Was ist wichtiger - lieben oder geliebt werden?
Diese Frage kam neulich in einem Gespräch auf.
Meine Ansicht dazu ist, dass die Fragestellung eigentlich schon im Ansatz unsinnig ist, da das eine doch das andere bedingt. Oder wie seht ihr das?
Habe ich die Fähigkeit zur Liebe nicht, kann ich mich selbst auch nicht annehmen.
Menschen, die sich selbst nicht annehmen können, können dies bei anderen auch schlecht. Zudem solche Menschen dazu neigen, in einer Beziehung aus ihrer Selbstunsicherheit recht schnell eifersüchtig zu werden, selbst wenn kein Anlass besteh.
Womit sie den anderen regelrecht terrorisieren können... und damit im wahrsten Sinne des Wortes auf Dauer nicht auf viel Gegenliebe stoßen. Sie unterstellen ja dem anderen, man könne ihm nicht vertrauen, wobei aber eigentlich das Vertrauen in sich selbst fehlt.
Zudem reagieren sie viel empfindlicher auf allgemeine Aussagen, immer auf der Suche nach Bestätigung, dass der andere sie nicht genug respektiere oder liebe. Was letztlich unnötig zu Streit führt, wo keiner sein müsste. Das überfordert dann doch irgendwann den gutmütigsten Partner.
Und wendet der sich letztlich ab, haben sie die Bestätigung, dass sie nicht liebenswert sind.
Auch ein Mensch, der unter Liebe 'Selbstaufgabe' versteht, dass Liebe immer geduldig sein müsse, es bedeute, alles zu verzeihen, ist meiner Meinung nach auch falsch verstandene Liebe.
Denn hier respektiert man seine eigenen Grenzen nicht und zeigt sich selbst gegenüber zu wenig Liebe.
Die meisten Menschen sind doch enttäuscht und werden irgendwann verbittert, wenn sie für das, was sie alles opfern, wenn sie zurückstecken und sich selbst verleugnen, nicht den angemessenen Ausgleich finden, soll heißen, sie erwarten sich vom Partner, dass der sie ob ihrer Selbstlosigkeit noch mehr lieben.
Das funktioniert aber nicht, weil Liebe kein Geschäft ist, wo ich einzahle und dann ein Recht auf angemessene Entschädigung habe.
Vielmehr spürt der Partner auch die Erpressungsabsicht hinter der vermeintlichen Selbstlosigkeit.
Ich meine damit jetzt nicht normales Geben und Nehmen in einer Beziehung, wie: hör ich dir zu, hörst du mir zu... Oder: kraul ich dir den Nacken, machst du uns nachher ein schönes Essen.
Auch brauchen Partner, die sich selbst nicht annehmen/lieben können, mehr Anerkennung und Lob, mehr Zuwendung. Auch das kann irgendwann zum Konfliktpotential werden.
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Ergebnis 1 bis 3 von 3
Thema: Lieben oder geliebt werden?
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04.12.2013, 12:38Inaktiver User
Lieben oder geliebt werden?
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05.12.2013, 22:28
AW: Lieben oder geliebt werden?
Die Frage ist alles andere als unsinnig. Du kannst lieben, ohne geliebt zu werden.
Erfüllender ist: Lieben. Doch wenn es unerwidert bleibt, aus welchen Gründen auch immer, wirst du nur darin aufgehen, wenn du dir selbst deiner sicher bist.
Diese Meinung wird Widerspruch erzeugen. Sie entsteht allerdings nur mit ganz viel Lebenserfahrung und der (buddhistischen) Akzeptanz von Einsamkeit in ihrem positiven Sinn. Doch wenn es dazu kommt - ein gutes Gefühl!
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06.12.2013, 13:30Inaktiver User
AW: Lieben oder geliebt werden?
Ich glaube schon, dass beides miteinander verknüpft ist.
Echte Liebe ist für mich bedingungslos, kompromisslos. Ohne Wenn und Aber. Und zwar betrifft das m.M. nach alle Arten von Liebe, also die partnerschaftliche, freundschaftliche und auch familiäre.
Ich liebe meinen Partner nicht, obwohl er so ist wie er ist, mit all seinen Schwächen, sondern weil er so ist.
Auch meine Eltern liebe ich bedingungslos. Sie sind teilweise (für Außenstehende zumindest) etwas schrullig und speziell, ich finde nicht alles gut was sie machen und wie sie es machen, aber ich liebe sie.
Das heißt nicht, dass man alles hinnehmen und damit leben muss. Es kann sein, dass man jmd. aufrichtig liebt, trotzdem aber nicht mit ihm zusammenleben kann. Das gibt es zwischen Paaren, aber auch zwischen Eltern und Kindern.
Geliebt werden finde ich aber auch ungemein wichtig. Wenn man weiß, egal was man anstellt, es gibt Menschen, die stehen bedingungslos zu mir. Vor allem in schwierigen Situationen tut das gut.
Ich finde es schwer zu beurteilen, was nun wichtiger ist. Möglicherweise ist beides gleich wichtig.


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