Hi,
ich weiß nicht recht, ob es an Weihnachten liegt, am Wetter oder an etwas anderem, aber momentan bin ich in Gedanken häufig bei meiner alten Beziehung und das sind beileibe keine schönen Gedanken.
Vielleicht zunächst die aktuelle Lage: ich bin 31, habe einen guten Job, in dem ich zufrieden bin. Seit fast einem Jahr bin ich mit meinem aktuellen Partner zusammen. Es ist zwar eine Fernbeziehung, aber wir sehen uns nahezu jedes Wochenende. Wir führen eine sehr enge Beziehung, sind uns sehr nahe. Auch wenn das noch etwas früh ist, kann ich mir gut vorstellen, mein Leben mit dem Mann zu verbringen.
Mir geht es aber nun hauptsächlich um die Beziehung, die ich davor geführt habe. Ich war mehr als 6 Jahre mit dem Mann zusammen. Wenn ich meine jetzige Beziehung mit dieser vergleiche, weiß ich gar nicht ob man von einer Beziehung sprechen kann. Anfangs war es aufregend, interessant, aber nach relativ kurzer Zeit ist es nur noch Gewohnheit gewesen und wir haben praktisch wie in einer WG zusammengelebt.
Man konnte viel Spaß mit meinem Ex haben, wir hatten auch immer gute Gesprächsthemen, aber ansonsten war da gar nichts mehr: kein Herzklopfen, keine Liebe, ich habe ihn als hässlich, teilweise auch als eklig empfunden. Körperkontakt gab es wenig und wenn, dann war es gegen meinen Willen. Ich habe es mitgemacht, weil ich dann meine Ruhe hatte.
Das klingt alles sehr fatal und das kann man sicherlich auch mit gutem Recht so nennen. Erst durch eine Psychotherapie habe ich mich schließlich "befreien" können und bin ausgezogen.
Das klingt soweit sicherlich nach einem guten Ende: ich habe es geschafft mich loszureißen, habe jetzt eine sehr glückliche Beziehung. Aber was damals war, nagt immer noch an mir. Ich mache mir Selbstvorwürfe, warum ich nicht früher die Reißleine gezogen habe, warum ich das so lange mitgemacht habe. Es schmerzt immer noch sehr.
Es ist nichts, was ich ständig im Kopf habe, aber es kommt ab und an wieder hoch. Eben so wie heute Abend, als ich zufällig eine alte Mail von ihm gefunden habe und so vieles wieder präsent war.
Wie bekommt man das aus dem Kopf?
Wie kann ich lernen, die Selbstvorwürfe herunterzufahren (ganz abstellen werde ich sie wohl nicht können)?
Danke.
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21.12.2013, 01:48
Offensichtlich doch nicht über alte Beziehung hinweg...
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21.12.2013, 02:14
AW: Offensichtlich doch nicht über alte Beziehung hinweg...
Hallo :)
Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut. Träume und denke immernoch an frühere Beziehungen und daran, weshalb ich damals nicht anders gehandelt habe. Was mir extrem hilft ist mir vor Augen zu halten wie gut es mir jetzt geht! Stell dir vor du hättest bereits nach 3 Jahren schon die Reissleine gezogen, vielleicht wäre dann dein jetziger Partner nicht single gewesen und ihr hättet euch nie kennen gelernt.
Hätte ich damals meine Ausbildung abgeschlossen und hätte nicht im Call Center angefangen zu arbeiten, hätte ich meinen Mann nie am Telefon gehabt.. Solche Gedanken zeigen mir, dass doch vieles einen guten Grund hat.
Auch wenn es Momente gibt in denen du dir Vorwürfe machst, vergiss nicht, dass dann vielleicht vieles nicht so wäre wie es heute ist. Du bist zufrieden mit deinem Job und führst eine glückliche Beziehung. Das ist schon sehr viel Wert :)
Ich wünsche dir auf jeden Fall fröhliche Festtage und rate dir, Erinnerungen an deinen Ex vom Computer zu löschen ;)Glück ist das Ergebnis von selbstverantwortlichem, entschiedenem Handeln.
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21.12.2013, 02:58
AW: Offensichtlich doch nicht über alte Beziehung hinweg...
Deine Seele spricht mit dir. Sie vergisst nicht, was dein Verstand, der gegen ihren Willen in der damaligen Situation ausgeharrt hat, ihr angetan hat. Sie möchte sowas nie wieder erleben und lässt gelegentlich Botschaften an den Verstand los, um auf sich aufmerksam zu machen - kein Wunder: Sie wurde lange überhört, und nun bemüht sie sich, dass das nicht wieder passiert. Sie hat was zu sagen und das meldet sie. Freu dich, hör ihr zu!
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21.12.2013, 10:37Inaktiver User
AW: Offensichtlich doch nicht über alte Beziehung hinweg...
vielleicht hilft es dir ja mal, wenn du dir neben der frage, warum du das so lange mitgemacht hast, dich mal fragst, warum du ihm, deinem ex, das so lange angetan hast?
ich würde ja sagen, du hast nicht nur dich befreit, sondern ihn.
du warst kein opfer.
ansonsten würde ich vermuten, dass du vielleicht nicht gut allein sein kannst oder es dir jedenfalls nicht wirklich zutraust, und deshalb angst hast, wieder in so eine schräge nummer wie damals reinzurutschen.
irgendwann wird ja auch in der fernbeziehung der anfangsrausch verfliegen...
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21.12.2013, 10:49
AW: Offensichtlich doch nicht über alte Beziehung hinweg...
eines der schwierigsten Dinge ist tatsächlich, sich selbst verzeihen zu können. Ich habe zumindest die Erfahrung gemacht, dass ich damit erst dann konfrontiert war, wenn die Situation sicher genug war um mich damit überhaupt beschäftigen zu können. Du könntest es also so sehen, dass diese Auseinandersetzung mit deinen Gefühlen und Gedanken ein Teil eines Prozesses ist, der erst stattfinden kann, wenn du genug (Sicherheits-)Abstand zu dem Problem hast.
Ich vermute mal, dass du in der Psychotherapie Erkenntnisse hattest, wie deine Position in dieser Beziehung im Zusammenhang mit deiner Biografie zu sehen ist? Dann kannst du dir sagen, du konntest damals eben nicht anders, aber nichtsdestrotrotz hast du ja immer versucht aus deiner Situation das beste zu machen - so wie du zu deinem derzeitigen Stand heraus das eben konntest.
Der Schmerz und die Trauer darüber gehören leider dazu.
Vielleicht muss man es auch so sehen, dass sich da eben ein altes Muster von dir immer wieder meldet. Wenn auch in abgeschwächter Form. Du hast in der Therapie sicher etwas Neues aufgebaut, das an Kraft gewonnen hat. Sonst hättest du dich nicht lösen und etwas neues schaffen können. Beides sind Seiten in dir, die ihre Geschichte und ihre Berechtigung hatten bzw haben. Du musst diese alten Muster nicht verdammen, du kannst sie aber aufs Hinterbänkchen setzen. Damit hast du sie (an-)erkannt, aber keine Macht eingeräumt. Macht bekommt immer nur das, was nicht sein darf ("denke nicht an einen rosa Elefanten...")Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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21.12.2013, 10:59Inaktiver User
AW: Offensichtlich doch nicht über alte Beziehung hinweg...
Liebe Zaunkönigin....
Deine Beschreibung der Situation klingt so, als würdest du durchaus nochmals eine Psychotherapie wahrnehmen sollen. Evtl. war die erste zu schnell beendet worden. So wie du schreibst, habe ich verstanden, dass du dich nur aufgrund der Therapie dazu entscheiden konntest dich zu trennen. Mir fehlt hier die Nacharbeit der gesamten Situation. Dein Zorn auf dich, so lange gewartet zu haben, sollte sich eigentlich in gute Gefühle es endlich geschafft zu haben, verwandeln.
Das braucht eine lange Zeit. Ich war 22 Jahre verheiratet, dann Scheidung. Das sind jetzt ca. 7 Jahre her. Davon 5 Jahre in Partnerschaft und mittlerweile 1 Jahr wieder verheiratet. Ich habe mir immer bewußt gemacht, dass ich froh darüber sein soll, endlich den Ausstieg geschafft zu haben. Aber trotzdem hat mein ExMann noch jahrelang in meinen Gedanken herum gespukt. Er war mehr oder weniger immer präsent.
Mittlerweile, wenn ich solche Threads wie deinen lese, fällt mir auf, dass ich auch den seelischen Abstand zu ihm geschafft habe. Er taucht in meinen Gedanken nicht mehr häufiger auf als andere Menschen aus meinem Leben. Um diesen Zustand zu erreichen muß man aber daran arbeiten.
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21.12.2013, 17:59
AW: Offensichtlich doch nicht über alte Beziehung hinweg...
Liebe Zaunkönigin,
Deine Situation kann ich wirklich sehr gut nachempfinden
Bei mir waren es 5 Jahre mit meinem Jetzt-Ex-Partner, noch dazu meine erste ernsthafte Beziehung. Auch da - hormonschwangere Anfangsaphase, dann recht schnell die Luft raus, kein körperliches Begehren meinerseits, aber gemeinsame Wohnung, also eher wie Brüderchen und Schwesterchen, eine Art symbiotische Abhängigkeitsbeziehung... nicht so toll
Mir hat dann erst das Auftauchen eines anderen Mannes aufgezeigt, was Beziehung sein kann, was sexuelle Anziehung und "auf einer Wellenlänge sein" eigentlich bedeutet... schweren Herzens löste ich mich schließlich vom "Alten", um mit dem "Neuen" frisch anfangen zu können. Diese Beziehung ist wirklich extrem schön, aber dennoch kenne ich die Gedanken, die du schilderst.
Warum hab ich das so lange durchgezogen? Warum hab ich mir und meinem Ex das angetan? Bin ich zu schwach, um alleine zu sein? Bin ich wirklich so eine untreue, unehrliche Person? Ist meine neue Beziehung nur auf einer Basis aus Verzweiflung und Lügen entsanden?
Vor kurzem habe ich die ganze Geschichte mit einer Therapeutin durchgekaut, die mir wirklich gute Denkanstöße gegeben hat!
Fazit für mich: Ich habe die Sache genau so lange mitgemacht, wie es für mich nötig war. Gewisse Aspekte der Beziehung habe ich in dem Moment ganz dringend gebraucht - ein klarer Schlussstrich wäre vorher nicht möglich gewesen. Und auch, wenn nicht alles rosig war, war wiederum auch nicht alles schlecht - und sogar aus dem Schlechten konnte ich immens wichtige Dinge über mich selbst und meine Wünsche für die Zukunft lernen, von denen ich in meiner jetzigen Beziehung immens profitiere. Und als ich stark genug war und die Chance erkannte, dass es da draußen was besseres für mich geben könnte, bin ich gegangen - nicht früher und nicht später!
Zaunkönigin, ich kann mich den Vorposterinnen nur anschließen, vielleicht würde es dir helfen, die Sache mit einem Profi zu besprechen - mir hat's geholfen!
glg Radisi
Du bist ein lebender Mensch, eine Frau, und kannst irren und zweifeln und gut sein. (Erich Fried)


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