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  1. Inaktiver User

    ich will - ich möchte

    Ich habe gerade eine längere Zugfahrt hinter mir, im Abteil saß eine Frau mit einem ca. 5-jährigem Kind. Des Öfteren begann das Kind einen Satz mit: "Mama, ich will....". Die Mutter begann daraufhin, dem Kind ins Wort zu fallen und sagte: "Das heißt, ich möchte bitte." (Mir geht es jetzt hier nicht um ins Wort fallen.)

    Mir kamen folgende Gedanken: Warum werden Kinder so erzogen, dass sie keinen eigenen Willen haben dürfen? Muss der Wille in ein weiches "ich möchte bitte" verpackt werden? Wenn ja, warum? Es wird ja oft in Familien so vorgelebt, dass ganz bewusst "ich möchte", statt "ich will" gesagt wird. Warum also sagen dann Kleinkinder meistens "ich will". Ist der Wille eines Menschen so etwas wie ein Uristinkt? Warum ist die Redewendung "ich will" so verpönt? Wie ist das in anderen Sprachen, Kulturkreisen?

    Wenn man als Kind so aufwächst, womöglich von Natur aus noch schüchtern ist, hat man dann nicht automatisch (später) Probleme in jeglicher Beziehung, gerade in Liebesbeziehungen? Weil man eben nicht für seinen Willen selbstbewusst einstehen kann.

    Und das nicht Ausdrücken des eigenen Willen setzt sich fort ins Alter, im eventuellen Kranksein. Für mich schließt sich der Kreis bei der Vorsorge, wenn es um die eigene Hilfsbedürftigkeit geht geht. Bei meinen Großeltern und meinen Eltern stand/steht über dem Testament "Mein letzter Wille". Darf man nur Willen äußern wenns ums sterben geht?

    Wie seht Ihr das?

  2. Inaktiver User

    AW: ich will - ich möchte

    "Ich will" ist nicht verkehrt - aber ein "ich will von Dir" gilt allgemein nicht nur als unhöflich, sondern führt auch häufig nicht zum Ziel. Ich denke, Eltern wollen ihre Kinder dazu erziehen, nicht ständig zu fordern und nicht nur sich selbst zu sehen (was in der frühkindlichen Entwicklungsphase ja erst mal Normalzustand ist). Extrembeispiel: Kind, das sich vor der Supermarktkasse schreiend auf den Boden wirft: "Ich will ein Eis!"

    Dagegen steht das positive "Ich will und werde", mit dem man später durch's Leben geht. Im Idealfall. Und trotzdem die Welt noch im Blick behält. Wobei ich auch da ein "ich wünsche mir" / "ich möchte" nicht verkehrt finde.

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    AW: ich will - ich möchte

    hallihallo,

    ich verstehe dein anliegen und stimme dir grundsätzlich zu,
    aber: ich bin ein kind von sehr starkem willen. und ich kann die situationen nicht mehr zählen, in denen ich mit vorgesetzten aneinander geriet, weil ich "wollte" anstatt zu "möchten". c'est le ton qui fait la musique... musste ich lernen, bzw. lerne noch.

    ich würde insofern für einen mittelweg plädieren, wenn die kids alt genug sind... und ihnen erklären, dass sie mit einem konfrontativen "ich will (aber)" ihren willen wesentlich seltener durchzusetzen in der lage sind, als mit einem "ich würde gern", "ich möchte" oder mit dem sachlichen zerreden der argumente des anderen...

    ist aber sicherlich eine altersfrage.

    grüße von
    der ratte

    sin, unsere posts haben sich überschnitten... aber ich glaube, wir sind einer meinung :-)
    ich bin schrecklich inkonsequent - aber nicht immer

    tippfehler gibts von mobile devices gratis. wer sie findet, darf sie behalten.

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    AW: ich will - ich möchte

    Ich bin auch sins Meinung.
    Ein "Ich möchte" ist etwas anderes als ein "Ich will. Und zwar von dir/von sonstwem!". Besser man lernt es jung.

    Abschreckendes Beispiel für mich war meine Ex-Schwägerin. (Ist das OT?)
    Zu jeder Gelegenheit "Ich WILL aber keinen Pflaumenkuchen, sondern Kirsch...!" *tröööt* . "ICH will jetzt aber da-und-dahin gehen...!" *trööööt* (in einer Gruppe geäußert). Dazu müßt ihr euch den nörgeligen und auch lautstarken Ton einer fünfjährigen vorstellen. Die kurz vor dem sich-hinwerfen steht.
    Grau-en-voll. Insgesamt eine "Alle mal herhören! Es hat nach meinem Willen zu gehen, klar!"-Aufführung.

    Seitdem bemühe ich mich besonders, "ich möchte" zu sagen und bin dermaßen getriggert/angefaßt, wenn jemand "ich will...bei dir vorbeikommen...blabla..." sagt.

    LG Karla
    The original Karla
    est. 2006


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    AW: ich will - ich möchte

    Zitat Zitat von Karla48 Beitrag anzeigen
    Seitdem bemühe ich mich besonders, "ich möchte" zu sagen und bin dermaßen getriggert/angefaßt, wenn jemand "ich will...bei dir vorbeikommen...blabla..." sagt.
    In dem Kontext, den du beschreibst, sehe ich das absolut genauso.

    Wo es mir dann aber zu weichgespült höflich wird, ist bei folgender Szene, kürzlich mitangehört: Ein Paar streitet sich, er wird immer lauter, unsachlicher und für meinen Begriff verletzender. Sie antwortet mit einem zaghaften "ich möchte nicht, dass du mich so anschreist".

    Nee, ich dem Fall bin ich definitiv der Meinung, dass jegliche Höflichkeits-Floskelei unangebracht ist. In dem Fall will ich bzw. verlange ich, dass er mich respektiert = nicht anschreit!

    Das war für mich ein Beispiel für fehlgeleitete Höflichkeit, denn "möchte" lässt dem anderen für meine Definition immer noch eine Handlungsspielraum im Sinne von "ich habe einen Wunsch geäußert". Wenn mich einer anschreit, äußere ich aber keinen Wunsch, sondern zeige ihm verbal, wo meine Grenze ist. Und das tue ich mit dem Wort "wollen".

  6. Inaktiver User

    AW: ich will - ich möchte

    Ich stelle mir eben vor,wie es tönt wenn die Verkäuferin mich fragt:"was wollen sie"?
    Wenn meine Kinder meinten:"ich will".... hab ich erst gefragt:wie bitte-dann konnten sie umformulieren: "ich möchte/hätte gern".
    Ich sehe kein Problem darin,nicht zu "wollen" sondern "gerne haben" und ja,es ist immer wieder der Ton der die Musik macht

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    AW: ich will - ich möchte

    Zitat Zitat von Marga3 Beitrag anzeigen
    Sie antwortet mit einem zaghaften "ich möchte nicht, dass du mich so anschreist".
    "Hör auf, mich anzuschreien." Würde ich sagen.

    Grundsätzlich finde ich nicht, dass "Ich will" etwas mit Willensstärke zu tun hat. Im Gegenteil. Ein "Ich will" löst nichts aus, zieht nichts nach sich. Es steht einfach nur im Raum und verpufft. Ich vermeide das.

    Wenn ich etwas haben oder erreichen möchte, formuliere ich konkreter. Im Fall von "Ich will in einem Jahr Abteilungsleiterin sein" würde ich stattdessen formulieren: "Ich WERDE in einem Jahr Abteilungsleiterin sein. Das habe ich mir vorgenommen." Oder "Mein Plan ist, in einem Jahr Abteilungsleiterin... usw."

    Das ist viel zielorientierter und lenkt die Gedanken und Taten unbewusst auf einen viel konkreteren Plan.

    Wollen kann ja jeder. Im Tun liegt dann die Kunst ;-)
    Garstige Bratkartoffeln! (Gollum)

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    AW: ich will - ich möchte

    Ich sehe das auch so wie ihr.
    The original Karla
    est. 2006


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