Sich in der Bri mal in einem Strang über den Tod austauschen und das, was in unserer Gesellschaft tatsächlich hinter- und vordergründig wirksam ist, sind zwei paar Schuhe. Das, was wirksam ist, sind nämlich die Ausrichtung des allgemeinen Fokus auf Spaß, Geld, Effizienz, sowie die vermehrte Benutzung und Belegung mit Euphemismen von allem, was für Krankheit, Alter und Schmerz steht (warum, z.B., nennen sich die Krankenkassen wohl schon eine Weile nicht mehr "Krankenkassen" sondern "Gesundheitskassen"....? Warum liest man so oft von "Seniorenresidenzen", wenn damit doch nur ganz normale Altersheime gemeint sind, wo die alten Menschen bis zu ihrem Tod verwahrt und von der übrigen Gesellschaft abgeschottet werden? etc. etc.... ).
(...)
Na, dann ist es doch gut.Aber gerade weil mir bewußt ist dass alles von einer Sekunde auf die andere vorbei sein kann, das Leben oder zumindest meine Gesundheit und Schmerzfreiheit, gerade darum ist das für mich ein sehr hohes Gut und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich weitgehend gesund bin und keine Schmerzen erleiden muss.
Darin liegt für mich eine massive Ab_Wertung, die mir zeigt, dass Du das, was ich mit meinem Beitrag habe sagen wollen, leider gar nicht verstanden hast. Habe ich mich wirklich so undeutlich ausgedrückt? Ok, nochmal kurz: Warum wohl haben nordamerikanische Indianervölker gerade Suspensions (eine moderne Wortschöpfung für eine alte Trancetechnik) für ihre Bewusstseinserweiterung genutzt ?Aus Koketterie? Aus Dekadenz? (Dies sollen übrigens u.a. die Gründe gewesen sein, die westeuropäische Einwanderer und Missionare in Nordamerika anführten, diese Techniken zu verbieten... schon interessant irgendwie)Ich möchte damit nicht leichtfertig umgehen oder sogar damit kokettieren, das ist für mich dekadent. Eben weil ich weiß, wie kostbar dieser Zustand ist.
Hast Du nie die Erfahrung gemacht, dass Du gerade durch am eigenen Leib erfahrenes Leid und Schmerzen zu tieferen Einsichten Deines Selbst- und Weltverständnisses gekommen bist ?
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Thema: Extreme Körperkunst
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21.12.2013, 16:52
AW: Extreme Körperkunst
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21.12.2013, 17:09
AW: Extreme Körperkunst
Äh, also jetzt mal im Ernst: was hat denn das nun genau mit den hiesig bemalten und metallisierten Leuten zu tun?
Extrem-Tattooing und all das andere hier geschilderte Körperkünstliche quasi als "Methode zur Bewusstseinserweiterung" (wie bei einem Urvolk) hinzustellen - ich weiß gar nicht, ob ich da jetzt lachen oder weinen soll.
Und ja klar, KANN man durch erlittenes Leid ein tieferes Bewusstsein erlangen. MUSS man aber nicht. Für mich klingt das alles eher verzweifelt und riecht nach Kultisierung einer bestimmten "Ausdrucksform".
Nach einem Versuch von Individualisierung der Träger, die aber nur bestimmte (positive) Assoziationen zulassen will.
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21.12.2013, 17:21
AW: Extreme Körperkunst
Naja...warum nennt man ästhetische Verstümmelung des eigenen Körpers denn KörperKUNST?
Jeder Mensch, der sich auf Grund von Spannungen selbst ritzt, wird als "SSV = selbstverletzendes Verhalten" angesehen und da ist es eine Krankheit.
Wobei man da doch auch sagen könnte, es ist eine Befreiung, sich selbst zu ritzen (der Spannungsabbau und die einsetzende Erleichterung wird von Betroffenen auch sehr deutlich beschrieben).
Aber sobald Farbe und ein paar "Argumente" ins Spiel kommen, ist es dann Kunst?
Ehrlich, ich versteh es nicht.
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21.12.2013, 18:25
AW: Extreme Körperkunst
Bewusstseinserweiterung? Ha!
Sorry, aber das ist nun etwas, das ich absolut in Frage stellen muss: Irreguläre Zustände im Hirn als Bewusstseinserweiterung, Erleuchtung, Prophetie, Verkündigung oder sonstigen Schmarren zu verkaufen. Das sind schlicht mehr oder weniger harsche Störungen im Betriebsablauf - ob nun willentlich herbeigeführt oder "über einen gekommen".
Ja, leider, das funktioniert auch heute noch, als "Gesundheit" oder als "Neuro-Enhancement" verkauft - siehe die Yuppi-Droge Prozac et al.
"Ein Versprechen, das fast religiöse Dimensionen hat..." (Zitat aus dem Film) Das genau ist das Problem: "Wer leichter glaubt, wird schwerer klug" (ein Buchtitel von Martin Urban). Da stellt sich die Frage "Warum der Mensch glaubt", "Wie der Mensch sich orientiert" und "Wie die Welt im Kopf entsteht". Davon wenigstens ein bisschen eine Vorstellung zu haben, ist wirkliches "Neuro-Enhancement".
Leandra schrieb "Wir leben im 21. Jahrhundert..." (wenn auch anders gemeint) - ja und? Was nützt es, wenn wir immer noch glauben, was und weil's bequem ist? Und: Wem nützt es am meisten? Ist doch wohl klar: Den Verkündern. Wie in allen Jahrhunderten davor.
Ach?
Drum!Va', pensiero, sull'ali dorate... G. Verdi - Nabucco
Es gibt kein richtiges Leben im falschen. T. Adorno - Minima Moralia
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21.12.2013, 18:38Inaktiver User
AW: Extreme Körperkunst
Geh doch du mit gutem Beispiel voran und lass deine Schublädchen einfach zu - es reicht zu lesen was ich schreibe. Ich weiß, dass vieles möglich ist, und daher ordne ich einen Anzugträger nicht einfach in die Biedermann-Kiste ein.
Dazu muss man nicht hellsehen können, sondern nur mehr sehen wollen als die Oberfläche.
Darüber sprachen wir ja gerade, dass es mehr gibt als diese, und manch einer andere Inhalte hat als die ausdauernde Beschäftigung mit seiner äußeren ErscheinungGeändert von Inaktiver User (21.12.2013 um 18:45 Uhr)
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21.12.2013, 18:52Inaktiver User
AW: Extreme Körperkunst
Allerdings. Das nennt sich Leben. Und wer das nicht spürt, wer sich das mit dem Holzhammer vorsätzlich geben muss um überhaupt was zu empfinden, der hat in meinen Augen zumindest eine Wahrnehmungsproblematik.Hast Du nie die Erfahrung gemacht, dass Du gerade durch am eigenen Leib erfahrenes Leid und Schmerzen zu tieferen Einsichten Deines Selbst- und Weltverständnisses gekommen bist ?
Wer nicht zustimmt hat nicht verstanden und wer nicht begeistert ist wertet ab. Na dann tausch dich aus mit wem du willst . mit mir auf dieser Basis sicher nicht.
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21.12.2013, 20:23
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21.12.2013, 21:30
AW: Extreme Körperkunst
Ich finde die meisten Tatoo´s und Piercings nicht ästhetisch,
aber tolerierbar.
Was ich nicht begreifen kann:
Es gibt Leute, die sich derart entstellen (z.B. künstliche Narbenmuster, Hörnchen auf der Stirn),
daß man richtig erschrickt bei dem Anblick.
Und das wird doch sicher von demjenigen bermerkt, daß andere Leute erschrecken.
DAS ist mir zuviel des Guten, das kann ich nicht mehr tolerieren.
Das ist für mich nicht mehr nur Lust am Provozieren, sondern auch Lust daran,
daß andere sich, wenn auch nur kurz, fürchten.
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21.12.2013, 22:02
AW: Extreme Körperkunst
Puuuh, was ein Thema

Meinem Empfinden nach kann jeder tun und lassen was er will-das mal als Erstes.
Ich merke für mich:
* dass ich dezentes Tätowieren je nachdem bei wem schön finde(n kann).
* mir wirklich körperlich schlecht wird, wenn ich extrem auffällig tätowierte oder aber gepiercte Menschen sehe
* ich körperlich unmittelbar Angst vor diesen Menschen bekomme
* ich mich hier allein durchs Lesen körperlich total unwohl fühle
* ich egal (in welchem Lebensabschnitt) immer schon Freunde hatte, die ziemlich Schlimmes im Leben hinter sich haben
* aber keiner davon tätowiert oder gepierct ist
* ich das jetzt nach Lesen des Stranges schon fast erstaunlich findeEs wird Zeit für eine neue Signatur
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21.12.2013, 22:05



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