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    Zufriedenheit mit sich selbst erlangen

    Ich hoffe, ich habe die richtige Kategorie für mein Problem gewählt. Wie der Titel schon sagt, bin ich momentan überhaupt nicht zufrieden mit mir bzw. meinen Aussichten für die Zukunft. Daran bin ich selbst schuld, weil ich immer versuche die beste Entscheidung zu treffen, aber diese Entscheidungen oft nicht das sind, was ich wirklich möchte.

    Konkret geht es darum, dass ich im Sommer mein Studium absolviert habe. Es war ein medizinisches Fach. Schon im Studium habe ich bemerkt, dass ich nicht die Schulmedizinerin bin, sondern eher die, die 100 Ansätze wusste, wenn für die Schulmedizin ein Endpunkt erreicht war. Schon da dachte ich mir, dass es für mich besser wäre alternativ zu arbeiten (in Zusammanarbeit mit einem Schulmediziner). Während meine Kolleginnen irgendwie das Glück hatten, sofort durch Kontakte in die Praxis zu rutschten, lief bei mir alles schleppend voran. Am Anfang hat mich das noch nicht so gestört, da mein Mann und ich relativ zeitnah einen Traumurlaub weit weg gebucht hatten und ich fest entschlossen war nach diesem Urlaub richtig durchzustarten. Der Sommer ging vorüber und meine Bewerbungen schienen bei niemandem Interesse zu erwecken. Mir kam in den Sinn, dass ich gerne eine bestimmte Ausbildung dranhängen würde, doch leider sind diese sehr teuer und ohne Job nicht bezahlbar. Also sagte ich mir, dass ich zuerst einen Job finden muss und bewarb mich weiter. In der Zwischenzeit hatte ich die Möglichkeit ein Training in meinem Fach zu absolvieren, was leider für mich der totale Reinfall war, da meine Trainerin (bei der ich wohlgemerkt auch schon Jahre zuvor als Assistentin gearbeitet hatte) überhaupt keine Anzeichen zeigte, irgendwas aus der Hand geben zu wollen. Eigentlich dachte ich, sobald ich das Studium fertig hätte, dürfte ich auch mal ran, aber dem war nicht so.

    Es vergingen 4 Monate und trotz zig Bewerbungen hatte ich keine einzige Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommen. Ich fühlte mich richtig schlecht dabei und genau in diesem Moment kam sie doch noch, die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Dieses lief ganz gut, nur leider brachte der Job eine Reisetätigkeit mit, die mir nicht ganz so zusagte. Ich schwankte hin und her zwischen der Möglichkeit endlich einen Job zu haben oder lieber weiterzusuchen. Die Entscheidung schien mir abgenommen zu werden, denn wochenlang meldete sich niemand mehr und ich hatte es für mich auch abgehakt. Da fasste ich den endgültigen Entschluss mir eine Teilzeit-Stelle zu suchen und mit diesem Geld meine gewünschte Ausbildung zu finanzieren. Mein Mann stand auch voll hinter dieser Idee, auch wenn es bedeutete, dass er noch einige Jahre der Hauptverdiener sein müsse. Da es kaum Teilzeitstellen in meiner Region und meiner Branche gibt, habe ich mich für alles beworben, was so halbwegs auf mein Profil passte. Mir war alles egal, Hauptsache ein Job. Da sich auch anfangs hier nichts ergab, war ich entmutigt und traurig und mit dem nahenden Jahresende fühlte ich mich zunehmend schlechter, denn das war die "Deadline", die ich mir selber gesetzt hatte. Irgendwann erreichte mich ein Telefonanruf wegen des Vorstellungsgesprächs. Ich würde zwar ganz toll zu ihnen passen, aber letztendlich hätten sie doch jemanden mit Erfahrung genommen. Da ich es sowieso schon abgehakt hatte, war's mir auch egal. Ich war sogar froh, dass mir die Entscheidung abgenommen wurde.

    Es kam wie es kommen musste: Zwei Tage später kam ein erneuter Anruf. Es wäre ein weiterer Posten geschaffen worden. Ob ich denn Interesse hätte an einem weiteren Gespräch. Ich dachte mir, darüber reden könne man ja mal. Da der erste Posten wahlweise Voll-oder Teilzeit war, dachte ich mir, dass ich ja vielleicht auch für diesen Posten eine Teilzeit rausholen könne. Also bin ich zu diesem Gespräch gegangen, diesmal mit dem Geschäftsführer. Dieser war so begeistert, dass er mir sofort zusagte. Es ist eine Vollzeitstelle. Ich war erstmal perplex. Da war sie: Eine fixe Jobzusage, eine unbefristete Stelle in einem Unternehmen mit flacher Hierachie, gutem Gehalt und Aufstiegsmöglichkeiten. Dafür weit weg von der Praxis. Soweit ich sagen kann, sehr nette Leute. Nach einem halben Jahr der Suche hatte ich eine Zusage!
    Tja, ich befand mich dann natürlich im Zwispalt: Nehme ich den Job an oder warte ich auf eine andere Gelegenheit? Nehme ich den Job an und suche weiter? Nehme ich den Job an, knie mich rein und schiebe die gewünschte Ausbildung erstmal nach hinten?

    Ich nahm den Job an, schob gedanklich die gewünschte Ausbildung nach hinten und wollte erstmal sehen, was passiert. Obwohl mir gerade die Reisetätigkeit etwas im Magen liegt, habe ich versucht nur die positiven Aspekte meiner Entscheidung zu sehen.

    Tja, und was will ich eigentlich nun? Eine Kollegin von mir verlautbarte heute etwas, das mich wirklich traf. Diese Kollegin war im Studium, ich nenne es mal vorsichtig, nur dort engagiert, wo sie es wollte (auch auf Kosten der Kollegen). Sie ist sehr redegewandt und macht immer auf liebes Mädchen, weswegen ihr Verhalten nie Konsequenzen hatte. Tja, und sie hat auch dieselben Interessen und Pläne wie ich. Sie verkündete heute ganz offiziell, dass sie nun mit eben jener Ausbildung anfangen würde, von der ich geträumt hatte.Und DAS traf mich echt wie ein Blitz. Leider haben wir auch noch einen ähnlichen (erweiterten) Bekanntenkreis mit vielen alternativ eingestellten Leuten und wohnen in derselben Stadt. Diese Ausbildung hat fast niemand, die "Szene" ist klein und ich wollte damit eine Lücke füllen. Nun füllt sie jemand anders.

    Ich möchte einfach sagen können: "Ich habe meine Entscheidung getroffen und bin zufrieden damit." Ich kenne es normalerweise nicht so von mir, dass ich auf andere schaue und mir denke, dass das Gras auf der anderen Seite grüner ist. Doch diesesmal trifft es mich einfach hart. Zusätzlich trudeln die Jobangebote seit der Unterzeichnung des Dienstvertrags nur so bei mir ein. Während mein Job die Ausbildung in nächster Zeit zeitlich die Ausbildung nicht zulässt, wären andere Jobs bei freier Zeiteinteilung. Dafür wieder wesentlich schlechter bezahlt und unsicherer.
    Die Familie sagt mir, ich solle froh sein, einen Einstieg gefunden zu haben. Ein fixer Job ist Gold wert. Ich möchte es ja auch machen, Geld verdienen und mir irgendwann meine Träume erfüllen. Doch jetzt hab ich das Gefühl "irgendwann" ist zu spät. Es muss sofort sein, denn sonst kommt mir jemand zuvor.
    Meine Freundinnen aus derselben Branche blicken ein bisschen auf mich hinab, was sie natürlich nicht zugeben, ich aber spüre. Für die ist die Praxis das einzig wahre und sie verstehen es wohl nicht, wie man einen Job machen kann, der so weit weg davon ist. Es klingt immer dieses: "Sei froh, dass du überhaupt was bekommen hast", durch und bei Treffen wird nur darüber geredet, welche Behandlungen sie durchgeführt haben und wieviele Dankesschreiben und Geschenke der andere jeweils erhalten hat. Ja, ich fühle mich minderwertig, owohl es objektiv gesehen gar keinen Grund dafür gibt.

    Ich möchte einfach sooo gern zufrieden mit mir und meinen Entscheidungen sein. Doch momenten finde ich keinen Weg. Ich weiß nicht, was ich eigentlich will, ich musste es einfach mal loswerden. Vielleicht war ja jemand von euch in einer ähnlichen Situation und hat daraus den Sprung vom "hässlichen Entlein" zum "schönen Schwan" geschafft? Ich habe das trügersiche Gefühl, dass ich irgendwo am Weg stehengeblieben bin während die anderen wie Raketen losschießen. Versteht ihr, was ich meine? Ich habe das Gefühl, meine Chancen sind verspielt und vergeben. Jemand anderer ergreift sie. Ich weiß, dass ich jetzt alles liegen und stehen lassen könnte, einen anderen Job annehmen könnte und mich in einen direkten Konkurrenzkampf begeben könnte. Doch zu welchem Preis? Finanzielle Unsicherheit, damit ich meinen Willen bekomme? Weil ich mir einbilde, nicht mehr 1-2 Jahre warten zu können bis genügend Geld da ist?

    Ich weiß es nicht.

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    AW: Zufriedenheit mit sich selbst erlangen

    Ich wüsste ja zu gerne näher, von welchen Berufsfeldern Du da eigentlich sprichst.

    Gerade in der Medizin - im weitesten Sinne - hat es etliche Lehren gegeben, die sich später dann doch als Verirrungen oder sogar als Scharlatanerie (reine Geschäftemacherei) erwiesen - bestenfalls noch den jeweiligen Zeiten anzulasten. Das haben wir heute noch - vom Volumen her: Heute erst recht.

    Bevor ich mich auf irgeneinen Hype stürze, würde ich eine Konsolidierungsphase durchaus wahrnehmen - und gemeinerweise aus den Irrtümern der anderen lernen.

    Gerade in der Zeit der beruflichen Erstorientierung wird fabuliert, was das Zeug hält. Ich muss mich beim Hotelfrühstück nicht mal mehr umdrehen, wenn ich hinter mir solche Anglergeschichten höre - ich kann mir die Leute auch so malen...

    Merke: Unsicherheit schwätzt, irrt und kokettiert laut - Sicherheit zweifelt still an sich selbst und sucht leise aber beständig weiter.
    Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco

    Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia

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    AW: Zufriedenheit mit sich selbst erlangen

    Ich möchte nicht zu detalliert schreiben, man weiß ja nie, wer so mitliest. Allerdings hat es sich bei dem Studium um ein ganz normales, schulmedizinisches Studium gehandelt. Es ist nur nicht Humanmedizin. Die anschließende Ausbildung wäre zwar ein alternativer, aber durchaus anerkannter Zweig. Keine Homöopathie, keine Bachblüten und schon gar kein Handauflegen oder energetische Massagen.

    Dein letzter Satz gefällt mir, aber das ist aus meiner Position heraus gesehen auch ganz klar.

  4. Inaktiver User

    AW: Zufriedenheit mit sich selbst erlangen

    Dein Thema ist aus meiner Sicht nicht das Erlangen von Zufriedenheit, sondern das Definieren von Zielen. Wenn Du diese Ausbildung machen willst, dann mach sie.

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    AW: Zufriedenheit mit sich selbst erlangen

    Ich würde diese Ausbildung machen, hätte ich das nötige Kleingeld. Bis ich es habe, vergeht noch einige Zeit. Bis dahin haben andere die Chance ergriffen und haben die Möglichkeit sich schon zu etablieren während ich erst in der Ausbildung stecke.

    Wenn ich die Ausbildung sofort machen wollte, müsste ich den sicheren Job sausen lassen müssen, in der Hoffnung, dass sich etwas anderes auftut, das genug Geld abwirft, aber auch weniger Zeit erfordert.

    Es geht insofern um meine Zufriedenheit, als dass ich immer nur sehe, was "die anderen" machen. Die mehr Geld haben, die bessere Kontakte haben, die... usw. usf. Ich sehe nicht, dass auch ich meine Leistungen erbringe, mein Job keineswegs schlechter ist und eine Ausbildung zu einem späteren Zeitpunkt nicht bedeutet, dass ich zwischen den anderen "Raketen-Kollegen" untergehen werde...

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    AW: Zufriedenheit mit sich selbst erlangen

    Zitat Zitat von Zojja Beitrag anzeigen
    Ich würde diese Ausbildung machen, hätte ich das nötige Kleingeld. Bis ich es habe, vergeht noch einige Zeit. Bis dahin haben andere die Chance ergriffen und haben die Möglichkeit sich schon zu etablieren während ich erst in der Ausbildung stecke.
    Ja und? Es wird doch nicht nur einen einzigen Platz in der Welt für einen mit dieser Ausbildung geben!

    du ärgerst dich über diese Frau, die dir was weggeschnappt hat (vermeintlich) und die gut ankommt, weil sie verlogen ist (auch vermeintlich).

    Orientier dich nicht so sehr an anderen, hey, du hast einen gutbezahlten Job und dann bist du auch noch jung und hast Zeit, diese tolle Ausbildung eben in 2 Jahren (oder wann auch immer) zu machen, und wenn dann die charmante Wegnehmerin immer noch präsent ist, dann gehst du eben woanders hin. Oder bist besser. Alle anderen kochen auch bloß mit Wasser.
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    „Nimm Dein Leben ein bisschen in die Hand. Wenn Du es gut behandelst, dann beisst es auch nicht! “
    [Geschenkt von Gustave]

  7. Inaktiver User

    AW: Zufriedenheit mit sich selbst erlangen

    Zitat Zitat von Zojja Beitrag anzeigen
    Es geht insofern um meine Zufriedenheit, als dass ich immer nur sehe, was "die anderen" machen. Die mehr Geld haben, die bessere Kontakte haben, die... usw. usf. Ich sehe nicht, dass auch ich meine Leistungen erbringe, mein Job keineswegs schlechter ist und eine Ausbildung zu einem späteren Zeitpunkt nicht bedeutet, dass ich zwischen den anderen "Raketen-Kollegen" untergehen werde...
    Gefällt Dir Dein jetziger Job denn nun, oder ist er eine Notlösung? Hinsichtlich einer Notlösung kann man keine Zufriedenheit erlangen. Man kann sich arrangieren oder damit bescheiden, aber mehr nicht.

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    AW: Zufriedenheit mit sich selbst erlangen

    @Rotweinliebhaberin

    Du hast recht (bis auf ein "vermeintlich" ). Das ist es ja gerade! Und das ist ja auch mein Problem und meine Frage. Wie kann ich dennoch zufrieden mit mir selbst sein? Ja, ich weiß, darauf gibt es keine Antwort, entweder man ist zufrieden oder eben nicht.

    @scales

    Der Job scheint interessant und abwechslungsreich zu sein. Eigentlich finde ich ihn ganz gut, jedoch die Reisetätigkeit sagt mir nicht so zu. Sie ist auch gleichzeitig der größte Minuspunkt bei dem ganzem und auch das, was mir am meisten Bauchschmerzen bereitet. Wäre das nicht, wär's genau der Job, den ich haben wollte. Wenn ich dann noch die Ausbildung hätte und beides auf Teilzeitbasis machen könnte, dann wäre es perfekt.

    Vielleicht erreiche ich dieses Ziel ja irgendwann. Nur habe ich Angst, dass irgendwann zu spät für mich ist.

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    AW: Zufriedenheit mit sich selbst erlangen

    Zitat Zitat von Zojja Beitrag anzeigen
    Wie kann ich dennoch zufrieden mit mir selbst sein?
    Indem du dir sagst, dass das Glas halb voll ist statt halb leer!

    Zitat Zitat von Zojja Beitrag anzeigen
    Der Job scheint interessant und abwechslungsreich zu sein. Eigentlich finde ich ihn ganz gut, jedoch die Reisetätigkeit sagt mir nicht so zu. Sie ist auch gleichzeitig der größte Minuspunkt bei dem ganzem und auch das, was mir am meisten Bauchschmerzen bereitet. Wäre das nicht, wär's genau der Job, den ich haben wollte. Wenn ich dann noch die Ausbildung hätte und beides auf Teilzeitbasis machen könnte, dann wäre es perfekt.
    Hätte hätte Fahrradkette!

    Gewöhn dich ans Reisen, freu dich drüber ... und wenn es dir in einem halben Jahr immer noch nicht zusagt, dann such dir einen neuen Job. Oder leih dir Geld und mach die Ausbildung. Oder oder oder, die Welt ist voller Möglichkeiten und Neid auf jemand anderes ist hemmend. Es werden immer mal wieder bescheuerte Leute deinen Weg kreuzen.

    Finde raus, was du wirklich wirklich willst und dann mach das!
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    „Nimm Dein Leben ein bisschen in die Hand. Wenn Du es gut behandelst, dann beisst es auch nicht! “
    [Geschenkt von Gustave]

  10. Inaktiver User

    AW: Zufriedenheit mit sich selbst erlangen

    Zitat Zitat von Zojja Beitrag anzeigen
    Der Job scheint interessant und abwechslungsreich zu sein. Eigentlich finde ich ihn ganz gut, jedoch die Reisetätigkeit sagt mir nicht so zu. Sie ist auch gleichzeitig der größte Minuspunkt bei dem ganzem und auch das, was mir am meisten Bauchschmerzen bereitet. Wäre das nicht, wär's genau der Job, den ich haben wollte. Wenn ich dann noch die Ausbildung hätte und beides auf Teilzeitbasis machen könnte, dann wäre es perfekt.
    Verständnisfrage: hast Du denn da jetzt schon angefangen oder kommt das erst noch?

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