Pia, er ist gerade 70 geworden.
Kranksein oder Älterwerden waren für ihn schon in jungen Jahren Dramen. Vor allem, weil er damit meine Mutter in die "Schwach"-Schublade stecken konnte. Jeder Arztbesuch wurde entsprechend kommentiert, jedes Kränkeln als Schwäche gedeutet und mit entsprechender Kritik (du bist halt nicht leistungsfähig) versehen.
Mein Vater ist ein Narzisst vor dem Herrn. Er kreist nur um sich, und "Befindlichkeiten" anderer, die auch nur den Anschein von Menschlichkeit machen, werden von ihm mit Spot versehen.
Er ist sicherlich noch fit für sein Alter. Aber er benutzt diese Fitness gegen meine Mutter, die mit ihren Mitte 60 ständig über das Älterwerden jammert (aus Langeweile, sie ist gerade in Rente gegangen) - sie macht nur einmal/Woche Gymnastik und hatte schon immer eine etwas problematische Figur. Eigentlich hat sie ihr Leben lang Diät gehalten. Er wiederum ist groß und eher hager - wie ältere Männer halt oft aussehen, wenn der Fitnesswahn sie packt und sie entweder Marathon laufen oder sonstwas, was sie wieder spüren lässt, dass sie leben.
Kürzlich musste mein unsterblicher Vater tatsächlich mal ins Krankenhaus - ich habe es erst hinterher erfahren und weiß bis heute nicht, was der Befund war. Das einzige, was mein alter Vater erzählte, war, dass das Essen so toll war und die junge Krankenschwester mit ihm geflirtet hätte
Wie gesagt. Er tut mir Leid. Aber ich habe genug unter ihm leiden müssen.
Antworten
Ergebnis 61 bis 70 von 142
Thema: älter werden
-
03.01.2014, 17:03
AW: älter werden
Geändert von Marga3 (03.01.2014 um 17:32 Uhr)
-
03.01.2014, 17:23
AW: älter werden
Ja liebe Margaret,
ich bin in meiner Kindheit mehrfach traumatisiert (mehrmonatiger Krankenhausaufendhalt ohne Elternkontakt im alter von 16 Monaten, und ein weiteres schweres Trauma) worden und sah über weite Stecken meines Leben ca. 15 Jahre jünger. Mittlerweile relativiert sich das ganze und es gelingt Menschen mit guter Menschenkenntnis immer häufiger mein reales Alter einzuschätzen.
Mein Bruder war in seiner frühen Kindheit chro. hautkrank und wurde über Monate in einem Kinderheim in der Nordsee gepflegt ohne Kontakt zu unsren Eltern. Es war die ersten 10 Jahre seines Lebens sehr klein im Wuchs, seine Größe entsprach Kindern welche um 2-3 Jahre jünger waren als er.
"Die psychosozial bedingte Wachstumsstörung kann
besonders bei Kleinkindern vorkommen. An eine Vernachlässigung
des Kindes denkt man vielleicht eher, wenn dieses
aus einer zerrütteten Ehe stammt, Arbeitslosigkeit herrscht
oder Trinksucht.
Eine derartige Störung kann aber auch gelegentlich
in gut-situierten Familien auftreten, wenn sich niemand
liebevoll um das Kind kümmert. Es muss dabei keinesfalls
an Kleidung oder Nahrung fehlen! Und möglicherweise
wird eine physiologische Verzögerung von Wachstum und
Entwicklung durch einen psychischen Leidensdruck des
Patienten noch verstärkt."
http://www.haunerjournal.de/prae_2/h...1_05/wachs.pdf
Mir begegnen beruflich des öfteren Mensch welche ungewöhnlich jung aussehen. Gerade in der letzten Monaten ein Herr welcher rauf die 90 zugeht, er sieht aus wie 70. Er ist schwer kriegstraumatisiert.
Auch hatte ich des öfteren Konakt mit Menschen mit Persöhnlichkeitsstörungen (z.B. BPS) welche auch im erwachsenen Alter zeitweise ein fast kindliches Verhalten an den Tag legen. Diese Mensch sehen fast durch die Bank um viel Jahre bis Jahrzehnte jünger aus als sie sind.
Grüße
LuftpostGeändert von Luftpost (03.01.2014 um 17:54 Uhr)
-
03.01.2014, 17:48
-
03.01.2014, 18:10
AW: älter werden
Danke für den Artikel, Luftpost. Aber hier geht es ja nur um Wachstumsstörungen. Das Altern macht sich aber doch noch an vielen anderen Faktoren fest. Mag sein, dass sehr kleine und zarte Menschen oftmals jünger geschätzt werden. Aber das Altern der Haut, der Muskeln. des Gewebes, der Organe - wie sollte das von einer Psychosomatik beeinflusst werden? Vielleicht hast du dazu noch andere Informationen, denn das Thema interessiert mich sehr. Haben die Menschen mit BPS, die du kennst, ein verzögertes Altern und inwiefern? In der Mimik, den Bewegungen? Für mich ist das schwer vorstellbar. Mir scheint hingegen, dass Menschen mit psychischen Belastungen (wie etwa Depressionen) häufig eher älter erscheinen.
-
03.01.2014, 19:08
AW: älter werden
Wenn ich mich recht erinnere, grübel, grübel, dann fand ich es schon schlimm, auf die 30 zuzugehen (als ich 29 wurde, haben wir das schön gefeiert, nach dem Motto: das ist der letzte Geburtstag, der es wert ist, gefeiert zu werden!).
Aber im Laufe der Jahre habe ich mich daran gewöhnt, älter zu werden. Wenn man die Alternative bedenkt...life is all about
finding people who
are your kind of
CRAZY
-
03.01.2014, 19:22
AW: älter werden
Liebe Magarete
Ja, bei der Depression altert der Mensch tatsächlich vorzeitig.
Die Psychische Situation eine Menschen kann die Biologische/Genetische Alterung/Reifung beeinflussen.
Das ist ja beim psychosozialen Kleinwuchs der Fall. Ebenso ist das der Fall bei Traumatisierung und Persönlichkeitsstörungen. Die Menschen arretieren in ihrer körperlichen und oftmals auch geistigen Entwicklung auf der Stufe, welche sie erreicht hatten als sie psychisch schwerst verletzt wurden.
Das kann sogar gerationsübergreifend geschehen, wie neueste Forschungen zeigen. Das Trauma des Vaters verändert seine genetisch bedingte Entwicklung, weil die Gene anders angesteuert werden. Und diese Veränderung gibt der Vater sogar an seine Kinder weiter.
Empfehlen möchte ich dir von Prof. Joachim Bauer " Das Gedächtnis des Körpers"
http://www.welt.de/gesundheit/psycho...Enkel-aus.html
Grüße
LuftpostGeändert von Luftpost (03.01.2014 um 19:53 Uhr)
-
03.01.2014, 19:35
-
03.01.2014, 19:52Inaktiver User
-
03.01.2014, 19:56
AW: älter werden
Liebe Magaret
so viel ich weis ist psychosozialer Kleinwuchs nicht vererbbar. Aber andere Auswirkungen. Ich habe den Link oben eingefügt.
Schau dir auch das Buch "Das Gedächtnis des Körpers" von Prof. Joachim Bauer an.
Grüße
LuftpostGeändert von Luftpost (03.01.2014 um 20:05 Uhr)
-
03.01.2014, 19:59
AW: älter werden
Körper und Geist sind nicht getrennt, sondern eng miteinander verwoben.
Ich hab mal einen getroffen, der wirkte auf mich ca 25-jährig vom Aussehen und Verhalten - ich erfuhr später, der war schon über vierzig. Und seit längster Zeit erst heroinabhängig und irgendwann umgestellt auf methadonabhängig.
Regelmässiger Drogenkonsum kann einen Menschen auf einem Alter "einfrieren", weil übliche psychische Reaktionen und Verarbeitungen von Erlebtem nicht stattfinden. Die Bewegungsmuster, auch das soziale Verhalten etc bleibt in diesem jungen Alter stehen und wirkt entsprechend jung.
gruss, barbara




Zitieren

