Hallo zusammen,
mich beschäftigt seit ein paar Tagen ein bestimmtes Thema. Und zwar geht es um Menschen, die neben ihrem Beruf noch tausend Sachen nebenher machen. Ich meine jetzt nicht, dass man noch 3 mal die Woche zum Sport geht und vielleicht mal nen Sprachkurs dazu oder das Stricken zuhause auf der Couch. Oder den rüstigen Rentner, der noch ordentlich den Heimatverein unterstützt und seinen großen Nutzgarten bewirtschaftet und den enkel zum fußball bringt.
Ich frage mich, was Menschen dazu bewegt, neben dem (Vollzeit)Job und eigenem Hausstand noch nebenbei zu verdienen (auch wenn nicht zur existenzsicherung erforderlich), dann z.B. noch ein aktives Ehrenamt mit häufiger Anwesenheitspflicht und auch körperlicher Belastung bekleidet. Dann noch in mehreren Vereinen (auch in Vorstandsfunktionen) sein "Unwesen treibt". Also nicht nur Veranstaltungen, an denen man teilnimmt, sondern sie aktiv (mit) vorbereitet, Verantwortung trägt und Ansprechpartner ist.
Ich verstehe, dass ein Ehrenamt sicher eine erfüllende Tätigkeit sein kann. Und einem Verein tritt man in der Regel ja auch nur bei, wenn man Interesse an dem Thema hat.
Aber bei solchen Massen an Verpflichtungen würde ich persönlich ersticken und dem wahrscheinlich allem gar nicht so gerecht werden können, wie ich es vielleicht gerne würde.
Und dann kommt da noch der körperliche Aspekt hinzu. Wo bleibt die Erholung, wenn ich mein Wochenende auf diverse Institutionen aufteilen muss oder vorallem jetzt in der (besinnlichen) vorweihnachtszeit tausend und 1 Weihnachtsfeier absolvieren muss.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in solch einem Umfang noch so wahnsinnig viel spaß macht.
Kennt oder seid ihr so aktive Menschen, die das zum Leben brauchen und darin aufgehen?
Oder denkt ihr, dass hier eher ein verkapptes Helfersyndrom oder "Ich will um jeden Preis gebraucht werden" dahinter steckt?
ich sehe das gerade in meinem umfeld und bin irgendwie besorgt. Wofür das ganze, wenn man jede freie minute, die man hat, schlafend verbringt oder zum essen und waschen nutzt. mal krass formuliert.
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03.12.2013, 20:55
Vereine, Ehrenämter, Hobbies - alles auf einmal?
Nichts wahrhaft Gutes war jemals einfach
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03.12.2013, 21:27
AW: Vereine, Ehrenämter, Hobbies - alles auf einmal?
Ich glaube, wer sich im Beruf nicht ausleben kann (und im anschließenden Privatleben), der tut es halt in Vereinen usw.
"Wichtig" sein wollen kann ein Punkt sein.
Etwas entscheiden zu dürfen, kann ein Punkt sein.
Etwas in einem bestimmten Bereich "bewegen" zu können, wenn man es schon beruflich nicht kann.
Als Mensch wahrgenommen zu werden kann ein Punkt sein (in vielen Jobs ist das nicht so).
Und so weiter.
Man kann das nicht verallgemeinern.
Erholung ist sicherlich nicht die Priorität bei so einem Menschen. Sondern das sich-ausleben.The original Karla
est. 2006











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03.12.2013, 21:41
AW: Vereine, Ehrenämter, Hobbies - alles auf einmal?
hallo karla,
das was du schreibst, leuchtet mir ein. ich kenne zwar pahsen aus dem berufsleben, in denen ich nicht ausgelastet (und schon gar nicht "ausgelebt") war. ich selbst wäre nur nie auf die idee gekommen mich mit anderen verpflichtungen "zuzuballern". ich hab mich dann halt beruflich umorientiert.
du schreibst, erholung ist nicht priorität. aber verausgabt man sich nicht in erster linie um danach zur ruhe kommen zu können? oder gar befriedigung zu erreichen und dann auf sein werk zu blicken und zu sagen: jawoll und jetzt gucke ich nen netten film oder setze mich mit nem schönen glas wein aufs sofa oder was auch immer mein belohnungszentrum anspricht?
klar, kein mensch ist immer so reflektiert und ausgeglichen, dass das immer so ist. ich kann auch mal in blinden aktionismus verfallen und hab dann eine unbändige energie und wende diese auf. aber irgendwann kommt man doch an den punkt, wo man sagt: gut, die stressige zeit war nicht übel, hat mich vielleicht abgelenkt (von was auch immer) und jetzt brauch ich mal vier wochen ne regelmäßige mahlzeit, genug schlaf etc. allein ständig erreichbar oder gar auf abruf zu stehen (je nach Tätigkeiten) lässt einen ja schon ständig unter strom stehen.Nichts wahrhaft Gutes war jemals einfach
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04.12.2013, 08:47
AW: Vereine, Ehrenämter, Hobbies - alles auf einmal?
Mir geht es da ähnlich wie dir. Ich freue mich auf "Feierabend!".

Anderen geht es eben anders - für die ist das "Tun" das wichtigste.
Sie tun es nicht für die Erholung. Sondern für ihr Ziel. Welches auch immer.
Ehrlich gesagt habe ich noch nie etwas getan, für die Erholung im Anschluß. An der Stelle verstehe ich nicht recht, wie du das meinst.
Manch einer ballert sich bestimmt auch mit Terminen zu, um nicht nachdenken zu können/müssen...also eine Art Flucht. Aktionismus.
Aber es gibt auch Menschen, die für ihr Ziel (sei es Tierschutz, sei es Amnesty, oder...oder...) so brennen, dass sie sich selbst in den Hintergrund stellen. So Mutter-Theresa-artig.The original Karla
est. 2006











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04.12.2013, 08:55Inaktiver User
AW: Vereine, Ehrenämter, Hobbies - alles auf einmal?
besorgt? warum bist du besorgt?
ich kenne auch so menschen. aber sie werden schon ihre gründe haben, warum sie so handeln wie sie handeln.
dazu müsste man jeden einzelnen menschen der so agiert fragen.
ja, manche haben sicher ein helfersyndrom. manche möchten gebraucht werden.
jeder so wie er mag. solange sie glücklich damit sind, ist doch alles in ordnung.
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04.12.2013, 14:39
AW: Vereine, Ehrenämter, Hobbies - alles auf einmal?
hallihallo,
ich denke zweierlei:
1. das ist jeweils sache des einzelnen. ist so einer mein/e partner/in, muss sich der/diejenige möglicherweise von mir nachfragen und nörgeleien gefallen lassen, weil zu wenig gemeinsame zeit vorhanden ist. alles andere: not my cup of tea.
2. man kann da schnell reinrutschen, je nach sozialem umfeld. als jugendliche/r immer handball gespielt? und eishockey? das über ausbildung/studium hinaus auch als erwachsener weiterbetrieben? da wird man schnell gefragt, ob man nicht ein vereinsamt übernehmen will. dann ist der mensch vielleicht noch politisch interessiert und hat sich als wortgewandt herausgestellt... man wird gefragt, ob man nicht für den stadtrat kandidieren möchte. und wir dann eben gewählt. wenn man dann noch, als mann, seinen ersatzdienst bei der feuerwehr/dem thw gemacht hat... tja. so schnell kanns gehen. völlig jenseits von geltungsbedürfnis...
lg von
der ratteich bin schrecklich inkonsequent - aber nicht immer
tippfehler gibts von mobile devices gratis. wer sie findet, darf sie behalten.
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04.12.2013, 20:42
AW: Vereine, Ehrenämter, Hobbies - alles auf einmal?
ja, ihr habt recht. die möglichkeiten sind vielfältig. aber ich war irgendwie im ersten moment nur drauf gekommen, dass das nur alles als ablenkungsmanöver dient und bestenfalls noch als "schön gebraucht zu werden".
bei den meisten ist es wohl eine bunte mischung an "gründen". und wenn ich so drüber nachdenke, würde man der person in meinem umfeld, an der mir das in letzter zeit so krass aufgefallen ist, diese aufgaben nehmen, würde man ihr keinen gefallen tun. sie würde sich nicht darüber freuen auch mal nichts tun zu dürfen.Nichts wahrhaft Gutes war jemals einfach
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04.12.2013, 21:30
AW: Vereine, Ehrenämter, Hobbies - alles auf einmal?
Hallo delusion,
ein Freund von mir ist auch so einer. Mehrere Vereine, z.T. mit Ämtern, die Zeit fressen, bis vor kurzem noch ein samstäglicher Nebenjob (den er aber immer eher als Hobby bezeichnet hat), eine große Familie und noch lange Fahrtzeiten zur Arbeit. Ich würde wohl bei seinem Pensum nach einer Woche tot zusammenbrechen. Aber er braucht das, glaube ich, so. Er lebt dabei auf, zieht Freude, Energie daraus.
Ich hab mal in einem Buch über Introvertierte gelesen, dass Extrovertierte Menschen aus vielen Sozialkontakten, viel Action Energie ziehen, während sie introvertierten Menschen Energie rauben. Und ich glaube, da ist schon was dran. Ich halte es eher mit Glenn Gould, der mal sagte, für jede Stunde unter Menschen bräuchte er mindestens eine Stunde für sich allein. Ich tanke eher auf, wenn ich für mich bin, wobei es auch Menschen oder Aktivitäten gibt, die mir Energie geben. Aber nicht zu viele und nicht zu oft.
Ich sehe es eher als problematisch an, dass ein voller Terminkalender, viele Hobbies und Aktivitäten gesellschaftlich positiv besetzt sind, während ein eher leerer Terminkalender Fragen aufwirft: was stimmt nicht mit demjenigen? Ein stressiges Berufs- und Privatleben ist gesellschaftlich anerkannter als ein Leben, das viel unverplante Freizeit beinhaltet. Ich komme mir schon manchmal komisch vor, wenn ich bei einer Terminfindungsaktion sagen kann, ich kann dann und dann und dann und dann eigentlich auch, während alle anderen von fünf oder sechs Termin allenfalls einen mit viel Hängen und Würgen möglich machen können.
Aber letztlich muss jeder auf seine Art glücklich werden. Jede Bewertung führt doch zu nix.
Gruß,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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04.12.2013, 21:42
AW: Vereine, Ehrenämter, Hobbies - alles auf einmal?
Wirklich? Das ist ja interessant! Das würde ja bedeuten, dass die sich bei dem ganzen Stress erholen würden.
Mich ermüdet das total.
Ich habe ja die Theorie, dass die verfügbare Energie der Menschen einfach unterschiedlich ist. Mein Freund und ich sind immer am glücklichsten, wenn wir ein Nickerchen machen können, wenn er von der Arbeit kommt. Danach kann es dann auch mit Hobbys weitergehen. Aber erst eine Runde schlafen.
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04.12.2013, 21:46Inaktiver User
AW: Vereine, Ehrenämter, Hobbies - alles auf einmal?
Mein Vater ist auch so einer.
Er ist in der Kirchengemeinde sehr aktiv, ist im Pfarrgemeinderat und 1. Vorsitzende bei einer Kolpingsfamilie. Neben den ganzen Pflichtveranstaltungen (Sitzungen, Jahresversammlung etc.) und Veranstaltungen bringt er sich immer wieder bei freiwilligen Aktionen ein, z.B. hat er letztes WE mit drei anderen das Gemeindehaus neu gestrichen. Oder er zimmert einen Präsentationsstand für den Kirchentag, organisiert Ausflüge etc.
Er macht das, weil er der Meinung ist, Gemeinschaft kann nur funktionieren, wenn jeder sich einbringt und mitgestaltet. In der Gemeinde hat er auch private Freundschaften geknüpft und diese Gemeinschaft tut ihm einfach gut.
Auch im Taubenzuchtverein ist er aktiv, er ist u.a. Schriftführer und macht die Öffentlichkeitsarbeit für den Verein. Das macht er, weil es seine Leidenschaft, sein Hobby ist.
Nebenbei ist er auch noch berufstätig (62 Jahre alt). Er arbeitet in Schichtarbeit, hat meist mehr als 180 Stunden im Monat zu arbeiten (täglich von 14 - 23 Uhr, am Wochenende 12 Std. täglich). Zwischendurch hat er mal 2-3 Tage frei.


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