Du solltest ihr möglicherweise doch die Möglichkeit geben, sich an den GEdanken zu gewöhnen und damit den GEdanken wachsen zu lassen, daß sie selber demnächst.......alleine muss.
alles Gute
kenzia


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